Kinder der christlichen Seefahrt

Ich erinnere mich an die Zeit, als die Handelsflotten Liberias und Panamas die Welt beherrschten. Ich habe das bereits zu einer Zeit mitbekommen, als die Eltern noch Freddy Quinn hörten und mein Lehrer mit einem untermotorisiertenen Moped und einer passenden Ledermütze zur Schule fuhr. Es hieß dann, da habe der eine oder andere Reeder ausgeflaggt, weil ihm die Steuern zu hoch und das Personal zu teuer waren. Man konnte angeblich auf den Weltmeeren und in den meist exotischen Häfen nichts dagegen unternehmen. Das war wie mit der Braut, von denen der Seemann bekanntlich in jedem Hafen eine hat. Die Braut im Heimathafen hat das wohl nie kommentiert.

Es war absehbar, dass die Reeder nur Vorreiter für andere Bestimmer im Wirtschaftszirkus waren, die das Schiff zur Bank auf einer Insel machen und dort auch gleich das Geld zu besten Konditionen lagern würden.

Es wird weiterhin die Geschichte verbreitet, dass man nichts gegen international vagabundierendes Geld machen kann. Dabei ist das weltweite Business bestens geregelt, damit es ohne Reibungsverluste funktioniert. Es spricht nichts dagegen, die Geldverstecke in das soziale, gemeinnützige Leben zurück zu holen. Man muss die internationalen Regeln des Wirtschaftens nur geringfügig ergänzen.

Picknick im Wandelgang

One man one vote ist die Grundregel der repräsentativen Demokratie. Was der Einzelne will, spiegelt sich idealerweise in Parteien, die die Auseinandersetzung darüber befeuern und möglicherweise in Parlamenten daran arbeiten, den Volkswillen zur praktischen Politik werden zu lassen.

Wenn nun einzelne Bürger – die ja ganz nebenbei auch das Wahlrecht nutzen – daran vorbei im Auftrag wirtschaftlicher Unternehmen als Lobbyisten ihre Argumente zur Geldvermehrung noch einmal den Abgeordneten flüstern, dann konkurrieren sie unfair mit dem Wahlvolk. Wenn man merkt, dass der Wandel in der Industrie – besonders in den Bereichen Automobilität und Umwelt – bis zur Unwirksamkeit abgebremst wird, dann wird deutlich, dass wenige Lobbyisten politisch mehr bewirken als ein Wahlvolk von vielen Millionen.

Das Vertrauen in die repräsentative Demokratie ist erschüttert und man mag sich die Frage stellen, ob es nicht besser ist, als Lobbyist zu arbeiten oder – wenn das Geld fehlt – sich noch ganz andere Sachen auszudenken, damit man mit den Lobbyisten gleich zieht und den verlorenen Einfluss mit anderen Mitteln zurück gewinnt. Die traditionelle Stimmabgabe reicht offenbar nicht mehr aus.

Als Influencer muss man schon eine Bombe sein.

Sie reden dem Fußball das Wort

  • Er prüft das Trikot seines Gegenspielers auf Reißfestigkeit und wird mit einem gelben Karton bestraft.

Er nagelt aus zehn Metern das Leder unter die Latte.

Er pflückt die Kirsche am rechten Pfosten souverän runter.

Er gleicht aus dem Nichts als Joker aus.

Er wirft sein Jackett auf die Bank und steht nun im leichten Pulli am Spielfeldrand.

Er steigt am zweiten Pfosten hoch, kann aber den Kopfball nicht richtig drücken.

Er kann sich auf der linken Seite durchtanken und in den Sechzehner eindringen.

Er nimmt das Geschenk dankend an und nickt die Kugel in den rechten Winkel.

Er lässt sich aber nicht beirren und zeigt auf den Punkt.

Er will jetzt nichts mehr anbrennen lassen.

Er spart jetzt Körner für kommende Aufgaben, weil der Drops bereits gelutscht ist.

Er setzt aus einer gestaffelten Defensive heraus gezielte Nadelstiche.

Er lauert auf schnelle Konter.

Er wird am linken Strafraumeck in Szene gesetzt, allerdings abgeblockt.

Er steht goldrichtig und kommt mit dem Bauch an den Ball und schiebt ihn damit über die Linie.

Er spritzt dazwischen und holt noch einen Eckball heraus.

Er hat allen Platz der Welt und zieht einfach mal ab.

Er probiert sich aus 18 Metern in halbrechter Position mit einem Aufsetzer.

Er täuscht eine Rechtsflanke an, legt dann aber die Kugel auf den linken Schlappen.

Er will auf der anderen Seite für Entlastung Sorgen in dem er im Angriffsdrittel den Flügel wechselt.

Er lässt in der Mitte abtropfen.


  •  Wann wird er endlich zur Fahndung ausgeschrieben oder bekommt eine eigene Fernsehshow?
  •  Noch sind fünf Minuten auf der Uhr; noch ist hier ordentlich Feuer drin.

Braucht der Mensch Feiertage?

Selbstverständlich braucht der Mensch Feiertage!

In der aufgeklärten Welt kann man an jedem Tag feiern – oder auch nicht. Die Tage sind dem aufgeklärten Menschen eigentlich nur Zeitabschnitte. Erinnerungen und die hohe Bewertung von Erinnerungen führen allerdings dazu, dass sich Jahrestage zum Andenken oder Nachdenken anbieten. Meistens sind sie privat ohne öffentliche Ansprüche. Allerdings gibt es Erinnerungen, die von Institutionen und ihren Interessen befeuert werden, von den Religionsgemeinschaften, aber auch vom Schützenvereinen oder von Veranstaltern bestimmter Jahrmärkte und so weiter. Man koppelt eine Erinnerung an ein zurückliegendes Ereignis und kann auf diese Weise das Ereignis konservieren, zukunftsträchtig verorten und scheinbar endlos fortschreiben, weil der Kalender den Takt gibt. Meistens sind die auf diese Art und Weise gepflegten Erinnerungen ursprünglich überhaupt nicht so richtig an einen bestimmten Tag gebunden. Wer weiß schon, wann das historische Weihnachtsfest wirklich hätte gewesen sein können, wann der Fall der Mauer wirklich war? Oft werden ausgewählte Symptome verfeiertagt und der entscheidende Kontext zerfließt in der vergangenen Epoche.

Irgendwann werden Gedenktage zu Feiertagen und werden sogar verbindlich, wenn der Staat mitspielt. Aber der Staat wird zu Recht zögerlicher. Feiertage vertieften zwar ursprünglich die an den Tag gebundene Erinnerung, fördern Rituale, die an das Ereignis gebunden waren, manchmal auch ein Festmahl und vor allem einen freien Tag, aber sie zerfleddern auch zum nicht feiertagswürdigen Freizeiteinerlei. Die Erinnerung verblasst.

Zu einer Zeit, als sich das Urlaubswesen noch nicht entwickelt und noch keine Urlaubskultur hervorgebracht hatte, waren die auch im übertragen Sinn heiligen Sonntage, das einzige Ereignis, um dem Jahresablauf zu rhythmisieren und etwas Erholung, Besinnung und Freude zu ermöglichen und die Feiertage wurden wie veredelte Themensonntage gehandhabt. Das hat sich gewandelt. Der Feiertag ist vor allem ein freier Tag, der zur individualisierten Lebensgestaltung genutzt wird, dann aber auch viele Menschen auf den Autobahnen auf dem Weg zu den gleichen Zielen vereint. Die Chance zur Individualität haben die Märkte weitgehend aufgefressen. Es bleibt der Schein. In der aufgeklärten Welt wäre ein weiterer Urlaubstag grundsätzlich wertvoller als ein zusätzlicher Feiertag, dessen Sinn von den Märkten ohnehin unterlaufen wird. Der Vatertag ist das beste Beispiel. Die Gestaltung der Feiertage ist also ein Problem, weil der Feieranlass stets von der Mehrheit in der Selbstbestimmung vernachlässigt und dann mit neuen kostenpflichtigen Wohlfühlarrangements ausgestaltet wird. Diejenigen, die den Feiertag bestimmungsgemäß achten, sind heutzutage stets eine Minderheit.

Die jetzt diskutierte Einführung eines muslimischen Feiertags passt da nicht so recht ins Bild. Er würde sich ohne öffentliche Beachtung des festgelegten Anlasses zu den anderen Feiertagen gesellen. Und wenn der Anlass ernster Art ist, würde er die Erwartungen der Gläubigen nicht erfüllen, weil die sekulare Übermacht den Tag vollkommen konträr performen würde.
Ich verstehe, wenn der eine oder andere muslimische Religionsfunktionär gerne die Teilhabe an der Gesellschaft durch einen spezifischen Feiertag verbreitern würde. Ich verstehe auch, wenn sich Politiker mit der Feiertagsidee beliebt machen wollen. Aber auch sie würden nach einer Einführung das spezifische Gedenken und die zugehörigen Rituale vergeblich einfordern. Alle hätten einen Feiertag, den allein eine kleine Minderheit nutzt, wobei das Feiern in der offenen Gesellschaft ja ohnehin jedermann und jederzeit auch ohne Feiertag möglich ist.

Freizeit ist allerdings ein wertvolles Gut, auch wenn die Nutzungsmöglichkeiten bisweilen einseitig und einfältig gehandhabt werden. Es wäre viel besser, anstatt einen weiteren Feiertag einzuführen, die Urlaubskontingente zu erhöhen und Hilfen anzubieten, aus den Urlaubstagen dann auch etwas Vernünftiges außerhalb jeder Vergnügungsmeile und jedes Einkaufszentrums zu machen. Es könnte ja auch etwas mit Religion zu tun haben.

Für Parteien auf Zeit!

Der Mensch ist ja ein soziales Wesen. Er gesellt sich gern mit Gleichgesinnten und gründet dann bisweilen Vereine und sogar Parteien. Sie dienen einem Ziel, das der vereinzelte Mensch allein gewiss nicht erreichen könnte. Erst mit der Etablierung der Menschenrechte wurden Menschenansammlungen, ohne die ja keine Partei auskommt, gesetzlich geschützt. Zuvor galten Ansammlungen jeder Obrigkeit als verdächtig, die konservative Ordnung durch Unfolgsamkeit zu gefährden.


Erinnerung aus Krähwinkels Schreckenstagen

Wir Bürgermeister und Senat,
Wir haben folgendes Mandat
Stadtväterlichst an alle Klassen
Der treuen Bürgerschaft erlassen.

Ausländer, Fremde, sind es meist,
Die unter uns gesät den Geist
Der Rebellion. Dergleichen Sünder,
Gottlob! sind selten Landeskinder.

Auch Gottesleugner sind es meist;
Wer sich von seinem Gotte reißt,
Wird endlich auch abtrünnig werden
Von seinen irdischen Behörden.

Der Obrigkeit gehorchen, ist
Die erste Pflicht für Jud und Christ.
Es schließe jeder seine Bude

Sobald es dunkelt, Christ und Jude.

Wo ihrer drei beisammen stehn,
Da soll man auseinander gehn.
Des Nachts soll niemand auf den Gassen

Sich ohne Leuchte sehen lassen.

Es liefre seine Waffen aus
Ein jeder in dem Gildenhaus;
Auch Munition von jeder Sorte

Wird deponiert am selben Orte.

Wer auf der Straße räsoniert,
Wird unverzüglich füsiliert;

Das Räsonieren durch Gebärden
Soll gleichfalls hart bestrafet werden.

Vertrauet Eurem Magistrat,
Der fromm und liebend schützt den Staat

Durch huldreich hochwohlweises Walten;
Euch ziemt es, stets das Maul zu halten.

Heinrich Heine


Organisationen sind an ein Ziel gebunden. Wenn man nun die Programme aller Parteien verdichtet, dann kommt man zu dem Ergebnis, dass sie allesamt glückliche Menschen in Frieden, Freiheit und Wohlstand anstreben. Sie werden sich also auflösen, wenn dieses Ziel erreicht ist. Sie gebärden sich also als eine Institution, die das Ziel in der eigenen Existenz sieht, die eine Bedeutung hat, die letztlich über Ziele erhaben ist. Das ist aber auch so, weil Parteien mit der Zeit ein Eigenleben entwickeln, das den Zielen übergeordnet ist. Man wird also die Zielbestimmung dynamisieren und aus der Tradition eine Unverzichtbarkeit ableiten. Krisen in politischen Parteien sind als ein Überlebenskampf zu deuten, weil alte Ziele nicht mehr tragen und das auf sich selbst gewendete Ziel, zu überleben, die Parteiressourcen auffrisst. Vernünftig wäre es, getrennte Wege zu gehen und sich zu verbesserten Parteien zusammenzuschließen. Ich erinnere an die bedeutungsvolle, große und geschichtsträchtige Partei Democrazia Cristiana in Italien, die schließlich mit ihrem maroden Innenleben und gepflegter Fassade im Jahr 1994 in kurzer Zeit rückstandslos implodiert ist.

Ich möchte nun aktuell keiner Partei eine Vorschrift machen. Wenn ich aber mitbekommt, dass so mancher Partei, die vor kurzem noch wie eine im Kern unwandelbare Institution gehandelt wurde, das Kerngeschäft verloren geht und dann über ihre ruhmreiche Geschichte berichten lässt, dann denke ich schon, dass den aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen nicht mehr wirksam begegnet werden kann. Alle Jahre wieder, wie in einem Kramladen sein Portfolio zu erweitert und jetzt ein Mittel gegen entfesselte Geldströme anzubieten, weil der Kunde Wähler das möglicherweise will, wirkt insgesamt doch sehr hilflos.

Neue Parteien haben freilich auch ihre Probleme und locken stets vagabundierende Politiker an, die sich schnell als Einzelgänger erweisen, weil ihre Positionen nicht parteifähig sind. Parteien haben meist einen langsamen Start und ein zähes Ende. Aber sie sichern die Vielfalt im politischen Spektrum und bilden die Bevölkerung besser ab, als traditionelle Platzhalter, die behaupten, „Wahlkampf zu können“. Und das ist doch wichtiger als alles andere.

Mein persönliches Jamaika …

Die deutsche Politik ist plötzlich auf Jamaika gerichtet. Das ist ein Staat in der Karibik mit lockerer Bindung an ein Staatsoberhaupt in England. Deshalb ist auch die Verwendung der englischen Sprache landestypisch. Man sagt dort „Dschamaica“. In der deutschen Sprache schreibt und spricht man Jamaika — ganz einfach, also ja wie nein! Ich weiß nicht, ob es eine polyglotte Attitüde ist, oder ob es zu viele schlechte Vorbilder gibt. Man sagt jetzt in den deutschen Medien durchgängig Dschamaica und fixt damit ganz schön viele Menschen an.
Ich wünsche mir etwas, dass sich das rächt!
Bei der Gelegenheit weise ich auch gern auf Selfkant hin, die westlichste Gemeinde Deutschlands. Sie tauch öfter einmal in den Wetterberichen auf. Nein, sie heißt nicht ßelfkant, also wie self, itself, themselves, himself, yourself, herself in der englischen Sprache. Es muss unbedingt ein ziemlich summendes, weiches S gesprochen werden. Sonst zerfällt die polyglotte Attitüde in einer Wolke der Dummheit.
Dagegen hat der ICE Theodor Fontane, wenn er als Theodor Fontäin angekündigt wird, wenigstens noch einen Hintergrund, der den geänderten Sprachgebrauch rechtfertigt.
Okay – mir stößt das vor allem dann bitter auf, wenn ich auf der Düsseldorfer „Schädo“straße einen Latte to stay trinke.

Der Knusperich, der Knusperich, das war ein arger Wüterich

Die Brötchentests der 70er Jahre haben das Merkmal der Knusprigkeit erstmalig verbindlich definiert und im Bewusstsein der Menschen nach oben gespült. Fortan ging es eigentlich immer nur um die Knusprigkeit aller möglichen Speisen und der gute Geschmack wurde undifferenziert beiseite gelegt. An Ende bin ich mehrmals täglich aufgeschreckt, wenn wieder jemand das ultimative Verständnis irgendeiner Sache in der Knusprigkeit münden ließ. Zum Selbstschutz habe ich dann das Wort geächtet. Doch die Knackigkeit – von Salaten – wurde schnell hinterher geschoben. Das war nicht besser. Warum in aller Welt muss ein Salat knackig sein — und was ist das überhaupt?

Heute habe ich für das Frühstück Brötchen gekauft. Sie waren sehr unangenehm überknusprig, so dass ich zum Essen ein Tablett nehmen musste, damit die umherspritzenden Krümel wenigstens notdürftig eingefangen werden konnten. Die Krümel waren laut und haben auch noch meine Lippen aufgerissen und die Mundschleimhaut malträtiert. Sie konnten nur mit Kaffeegaben abgemildert werden.

Mein Gott, — womit habe das verdient? Denn die Welt ist doch im wesentlichen bunt und vielleicht auch etwas weich.

Eine neue Challenge!?

Das geht doch fast alles nur über die sozialen Medien.

Eine Fernsehmoderatorin die ich nicht kenne, hat heimlich ihre Haare zu einem vermeintlich hübsches Grau renaturiert. Sie soll Birgit Schrowange heißen. Nun bietet sich für die Fachzeitschriften zum Thema der „Schönheit Prominenter“ augenscheinlich ein Vergleich an. Mit nur zwei Portraitbildern, die vorher und nachher benannt sind, kann man sofort belegen, dass das vorher mit dem künstlichen, dunkelblonden Einerlei, einfach fies aussieht. Während das luftige Grau schon im Blick der Protagonistin reine Freude vermittelt. Nicht umsonst ist das Malen grauer Töne so eine große Kunst, dass gerade der Künstler dazu alle Farben seiner Palette benötigt. Es gibt also nichts bunteres als das Grau von Helgoland im Nebel. Die glückliche Gegenwart ist stets das Ergebnis einer Befreiung von alten Bildern, wenn man schnelllebig ausgerichtet ist. Davon lebt das benannte Pressegenre, das jeden auffordert, seine Senftöne dazu zu geben. Jeder hat schließlich irgendwo Haare. Selbst wenn er ausnahmsweise keine hat, sind die Haare sein Thema. Jede Aufmerksamkeit, jeder Klick hilft dem Medium und erhöht die Kundenbindung.

Die Stellungnahmen werden in den sozialen Medien herangefüttert, weil sich dort große Mengen ohne hohe Qualitätsansprüche am ehesten bewältigen lassen. Die Beiträge rattern nur so durch. Man muss sich um sie auch nicht kümmern, weil sie schnell im See geschriebener Worte untergehen. Es ist mühsam, sich im Grab gleichförmiger Stellungnahmen zu bewegen. Aber das Interesse, Stellung zu nehmen bleibt groß und scheint sich sogar zu verselbständigen.

Ganz selbstlos fällt mir dabei ein, dass sogar auch bei mir weniger mehr ist, wenn es um die Haare geht. Und ich kann das auch mit zwei Fotos belegen. Es war wirklich schlimm, wie ich damals ausgesehen habe.

Ich rufe eine Challenge aus und nominiere dich, dich und den da – ja, ihr seid gemeint – innerhalb einer Woche euren Challengebeitrag nach meinem Muster in meinem Facebook zu posten und eurerseits dann auch drei Kandidaten zu benennen, die selbst vielleicht noch gar nicht wissen, dass sie mal scheisse ausgesehen haben. Ich lese gerade, dass Daniela Katzenberger – die ich kenne – für sich selbst gerade ein fiktives Grau für die Zukunft, angelehnt an die Schrowangevorlage, aber durchaus eigenständig, am bevorzugten Ort der öffentlichen Beachtung platziert. Wie geil ist das denn!

Selbst die sonst oft so ernsthaft ausgerichtete Presse nimmt sich übrigens der Entfärbung ins bunte Grau an. Der Tagesspiegel bemüht sogar die Alterspyramide, um zu belegen, dass Frau Schrowange die guten Argumente fehlen. Das ist weit mehr als boulevardesk und hat mich veranlasst, wie folgt Stellung zu beziehen, weil es mich ja auch angeht:

„Optische Qualitätsurteile“ gibt es nicht. Bestenfalls gibt es Qualitätsurteile, die sich auf das Aussehen beziehen. Aber auf das Aussehen, wenn das gemeint ist, bezieht sich auch der ganze Kommentar. Es geht ja schließlich um den farblichen Anschein. Es ist etwas zwanghaft, die Alterspyramide zu bemühen, um das Grau als Einfalt der Ü-30er zu begründen. Selbst der Profientfärber hört in der Ausbildung wohl nichts über die Alterspyramide.

Zudem ist das alles nur eine Challenge, an der ich mich gern beteilige.

Mit Bedacht wählen

Jetzt lese ich wieder überall, dass jemand, der nicht wählt, im Ergebnis die AfD wählt.
Da bin ich andere Ansicht!
Wahlentscheidungen sind das Ergebnis einer Auseinandersetzung und Entwicklung. Sie haben also einen qualitativen Kern, obwohl sie am Ende nur ausgezählt und zu Parlamentssitzen verdichtet werden.
Wahlentscheidend ist also das Niveau der Auseinandersetzung vor der Wahl, kollektiv und für jeden Einzelnen. Wer einfach nur so rumwählt, spült in der Tendenz eine weitgehend unbedachte Stimme in die Urne, die fälschlicherweise so gedeutet wird, als habe sich da jemand Gedanken gemacht und zum Wählerwillen beigetragen. Wir können getrost davon ausgehen, dass ein nicht unbedeutender Teil der Stimmen auf das Konto von Menschen geht, die sich von Wahl zu Wahl traditionsgebunden wiederholen oder ihre Unentschiedenheit bis in die Wahlkabine tragen, in der es dann auch keine Entscheidungshilfe gibt. Und es gibt ernstzunehmende Leute, die bei aller Auseinandersetzung keine Partei finden, die ihre Interessen vertritt und bei der sich zudem belegen lässt, dass sie ihre Interessen mit einer Wirkung durch die Legislaturperioden getragen hat. Mit gutem Grund würden solche Leute keine Wahlentscheidung abgeben und damit aber auch nicht dem dauerdösigen Feld der Wahlegal-Bevölkerung zuzuordnen sein. Sie sind nämlich gute Demokraten.
Demokratischerweise zählen trotzdem alle Stimmen gleich, wie auch die Nichtstimmen.
Was wäre denn nun, wenn die AfD – erkanntermaßen eine Partei abseits der Demokratie mit rassistischen und nationalsozialistischen Attitüden – in den Bundestag käme? Wäre das eine Katastrophe, obwohl es dem Volkswillen entspricht?Ihnen würde der kalte Wind demokratischer Spielregeln um die Ohren pfeifen und sie würden sich der Debatte stellen müssen. Es wäre nicht zwangsläufig so, wie viele schwarzmalen, dass sich die Geschichte der Weimarer Republik wiederholen würde und binnen kurzer Zeit die AfD unumkehrbar an die Macht gespült würde. So, wie man es bereits in den Länderparlamenten sehen kann, würde sich die AfD schon eher selbst zerlegen und an mangelnder Sach- und Politikkenntnis kläglich scheitern. Vor allem aber würde die Erkenntnis ins Wahlvolk zurück gemeldet, dass es niemanden gibt, der einfach mal alles zur Rettung der Welt bei gleichzeitiger Fortschreibung seiner persönlichen Interessen richtig macht. Wenn diese Botschaft ankommt, werden wir uns getrost wieder eine Weile dem Politikgeschäft in der gebotenen Vielfalt zuwenden können und wir werden gelernt haben, dass die Auseinandersetzung vor der Wahl durch keine Partei zu ersetzen ist.

Laborgedanken: Ein Traum wird wahr

Erst war da der Traum: Ich fliege endlos im Naturschutzgebiet über den türkischen Präsidentenpalast und werfe von oben ebenso endlos Schlachtabfälle von Schweinen ab.

Ich brauche mich Gottzeidank dafür nicht zu entschuldigen, denn der Traum ist entgrenzt und selbst für mich außer Reichweite. Ich wohne am linken Niederrhein. Ob der Traum in der Türkei erlaubt ist, trifft mich also noch nicht existenziell.

Hermann Hesse hat ja seinerzeit gesagt, dass niemand träumt, was ihn nicht angeht. Hätte er Recht, wäre die Verantwortung für die eigenen Träume zumindest nicht ganz von der Hand zu weisen.

Und da kommt mir ein zweiter String in den Sinn: Nicht nur mich treibt die Frage, wie man den despotischen Operettensultan Erdoğan in die Welt der lebenden und verletzlichen Menschen zurückholen kann, um seine Widersacher, aber auch seine folgsamen Vasallen zu befreien. Ich zähle einmal auf, was mir dazu einfällt. Gegen Ende stellt sich eine gewisse Ratlosigkeit ein:

1 freundliches Gespräch führen
2 diplomatische Kontakte spielen lassen
3 öffentlich Tacheles reden
4 grenzüberschreitende aufklärerische Satire inszenieren
5 Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit einklagen
6 wirtschaftliche Sanktionen durchführen
7 einmarschieren (Tabuzone)

Jetzt nehme ich meinen Traum zum Anlass, einen weitern Vorschlag zu konzipieren, der bei Raketenstufe 4 angesiedelt ist.

Das Schwein (ibne) ist ja für den strengen Moslem Erdoğan der Inbegriff des fiesen, dem es auf dem Weg zu gehen gilt. Seinerseits ist das Schwein deshalb auch immer für eine Vertreibung gut. Die Vorbehalte gegen das Schwein kenne ich von einem türkischen Schiffskoch, der in der eher christlichen Seefahrt massenweise Schweine verarbeitet hat und nun in seinem Restaurant hier in der Nähe zum Ausgleich ganz bewusst auf Schweinefleisch verzichtet. Man könnte mit herabfallenden Schweinen irgendwie symbolisch, aber auch faktisch, die Vertreibung Erdoğans aus dem Paradies der 1000 Zimmer vorantreiben.

Weil ich ethische Bedenken habe, das Schwein persönlich für so etwas zu instrumentalisieren, weiche ich jetzt auf das Glücksschwein aus, das nebenbei noch signalisiert, dass es mit viel Glück nur noch besser werden kann. Ich stelle also eine Armee der Art Fremdenlegion aus Glücksschweinen auf, die dann der Waffengattung Luftlandetruppen zugehörig sind. Jedes Glücksschwein wird mit einer Botschaft – was ich Herrn Erdoğan immer mal sagen wollte – und einem niedlichen Fallschirm ausgestattet. Ich lasse mit von Kim (dä Jung) einen ausgemusterten Flugkörper schenken, weil es sich ja um eine gute Sache handelt. Dann lasse alle Glücksschweine vor der zusammengerufenen Weltpresse bei gutem Wetter über dem Präsidentenpalast abspringen. Das wird ein großes Hallo, und alle Welt weiß, dass Erdoğan dem Schwein das Wasser nicht reichen kann und als Wurst der Weltgeschichte endet. – Na, okay – das Konzept muss noch etwas im Detail ausgearbeitet werden. 

Man sieht jedenfalls schon, dass Träume nicht so ganz sinnlos sind.