Der Preis, die Kunst und das Leben

Kunstpreise haben ja im Kern einen doppelten Zweck: Sie sollen meistens ein Signal setzen und die Kultur fördern.
Beide Zwecke haben aber ihre Tücken. 

Die Welt ist mit Signalen überfrachtet. Immer und überall werden immer wieder Signale gesetzt. Kaum ein Öffentlichkeitsmedium verzichtet nur für eine kurze Zeit darauf, die Floskel des Signalsetzens zu vermeiden. Strenggenommen wollen wir ja keine Signale und sind der Signale überdrüssig. Eigentlich wollen wir das, worauf so ein Signal hindeutet. Aber was wäre so wichtig, wie die Vorbeifahrt des Königs, der mit Signalinstrumenten angekündigt wird? Ich meine eben, die Signale nehmen überhand, während die Ereignisse meist unauffindbar sind, denen so ein Signal vorausgegangen ist und zugeordnet wird. Es ist ja meist nicht einmal ein richtiges Signal, sondern nur ein geschriebener oder gesprochener Satz, in dem ein Signal vorkommt. Und auch Kunstpreise verlieren sich oft in Begleittexten mit dem Wort Signal. Ein echtes Signal zu setzen ist mit der Kunst sehr schwer geworden, weil sie oft eingekleidet von Besserwissern daher kommt, obwohl sie sich nur nackt entfalten kann.

Die Förderung kennt man ja hauptsächlich für defizitäre Menschen, hauptsächlich in Schulen und eben bei Künstlern. Wobei der Künstler sich wohl eher als in der öffentlichen Beachtung zu fördern sieht. Dabei ist nicht ausgeschlossen, dass der Künstler sein Werk so stark visionär überhöht, dass sein Gesinnungswerk bisweilen auch als förderungswürdig in Erscheinung tritt, weil er zu wenig Gesinnungsgenossen hat. Ob so etwas die Kunst fördert, ist fraglich. Aber Förderungen durch Preise haben sich etabliert. Das liegt auch daran, dass wir uns kollektiv entschieden haben, die Kunst sehr weit zu fassen und deshalb auch keine Kriterien haben, Kunst an Kriterien festzumachen. Das ist aber auch gut so, denn sonst lohnte es nicht, über Kunst, Kunstpreise und Kunstpreisjurys zu diskutieren.

Manchmal rettet uns aber die öffentliche Diskussion. Jüngstes Beispiel ist der #NellySachsPreis der Stadt Dortmund. Er sollte in diesen Tagen – nach reiflicher Juryarbeit – an die Autorin Kamila Shamsie vergeben werden, die eine höchst umstrittene Anti-Israel-Kampagne unterstützt und sich nicht in der Gedankenwelt von Nelly-Sachs, mit Toleranz, Respekt, Versöhnung, zurecht findet. Erst nach öffentlichem Widerspruch gibt es eine ganz langsame Wende: Der Preis wird in diesem Jahr nicht an Frau Shamsie vergeben. Der beste Preis nutzt also nichts, wenn so eine Jury mit Defiziten arbeitet. Das ist ja oft genug der Fall. Denken wir nur an den Friedensnobelpreis. Jurys zu fördern oder vielleicht bereits eine Zusammenstellung so einer Jury zu fördern, würde dann doch wohl zu weit gehen.

Die beste und zugleich preiswerteste Förderung der Kultur ist die Debatte – ein gutes Signal zudem. Aber dafür kann man sich zunächst ja nichts kaufen.

Ziemlich beschissen

Wechselrahmen

Jetzt wurde aus einer Kunstausstellung in England ein Objekt des Guggenheim-Museums, New York, nämlich eine massivgoldene und funktionsfähige Toilettenschüssel, geklaut.

Weil es ob seines Materialpreises verstört, ist so etwas tatsächlich Kunst. Und so gibt der Künstler standesgemäß sein Objekt in die Welt und hütet sich davor, dem Betrachter interpretatorisch etwas in die Schüssel zu legen. – Bravo!

Aber:
Mit so einem Objekt würde auch der untalentierteste Künstler sofort Weltgeltung erlangen. Die Nachbildung ist eine rein handwerkliche Aufgabe. 

Es bleibt die Frage, wie der italienische Künstler Maurizio Cattelan an das Gold gekommen ist. Ich will die Antwort aber gar nicht wissen.

Künstlerisch etwas wertvoller wäre es allerdings, wenn man die Keramik aus Kacke modellieren würde.

Ich sage das nur, weil meine Kunstinstallation [Wechselrahmen 47] immer wieder gegen jeden Verstand als Klo bezeichnet wurde: „Guck mal Darwin, da steht ’n Klo!“

Ich gebe aber gern zu, dass mir Klofußumpuschelungen am Herz liegen.

Ai Weiwei packt die Koffer

GermanEatArt

Als großer und sensibler Künstler unserer Zeit durfte Ai Weiwei irgendwann die Drangsal in seiner chinesischen Heimat verlassen. Das gilt wohl dauerhaft. Berlin war der Zufluchtsort seiner Wahl. Immerhin gilt Berlin ja auch nicht zufällig als Metropole der Entfaltung und des innovativen Geschmacks. Aber – wie das so ist – auch in Berlin ist nicht alles gut. Und sogar auch die Entfaltung hat Widersacher. Ai Weiwei stört sich daran nicht, sondern ausdrücklich an so etwas wie konkrete Taxifahrer mit fragwürdiger Weltanschauung und übergriffigem Argumentationsgehabe und einem dazu passenden Deutschland, das ihm tatsächlich nicht offen für Innovationen vorkommt. Von Taxifahrern der beschriebenen Art gibt es sicher eine Menge, auch in Berlin. Gleichwohl ist – dies nur als Beispiel – die Spekulation mit Wohnraum das weitaus größere Problem in Berlin, wenn man denn damit konfrontiert wird. In der Lebenswelt Ai Weiweis war es nun der eine und andere Taxifahrer. Um das Wesen der Deutschen zu ergründen hätte er sicherlich auch etwas mehr Zeit und einen gehörigen Blick in die Tiefe investieren müssen. Wenn Ai Weiwei nun ankündigt, den Ort zu wechseln, dann kann man nichts dagegen sagen. Wenn er allerdings den Beweggrund ohne Blick auf die Fülle urbanen Lebens von bestimmten Taxifahrern ableitet, dann klingt das aber etwas armselig und erscheint als Lösungsversuch am falschen Objekt.

Wer hypersensibel leidet und als Lösung den Ort wechselt, der kann das machen, verfehlt aber auf Dauer ein pragmatisches Glück. Da bin ich ziemlich sicher. Oder packst du auch die Koffer?

Ai Weiwei sagt ja: „Wer sein Ziel kennt, ist kein Flüchtling mehr.“ Er zeigt uns allen deutlich, dass er als ewiger Flüchtling agiert und nicht so ganz heimatfähig sein will. Es wäre schade, wenn es nicht doch ein Geschäftsmodell für herausragende Artisten ist.

Ein Tipi beißen

Der Sandwichtoast
Das gleichschenklige, rechtwinklige Dreieck
Das Tipi
Der aus zwei Tipis konstruierte Weihnachtsbaum

Wenn ich mit meinen vier Freunden frühstücke, dann ist das immer ein Ereignis. Denn alle vier leben in ihrer Alltagswelt ohne Sandwichtoaster. Und der Sandwichtoaster hat es allen angetan. Es gibt also stets Sandwiches mit Käse und wahlweise weiteren Zutaten.

Wir haben das dekorative dreieckige Toastbrot in keinem Laden gefunden. Deshalb schneiden wir den quadratischen Toast nach der Zubereitung an der vorgezeichneten Stelle von Ecke zu Ecke in zwei Teile, also in gleichschenklige und rechtwinklige Dreiecke.

Die Essgewohnheiten haben sich so entwickelt, dass wir zunächst in den rechten Winkel beißen und uns dann geradlinig bis zur Mitte der Hypotenuse voressen. Die verbleibenden beiden Teile kann man dann so zurecht beißen, dass die 45°-Ecken  senkrecht auf dem Teller stehen können.

Dann sagen wir immer:
„Guck mal –
ich habe ein Tipi gebissen!“
–Und schon sind wir auf der Spur der Indianer.

Ich sage das nur, weil wir so stolz sind, jetzt erstmalig einen aus Tipis zusammengestellten Weihnachtsbaum konstruiert zu haben.

Über den Witz im Karneval

Was ist schon
karnevalistisches Tanzen,
ohne Mariechenwerfen?

Das Jahrhundert des Witzes überlappt sich mit dem Jahrhundert des Kindes und löst es ab.
Der Karneval ist derart expandiert und hat den Witz zudem so stark in den Vordergrund gerückt, dass das Reservoir an Witzen immer knapper wird. Das einfache Sammeln und Weitererzählen der Witze reicht schon lange nicht mehr. Professionelle Witzmanufakturen mussten her.

Früher wechselten gute Büttenredner in das komische Fach als Comedians oder Kabarettisten. Heute sind gute Büttenredner fast ausgestorben. Bestenfalls kultivieren die abtrünnigen und aufgestiegenen Humorspezialisten den alternativen Karneval als zweites Standbein, nicht jedoch den Standardkarneval. Die meisten Humorspezialisten etablieren sich als autonome Kulturschaffende an wechselnden Spielorten oder in den Medien, die mittlerweile und mit Erfolg ganze Thinktanks, also Witzfabriken, betreiben.

Der Sitzungskarneval verflacht also immer mehr und muss sich schließlich als Publikumsmagneten den einen oder anderen Berufshumoristen einkaufen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Von den eingekauften Highlights abgesehen, ist der Karneval also auch aus Mangel an Witzen verflacht. Das macht aber nichts, weil der Karneval derart volkstümlich in Erscheinung tritt, dass er keine unteren Qualitätsgrenzen vorhält und jede Kritik als karnevalsunwürdig und elitär beiseite schiebt. Karneval ist unterschiedslos für alle da. Das Privileg der Kunst – „Der Künstler darf alles!“ – gilt ja richtigerweise auch für den Karneval. Aber die Kunstkritik müsste selbstverständlich auch dazu gehören. Das tut sie aber nicht!

Als unlängst ein eingekaufter Witzerzähler namens Stelter das Dilemma der Karnevalswitze vorführte und den komplexen Doppelnamen einer bekannten Politikerin ohne Erfolgsaussicht zum Witz verarbeitete, hat tatsächlich eine couragierte Sitzungsbesucherin den Witz und seinen Erzähler entlarvt. Der Witz war schlecht und zudem übergriffig inszeniert. Stelter stellte fest, dass er ja nur Witze macht … Klar! Ohne diese Sitzungsbesucherin, wäre alles wie geplant gelaufen, also ohne Kritik.

Nur wenige Tage später ist die von ihm vorgeführte Politikerin selbst in die Bütt gegangen. So ein Politiker ist übrigens eine eher kostengünstige Variante, so eine Karnevalssitzung zu pimpen. Ganze Bataillone von Politikern warten Jahr für Jahr auf Karnevalsorden, die nicht jeder hat.

Diese Politikerin – Frau Kamp-Karrenbauer von der CDU – hat dann vorgetragen, dass das dritte Klo für die Menschen da ist, die sich nicht entscheiden können, ob sie im stehen oder im sitzen pinkeln. Das war karnevalsgerecht und es wurde gelacht. Das war aber ebenfalls auch ein schlechter Witz, der zudem übergriffig und verunglimpfend war.

Ich rate dazu, den Karneval immer nur soweit zu treiben, dass die Anbieter guter Witze auch wirklich noch mit der Produktion nachkommen. Eine Welt von Witzeschreibern wäre der blanke Horror! – Und verbrauchte Witze müssen gnadenlos in die Wiederaufbereitung.

Nabucco ist italienisch und heißt Schinken

Ich war gestern in der Oper Nabucco. Verdi, kennt man doch.

Alle kamen nur wegen des Gefangenenchors im 3. Akt. Davor hat mich vor allem beeindruckt, wie auf der Bühne aus dem Nichts alle fiesen Gefühle dieser Welt sich in kollektiven Stimmungen niederschlugen. Ich meine, man kann das ja vielleicht im Libretto nachlesen, worin die äußerst dramatische Gefühlslage begründet ist. Aber wer macht das schon? Das bei mir eigentlich sehr beliebte Regietheater machte es unmöglich, voraussetzungslos zu erkennen, dass die Oper die Babylonische Gefangenschaft zum Thema hat. Da ist dann also von diesem und jenem Gott die Rede und welcher besser ist und man fragt sich als unvorbereiteter Theaterbesucher doch schon, um welche Götter es denn da so geht. Im Bühnenbild stand auch zeitweise BAB. Hätte ich günstiger gesessen, hätte ich ja wahrscheinlich auch noch YLON gelesen und wäre von der Idee abgekommen, es ginge auch um Kölsche Tön. Babylon wäre ja ein plumper Hinweis gewesen. Jede Stadt hat ja eine Disco gleichen Namens.

Der Gefangenenchor hat erwartungsgemäß dann dafür gesorgt, dass es allen gefallen hat. Bis zum Ende nahm die Dramatik gewaltig zu und ich konnte die ganz tiefen und breiten Bühnengefühle dann auch etwas nachvollziehen. Abigaille hatte einige Probleme, die Übergänge zwischen laut und leise, hoch und tief zu modulieren, sang aber trotzdem sehr gut, wie alle anderen auch. Für meinen Geschmack war der Gefangenenchor allerdings etwas zu leise. Aber in der Gefangenschaft gebrochene Menschen singen ja auch nur notgedrungen und unperfekt.

Der Gesang war übrigens in der Sprache der Uraufführung italienisch mit deutschem Obertitel. Man konnte also mehr verstehen, als es bei der Verwendung der deutschen Sprache ohne Obertitel möglich gewesen wäre. Allerdings hat es mich gewundert, dass der spärliche und floskelige Text in derart lange Gesangspassagen umgesetzt wurde.

Ein Erlebnis war – wie oft im Theater – die Pause. Jemand überlegte laut, was Nabucco eigentlich sei. (Es ist selbstverständlich der italienische verkürzte Name des Babylonischen Königs Nebukadnezar II.) Da blieb mir, als vermeintlichem Publikumsnesthäkchen nur zu sagen: „Nabucco ist kein Frischkäse. Es ist italienisch und heißt Schinken.“

In der Theorie endet das Echo nur in der Unendlichkeit

Für den „Echo‟, einen Preis der Musikindustrie, werden grob gesagt mit 50% die Verkaufszahlen der Musiktitel berücksichtigt. An denen orientiert sich aber auch eine Jury, die die restlichen 50% ausfüllt. Dass bedeutet auch, dass die Musikindustrie meint, nichts dazu zu können, wenn nun in diesen Tagen rassistische Musik beim Bürger so beliebt ist, dass man mit den selbst gestellten Regeln daran nicht vorbei kommt. Die Musikindustrie und ihre Vasallen  halten also den heftigen Widerspruch einfach nur aus und gewinnen. Niemand verlässt den Saal, niemand gibt seinen Echo zurück, alle gaffen auf die Prämierung von Rassisten, wie bei einen Verkehrsunfall und wahren den Rahmen der Kultur einzig mit dem Konsum von Schaumwein. Es ist jämmerlich.

Wenn man sich Regeln ausdenkt, die am Gewinn ausgerichtet sind, dann ist es doch naheliegend, dass irgendwann der gute Geschmack verloren geht, der ja auch in der Lebenswelt der Produzenten nur noch selten eine wichtige Rolle spielt. Wenn die Musikindustrie gern rassistische Texte durchwinkt, allein weil sie passabel gerappt sind, dann hat das auch damit zu tun, dass sie gern ein Publikum pflegt, das alles nicht so ernst und genau nimmt und einfach nur kauft.

Damit geht es auch um das Publikum: Offenbar gehört der Rassismus so ganz alltagspraktisch zu Deutschland, wenn rassistische Musik bereits die Charts erobert. 

Wenn wir in dieser Zeit immer wieder gefragt werden, was zu Deutschland gehört, so basteln direkt alle an einer unbestreitbaren Positivliste mit der Tendenz, sie ziemlich verbindlich zu machen. Aber das ist wertlos für eine demokratische Gesellschaft, die ihre eigene Entwicklung zur Aufgabe hat. Nehmen wir doch einfach mal alles, was da ist, ohne es zunächst zu bewerten: Das ist Deutschland im Gefrierschnitt. Nun öffnen wir Türen, denken um die Ecke und ziehen Strippen zwischen all den Elementen, die sich fremd vorkommen und sich nicht verstehen. Damit öffnen wir erst die Dynamik, in der Deutschland lebt und die so gern strategisch ausgeblendet wird, weil sie ja stören kann.

Das gesellschaftliche Leben hat seinen Ausgangspunkt in der Idee von der Inklusion: Alles was da ist, findet Beachtung und entwickelt sich wechselseitig. Demgegenüber fremd ist die Idee aller Innenminister, wir integrieren die Randständigen dort hin, wo der rechnerische Normalbürger bereits ist – und bereinigen ganz einfach mal nebenbei die Vielfalt und überweisen Sie zunächst zum Überleben und zur Rechtfertigung in die Fastfoodküchen in Citylage.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Musikindustrie bald nicht mehr umhin kann, den Wind der Inklusion durch ihr Selbstverständnis wehen zu lassen. Dabei fallen dann ganz nebenbei alle rassistisch ausgerichteten Rapper durchs Raster gesellschaftlicher Bewährung. Wer seine Texte sprechen, aber nicht lesen kann und darauf beharrt, muss die Erfahrung machen, dass er irgendwie nicht gemocht wird und ein Auslaufmodell ist. Für die Musikindustrie selbst wächst der Blick auf eine praktische gesellschaftliche Verantwortung und die Reformbedürftigkeit statischer Regeln. 

Und die ganzen Echogewinner können ja ihre Preise immer noch zurück geben, wenn ihnen etwas daran liegt, in der Rassismusdebatte etwas los zu werden.

– Und gegen alle Theorie hat sich so manches Echo schon verhallt.

Christbaumständer 2.0

Wohnungen sollten verstärkt mit einem Deckenchristbaumständer und integriertem Stromanschluss ausgerüstet werden. Dadurch würde für den Vermieter der Mietwert erhöht und der Mieter könnte in der Christbaumzeit die Bewegungsflächen im Wohnzimmer erhalten, den Baum für Hunde aus der Schusslinie nehmen und insgesamt optimal gegen Weihnachtsbaumunfälle vorbeugen. In vielen überbelegten Wohnungen der Großstädte würde mit dem Deckenchristbaum die winterliche Balkonübernachtung sogar vermieden werden können.

Bundesministerin Hendricks kündigt in der Bundespressekonferenz ein entsprechendes Förderprogramm an. Es soll mit dem Leitsatz „arm gegen ärmer“ ein Zeichen gesetzt werden.

Eine neue Challenge!?

Das geht doch fast alles nur über die sozialen Medien.

Eine Fernsehmoderatorin die ich nicht kenne, hat heimlich ihre Haare zu einem vermeintlich hübsches Grau renaturiert. Sie soll Birgit Schrowange heißen. Nun bietet sich für die Fachzeitschriften zum Thema der „Schönheit Prominenter“ augenscheinlich ein Vergleich an. Mit nur zwei Portraitbildern, die vorher und nachher benannt sind, kann man sofort belegen, dass das vorher mit dem künstlichen, dunkelblonden Einerlei, einfach fies aussieht. Während das luftige Grau schon im Blick der Protagonistin reine Freude vermittelt. Nicht umsonst ist das Malen grauer Töne so eine große Kunst, dass gerade der Künstler dazu alle Farben seiner Palette benötigt. Es gibt also nichts bunteres als das Grau von Helgoland im Nebel. Die glückliche Gegenwart ist stets das Ergebnis einer Befreiung von alten Bildern, wenn man schnelllebig ausgerichtet ist. Davon lebt das benannte Pressegenre, das jeden auffordert, seine Senftöne dazu zu geben. Jeder hat schließlich irgendwo Haare. Selbst wenn er ausnahmsweise keine hat, sind die Haare sein Thema. Jede Aufmerksamkeit, jeder Klick hilft dem Medium und erhöht die Kundenbindung.

Die Stellungnahmen werden in den sozialen Medien herangefüttert, weil sich dort große Mengen ohne hohe Qualitätsansprüche am ehesten bewältigen lassen. Die Beiträge rattern nur so durch. Man muss sich um sie auch nicht kümmern, weil sie schnell im See geschriebener Worte untergehen. Es ist mühsam, sich im Grab gleichförmiger Stellungnahmen zu bewegen. Aber das Interesse, Stellung zu nehmen bleibt groß und scheint sich sogar zu verselbständigen.

Ganz selbstlos fällt mir dabei ein, dass sogar auch bei mir weniger mehr ist, wenn es um die Haare geht. Und ich kann das auch mit zwei Fotos belegen. Es war wirklich schlimm, wie ich damals ausgesehen habe.

Ich rufe eine Challenge aus und nominiere dich, dich und den da – ja, ihr seid gemeint – innerhalb einer Woche euren Challengebeitrag nach meinem Muster in meinem Facebook zu posten und eurerseits dann auch drei Kandidaten zu benennen, die selbst vielleicht noch gar nicht wissen, dass sie mal scheisse ausgesehen haben. Ich lese gerade, dass Daniela Katzenberger – die ich kenne – für sich selbst gerade ein fiktives Grau für die Zukunft, angelehnt an die Schrowangevorlage, aber durchaus eigenständig, am bevorzugten Ort der öffentlichen Beachtung platziert. Wie geil ist das denn!

Selbst die sonst oft so ernsthaft ausgerichtete Presse nimmt sich übrigens der Entfärbung ins bunte Grau an. Der Tagesspiegel bemüht sogar die Alterspyramide, um zu belegen, dass Frau Schrowange die guten Argumente fehlen. Das ist weit mehr als boulevardesk und hat mich veranlasst, wie folgt Stellung zu beziehen, weil es mich ja auch angeht:

„Optische Qualitätsurteile“ gibt es nicht. Bestenfalls gibt es Qualitätsurteile, die sich auf das Aussehen beziehen. Aber auf das Aussehen, wenn das gemeint ist, bezieht sich auch der ganze Kommentar. Es geht ja schließlich um den farblichen Anschein. Es ist etwas zwanghaft, die Alterspyramide zu bemühen, um das Grau als Einfalt der Ü-30er zu begründen. Selbst der Profientfärber hört in der Ausbildung wohl nichts über die Alterspyramide.

Zudem ist das alles nur eine Challenge, an der ich mich gern beteilige.

Laborgedanken: Ein Traum wird wahr

Erst war da der Traum: Ich fliege endlos im Naturschutzgebiet über den türkischen Präsidentenpalast und werfe von oben ebenso endlos Schlachtabfälle von Schweinen ab.

Ich brauche mich Gottzeidank dafür nicht zu entschuldigen, denn der Traum ist entgrenzt und selbst für mich außer Reichweite. Ich wohne am linken Niederrhein. Ob der Traum in der Türkei erlaubt ist, trifft mich also noch nicht existenziell.

Hermann Hesse hat ja seinerzeit gesagt, dass niemand träumt, was ihn nicht angeht. Hätte er Recht, wäre die Verantwortung für die eigenen Träume zumindest nicht ganz von der Hand zu weisen.

Und da kommt mir ein zweiter String in den Sinn: Nicht nur mich treibt die Frage, wie man den despotischen Operettensultan Erdoğan in die Welt der lebenden und verletzlichen Menschen zurückholen kann, um seine Widersacher, aber auch seine folgsamen Vasallen zu befreien. Ich zähle einmal auf, was mir dazu einfällt. Gegen Ende stellt sich eine gewisse Ratlosigkeit ein:

1 freundliches Gespräch führen
2 diplomatische Kontakte spielen lassen
3 öffentlich Tacheles reden
4 grenzüberschreitende aufklärerische Satire inszenieren
5 Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit einklagen
6 wirtschaftliche Sanktionen durchführen
7 einmarschieren (Tabuzone)

Jetzt nehme ich meinen Traum zum Anlass, einen weitern Vorschlag zu konzipieren, der bei Raketenstufe 4 angesiedelt ist.

Das Schwein (ibne) ist ja für den strengen Moslem Erdoğan der Inbegriff des fiesen, dem es auf dem Weg zu gehen gilt. Seinerseits ist das Schwein deshalb auch immer für eine Vertreibung gut. Die Vorbehalte gegen das Schwein kenne ich von einem türkischen Schiffskoch, der in der eher christlichen Seefahrt massenweise Schweine verarbeitet hat und nun in seinem Restaurant hier in der Nähe zum Ausgleich ganz bewusst auf Schweinefleisch verzichtet. Man könnte mit herabfallenden Schweinen irgendwie symbolisch, aber auch faktisch, die Vertreibung Erdoğans aus dem Paradies der 1000 Zimmer vorantreiben.

Weil ich ethische Bedenken habe, das Schwein persönlich für so etwas zu instrumentalisieren, weiche ich jetzt auf das Glücksschwein aus, das nebenbei noch signalisiert, dass es mit viel Glück nur noch besser werden kann. Ich stelle also eine Armee der Art Fremdenlegion aus Glücksschweinen auf, die dann der Waffengattung Luftlandetruppen zugehörig sind. Jedes Glücksschwein wird mit einer Botschaft – was ich Herrn Erdoğan immer mal sagen wollte – und einem niedlichen Fallschirm ausgestattet. Ich lasse mit von Kim (dä Jung) einen ausgemusterten Flugkörper schenken, weil es sich ja um eine gute Sache handelt. Dann lasse alle Glücksschweine vor der zusammengerufenen Weltpresse bei gutem Wetter über dem Präsidentenpalast abspringen. Das wird ein großes Hallo, und alle Welt weiß, dass Erdoğan dem Schwein das Wasser nicht reichen kann und als Wurst der Weltgeschichte endet. – Na, okay – das Konzept muss noch etwas im Detail ausgearbeitet werden. 

Man sieht jedenfalls schon, dass Träume nicht so ganz sinnlos sind.