Scheinheiligkeit

Die Vertreter der Katholischen Kirche treten auf, wie professionell studierte Betroffenheitspräsentanten und machen den Glauben, mit einer empirisch fragwürdigen Studie, die lediglich in die richtige Richtung geht, brauche man nur noch durch kleine Luken im Kirchengebäude auf kleine Segmente der Vergangenheit blicken lassen, während der Missbrauch von Kindern „munter“ in die nächste Runde geht.

Betroffenheit und Scham sind ja nicht die Lösung des Problems, sondern die öffentliche Behandlung des Missbrauchs und seiner Folgen.

Wer Gefühle deutet, geht oft von der Idee aus, dass sie echt sind. Das muss aber nicht so sein. Es braucht nur etwas Übung, Gefühle zu zeigen, die man nicht hat.

Dass sich etwas tut in der Kirche, messe ich allein daran, dass die Kirche einen schonungslosen Zugang zu allen Missbrauchsfällen herstellt und fördert.

Mich erinnert das alles auch etwas an die Schaden-Nutzen-Kalkulation der Autoindustrie, die die Reparaturen den betrogenen Autobesitzern überlässt und zwischenzeitlich etwas reumütig die Politik und die Behörden hinhält.


Die Kirche ist nach ihrem Selbstverständnis im Kerngeschäft ohne Demokratie ausgestattet, sondern auf Gott ausgerichtet. Das hat groteskerweise zur Folge, dass allein das Fehlverhalten in der Kirche menschliche Züge trägt. Ein menschlicher Umgang mit Verfehlungen ist in der Demokratieferne folglich auch nicht vorgesehen. Es bleiben die gütige bis strafende Gerechtigkeit Gottes in Verbindung mit systematischer Vertuschung. Das Verfahren findet immer seine Anwendung, beim Missbrauch anderer Menschen, wie bei der weltlich beanstandungslose Liebesbeziehung von Priestern. Allein der Druck der aufgeklärten Kirchenumgebung fegt Wind hinter die Kulissen. Die Kirche hat nicht einmal zugelassen, dass die auf öffentlichen Druck bestellte Studie zum sexuellen Missbrauch den grundlegenden Regeln der Wissenschaft folgen konnte.

Tendenzbetrieb

Es besteht weitgehende Einigkeit darüber, was jetzt, mit dem August 2015, auch mit langer Verzögerung in Arbeitsverhältnissen mit der Katholischen Kirche angewendet werden soll: Man darf beispielsweise mehrmals nacheinander heiraten, ohne auf seinen Arbeitsplatz verzichten zu müssen. Eigentlich müssen Tendenzbetriebe ihrer Tendenz ja treu bleiben. Denn diese Tendenz ist ihr existenzieller Markenkern. Deshalb hatte ich gegen die teils skurrilen Vorschriften bei aller Ungerechtigkeit nichts einzuwenden. Denn der Mensch ist ja frei, sich anderen Betrieben zuzuwenden. Kritisch sah ich es nur dort, wo Tendenzbetriebe sich überwiegend mit Geldern des Staates finanzierten. Bei den Kindergärten ist das beispielsweise der Fall. Ich glaube fest daran, dass der aktuelle Verzicht auf alte Tendenzregeln nicht das Ergebnis einer theologisch fundierten Erneuerung ist, sondern lediglich dem Überleben in einer Welt dient, die sich ungestraft und kaltschnäuzig über die Regeln der Kirche hinweg setzt. Der Nebeneffekt ist, dass der Tendenzbetrieb an Profil verliert. Ganz nebenbei ist das auch schade. Ich mag Institutionen lieber, wenn sie mit ihren Grundsätzen streitbar untergehen, als wenn sie sich mit aufgehübschten Schokoladenseiten in die ewige Zukunft quälen.

Der Moslem als Schützenkönig

Aktuell wird zum Problem, was sich der auf der Straße gefragte Deutsche immer so unter Integration vorstellt: Wer so handelt wie der vermeintlich „gute Deutsche“ hat sie integriert – fertig. Was Integration sonst noch so sein könnte, wird erst gar nicht erwogen.

Nun ist irgendwo in Westfalen, wo auch das Schweinefleich als unverzichtbareres Grundnahrungsmittel hoch gehandelt wird, ein Moslem zum Schützenkönig geworden.
Zunächst versteht ja niemand, warum dieses scheinbare Musterbeispiel der Integration zum Problem werden kann.
Dem Moslem nutzt es auch nichts, dass seien Frau katholisch ist und er damals zum Abiturium den Leistungskurs Katholische Religionslehre gewählt hatte.

Doch die anzuwendende Satzung des Dachverbandes der Schützenvereine steht dagegen: Er hat im Schützenverein nichts zu suchen!
Ja, es ist so, Vereine und Verbände und auch Religionsgemeinschaften bilden in unserer Gesellschaft eine Vielfalt ab, die insgesamt höchst vernünftig ist, sich aber zusammensetzt aus Einzelteilen, die uns abstrus bis abartig erscheinen. Es gibt Raucherclubs, Vereine für Übergewichtige, Fanclubs für längst verstorbene Popstars und selbst die katholische Kirche ist nie angetreten, im Kerngeschäft demokratisch zu wirken.
Wir sollten uns also die Vereine, die zur Verfügung stehen gut angucken.
Gerade in der Katholischen Kirche gibt es immer wieder die Kritik, dass sie nicht demokratisch sei, so als habe sie die Demokratie zur Grundorientierung, verwirkliche sie aber nicht. Einfacher wäre es und es würde auch die Vielfalt sicheren, wenn man nicht gerade im Chinarestaurant ein Wiener Schnitzel bestellt, und auch die katholische Kirche in ihrem Selbstverständnis respektiert. Man ist ja frei, eine andere Kirche zu wählen oder gar zu gründen.
Mit den Schützenvereinen, die vor einigen hundert Jahren meist im Schulterschluss mit der katholischen Kirche christliches Brauchtum tradieren, ist es nicht anders. Sie sind nun mal traditionell weder für Moslems noch für Juden zugänglich.
Der Fall des muslimischen Schützenkönigs muss also nicht daran gemessen werden, ob der Verein dem Wunsch dieses Schützenkönigs und dem Anspruch vieler anderer gerecht wird. Offenbar war der besagte Schützenkönig im Irrtum darüber, worauf er sich eingelassen hat. Er sollte sich zunächst einen Verein suchen, in dem er wirklich willkommen ist. Möglicherweise ist der eine oder andere Schützenbruder dort wohl auch nicht richtig. Freilich kann der Dachverband sich ändern und die Vorschriften für die Mitgliedschaft für viele Kulturen und Glaubensrichtungen öffnen. Eine Änderung, die sich plötzlich aus dem genannten Fall ergibt, wäre reiner Populismus.
Ich rate dazu, über Eintritte und Austritte abzustimmen! Dann haben wir letztendlich die Vereine, die wir verdienen. Und die Vielfalt ist gesichert. Es ist kein gute Idee, Pizza Funghi ohne Pilze zu bestellen oder aber Vereinen abzuverlangen, was sich gar nicht sein wollen.