Aus dem Zyklus: Verfakenewed 0.17

Den Moritz kennen wir ja aus seiner Verbundenheit mit Max. Wir sagen Moritz – mit Betonung der ersten Silbe. Das würde sich mit seiner Heiligsprechung vermutlich ändern. In den Wintersportberichten sprechen sie jedenfalls von St. Moritz – mit Betonung auf der zweiten Silbe. Offenbar sind sich Religion und Sprache außerhalb der Einsilbigkeit nicht gleichgültig.

Wir lügen uns gern etwas zusammen

Das Lügenkönnen – also nicht das Lügenmüssen – gehört zu unseren Grundrechten.

In einer Welt verordneter Lügenfreiheit wären wir stumm und könnten bald nicht einmal mehr kreativ denken. Jede Forschungshypothese könnte als Lüge definiert werden, wenn sie sich nicht umgehend als Wahrheit belegen ließe.

Lediglich für wenige Lebenssituationen, also beispielsweise bei Zeugen und Angeklagten vor Gericht, gibt es ein gesetzliches Verbot zu lügen. Gerichte treffen dabei aber trotzdem meistens nicht auf die reine Lüge, sondern auf den Graubereich des Lebens, das sich stets zwischen Lüge und Wahrheit entfaltet.

Diese Nuss ist sprengstoffgeladen

Freilich müssen Lügen verantwortet werden. Das passiert in der alltäglichen Gegenrede. Aber wir brauchen auch soweit gebildete Menschen, die darauf verzichten können, die Welt in gut und böse zu sortieren und die Grautöne des vermeintlichen Lügners im Idealfall mit ihm entschlüsseln können.

Ein Schulz im Aufwind

Seit der verheerenden Sozialgesetzgebung in der Kanzlerschaft Schröders, die mit dem Namen Hartz verbunden ist, hat sich die SPD mutlos durch die Bundespolitik bewegt.

Ein deutlicher Widerspruch als Solidarität mit der betroffenen Mehrheit der traditionellen SPD-Wähler wurde durch kleine Rechtfertigungen im überschwänglichen Lob von CDU/CSU und FDP verspielt.

Seit dieser Zeit hat die SPD nichts mehr geliefert und sich als kompromisslerischer Juniorpartner angeboten und damit glänzen wollen, was die CDU auch ohne SPD  verwirklicht hätte.

Jetzt wirbt der neue, zur Lichtgestalt typisierte Spitzenkandidat Schulz für einen Vertrauensvorschuss der Wähler, weil er ja erst liefern kann, wenn er gewählt ist.

Nun ist der potentielle Wähler gerade bei den irgendwie mitregierenden Parteien anspruchsvoll. Er will erst die Politik sehen, die er wählen würde und nicht umgekehrt einen Vertrauensvorschuss in eine Wahlentscheidung legen, nur weil der Kandidat so nett ist und viel verspricht und sich damit einreiht in die vielen zurückliegenden Versprechungen, die hauptsächlich unerfüllt geblieben waren.

Das ist ein Dilemma: Der Kandidat kann nicht mehr, als versprechen, dass alles besser wird. Und seinem potenziellen Wähler ist das einfach zu wenig.

So kommt es, dass der Kandidat einfühlsam und individualisierend präsentieren muss, um wenigstens im Wettbewerb mit den Kandidaten der anderen Parteien die Nase vorn zu haben. Letztlich werden Sympathien für den Wahlausgang entscheidend sein, während die Partei der Kanzlerin Merkel zusätzlich auf ganz konservativ auf die setzen kann, die die bisherige Bundespolitik als Erfolg deuten und fortgesetzt haben wollen.

Der Herr Schultz ist ja wirklich nett. Er spricht auch deutlich. Es gibt viele Menschen, bei denen das auch so ist. Allerdings hängen die meisten nicht mit einer Partei zusammen, die selbstgefällig dahin schlummert und eigentlich nur gebraucht wird, die anfallenden Mandate zu besetzen. Es kann wohl sein, dass dabei ganz neue Talente nach oben gespült werden, die der sozialen Gerechtigkeit zum Durchbruch verhelfen. Sicher ist das allerdings nicht.

DITIB: Wenn ein Staat Religion an den Mann bringt und exportiert

Im Grunde seit Martin Luthers Sicht auf die Welt oder doch wenigstens seit der Französischen Revolution ist es eine Errungenschaft, den Staat ohne ein kompatibles Religionsverständnis zu betreiben. Die Trennung von Staat und Kirche ist uns zur Selbstverständlichkeit geworden. Das heißt, dass die Religionsausübung in Rahmen weltlichen Rechts zu erfolgen hat und dass sich der Staat für seine Zwecke nicht in die Religionsausübung eingreifen darf.

Dieses Verhältnis hat sich allgemein bewährt, wenn es auch weiterhin Streitereien über tradierte Besitzstände der Kirchen gibt.
Dem Religionsverständnis des Islam ist das überwiegend fremd und damit wechselwirkend fremd in Staaten, die hauptsächlich islamisch geprägt sind. Die Religion des Islam hat selbstverständlich eine derart weltlich Seite, dass sie nicht nur sagt, was gut und richtig oder aber verboten ist, sie trachtet danach, Wirkregeln mit Gesetzeskraft vorzugeben. Es gibt also ein islamisches Recht, das aus Offenbarungen und nicht aus dem Willen des Volkes abgeleitet ist und das sich das Volk mit Hilfe der Religion zu eigen machen soll. Diese Scharia unterliegt in der Praxis unterschiedlichen Deutungen und hat vor allem dann eine konkurrierende Wirkung zum staatlichen Recht, wenn irgendwo die Bindung an ein bestimmtes Islamverständnis absolute Bedeutung zugesprochen wird.
Das neuzeitliche Demokratieverständnis, das auf den Freiheitsrechten basiert, ist mit dem organisierten Islam nur selten vereinbar. Es ist freilich nicht auszuschließen, dass sich unabhängige Moslems in Gemeinden innerhalb der staatlichen Rechtsordnung zufrieden zusammenfinden. Allzu häufig ist das aber nicht der Fall, wie die ins Gerede gekommenen salafistischen Gemeinden zeigen.
Nun war es lange Zeit so, dass die 3,5 Millionen Türken in Deutschland in der Religionsausübung keine allgemeine öffentliche Aufmerksamkeit fanden. Die Idee zentraler Moscheen entwickelte sich spät und zunächst auch langsam. Das änderte sich, als die türkische Regierung ein Religionsministerium einrichtete und später mit der Regierung Erdogan, Politik über dieses Ministerium betrieb und dazu die Religion staatsdienlich instrumentalisierte. In Deutschland wurden die Tendenzen, Politik über Moscheen und deren Imame zu betreiben eher folkloristisch oder als Spielart einer respektablen Weltreligion betrachtet. Dabei ist seit vielen Jahren klar, dass die in Deutschland vom türkischen Staat betriebenen DITIB-Moscheen, vorrangig für den türkischen Staat arbeiten, der auch die Imame anstellt und den Islam selbst für seine Zwecke spezifiziert. Alternativen dazu gibt es in Deutschland kaum. Freigläubigen und eigenwilligen Türken wird das Leben schwer gemacht. Der Deutsche Staat bekommt das nur mit, wenn entsprechende Attacken in strafbaren Übergriffen enden.
Dass nun deutsche Lehrer von der DITIB bespitzelt werden verwundert nicht. Wahrscheinlich gibt es das als Eigenleistung dieser Gemeinden schon lange.
Dass die DITIB auch als wichtiger Kooperationspartner deutscher Ministerien arbeitet, um einen Islamunterricht in deutschen Schulen zu etablieren, war bisher darin begründet, dass die DITIB im Vergleich die überwiegende Anzahl moslemischer Gläubiger hinter sich hat. Nicht im Blick war bisher das staatlich reglementierte Religionsverständnis, das sich weder mit einem diskursiven Islamverständnis noch mit einer demokratischen Daseinsgestaltung verträgt.
Was und wie jemand glaubt, das hat den Staat in seinem Selbstverständnis nicht zu interessieren. Wenn – wie im Fall der DITIB – allerdings geltendes Recht unterlaufen wird und heilige Bücher so gedeutet werden, dass die türkische Regierung per se im Recht ist, dann ist es Zeit, auch einmal die Verfassungsfrage zu stellen. Offenbar etabliert sich hier unter der Religionsfreiheit eine Wahrheitsorganisation, die fremden Mächten dient und in die demokratisch verfasste Gesellschaftsordnung hineinregnet.
Herr Erdogan hat ja schon oft seinen Wahlkampf nach Deutschland getragen und Wohlverhalten für die türkische Sache und den Himmel eingefordert. Jetzt verankert er sein Standbein in Deutschland.

Bei alldem ist es wohl erforderlich, der DITIB die Arbeitsmöglichkeiten in Deutschland zu untersagen. Sie ist als staatliche türkische Einrichtung nämlich nicht selbständig reformierbar. Die Bildung unabhängiger Glaubensgemeinschaften als ein Ersatz wäre dagegen zu fördern.

Schutzzoll, Strafzoll oder einfach nur Zoll

Der neue US-Präsident Trump setzt auf Zölle, um „America great again“ zu machen.

Zölle sind Einnahmen für jemanden, der eine Grenze zieht, sie bewacht und fremden Grenzgängern für irgend etwas Geld abknöpft – wenn er stark genug ist, das auch durchzusetzen.
Was mit dem Geld passiert, ist dabei nicht vorgeschrieben. Es bleibt jedenfalls innerhalb der Grenze als Einnahme verfügbar.
Zölle haben also stets den Beigeschmack vom Egoismus des Raubritters oder dem Nationalismus von Staaten. Mit der Renaissance der Grenze bei gleichzeitiger Reduzierung völkerverbindender Bemühungen, bekommt der Zoll seinen Glanz zurück.
Allerdings sind Zölle in einem vertretbaren Rahmen und ausgehandelt zwischen den Staaten beiderseits der Grenze auch ein probates Mittel der Wirtschaftspolitik. Aber selbst bei entsprechenden Zollabkommen ist selten von der Hand zu weisen, dass der Stärkere und nicht der Vernünftigere den Zoll auf seiner Seite hat. Es hat bereits Zollkriege gegeben, um jemanden hinter der Grenze in die Knie zu zwingen.

Deshalb erscheinen mir Begriffe, wie Strafzoll oder Schutzzoll, von denen jetzt immer die Rede ist, ziemlich abwegig. Was sie suggerieren, ist im Zoll selbst bereits enthalten.

Mein Biathlon

Ich war 13 Jahre alt, als ich die Olympischen Spiele im Fernsehen sehen konnte, im Sommer und im Winter. Das Fernsehen war noch farblos, die technischen Möglichkeiten der Aufnahme, Übertragung und Vorführung auf dem kleinen Röhrenfernseher waren bescheiden. Nach den Spielen 1960 (Rom /Squaw Valley) haben wir dann so ein Buch gekauft, in denen die Sportler vorgestellt und die allgemeinen Hintergründe der Sportarten und die besonderen Bedingungen und Ergebnisse vor Ort vorgestellt wurden. Damals war im Winter der Eiskunstlauf von hervorragendem Interesse. Während die Erwachsenen angespannt die Kür verfolgten und jeden Zweifachsprung bejubelten, hatte ich nur Freude, wenn der unvermeidliche Sturz auf glattem Eis wirklich stattfand. Das Olympiabuch lag mir näher. Ich kannte bald alle Sportarten und alle tragischen wie glorreichen Helden. Ich wusste sogar welche Fechterin mit welchem Boxer irgendwo im Olympischen Dorf getanzt hatte. Dieses Buch lieferte weitaus mehr als die Berichterstattung. Biathlon kam mir total exotisch und eher als Relikt aus den Kriegszeiten vor. Da liefen Männer mit Knarren in den Wald und kamen dann irgendwann wieder raus. Es waren in meiner Erinnerung vornehmlich Russen auf den vorderen Plätzen. Zu sehen gab es eigentlich nichts, weil nie eine Kamera dabei war. Ich dachte an irgendwelche sibirischen Beamten, die mit Ski und Knarre Dissidenten fingen und dann, anstatt einer ordentlichen Bezahlung, ihrem Vaterland die Ehre auf internationalem Parkett sichern durften. Ja wirklich, so habe ich das damals gedacht. Es war für mich faszinierend, hatte aber überhaupt nichts vom dem, was heute diesen Sport ausmacht.

Was wohl nie vorauszusehen war, ist passiert. Biathlon ist zur Premiumsportart geworden, neben Fußball und Formel 1.

Das liegt daran, dass Biathlon bis zum Ende des Wettbewerbs außerordentlich spannend bleibt und mit medialem Aufwand so ausgestaltet vermittelt wird, dass man jedes Teilereignis miterleben kann. Der Sport wäre bei gleicher Qualität ohne die Medien ein Nischenprodukt, das kaum den Athleten ernähren könnte. Jetzt erlauben es die Zuschauerzahlen, an allen möglichen Stellen Kameras und Experten zu platzieren. Ich gucke verdammt gern Biathlon und freue mich besonders dann, wenn ein Außenseiter ganz nach vorn läuft.

Aber es wird wohl alles anders:

Schneefall kann Wintersport unmöglich machen.
Mangelnder Schneefall kann dagegen mit technischen Hilfsmitteln überbrückt werden.

Der erste Schritt ist also getan, den Wintersport nahtlos in den Sommersport zu übernehmen.


Ich sehe meine Zukunft als Biathlontrainer:
„Hopp, Hopp – auf geht´s!“

Fakenews 0.9

Die seriösen Zeitungen haben allesamt ein Onlinederivat, um auf allen Kanälen mitzuspielen. Die Berichterstattung muß dabei unmittelbar erfolgen, also am besten gleichzeitig mit dem Ereignis, über das es zu berichten gilt. Denn nur der erste gewinnt, Leser, Zuschauer, Werbung und Fame und sonst noch was.

Dabei passieren dann allerdings merkwürdige Dinge. Die Rechtschreibfehler steigen rasant an. Schlechte und unbedeutende Texte überlagern das gewohnte journalistische Niveau. Zweit- und Drittverwerter kochen am Rande des Journalismus meinungsgeprägte Sonderanrichtungen.

Es wundert also nicht, wenn heute Spiegelonline zunächst meldete, das Bundesverfassungsgericht habe die NPD verboten, obwohl das Gegenteil der Fall war. Die Redaktion war merklich betroffen und will aus der Erfahrung lernen. Es ist zu bezweifeln, ob das in aller Schnelle möglich sein wird.

Das ganze Konglomerat ist also ganz schön verfakenewed, obwohl die Absicht der Irreführung noch gar nicht voll entwickelt ist.

Lack ab und OBsolet

Gestern war ich mal wieder in Oberhausen.

Ich bin dort bedingt einheimisch.

Deshalb habe ich eine überzogene Sensibilität für die Lebenswertigkeit und Liebenswürdigkeit dieser Stadt.

Ich war abends in der Luise-Albertz-Halle und habe mich mit Herbert Knebels Affentheater und ein paar Freunden amüsiert. Das Affentheater wirkte weit über den Einsatz der gitarrensaitige Massachusetts-Klemme hinaus.

Die Halle ist ein Zweckbau der 60er Jahre und wird gnadenlos als „gute Stube“ der Stadt angepriesen, obwohl sie schon bald nach der Fertigstellung zum bundesweit führenden Zuschussgeschäft dieser Art wurde. Heutzutage ist es ein Hohn, die aus der Zeit gefallene Halle als gute Stube zu bezeichnen. Aber es wird trotzdem gern gemacht. Die Vielzweckoptimierung erlaubt alles, aber nichts so richtig. Die Gemütlichkeit einer guten Stube ließ und lässt sich hier auf keinen Fall vermitteln. Man sieht es dem Haus an, dass es nicht wirtschaftlich betrieben werden kann. Man kann sich allerdings mit dem Bühnenprogramm ablenken. Ab und zu ist der große Saal also voll, während der weit überwiegende Rest des Hauses künstlich umnachtet überdauert.

Bei der Anfahrt habe ich als Anführer eines Konvois einen Fehler gemacht und das benachbarte Parkhaus angesteuert. Was in anderen Städten zum Wohl des Besuchers wirksam entschärft ist, trifft den Konzertbesucher in Oberhausen an dieser Stelle knochenhart: Um die Fahrzeuge nach der Veranstaltung auszulösen, bildete sich in Kälte und Feuchtigkeit eine dichte Menschenschlange von 80 Metern, die sich dann über eine Stunde so langsam selbst unter den Augen herumstehender Sicherheitsarbeiter abarbeitete. Ich habe so etwas anderenorts bei keinem Theater- oder Konzertbesuch erlebt. Meist sind solche Parkplätze sogar anlässlich einer Veranstaltung schrankenlos und kostenfrei, selbst dann, wenn sie ein kulturferner Eigentümer betreibt

Ja, Oberhausen, das wird wohl nichts mehr!

Dabei gibt es dort ein Publikum, das sachkundig den Humor des westlichen Ruhrgebiets nicht nur versteht, sondern selbst auch hervor bringt. Herbert Knebels Affentheater hätte in anderen Gegenden der Republik arg zu knacken. In Oberhausen ist das wohltuend anders.

Wie ich höre, muss aus Kostengründen demnächst ein AfD-Parteitag in der guten Stube veranstaltet werden.

Aber ich bin ja schon längst auf der Autobahn …

Luck up! & Glück auf!

 


Aktuelle Ergänzung:

In Oberhausen veranstaltet die AfD einen Parteitag in der Luise-Albertz-Halle.
Ein Protest gegen die AfD ist vorbereitet, aber in diesem speziellen Fall nachrangig.
Die mit der Stadtpolitik verbandelte Geschäftsführung der Halle hat einen Vertrag mit der AfD abgeschlossen! Ziel einer Protestkundgebung muß nach meinem Verständnis diese Geschäftsführung sein.
Solche Proteste gegen die AfD wirken wie eine Konfektionsware, man verzichtet auf ein passgenaues Finish.


Aktuelle Ergänzung II:

Der öffentlich Druck wirkt. Armselig ist es, dass die Geschäftsführung der Halle noch eine Arbeitsanweisung beim Hauptausschuss  bestellt, nachdem sie zuvor der AfD ein Mietangebot gemacht hat, das auch angenommen wurde. Solche Spiele sind Aufwind für die Rechtsradikalen!

Und nun offenbaren die Hallenverantwortlichen, dass sie nicht wissen, was unter dem entscheidenen juristischen Aspekt ein Vertrag ist. Es sind zwei übereinstimmende Willenserklärungen (die ja offenbar vorliegen). Ein Anspruch auf Erfüllung des Vertrags ist dann eigentlich eindeutig und kaum zu vermeiden. Ich bin gespannt!

 

Fleischtomate reverse absahnen (wenn sie wissen, was ich meine)

Man muss ja nicht jede Nebensächlichkeit zum Thema machen. Wenn der Landwirtschaftsminister Schmidt das Thema aussucht, kommt man allerdings kaum daran vorbei, sich dazu zu äußern.

Ich erinnere nur daran, als er sein Klientel mit einem Biss in den Apfel und dem einleitenden Spruch promotete: „An Apple a day, keeps the doctor away.“ Empirische Belege für diese englische Volksweisheit, blieb er zudem schuldig.

Jetzt kümmert er sich zum Wohl seines Klientels schon wieder um die Volksgesundheit. Er möchte gern durch einen gefälligen Sprachgebrauch der veganen Currywurst das Trittbrettfahren auf der fleischgewordenen Wurstwelle vergällen. Deshalb ist er bestrebt, die Sprache anzutasten, die bekanntermaßen der Gemeinschaft der Sprechenden gehört und nicht irgendeinem einzelnen Menschen. Er will beispielsweise der veganen Currywurst die „-wurst“ wegnehmen.

Und schon sehe ich mein ewiges Lieblingswort Wurstfinger in Gefahr und überall in der Republik gibt es Menschen, denen nun die wunderbarsten Dinge einfallen, die dem Minister zum Opfer fallen würden. Zum Glück ist der freie Sprachgebrauch grundrechtlich geschützt. Der Minister kann es so halten, aber bereits sein Staatssekretär kann es anders handhaben als er. Selbst Homonyme und Polyseme werden dem Minister vermutlich ein Dorn im Auge sein. Das bei Kindern so beliebte, wie lehrreiche Teekesselchenspiel ist also in Gefahr.

Harald Martenstein hat die ministeriellen Sprachwirrungen höchst amüsant in das Groteske verlängert.

Wurst und Feuerzeug ohne Hund

Insgesamt sehe ich den autonomen Bürger aber auf einem guten Weg, die Würste nicht zu verwechseln und sich auch von einer Lebensmittelampel nicht davon abbringen zu lassen, sich selbst ein Bild von der zur Unkenntlichkeit verarbeiteten Nahrung zu machen.