Mulchen

Schottergärten sind im Gerede. Es stellt sich die Frage, ob denn nicht wenigstens Rindenmulch okay ist.

Rindenmulch statt Schotter bringt aber kaum ökologischer Gewinn. Es sollen ja Pflanzen wachsen und nicht behindert werden. Man nutzt das gern auf Friedhöfen. Da wachsen dann einige Pflanzen aus der Vormulchzeit und der Rest ist tot wie Schotter, hat aber die Anmutung einer wasserdurchlässigen Wüste.

Rindenmulch ist also der Schotter der Friedhofsgräber. Er ersetzt dort übrigens den im Gartenbau geächteten Torf. Rindenmulch im Vorgarten hat für mich immer etwas von Friedhofsästhetik, in der gern die Natur der Kontrolle des Menschen unterworfen ist, ohne dass der Mensch so richtig in in Erscheinung tritt. Es gibt – ganz nebenbei – aber auch Gräber mit Kunstrasen. Mulch war ursprünglich ja auch nicht aus der Tüte im Baumarkt, sondern lag da so rum, nachdem der Gärtner seine Wünsche aktiv umgesetzt hatte. Er hat Pflanzen entfernt und beschnitten und die Teile dem Boden wieder zugeführt, aus dem sie erwachsen waren und den erwünschten Pflanzen damit zur Dominanz verholfen. Für Rindenmulch hätte er Bäume fällen müssen. Das ist alles nicht so sehr schlimm und der Mulch wärmt sich auch nicht so stark auf, wie Steine, aber es ist doch nachdenkenswert.

Priester bitte nach vorn

Der Papst sagt in diesen Tagen ausdrücklich, dass ein Priester eine Gemeinde zu leiten hat. Dagegen gibt es Widerstand. Vor allem deshalb, weil Priester sich nicht so sehr vermehren, also fehlen und Laien bereitstehen, einzuspringen. Wer dem Papst folgt, muß also notgedrungen die Gemeinden größer und größer machen, damit die vorhandenen Priester ausreichen, auch wenn den Gemeindegliedern schließlich nur eine kleine Chance der praktischen Begegnung bleibt.

Nicht, dass ich gut finde, was der Papst sagt. Aber ich habe nichts anderes erwartet. Es ist zu einfach und schließlich erfolglos, eine Kirche zu wünschen, wie es sie nie gegeben hat.

Sosang

Wer langsamer spricht als er denkt, erlebt einen Stau gesprochener Worte, der unweigerlich in einer Sprachlosigkeit mündet.

Wer allerdings schneller redet als er denkt, tendiert zu automatisierten Floskeln, die den Gedanken die Chance geben, mit dem gesprochenen Wort Schritt zu halten.

Die mit Abstand liebste und sinnleerste Floskel der Deutschen heißt „so zu sagen‟.

Irgendwann merkt man aber, dass man das So-zu-sagen inflationär verwendet und damit sogar so schnell sprechen kann wie andere, ohne den Anschluss an die Gedanken zu verlieren. Bevor der Zuhörer mitleidig lächelt nutzt man meist die Chance, so eine Floskel nicht nur zum Floskelkatalog auszubauen, sondern auch bis zu Unkenntlichkeit zu modulieren. Jetzt weiß ich auch, warum ein hier nicht namentlich genannter Journalist immer wieder von „sosang-igrunom-niwa‟ spricht. Er ist im Grunde genommen ein Experte seines Fachs. Nicht wahr?

Ein lautes oje in Polizei und Armee

Symbolbild

Polizei und Armee – also Institutionen mit einfacher Befehlshierarchie – empfehlen sich für Menschen, die Vielfalt schlecht ertragen und eine eindeutige Welt brauchen, um mit ihrem Weltbild etwas anfangen zu können. Meist sind sie so erzogen. Nicht alle Polizisten und Soldaten sind so, aber die, die so sind, treten immer mehr in Erscheinung und sie haben es dort eben besonders einfach. Wir finden sie als rechtsradikale Bünde, eingebettet in ein dem gegenüber toleranten Betriebsklima. Beide Institutionen streiten ab, dass es mehr als Einzelfälle gibt. Das entspringt dem konservativen Klima, sich selbst unbedacht als mitten in der Gesellschaft zu definieren und die krassen Abweichler in den eigenen Reihen klein zu reden und vorsorglich als alternative Quelle der Inspiration mitzuziehen. Dass solche Strukturen nur schwer reformierbar sind, zeigt die zunehmende Zahl der scheinbaren „Einzelfälle“ und die Fortführung rechtsradikaler Ausbrüche in Eliteeinheiten der Bundeswehr, trotz aufdeckender Presseberichterstattung  und schärfster Mahnungen aus den zuständigen Ministerien, sich schleunigst auf den Weg zu einem demokratischen und menschenfreundlichen Selbstverständnis zu machen. Aber selbst in der Politik ist man den fragwürdigen Institutionen näher als zugegeben. Sonst würden nicht die Justizministerin und der Innenminister darüber streiten, ob in der Polizei nach Empfehlung der EU untersucht werden soll, welches Ausmaß die rassistisch motivierte Benachteiligung der Bürger hat. Der Innenminister will das nicht, weil für ihn ohnehin nicht sein kann, was bereits verboten ist. Derweil bunkern Polizisten und Soldaten ungeheure Mengen an Sprengstoffe, Munition und Waffen und befeuern rechtsradikale Gruppierungen ideologisch. Im Allgemeinen weiß man, dass solche Kriegswerkzeuge nur den Sinn haben, gebraucht zu werden.

Die neue Wehrbeauftragte Högl kam schnell auf die Idee, dagegen die ruhig gestellte Wehrpflicht wieder zu aktivieren. Die Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer legte nach und kündigte so etwas wie einen neuen Freiwilligendienst in der Armee an. Man will also – wenn man es salopp sagt – die Armee mit bürgerlichem Input zersetzen.

Man kann keine Entwicklungen rückgängig machen, sondern lediglich neu Entwicklungen einleiten. Das Ergebnis wird aber ein anderes sein. In den Zeiten der Wehrpflicht waren die Soldaten ein bunter Querschnitt aus der Bevölkerung. Lange Zeit waren sogar (noch) nicht anerkannte Kriegsdienstverweigerer dabei. Die wenigen Zeit- und Berufssoldaten wurden meist geschnitten oder geduldet und führten zumindest ein Eigenleben. Der konzeptionell als Leitbild vorgesehene „Staatsbürger in Uniform“ hat seit den Anfängen der Bundeswehr früher tatsächlich die Bundeswehr bestimmt und sogar die kriegserfahrenen Militaristen der ersten Stunde neutralisiert. Man würde nun verdammt viele Wehrpflichtige oder Freiwilligendienstleister brauchen, um die Berufskriegshandwerker mit lebhafter Bürgerlichkeit zu zersetzen. Zudem ist eine Armee nie die Lösung eines Problems. Guten Gewissens wird man als Wehrpflichtiger da nicht hin gehen und schon gar nicht mit einem versteckten Umerziehungsauftrag. Für einen Freiwilligendienst fehlt zudem jede Attraktivität. Es sei denn, man spielt gern Krieg oder langweilt sich gern in der hoffentlich unendlichen Kriegsvorbereitung.

Die Fotostrecke

Ich habe gerade eine Fotostrecke gesehen, in der angeblich meine Lieblingsstars ungeschminkt vorgeführt wurden. Es war erschreckend! Keinen einzigen habe ich erkannt. – Echt fies!

Es wird wohl besser für mich sein, wenn ich für mich selbst einen geschminkten Stillstand normiere, anstatt mich durch Wind und Wetter und andere Wechselfälle des Lebens derart dynamisieren zu lassen, dass jeder achtlos an mir vorüber geht, nur weil er mich nicht erkennt.

Zum 1. Mai 2020

Ja, ich habe eine eigene Gewerkschaft.

Ihr könnt Mitglied werden. Der Gewerkschaftsbeitrag ist der gleiche, wie bei anderen Gewerkschaften. Meine Kontonummer teile ich gern mit.

Ich werde nichts für euch tun. Aber das kennt ihr ja schon. Ich werde im Schulterschluss mit allen Arbeitgebern in diesen Zeiten um den Verlust auch jedes sinnlosen Arbeitsplatzes zum Beispiel in den abgehängter Sparten der Energie- und der Reisewirtschaft bangen.

Ich werde die überbordenden Menschenansammlungen zum Tag der Arbeit vorbei am Lockdown in digitale Räume umleiten und dort Arbeiterlieder in allen gängigen Formaten einspielen. Wenn mehrere von euch an der pazifistisch-veganen Gulaschkanone zusammenstehen, dann werde ich immer unter euch sein. Wer schwer solidarisch ist, denkt an sich selbst ohnehin zuletzt.

Ich verspreche: Es wird euch mit meiner Gewerkschaft gewiss nicht schlechter gehen. Es gibt keinen guten Grund, alles beim Alten zu lassen und den Aufbruch zu verschlafen. Wie gesagt: Meine Kontonummer gibt es gratis.

Der Mond

Jeder, der etwas auf sich hält, postet in diesen Tagen ein Foto vom Mond. Im Grund sind alle Bilder gleich, wenn man die unterschiedliche technische Ausführung so eines Fotos vernachlässigt. Es ist ja nun immer der selbe Mond. Dennoch ist der Chronist geneigt, neben dem Datum eine Ortsangabe hinzuzufügen.

Dabei fotografiert er ja nicht Wanne-Eickel, sondern den Mond. Die Chronisten fügen dem Mond also unnütze Informationen hinzu und veranlassen mich, eines dieser Bilder zu entwenden und mit allen erdenklichen Ortsnamen zu klonen und zu veröffentlichen. 

Geh mir weg mit Cranberry …

Ich vertraue meinem Geschmack. Cranberrys sind sauer und schmecken nur dann gut, wenn dazu gesagt wird, dass es „fürchterlich gesund“ ist. So ist der Mensch oft sozialisiert! Aber sie sind gar nicht so gesund, dass es bemerkenswert ist. Man versucht zwar seit Jahren verzweifelt, eine Medizin daraus zu machen und zählt die Vitamine und Spurenelemente auf. Aber all das reicht nicht für einen wirklichen Nachweis.

Klar kann man die Beeren essen, werden sich auch vor 200 Jahren die Siedler in Nordamerika gedacht haben. Denn Not macht erfinderisch.

Mittlerweile sind Cranberrys ein Massenprodukt, das sich schwer vermarkten lässt, weil es viel mehr davon gibt, als die Menschen haben wollen. Cranberrys sind deshalb auf dem Weltmarkt konkurrenzlos billig. Für die weiterverarbeitende Industrie ist es aber ein ideales Produkt. Es wird nahezu automatisch geerntet und problemlos und vielfältig verarbeitet. Die endlosen Felder Nordamerikas werden unter Wasser gesetzt, mit Wasserbewegungen werden die Beeren abgetrennt und dann aus schwimmenden riesigen Teppichen abgesaugt und in die Fabrik verfrachtet. Dort wird man dann auch Zuckerüberschüsse los, weil man dies Beeren sonst überhaupt nicht essen mag. Um die Beeren in den Markt zu drücken bietet man der Lebensmittelindustrie die Beere als billigen Ersatz an, beispielsweise für Rosinen. Aber weil die Cranberry robust ist und fast alles verzeiht, kann man sie auch erfolgreich so verarbeiten, dass sie nach irgend etwas anderem schmeckt. Beliebt sind die Geschmacksrichtungen Kirsche und Heidelbeere. Wenn also mein Kirschjoghurt gar keine Kirschen, sondern Cranberrys erhält, dann ist das ein Erfolg der Vermarktung von Cranberrys und ein Erfolg auf dem Weg, die Kosten für das Endprodukt gering zu halten. Hinzu kommt die Imagewerbung für die Cranberry selbst. Sie ist so erfolgreich, dass viele Leute geneigt sind, sogar Cranberrys als Cranberrys zu verspeisen, weil sie eben als „wahnsinnig gesund“ zu einem überhöhten Preis angeboten werden. Die Chance der Cranberry ist es also, dass sie sich wie kaum etwas anderes zur industriellen Verwertung anbietet und gegen vieles austauschen lässt. Sie steht also der Sojabohne in dieser Hinsicht um nichts nach.

Die Cranberryfarmer können dem Preisverfall kaum standhalten. Die kleineren Farmen geben auf. Die größeren Farmen werden noch größer und rationalisieren noch mehr, und arbeiten erfinderisch an neuen Cranberryprodukten, um am gigantischen, aber sinnlosen Cranberrymarkt zu bestehen. Es geht also mal wieder ums Geld.

Hopp oder Flop

Dass im Spitzenfußball eigennützig Geldbeträge bewegt werden, deren Höhe jede Vorstellung sprengt, ist ein großes Thema in den Medien. Die dumpfen Fans mit Affengebrüll in einer Eliteverkleidung als Kutte oder unerkennbar sind einflusslos auf das, was Vereine mit Mäzenen, Konzernen und Scheichs so inszenieren. Fans in den Stadien haben weder die wirksame Sprache noch die Kommunikationskanäle, sich Gehör zu verschaffen. Ihre Sprache ist speziell für Stadien und die Welten rund um Stadien entwickelt. Dass diese Sprache gefährliche Elemente enthält die dann gern auch mal praktisch werden, zeigt die Polizeipräsenz an jedem Fußballwochenende. Und der Steuerzahler unterhält die Polizei ziemlich ärmlich, wenn man das Geld im Profikerngeschäft als Referenzgröße nimmt. Alles in allem darf man sich nicht beschweren, wenn die langjährig gezüchtete Fankultur so spricht, wie sie es mühsam gelernt hat. Allerdings ist die mediale Aufmerksamkeit diffus. Das, was die Fans zu sagen haben, bleibt irgendwie versteckt. Selbst im TV kann man nicht vollständig lesen, was die Fans da wirklich zu sagen haben. Es bleibt nur der Kommentar, Herr Hopp sei beleidigt worden. Es war lange Zeit zu hoffen, dass der Hype gesprochener und erlittener Beleidigungen abebbt. Die Zeiten der Ehre und der Ehrverletzungen sind ja auch weitgehend Geschichte. Duelle nach Ehrverletzungen finden nur noch verborgen oder im Dunstkreis entwicklungsgestörter Subkulturen statt. Es gibt kaum noch jemanden, der sich beleidigt fühlt, auch wenn ihm böse Sachen entgegen geschleudert werden. Insofern wundert es, dass man so einfach eine Beleidigung ausmacht. Das Beleidigtsein wird gar nicht erst abgefragt. Herr Hopp kann jederzeit Strafanzeige stellen. Aber offenbar sind die Akteuere der vermeintlichen Beleidigung in ihrer Fankultur unangreifbar sicher aufgehoben und tun dort, was sie gelernt haben. Impulse für eine bessere Fankultur kann man nicht ausmachen.

Ich meine, wir sollten das fragwürdige Gebilde Profifußball mit seinen Disfunktionalitäten allein lassen und sich anderen Sportarten zuwenden. Alle Probleme sind ja benannt und die gefragten Akteure sind bekannt, wie auch ihre Einbettung in den international desolaten Verbandsstrukturen. Konkurrenzverhältnisse begünstigen die Suche nach guten Lösungen. Das gilt nicht nur zwischen den Fußballvereinen, sondern auch zwischen den Sportarten. Biathlon ist doch ’ne tolle Sache – oder nicht?

Es ist ganz einfach: Wenn jemand zu mir sagt: „Ich fick deine Mutter!“, dann will er mich gehörig auf die Palme bringen. Über meine Mutter sagt er also nichts. Ein Gefühl, beleidigt zu sein, stellt sich bei mir auch nicht ein. So ähnlich ist das, wenn Herr Hopp in Fußballstadien als „Hurensohn“ tituliert wird. Es findet gerade eine große Bedeutungsverschiebung statt. Das hätte man sich ersparen können, wenn man rechtzeitig geredet hätte. Jetzt ändert man daran nur schwer etwa.

Auf allen Viren

Virulina (Symbolbild)

Wir schreiben das Jahr 2020. Es gibt einen neuen Virus. Er wird im Volksmund Coronavirus genannt, wie er so schön aussieht. Er ist derart neu, dass niemand über irgendwelche Antikörper gefügt, die ihn unschädlich machen könnten. Allerdings ist es auch so, dass gesunde und junge Menschen oft gar nichts vom Virus spüren. Andere allerdings können daran sterben. Man kann die Symptome bekämpfen oder erträglicher machen, aber gegen den Virus selbst ist noch kein Kraut gewachsen. Bis es einen Impfstoff geben wird, ist es die Strategie, die üblichen Wege der Verbreitung über Tröpfcheninfektion zu versperren. Man wäscht sich oft die Hände und meidet öffentliche Ansammlungen von Menschen. Dass man oft Viren verteilt, ohne sich krank zu fühlen, macht den ganze Auftritt des Virus tückisch. Die Menschen ändern ihre Lebensgewohnheiten und kaufen anders ein, als bisher. Verbreitet wird der Vorwurf, Leute würden hamstern und Unmengen Lebensmittel in ihre Kammern schaffen. Es gibt Fotos von leeren Regalen. Aufrufe, das nicht zu tun, haben offenbar keine Wirkung. Desinfektionsmittel und Gesichtsmasken sind ausverkauft und werden sogar in Krankenhäusern geklaut und tauchen sogar auf Märkten wieder auf, weil sich ihr Wert gesteigert hat. Dabei ist ihr Nutzen gegen den Virus für Privatpersonen begrenzt. Allerdings sind die Ärzte und Krankenhäuser an der Materialknappheit auch selbst schuld. Die Vorratshaltung ist schlecht und die Lieferketten sind derart auf Sparsamkeit getrimmt, dass weltweit der Nachschub fehlt, weil die chinesischen Produzenten ausfallen und den chinesischen Markt bedienen.

Das mit den Hamsterkäufen sehe ich zudem vollkommen anders, als es gerade medial vermittelt wird.
Wenn wir, wie gewünscht, unsere Umtriebigkeit reduzieren, was ja zur Verzögerung der Ausbreitung des besagten Virus beiträgt, weil man eben Verbreitungswege reduziert, wenn man also auch verstärkt zu Hause bleibt, dann ändern sich auch die Einkaufsgewohnheiten. Man kauft eher dann, wenn es in den Läden weniger drängelig und hektisch ist und kauft mehr, aber auch seltener. Das Warenangebot richtet sich hauptsächlich danach, was gekauft wird. Wenn sich die Kaufgewohnheiten ändern, dauert es also etwas, bis die Änderung logistisch nachvollzogen ist. Der just-in-time-Ablauf hat also einen kleinen Knick. Wenn beispielsweise jeder Käufer plötzlich zwei Großgebinde Toilettenpapier mitnimmt anstatt einem, dann ist bereits eine Lücke auf der Palette, wie man sie noch nie gesehen hat, die aber dann auch wieder aufgefüllt wird. Der Einkauf folgt den Versorgungsansprüche im Alltag und der Vorratshaltung aus akutem Anlass. Und ab und zu springt dabei auch mal ein Hamster vom Warenbeförderungsband und verschwindet in der Cerealienabteilung. Das ist normal! Es wird selten sein, dass in diesen Zeiten jemand mehrere Großpackungen Hackfleisch in den Kühlschrank stopft.

Die Vorratshaltung ist unter Mensch und sogar im Tierreich immer und überall ein Thema des Überlebens. Sie ist in den tiefsten Schichten der Entwicklung und des Bewusstseins verankert und läuft bereits ab, ohne dass man daran denkt, also im Kleinhirn. Dagegen kann man sich zwar intellektuell positionieren, aber nicht mit Erfolg.

Ach: Eine Apotheke in Bonn bietet gerade erfolgreich 100 ml Sterillium für 32 € an. Ein gutes Geschäft.

Ein kleiner Nachtrag:
Im Jahr 1961, also im kalten Krieg, hat die Bundesregierung alle Bürger mit sehr viel Aufwand zu Hamsterkäufen aufgefordert. Der Grund war die prekäre Sicherheitslage, in der man mit dem Schlimmsten zu rechnen hatte. Es gab sogar besondere Plakate mit Eichhörnchen, den vermeintlichen Superhamstern. Die Aktion war erfolglos. Es fehlte eben das Gefühl, in einer Notlage zu sein.
Das belegt meine These, dass über Hamsterkäufe nicht mit Argumenten entschieden wird.