Fakenews 0.9

Die seriösen Zeitungen haben allesamt ein Onlinederivat, um auf allen Kanälen mitzuspielen. Die Berichterstattung muß dabei unmittelbar erfolgen, also am besten gleichzeitig mit dem Ereignis, über das es zu berichten gilt. Denn nur der erste gewinnt, Leser, Zuschauer, Werbung und Fame und sonst noch was.

Dabei passieren dann allerdings merkwürdige Dinge. Die Rechtschreibfehler steigen rasant an. Schlechte und unbedeutende Texte überlagern das gewohnte journalistische Niveau. Zweit- und Drittverwerter kochen am Rande des Journalismus meinungsgeprägte Sonderanrichtungen.

Es wundert also nicht, wenn heute Spiegelonline zunächst meldete, das Bundesverfassungsgericht habe die NPD verboten, obwohl das Gegenteil der Fall war. Die Redaktion war merklich betroffen und will aus der Erfahrung lernen. Es ist zu bezweifeln, ob das in aller Schnelle möglich sein wird.

Das ganze Konglomerat ist also ganz schön verfakenewed, obwohl die Absicht der Irreführung noch gar nicht voll entwickelt ist.

Lack ab und OBsolet

Gestern war ich mal wieder in Oberhausen.

Ich bin dort bedingt einheimisch.

Deshalb habe ich eine überzogene Sensibilität für die Lebenswertigkeit und Liebenswürdigkeit dieser Stadt.

Ich war abends in der Luise-Albertz-Halle und habe mich mit Herbert Knebels Affentheater und ein paar Freunden amüsiert. Das Affentheater wirkte weit über den Einsatz der gitarrensaitige Massachusetts-Klemme hinaus.

Die Halle ist ein Zweckbau der 60er Jahre und wird gnadenlos als „gute Stube“ der Stadt angepriesen, obwohl sie schon bald nach der Fertigstellung zum bundesweit führenden Zuschussgeschäft dieser Art wurde. Heutzutage ist es ein Hohn, die aus der Zeit gefallene Halle als gute Stube zu bezeichnen. Aber es wird trotzdem gern gemacht. Die Vielzweckoptimierung erlaubt alles, aber nichts so richtig. Die Gemütlichkeit einer guten Stube ließ und lässt sich hier auf keinen Fall vermitteln. Man sieht es dem Haus an, dass es nicht wirtschaftlich betrieben werden kann. Man kann sich allerdings mit dem Bühnenprogramm ablenken. Ab und zu ist der große Saal also voll, während der weit überwiegende Rest des Hauses künstlich umnachtet überdauert.

Bei der Anfahrt habe ich als Anführer eines Konvois einen Fehler gemacht und das benachbarte Parkhaus angesteuert. Was in anderen Städten zum Wohl des Besuchers wirksam entschärft ist, trifft den Konzertbesucher in Oberhausen an dieser Stelle knochenhart: Um die Fahrzeuge nach der Veranstaltung auszulösen, bildete sich in Kälte und Feuchtigkeit eine dichte Menschenschlange von 80 Metern, die sich dann über eine Stunde so langsam selbst unter den Augen herumstehender Sicherheitsarbeiter abarbeitete. Ich habe so etwas anderenorts bei keinem Theater- oder Konzertbesuch erlebt. Meist sind solche Parkplätze sogar anlässlich einer Veranstaltung schrankenlos und kostenfrei, selbst dann, wenn sie ein kulturferner Eigentümer betreibt

Ja, Oberhausen, das wird wohl nichts mehr!

Dabei gibt es dort ein Publikum, das sachkundig den Humor des westlichen Ruhrgebiets nicht nur versteht, sondern selbst auch hervor bringt. Herbert Knebels Affentheater hätte in anderen Gegenden der Republik arg zu knacken. In Oberhausen ist das wohltuend anders.

Wie ich höre, muss aus Kostengründen demnächst ein AfD-Parteitag in der guten Stube veranstaltet werden.

Aber ich bin ja schon längst auf der Autobahn …

Luck up! & Glück auf!

 


Aktuelle Ergänzung:

In Oberhausen veranstaltet die AfD einen Parteitag in der Luise-Albertz-Halle.
Ein Protest gegen die AfD ist vorbereitet, aber in diesem speziellen Fall nachrangig.
Die mit der Stadtpolitik verbandelte Geschäftsführung der Halle hat einen Vertrag mit der AfD abgeschlossen! Ziel einer Protestkundgebung muß nach meinem Verständnis diese Geschäftsführung sein.
Solche Proteste gegen die AfD wirken wie eine Konfektionsware, man verzichtet auf ein passgenaues Finish.


Aktuelle Ergänzung II:

Der öffentlich Druck wirkt. Armselig ist es, dass die Geschäftsführung der Halle noch eine Arbeitsanweisung beim Hauptausschuss  bestellt, nachdem sie zuvor der AfD ein Mietangebot gemacht hat, das auch angenommen wurde. Solche Spiele sind Aufwind für die Rechtsradikalen!

Und nun offenbaren die Hallenverantwortlichen, dass sie nicht wissen, was unter dem entscheidenen juristischen Aspekt ein Vertrag ist. Es sind zwei übereinstimmende Willenserklärungen (die ja offenbar vorliegen). Ein Anspruch auf Erfüllung des Vertrags ist dann eigentlich eindeutig und kaum zu vermeiden. Ich bin gespannt!

 

Fleischtomate reverse absahnen (wenn sie wissen, was ich meine)

Man muss ja nicht jede Nebensächlichkeit zum Thema machen. Wenn der Landwirtschaftsminister Schmidt das Thema aussucht, kommt man allerdings kaum daran vorbei, sich dazu zu äußern.

Ich erinnere nur daran, als er sein Klientel mit einem Biss in den Apfel und dem einleitenden Spruch promotete: „An Apple a day, keeps the doctor away.“ Empirische Belege für diese englische Volksweisheit, blieb er zudem schuldig.

Jetzt kümmert er sich zum Wohl seines Klientels schon wieder um die Volksgesundheit. Er möchte gern durch einen gefälligen Sprachgebrauch der veganen Currywurst das Trittbrettfahren auf der fleischgewordenen Wurstwelle vergällen. Deshalb ist er bestrebt, die Sprache anzutasten, die bekanntermaßen der Gemeinschaft der Sprechenden gehört und nicht irgendeinem einzelnen Menschen. Er will beispielsweise der veganen Currywurst die „-wurst“ wegnehmen.

Und schon sehe ich mein ewiges Lieblingswort Wurstfinger in Gefahr und überall in der Republik gibt es Menschen, denen nun die wunderbarsten Dinge einfallen, die dem Minister zum Opfer fallen würden. Zum Glück ist der freie Sprachgebrauch grundrechtlich geschützt. Der Minister kann es so halten, aber bereits sein Staatssekretär kann es anders handhaben als er. Selbst Homonyme und Polyseme werden dem Minister vermutlich ein Dorn im Auge sein. Das bei Kindern so beliebte, wie lehrreiche Teekesselchenspiel ist also in Gefahr.

Harald Martenstein hat die ministeriellen Sprachwirrungen höchst amüsant in das Groteske verlängert.

Wurst und Feuerzeug ohne Hund

Insgesamt sehe ich den autonomen Bürger aber auf einem guten Weg, die Würste nicht zu verwechseln und sich auch von einer Lebensmittelampel nicht davon abbringen zu lassen, sich selbst ein Bild von der zur Unkenntlichkeit verarbeiteten Nahrung zu machen.

Nussknackersuite

Ich habe mich als Eigentümer eines mächtigen Walnussbaumes autodidaktisch als Nussknacker mit dem Schwerpunkt Walnuss qualifiziert.
Wenn ich nun die unzähligen Nussknackhilfsmittel auf dieser Welt sehe und die dazu gehörigen Nussknackertests lese, dann muss ich arrogant schmunzeln. Die meisten Werkzeuge bleiben harmlos, auch wenn man beispielsweise mit der Faust auf eine Kunststoffhalbkugel schlagen muss, unter der sich eine Nuss befindet, die auf einem Stahlteller liegt. Anders lag der Fall eines Mannes aus Anklang in China, der die Nüsse über mehrere Jahrzehnte mit einer scharfen Handgranate geknackt haben soll Ohr zu wissen, was er da machte. [•]

Deshalb sage ich euch einmal, wie man eine Walnuss optimal öffnet. Zum tieferen Verständnis ist der Vergleich mit einer Muschel sinnvoll: Man würde eine Auster niemals zertrümmern, sondern man wird die Schalenhälften mit einem geeigneten Werkzeug auseinander hebeln. Das allein garantiert einen weitestgehend unversehrten Inhalt und dessen optimale Trennung von der Schale.
So ist es auch bei der Walnuss. Sie hat an ihrem dicken oder runden Ende einen nur leicht verschlossenen Spalt. Das ist die Stelle, an der die Nuss bis zum Schluss mit der Versorgungsleitung des Baums verbunden ist.
Man nimmt einen Brieföffner oder auch einen Schraubenzieher, führt ihn in diesen Schlitz wenige Millimeter ein und dreht das Werkzeug um 90 Grad. Daraufhin trennen sich die beiden Nusshälften und die Nuss liegt frei, umgeben von wenig eingetrocknetem Gewebe, das notfalls kurz ausgehebelt werden kann, wie die Nuss auch.

Schneller als mit jeden Nussknacker öffnet ihr die Nuss, die oft ganz bleibt oder höchstens in zwei Hälften heraus geschüttelt, gezogen oder gehebelt werden kann.

Aus den Schalenhälften könnt ihr ganz wunderschöne Schiffchen basteln. Ich füge gern die Schalenhälften zu einer scheinbar unberührten Nuss zusammen, in die ich allerdings aufregende Textstücke einbringe. Ich verschenke diese Nüsse dann, aber stets mit dem Hinweis, der Beschenkte möge diese spezielle Nuss niemals im Leben öffnen.  

Wohin mit den jungen Männern aus Nordafrika, die ihr Glück auf Kosten anderer suchen oder sich direkt für Allah den Weg frei schießen?

Es ist grotesk! –

In Tunesien gibt es in diesen Tagen auf den Straßen starke Proteste der Bevölkerung gegen Terroristen und andere Gewalttäter, die nach Einsätzen bei diesem IS oder nach kriminellen Geschäften in Europa in das Land selbständig oder eben über Abschiebungen zurückströmen. Es wird von den Protestierenden verlangt, dass sie nicht mehr das Land ihrer Zugehörigkeit zurückgelassen werden.
Diese Proteste sollte man ernst nehmen. In Europa meint man ja bisher, die Länder im nördlichen Afrika würden die zögerliche Rücknahme im Rahmen der Abschiebung in einer arroganter Ausformung ihrer Autonomie verweigern. Offenbar ist es aber so, dass dort ein Reimport tausender Täter mit schlechter Sozialisationsprognose und der Zuwachs an Gewalt und Rücksichtslosigkeit vom Staat kaum bewältigt werden kann. Es reichen nicht einmal die Gefängnisse aus.
Da bleibt kurzfristig nur der Abschiebenstop und die widersinnige Idee, den „Islamischen Staat“ anzuerkennen und ihn dann als „sicheren Drittstaat“ zu markieren, um die Abschiebungen in eine neue, erfolgversprechende Richtung zu lenken.
Ernsthaft gedacht, ist es also erforderlich, nicht nur mit den betroffenen Staaten über die reibungslose Aufnahme ihrer Staatsbürger zu verhandeln, sondern mit weltpolitischer Perspektive auch noch Hilfsmittel bereit zu stellen, um mit dem betroffenen Klientel bei alledem sozialverträglich und gerecht umzugehen.

Tollstücke zum Weihnachtsmarktkomplex • #breitscheidplatz

Vorgestern hat ein Mensch mit einem Sattelschlepper einen Weihnachtsmarkt in Berlin auf brutalste Weise geschreddert, dabei  12 Menschen ermordet und 48 Menschen lebensgefährlich verletzt.

Ich habe mich in den letzten Stunden durch die Nachrichten, Kommentare und Mutmaßungen zum Anschlag gearbeitet und zu einzelnen Aspekten Stellung bezogen.

Wenn plötzlich unvorhergesehene Dinge passieren, ist der Umgang damit überhaupt nicht sortiert oder im Gewandt politischer Korrektheit so hergerichtet, dass es über die endlose Floskel vom Trauern kaum hinaus geht.

Es war mir bei allem Elend eine wichtige Aufgabe, den einen und anderes Aspekt aufzuhellen.

Breitscheidplatz • Berlin
1 Zur sich langsam entwickelnden Datenlage bei allen möglichen Katastrophen
oder
Über die prefaktische Vorbeugung gegen postfaktische Erkenntnisse

Wenn man mehr sagt, als man weiß, dann ist man unseriös.

Manchmal kann man aber 1 und 1 zusammenzählen und weiß dann doch mehr, als gesagt wird. Viele Wahrscheinlich, Mutmaßlich, Eventuell, Möglich und Nicht-mit-letzter-Sicherheit vernetzen sich in der Fuzzylogic des menschlichen Gehirns schnell zu einer Gewissheit, die man dann aber nicht ausspricht, weil man nicht unseriös in Erscheinung treten will. Dabei rettet uns gerade diese spezifisch menschliche Leistung vor ziemlich viel gefährlichem Wahnsinn.


2 Über das Beten ohne Religion

Religionen empfehlen nur bestimmte Adressaten für unsere Gebete.

Den Empfehlungen muss man nicht unbedingt Folge zu leisten.


3 Die Polizeigewerkschaften sind immer mal wieder eingeladen, sachfremd einzugreifen

Wenn die Polizei Poller vor Weihnachtsmärkten gut findet, die Polizeigewerkschaft aber nicht, dann ist die Polizeigewerkschaft fest in ihrem Zuständigkeitsspektrum geblieben. Ihre Vertreter sagen immer nur, dass sie mehr Polizisten brauchen, niemals auch etwas anderes. Das ist ihr Job, aber ich möchte das wirklich nicht mehr hören!


4 Fantasie über das Gesetz und seine Anwendung

„Den Mörder dieser entsetzlichen Tat muss die volle Härte unserer Gesetze treffen.“

Das sagt der Zentralrat der Muslime in Deutschland.

Der Rechtsstaat zeichnet sich allerdings dadurch aus, dass das Gesetz eben nicht „hart“ angewandt wird. Das Strafrecht gibt einen Rechtsrahmen vor, der mit den Mitteln des Rechts im jeweiligen Fall präzisiert wird. Die Idee von der „vollen Härte“ gründet sich auf ein angenommenes Volksempfinden, das völlig anders zustande kommt als ein Urteil im Namen des Volkes.

Ich halte solche Sätze für einen populistischen Unsinn.


5 Postfaktisches Trauern

Postfaktisch trauert man nicht. Man drückt Trauer aus.

Ich meine, dass man ohne direkte Verbindung zum Opfer weniger trauern kann, aber um so besser über Trauer reden kann.

Trauer ist zudem viel stummer als eine Schweigeminute.


6 Kanzlerinnenworte

„Ich weiß, dass es für uns alle besonders schwer zu ertragen wäre, wenn sich bestätigen würde, dass ein Mensch diese Tat begangen hat, der in Deutschland um Schutz und Asyl gebeten hat.“ Das sagt die Kanzlerin Merkel. 

Die Wirklichkeit ist, dass ankommender Flüchtlinge nur in wenigen Fällen Asyl suchen, sondern Sicherheit. Das gilt ausdrücklich auch für gebildete Flüchtlinge, die über das, was Asyl ist, Bescheid wissen könnten. Die Praxis ist, dass Flüchtlinge durch ein Verwaltungsverfahren zu Asylbewerbern werden, das ihnen eine Unterkunft und einen Lebensunterhalt als Flüchtling sichert. Was sollten sie auch sonst tun?

Die Worte der Kanzlerin sind also weit weg von der Praxis und kontrafaktisch aufgeladen mit einer gehörigen Portion Undankbarkeit.

Wenn die Kanzlerin weiter sagt: „Dies wäre besonders widerwärtig gegenüber den vielen, vielen Deutschen, die tagtäglich in der Flüchtlingshilfe engagiert sind, und gegenüber den vielen Menschen, die unseren Schutz tatsächlich brauchen und die sich um Integration in unser Land bemühen.“, dann mag ich so eine Widerwärtigkeit nicht erkennen.

 

Klick kostet Kohle

Früher war alles besser.
Das Ersparte lag unter dem Kopfkissen und es galt als unmoralisch, das Geld bei der Bank arbeiten zu lassen. Bis heute hat man uns allerdings nach und nach beigebracht, dass es überaus vernünftig sein soll, das Geld der Bank zu geben. Es soll sich dabei um eine sogenannte Winwinsituation handeln, die sowohl der Bank als auch dem Sparer Geld einbringt. Was das Geld sonst noch bewirkt, das bleibt beim einfachen Sparen auf einem Sparkonto total im Dunklen. Über viele Jahre haben sogar Lehrer im Dienst und in der Kumpanei mit den Sparkassen, den Kindern das Taschengeld abgeluchst, damit es Zinsen bringen sollte.
Mittlerweile bringt der Spargroschen nichts mehr ein, aber wir sind doch angefixt auf die Bequemlichkeit des Onlinebankings. Dazu brauchen wir uns nur mit dem Laptop auf das Kopfkissen zu setzen, unter dem der Sparstrumpf auf seine Reaktivierung wartet. Das Onlinebanking wird immer kostspieliger, weil die Bank – wie sie sagt – ja einen erheblichen Aufwand treibt, das Geld zu verwalten. Von so einem kostspieligen Aufwand war nie die Rede, als die Bank bei maximalem Gewinn noch vergleichsweise dürftige Zinsen anbot. Der Sparer gab sich damit zu Frieden. Er wechselt bis heute lieber den Lebenspartner als sie Bank. Die Banken tun freilich so, als seinen bestimmte Kernleistungen weiterhin kostenlos, um sich im Konkurrenzkampf gut zu platzieren. Sie suchen aber möglichst versteckte Ecken, um trotzdem die Spargroschen abzugreifen.
Die Sparkasse in Soest hat sich beispielsweise etwas ganz tolles ausgedacht. Wenn man sich als Kunde vom Kopfkissen aus dort einloggt, wird pro Klick ein Cent fällig, zukünftig werden es gar zwei Cent sein. Der Grund soll sein, dass jeder Klick auf der Website der Bank eine ganze Menge auslöst. Es ist so wie im Spielsalon, jeder Klick bewirkt ne Menge und am Ende ist die Kohle weg.
Früher war nicht alles besser, aber es empfiehlt sich zumindest der Gedanke an die Reaktivierung des Sparstrumpfs und die Rückkehr zu den kostenlosen Klicks.

Der Klick zum „gefällt mir“ kostet … „Klick kostet Kohle“ weiterlesen

Fixierung leicht gemacht – über eine Spielart der Freiheitsberaubung

Mich macht stutzig, dass in Kliniken und Pflegeeinrichtungen und in der Fachliteratur für diesen Bereich herumgeistert, man dürfe 24 Stunden lang einen Patienten fixieren, ohne in dieser Zeit einen Gerichtsbeschluss anzustreben.

Ich arbeite das deshalb einmal kurz ohne Rücksicht auf weitere Voraussetzungen und Bedingungen in dem Zusammenhang auf.

Wird ein Patient nach ärztlicher Anordnung im und am Bett fixiert, wird unmittelbar ein Rechtsraum betreten, der offenbar durch Mythen verklärt ist. Im Volksmund der Heil- und Pflegeberufe und in einschlägigen Publikationen heißt es stets, nach 24 Stunden müsse der für Betreuungen zuständige Richter eingeschaltet werden. Wo diese „24 Stunden” her kommen, das begründet dagegen niemand.

Die Behauptung ist also falsch, weil es dazu auch keinen Beleg gibt. Sie legitimiert lediglich Entscheidungsfreiräume, wo es eigentlich keine gibt.

Es ist nämlich so, dass stets und einzig und allein ein Richter Freiheitsberaubungen (strafbar nach § 1906 BGB) im gesetzlichen Kontext legitimieren kann (Art. 104 GG), die ohne dem also zu bestrafen wären.

Der Beschluss des Richters hat also vor einer geplanten Fixierung zu erfolgen (Richtervorbehalt). Gibt es einen Notstand, der unvorhersehbar eine Fixierung erfordert, dann ist der zuständige Richter unmittelbar einzuschalten. Unmittelbar – das könnte im Einzelfall „24 Stunden” bedeuten, in einem anderen aber sicherlich nicht. Die häufige Praxis, erst einmal 24 Stunden ohne Gericht zu operieren ist gesetzeswidrig, weil eben die unmittelbare Einschaltung des Gerichts einfach nur verschoben wird. In vielen Fällen, in denen eine Fixierung längere Zeit erwogen wird, ist es sogar durchaus möglich, wie vorgeschrieben, vorab den Gerichtsbeschluss zu erwirken. Das wäre auch der rechtlich vorgegebene Regelfall.

Die Rechtsbeugung, die die 24-Stunden-Regel in der naiven Praxisanwendung provoziert, mag häufig irgendwie alltagstauglich (oder besser: wirtschaftlich) sein und praktisch keine strafrechtlichen Folgen haben.

Freiheitsberaubung ist allerdings auch ein Straftatbestand der Menschen treffen kann, die es eigentlich nur gut meinen.