Christbaumständer 2.0

Wohnungen sollten verstärkt mit einem Deckenchristbaumständer und integriertem Stromanschluss ausgerüstet werden. Dadurch würde für den Vermieter der Mietwert erhöht und der Mieter könnte in der Christbaumzeit die Bewegungsflächen im Wohnzimmer erhalten, den Baum für Hunde aus der Schusslinie nehmen und insgesamt optimal gegen Weihnachtsbaumunfälle vorbeugen. In vielen überbelegten Wohnungen der Großstädte würde mit dem Deckenchristbaum die winterliche Balkonübernachtung sogar vermieden werden können.

Bundesministerin Hendricks kündigt in der Bundespressekonferenz ein entsprechendes Förderprogramm an. Es soll mit dem Leitsatz „arm gegen ärmer“ ein Zeichen gesetzt werden.

In den Wind gefurzt

Das Wetter ist vor allem dann wichtig, wenn man es im Voraus kennt. Insofern hat die Meteorologie eine unübersehbare Anwendungsseite. Während bei anderen Wissenschaften gern gefragt wird, warum das gut sein soll, ist das in diesem Fall unmittelbar einleuchtend.

Man vertraut weder den Wolken noch dem Ostwind und will oft mehrmals täglich über das anstehende Wetter informiert werden, gern in meteorologischen Begründungszusammenhängen. Begründungen sind nachhaltiger als schnöde Behauptungen, auch wenn das Wetter bald Geschichte sein wird. Das Wetter von gestern interessiert nur Kriminologen und Meteorologen selbst.

Die Meteorologen versuchen sich durch ihre Erscheinung und eine dramatische und bunte Aufbereitung von den Mitmeteorologen zu unterscheiden und beim Publikum in Erinnerung zu bleiben. Im Fernsehen sind dazu die Bedingungen ideal. Man kann dort viel mehr machen, als das Wort Donner mit laut zitternden Stimme zur Geltung zu bringen.

Nun fällt es aber auch den Meteorologen schwer, die Komplexität des Wetters an den Kunden zu bringen, dem als Laie ja der Fachzugang verschlossen bleibt. Der Meteorologe wird deshalb häufig Verbindungsstück zur Volksmeteorologie formuliert, die aber daran scheitern, dass sie nur scheinbar die Wetterwelt der Experten transportieren.

Sie bemühen die Eisheiligen und schieben ihnen Forschungsergebnisse unter und zitieren ausgewählte Bauernweisheiten, die wissenschaftlich verifiziert sein sollen. Sehr beliebt ist in diesem Zusammenhang das Reden vom „Starkregen“, der als meteorologische Größe verkauft wird. Es ist, um im angemessenen deutschen Sprachgebrauch zu bleiben, einfach nur starker Regen. Man bastelt, wenn nachgefragt wird, sogar exakte Definitionswerte. Dabei ist das Wetter ganz schnell weltweit unterwegs und lässt den mitteleuropäischen „Starkregen“ anderenorts beispielsweise als asiatischen „Schwachregen“ erscheinen. Ganz bitter sind die meteorologischen Jahreszeiten. Mittlerweile sich wird der Sommer gar zweifach gehandelt. Sommeranfang ist am 21. Juni und dann aber ebenfalls am 1. Juni. Dahinter steckt das Folgende: Die Meteorologie verarbeitet unendlich viele Daten und bündelt sie monatsweise. Es wäre heutzutage computertechnisch überhaupt kein Problem, die Daten auch nach Jahreszeiten zu bündeln. Man tut das aber nicht und erzählt dem Wetterfan, es gäbe einen meteorologischen neben dem kalendarischen Jahreszeitenanfang.

Zur Rückgewinnung eines akzeptablen Niveaus der Wetterberichterstattung sehe ich nur noch eine Möglichkeit, nämlich den Wetterbericht in Reimform. In der wissenschaftsdidaktischen Forschung hat man festgestellt, dass sich gerade Erkenntnisse mit hohem Wissenschaftsanteil vor allem dann an den Bürger bringen lassen, wenn der Vermittler sich der Mühe unterzieht, die Inhalte in Reimform zu fassen und erst dann vorzutragen.

Leider hat der Zeitungsausschnitt keine Quelle mehr. Ausnahmsweise müsste es so gehen …

siehe auch Weniger Wetter ist mehr

Adventskalender 3.0

Der Adventskalender verankert den Menschen in einem Zeitablauf, der unweigerlich auf ein geschätztes Ereignis zielt. In diesem Fall ist es das Weihnachtsfest. In den Anfängen des Adventskalenders gab er vor allem Kindern eine Orientierung im Zeitablauf und stimmte mit sehr einfachen Bildchen auf Weihnachten ein.
Irgendwann hat die Zuckerindustrie den Adventskalender auf ihre Seite gezogen, um die Kinder mit Zucker und Schokolade zum überhöhten Preis abzufüllen. Die Adventskalender wurden industriell bunt und so schlecht gemacht, dass man bei seitlichem Blick durch ein geöffnetes Fensterchen im transparenten Innenleben die noch nicht zugänglichen Schokofiguren bereits sehen konnte. Aber eine Überraschung waren die Schokofiguren gleicher Machart nicht, obwohl doch die „Überraschung‟ zum Schlüsselwort für die Begehrlichkeiten von Kindern aufgestiegen war. Schließlich haben die Spielzeugindustrie und die Kosmetikindustrie den Markt der Adventskalender entdeckt und Marktanteile hinzugefügt, ohne dass die Zuckerindustrie erkennbar darunter gelitten hat. Denn es etabliert sich ein Trend zum Zweit- und Drittadventskalender. Jedenfalls berichten Lehrer gern, dass im Dezember die meisten Schüler dank ihrer Adventskalender gut abgefüttert sind.
Jetzt ist der Adventskalender pervertiert. Er ist ein Onlinewerbemittel für alle Generationen, das in einer Serie 24 mal angeboten wird. Der Tattoounternehmer verlost unter der Überschrift Adventskalender jeweils an den zusammenhängenden 24 Tagen Tattoos und ein Nikolaus ist nicht einmal dabei. Ein Jugendamt informiert schon einmal über 24 Ferienaktionen für den Sommer unter der sinnlosen Überschrift Adventskalender und mancher Musiker bietet 24 seiner Lieder für jeweils nur einen Tag zum kostenlosen Download an. In der geizigen Ausprägung reduziert sich das kostenlose downloaden dann auf 4 Lieder, jeweils zu den Adventssonntagen.
Adventskalendergewinnspiele prägen die Vorweihnachtszeit, wie die gleichförmigen Weihnachtsmärkte mit ihren Serienbuden und den endlosen LED-Lichterketten.

Vom ursprünglichen Adventskalender ist also nichts geblieben. Man sollte das spätestens dann bedauern, wenn die Werbung den Kalender mit ihrer Trittbrettfahrerei gänzlich aufgefressen hat. Es bleiben aber doch vielfältige Möglichkeiten, den Adventskalender neu zu erfinden.

Overdressed

Die Moralwächter der iranischen Religionspolitik betreiben auch für das Fernsehen ein hartes Geschäft. Wenn das Bild aus dem Ausland kommt, wird es erst mit einer Zeitverzögerung an das iranische Publikum weitergeleitet. Den Moralwächtern bleiben 30 Sekunden, den roten Knopf zu drücken, wenn das Bild im geltenden Kontext unmoralisch ist. Ob sie für ihren Job eine Zulage bekommen, weil sie immer wieder an der Unmoral schnuppern müssen und mutmaßlich Schäden nehmen, ist mir nicht bekannt. Mit demokratischem Anspruch ist es undenkbar, den erwachsenen Menschen lediglich mit einem Ausschnitt aus der Lebenswirklichkeit abzuspeisen und ab und zu stattdessen eine selbstgemachte Welt einzuspielen.

Bei der Auslosung des Spielplans für die Fußballweltmeisterschaft zeigt sich das ganze Dilemma: Nicht die Moralwächter, sondern die iranischen Fußballfans haben inständig gebeten, dass die Kleider der Frauen sich an den iranischen Vorschriften orientieren, damit sie die Auslosung im Fernsehen verfolgen können. Ihnen es geht es also eigentlich gar nicht um die Kleidung, sondern um einen weitestgehend filterfreien Medienkonsument. Und dann war es auch so. Man ist den Fans entgegen gekommen und hat damit die iranischen Bekleidungsvorschriften für Frauen etwas ins Internationale verlängert. Allerdings hat das nicht viel genützt. Das Kleid der Moderatorin war wohl doch noch zu sehr geschlitzt. Es gab stattdessen im iranischen Fernsehen ein Interview mit einem Fußballspieler. Ich glaube, die Moralwächter waren von Sinnen. Hoffentlich haben sie gute Therapeuten, damit sie sich mit passenden Hilfen noch etwas in diesem aufreibenden Job halten können.

Aus der sicheren Distanz unter halbwegs demokratischen Gesichtspunkten, habe ich ein großes Interesse an Frauen und Männern in grenzenlos individualisierter Kleidung.  Ich gehe sogar so weit, dass mir der nackte Mensch näher steht, als der zweifelhaft verhüllte Mensch. Ich möchte selbst eine Ahnung entwickeln, was geschmackvoll sein könnte, ohne damit eine verbindliche Norm entwickeln zu wollen. Für die Menschen im Iran ist es ohnehin vergeblich, selbst wenn sich alle Welt probeweise an vorbestimmten moralischen Normen orientiert.

Religion verordnet mitunter Brillen, die nur das Bild verdunkeln und das Sehfeld begrenzen. Erst die Menschenrechte erklären diese Brillen als überflüssig, weil sie menschenfeindlich sind.

Und nebenbei: Ich erkenne Frauen, die  „Brigitte“ regelmäßig lesen zweifelsfrei an ihrer Kleidung und denke oft, dass es ebenfalls ein Fehler wäre, wenn es eine „Norbert“ wirklich geben würde.

Liebe Kinder des Zauberwürfels …

…  der Markt für Fidget Spinner ist gesättigt und die Reste blockieren die Lager der Einzelhändler.

Jetzt, wo die hypebegleitenden Versprechungen eines therapeutischen Nutzens auch dahin ist, bietet es sich an, sie als Überbrückungsgabe zum Warten auf den Tod einzusetzen – wenn sie nicht ohnehin schon immer Überbrückungsgaben waren.

Ihr habt nicht mehr so sehr lange zu leben.

Kinder der christlichen Seefahrt

Ich erinnere mich an die Zeit, als die Handelsflotten Liberias und Panamas die Welt beherrschten. Ich habe das bereits zu einer Zeit mitbekommen, als die Eltern noch Freddy Quinn hörten und mein Lehrer mit einem untermotorisiertenen Moped und einer passenden Ledermütze zur Schule fuhr. Es hieß dann, da habe der eine oder andere Reeder ausgeflaggt, weil ihm die Steuern zu hoch und das Personal zu teuer waren. Man konnte angeblich auf den Weltmeeren und in den meist exotischen Häfen nichts dagegen unternehmen. Das war wie mit der Braut, von denen der Seemann bekanntlich in jedem Hafen eine hat. Die Braut im Heimathafen hat das wohl nie kommentiert.

Es war absehbar, dass die Reeder nur Vorreiter für andere Bestimmer im Wirtschaftszirkus waren, die das Schiff zur Bank auf einer Insel machen und dort auch gleich das Geld zu besten Konditionen lagern würden.

Es wird weiterhin die Geschichte verbreitet, dass man nichts gegen international vagabundierendes Geld machen kann. Dabei ist das weltweite Business bestens geregelt, damit es ohne Reibungsverluste funktioniert. Es spricht nichts dagegen, die Geldverstecke in das soziale, gemeinnützige Leben zurück zu holen. Man muss die internationalen Regeln des Wirtschaftens nur geringfügig ergänzen.

Picknick im Wandelgang

One man one vote ist die Grundregel der repräsentativen Demokratie. Was der Einzelne will, spiegelt sich idealerweise in Parteien, die die Auseinandersetzung darüber befeuern und möglicherweise in Parlamenten daran arbeiten, den Volkswillen zur praktischen Politik werden zu lassen.

Wenn nun einzelne Bürger – die ja ganz nebenbei auch das Wahlrecht nutzen – daran vorbei im Auftrag wirtschaftlicher Unternehmen als Lobbyisten ihre Argumente zur Geldvermehrung noch einmal den Abgeordneten flüstern, dann konkurrieren sie unfair mit dem Wahlvolk. Wenn man merkt, dass der Wandel in der Industrie – besonders in den Bereichen Automobilität und Umwelt – bis zur Unwirksamkeit abgebremst wird, dann wird deutlich, dass wenige Lobbyisten politisch mehr bewirken als ein Wahlvolk von vielen Millionen.

Das Vertrauen in die repräsentative Demokratie ist erschüttert und man mag sich die Frage stellen, ob es nicht besser ist, als Lobbyist zu arbeiten oder – wenn das Geld fehlt – sich noch ganz andere Sachen auszudenken, damit man mit den Lobbyisten gleich zieht und den verlorenen Einfluss mit anderen Mitteln zurück gewinnt. Die traditionelle Stimmabgabe reicht offenbar nicht mehr aus.

Als Influencer muss man schon eine Bombe sein.

Sie reden dem Fußball das Wort

  • Er prüft das Trikot seines Gegenspielers auf Reißfestigkeit und wird mit einem gelben Karton bestraft.

Er nagelt aus zehn Metern das Leder unter die Latte.

Er pflückt die Kirsche am rechten Pfosten souverän runter.

Er gleicht aus dem Nichts als Joker aus.

Er wirft sein Jackett auf die Bank und steht nun im leichten Pulli am Spielfeldrand.

Er steigt am zweiten Pfosten hoch, kann aber den Kopfball nicht richtig drücken.

Er kann sich auf der linken Seite durchtanken und in den Sechzehner eindringen.

Er nimmt das Geschenk dankend an und nickt die Kugel in den rechten Winkel.

Er lässt sich aber nicht beirren und zeigt auf den Punkt.

Er will jetzt nichts mehr anbrennen lassen.

Er spart jetzt Körner für kommende Aufgaben, weil der Drops bereits gelutscht ist.

Er setzt aus einer gestaffelten Defensive heraus gezielte Nadelstiche.

Er lauert auf schnelle Konter.

Er wird am linken Strafraumeck in Szene gesetzt, allerdings abgeblockt.

Er steht goldrichtig und kommt mit dem Bauch an den Ball und schiebt ihn damit über die Linie.

Er spritzt dazwischen und holt noch einen Eckball heraus.

Er hat allen Platz der Welt und zieht einfach mal ab.

Er probiert sich aus 18 Metern in halbrechter Position mit einem Aufsetzer.

Er täuscht eine Rechtsflanke an, legt dann aber die Kugel auf den linken Schlappen.

Er will auf der anderen Seite für Entlastung Sorgen in dem er im Angriffsdrittel den Flügel wechselt.

Er lässt in der Mitte abtropfen.


  •  Wann wird er endlich zur Fahndung ausgeschrieben oder bekommt eine eigene Fernsehshow?
  •  Noch sind fünf Minuten auf der Uhr; noch ist hier ordentlich Feuer drin.