Fußballzeit

Und hier noch eine Entdeckung aus diesen Tagen:

Die Industrie ist mittlerweile so trendsicher wie die Reichsbürger, während der handwerkliche Bäcker sich qualitätsvoll zugrunde schuftet.

Ich würde das niemals essen.

Was schon bei Fischstäbchen nicht klappt, nämlich sie auf der kleinsten Fläche anzubraten, klappt auch bei diesem Kuchenstück nicht. Wie soll man es um Himmels Willen platzieren, damit es normgerecht die Deutschlandfahne abbildet?

Ticket to paradise

Meine Ausgaben für Parkgebühren übersteigen in den letzten Jahren meine Ausgaben für handgefertigtes Speiseeis erheblich. Es war einmal andersherum, obwohl auch die Preise für Eis gestiegen sind. Um die alte Ausgewogenheit zurück zu holen, stelle ich in der Straße des favorisierten Eisdeales mein Auto ins Halteverbot – ohne den fließenden Verkehr zu beeinträchtigen oder etwas zu bezahlen. Die Parkplätze am Straßenrand sind ohnehin alle belegt. Ich stelle mich in eine Einfahrt, durch die ich noch nie ein Auto habe fahren sehen. Ich gehe dann die 20 Schritte zum Eisdealer, während meine eisliebende Mitfahrerin im Auto das Szenario durchgängig prüft und erforderlichenfalls mit dem Ordnungsamt verhandelt. Aber dann fahre ich ja auch schon wieder weiter:

Heute gab es „Strawberry Cheesecake“ und Limoncello“ …

Das Kuchenstück

Die meist vor dem Verzehr geschnittenen Kuchenstücke sind eine bewährte, sehr praktische Digitalisierung von Kuchen und Torten. Anstatt sie nach Gewicht, nach Quadratzentimetern oder etwa löffelweise anzubieten oder zu verkaufen, gibt es eben möglichst gleich große und gleichwertige Kuchenstücke, die eigentlich jeder Mensch gut als Einheit akzeptieren kann. Manche essen sogar mehrere.

In den letzten Jahren hat sich eingeschlichen, dass der potentielle Konsument die Kuchenstücke im Privatbereich nicht mehr in der vorgefertigten Form akzeptiert. Er fordert meist halbe Stücke oder seltener besonders große Stücke und wird nicht verlegen, das auch noch zu begründen. Bäckereien folgen diesem Trend mit gutem Grund bisher nicht. Für mich ist die Infragestellung der Vorfarmatierung von Kuchenstücken eine Selbstbestimmung am falschen Objekt von Menschen, die  irgend etwas besser zu wissen glauben, anstatt sich einfach mal auf Vorgaben einzulassen. Wer nicht weiß, ob er ein zweites Stück vom Kuchen will, muss sich einfach nur entscheiden. Er wird danach weder verhungern noch zerplatzen.

Die Kuchentafeln mit zweigeteilten oder noch anders geteilten Kuchenstücken sind mir ein Graus. Ich verlasse auch gern den Raum, wenn der Gastgeber im voreilenden Gehorsam bereits alles verbröselt und vermatscht hat, um eine Vielfalt der verkleinerten und verkrüppelten Stücke zu zelebrieren.

ziemlich heidnisches Kuchenstück

Gestern war ich bei einem Beerdigungskaffee, der eigentlich Raue heißt. Es gab Brötchen, Wurst und Käse und gleichgroße Stücke Blechkuchen mit unterschiedlichem Belag auf Tellern angerichtet. Es war für alle genug da. Und dann meinte jemand, er müsse alle Kuchenstücke in der Mitte durchschneiden, damit nicht die eine isst, was der andere gern gegessen hätte. Und dann hat er es tatsächlich auch noch gemacht! Ich hätte gern ein vollständiges Stück Mohnstreusel gegessen. Das ging dann aber nicht mehr. Ich habe mir dann ein paar Brötchen belegt und niemandem eine Brötchenhälfte angeboten. Brötchen esse ich aus der Hand, Kuchen im belgisch-niederrheinischen Style mit Messer und Gabel.

Nachtrag 1:

Ich erzähle die Kuchenstückgeschichte beim sonntäglichen Nachmittagskaffee. Da gehört sie ja auch hin. Ich hätte die Geschichte vorlesen sollen. Denn die Reaktion war: „Es kann schon zu viel sein, wenn ich so ein Kuchenstück esse und dann schmeckt das am Ende fies und ich brauche lange, bis mein Körper wieder auf normal schaltet und für schmackhafte Nahrung zu gebrauchen ist. Wenn ich Besuch bekomme, dann lege ich zuvor schon ein Messer bereit, damit niemand hungrig bleibt oder zu viel essen muss.“ —

Ich habe darauf erst gar nicht reagiert. Ich bin doch kein Missionar. Zur Aufklärung könnte ich ja irgendwann einmal eine ungeschnittene frische Torte mit lediglich einer unbegrenzten Anzahl von Löffeln bereitstellen.

Nachtrag 2:

Auf Zuruf erwähne ich den ziemlich anarchistischen Umgang mit dem Kuchen in Finnland. Richtig verstanden, ist ja die Anarchie im besten Sinn urdemokratisch. Das ist mir sehr sympathisch. Wie weit diese finnische Methode in Finnland verbreitet ist, das weiß ich nicht einmal. Aber es gibt sie dort. In Finnland gibt es also einen Kuchen und ein Messer. Jeder schneidet sich nach eigenem Gusto selbst sein Kuchenstück zurecht. Wer zwanghaft ist nimmt dann wahrscheinlich winzigkleine oder riesengroße Stücke, je nachdem, ob er immer nur an andere oder immer nur an sich selbst denkt. Die Größe und die Form der Kuchenstücke sind dabei im allgemeinen aber vollkommen gleichgültig. Das ist mir ebenfalls sehr sympathisch. Ein Bezahlsystem würde bei diesem Verfahren aber eine Waage und wohl auch eine Ombudsperson erfordern. Und ich befürchte, dass erheblich Reststücke schließlich nur im unkontrollierten Gefecht mit dem Löffel vom Kuchenblech gegessen werden können – wenn der Kuchen wirklich lecker ist. Das ganze finnische Verfahren erinnert doch stark an künsterlische und sportliche Wettbewerbe. Ich würde zum Zweck des Kuchenessens den Gedanken an Wettbewerbe unterbinden und das konfektionierte Kuchenstück wohl doch bevorzugen.

Euer Spargel 

Ich bin kein Spagelfan. Spargel ist mir, wenn es um das Essen geht, gleichgültig. In der Szene der Spagelliebhaber bin ich ein krasser Außenseiter und sehe auch die  Ökologie und die Produktionsbedingungen des Spargels höchst kritisch. Ich gehe also achtlos am Spargelessen vorbei.

Aber es gibt Gelegenheiten, da esse ich ihn ebenfalls, weil es sich nicht sinnvoll vermeiden lässt. In den letzten Tagen gab es Spargelauflauf, mit Kartoffeln, Schinken und mit Käse überbacken. Ich esse sowas, wie gesagt, eben ohne Lustgefühle, also lediglich zur Ernährung, auch wenn ich verständnislose Blicke auf mich ziehe. Aber ich schätze grundsätzlich alle Lebensmittel.

Und als Geizhals bin ich stets an einer Resteverwertung interessiert. Ich habe also die reichlichen Reste des Spargelauflaufs in den Mixer gefüllt, noch ein paar Käsereste dazu gegeben, wie auch reichlich diverse Kräuter, die direkt hinter der Küche wachsen sowie einen Sahnerest aus dem Kühlschrank. Ganz fein gemixt war die Konsistenz ziemlich dick. Ich habe die Konsistenz mit Wasser eingestellt. Das Ergebnis war eine Spargelcremesuppe mit einer ausgefallenen Kräuter- und Käsenote. Gut erwärmt auf dem Teller habe ich großen Gefallen an der Suppe gefunden. 

Gerichte, die nicht in Rezepten standardisiert und erstarrt sind, können Erlebnisse nach sich ziehen – völlig ohne Geschmacksexplosion …

Das Salz der Suppe

Wenn im Essen etwas fehlt, dann ist es fast immer das Salz. Salz schmeckt man sofort. Bis zu einer gewissen Grenze wird dadurch das ganze Gericht schmackhaft und nicht nur salzig. Salz ist kein Hexenwerk. Es ist ursprünglich einfach nur Natriumchlorid (NaCl) eine simple chemische Verbindung. Wenn wir nun 500 Gramm Speisesalz für 19 Cent oder für  300 Cent kaufen, dann müssen wir uns doch fragen, was den Preisunterschied ausmacht. An der Kochsalzformel NaCl kann es ja nicht liegen. Es liegt also an den Verunreinigungen und speziellen Zugaben. Zugegeben werden meist Rieselhilfen und Jod. Die Rieselhilfen sind nur praktisch. Sie erhalten die meist gewünschte  Salzkonsistenz, auch wenn das Salz Feuchtigkeit aus der Luft aufnimmt und ohne dies verklumpen würde. Wenn man Salz aber in geschlossenen Behältnissen aufbewahrt, braucht man auch keine Rieselhilfen. Sie sind zudem gesundheitlich höchst umstritten. Mit dem Jod ist es anders. Wenn man nicht gerade mit Seeluft verwöhnt ist, stellt sich ein Jodmangel ein, der mit der Zeit zu gesundheitlichen Beeinträchtigung führt. Weil am Konsum des Kochsalzes niemand vorbei kommt, gab es die gesundheitspolitische Idee, das Jod ohne Aufwand und nennenswerte Kosten in lebensnotwendigen Mengen mit dem Salz zu vermischen. Das gibt es seit den 1924. Es gibt aber wahlweise immer auch jodfreies Salz.

verunreinigungsresistenter Salzstreuer

Das Problem sind allerdings Verunreinigungen, die – je nach Salzgewinnungsart – bis zu 3 Prozent betragen. In der Werbung werden diese Verunreinigungen bisweilen als lebenswichtige oder doch zumindest gesundheitsfördernde Bestandteile beworben und werden dann auch teilweise erheblich teurer gehandelt. Da stellen sich die Fragen, ob sich tatsächlich ein höherer Gesundheitswert einstellt und ob dann diese Bestandteile dann doch nicht besser separiert oder in anderen Zusammehängen verköstigt werden sollen. Die Verbraucherzentalen führen die Diskussion über diese Stoffe schon lange und sehen keinen Nutzen in diesen beworbenen Zusatzstoffen, sie sind bestenfalls unbedenklich. Bedenklicher ist da schon das im Salz angereicherte Mikroplastik, vor allem, wenn es aus dem Meer gewonnen wird. Wer nach dem Geschmack geht, wird das Mikroplastik so wenig wie bei seiner Zahnpasta herausschmecken. Wer sein Essen würzen will, der sollte auf Gewürze anstatt auf Verunreinigungen setzen.

19 Cent

Wenn ich Salz essen mag, dann nehme ich eines, das dem NaCl so nahe kommt wie möglich. Es kostet schon sehr lange 19 Cent pro 500 Gramm.

Reine Chemie ist oft sehr präzise – nicht so schlecht, wie man denkt!

Brüderlein trink

Kürzlich waren wir zu viert im Liedberger Landgasthof zum Essen, Trinken und zum gepflegten Gespräch. Ich habe Malzbier getrunken, was ich immer sehr gern mag, auch wenn ich noch fahren muss. Nach dem ersten Fläschchen habe ich dann noch ein zweites bestellt, um mich bei der Gelegenheit dem freundlichen Personal gegenüber als Malzbiersommelier vorzustellen und dann Folgendes vorzutragen: Das Malzbier der ortsansässigen Brauerei  Bolten schmeckt um Länger intensiv malziger als die  leicht bräunliche und wässerige Lösung der Marke Kandi. Da war das Personal mit mir sogar einer Meinung. Da stellt sich die Frage, warum ich – was das Malzbier betrifft – kein erstklassiges Produkt bekomme, obwohl ich es erwarten können müsste. Ich habe da nicht so sehr weitergefragt, weil der Malztrunk an diesem Abend eine Nebensache bleiben sollte.

Ich weiß aber, dass gastronomische Betriebe seit alters Verträge mit Brauereien aushandeln müssen, bei denen es nicht selten um die Existenz des Gastronomen geht. Oft ist die Brauerei auch der Eigentümer des Lokals und kann weitgehend sogar diktieren, in welchem Spielraum etwas verdient werden darf. Aber auch sonst geht es in den Verträgen um Preise, Kredite, Mindestmengen, ein vollständiges Getränkesortiment, Teile der Inneneinrichtung und unverzichtbare Werbemittel wie Gläser und Sonnenschirme und die Erlaubnis, vielleicht noch Getränke anzubieten, die mit den Brauereiprodukten konkurrieren.

Und so muss ich dann das oberflächliche und schlechte Malzbier aus dem Bitburgerkonzern trinken, weil es mit der ortsansässige Brauerei aus Gründen keinen Vertrag gibt.

Mir war es trotzdem ein gemütlicher Abend.

Ganz nebenbei: Der Bitburgerkonzern ist mir letztens schon einmal unangenehm aufgefallen: In einem Getränkemarkt gab es einmal ein vorzügliches Eifeler Landbier der eher kleinen Gemündener Brauerei. Plötzlich stand an gleicher Stelle ein Produkt der Bitburger Brauerei, ein Eifelbräu Helles Landbier. Die Aufmachung war zum verwechseln ähnlich, die Farben des Etiketts und die Schrift  waren nicht zu unterscheiden, zumal man beide Produkte nicht einmal nebeneinander sehen konnte. Bitburger stand auch nur ganz klein auf den Etikett. Und wie es der Teufel will, musste auch ich erst schmecken, dass ich das falsche Bier nach Hause getragen hatte. Es schmeckte deutlich weniger gut als das, was es nun nicht mehr gab. Die Frage nach dem einen Bier wurde im Getränkemarkt stets mit einem Hinweis auf das andere Bier beantwortet.

Ich vermute auch dort einen sehr überwältigenden Machtzirkel, der den Getränkehändlern zu schaffen macht: Wenn sie auf ein gehandeltes Premiumprodukt wie Bitburger nicht ganz verzichten können, müssen sie auch dort die ganze Produktpalette bieten und gegebenenfalls auch auf bestimmte Konkurrenzprodukte verzichten.

Es kann sein, dass wir Bitburger gut finden, weil besseres Bier nicht mehr gehandelt wird. Unser Geschmacksvermögen wäre dann überflüssig und würde unweigerlich das Handtuch werfen.

„Fritten verkaufen wir nicht einzeln!“

Das soll wohl angeblich in einer Frittenbude plakatiert worden sein. Die Fritten sind zu wenig vereinheitlicht, um sie zum Verkauf sinnvoll abzählen zu können. Was aber geht – und ja auch in bestimmten Ländern gemacht wird – ist, den Preis nach Gewicht zu bestimmen. Anfang der 90er Jahre auf Radtouren durch Polen, da kamen die Frytki immer zunächst auf die Waage. Das fand ich erstaunlich aber gerecht. Vorbeugend sage ich: Pivo war in Flaschen.

Die Kundenabfrage

Der Heinemann ist überregional beliebt für den erstklassigen Kuchen. Mir schmeck er auch. Die Filialen haben exquisite Standorte und man zahlt dort auch gern einmal einen Euro mehr.

Heinz-Richard H. kommt überall und tagtäglich vorbei, um am Puls der Zeit die neuesten Depeschen zu lesen. Den Schlüssel hat er ganz allein und gut in der Kleidung versteckt. Da kommt sonst niemand ran, wenn nicht gerade das Publikum – gern etwas älter und mit Hut – etwas abseits sitzt. Wenn einmal wieder die Preiserhöhung von einer Kuchenstückverkleinerung abgelöst wird, soll der Kasten schon mal überquillen. Ich habe das aber noch nie gesehen. Also: Ich hab den Herrn auch noch nie gesehen. Meine Hand passt sehr gut in den Lüftungsschlitz.

Was kostet das Essen?

Jetzt stellen Politiker fest, dass im internationalen Vergleich die Lebensmittelpreise in Deutschland sehr gering sind. Das stimmt. Aber der Unterschied zu anderen Ländern ist nicht besonders auffällig. Arme Menschen haben durch die Geschichte letztlich erfolgreich dafür gekämpft, dass sie sich vielfältiges und gesundes Essen leisten können. Der Freischütz wurde als bösartiger Wilderer gebrandmarkt, obwohl er nur mit revolutionärer Attitüde den Überfluss der Waldbesitzer in die Mägen hungernder Familien umgeleitet hat. Vielleicht haben die Menschen gerade in Deutschland besonders erfolgreich gekämpft. Wer die Absicht hat, an den Preisen zu drehen, muss also mit Widerstand rechnen, der auch in der Geschichte begründet ist.

Es stimmt aber nicht, dass heutzutage der Lebensmittelhandel als Wohltäter armer Leute agiert. Geschäftliches Handeln hat anderes im Sinn. Solange die Einkommen für viele Menschen keine Gestaltungsspielräume haben, haben Handelskonzerne jeglicher Art leichtes Spiel, der Menschen Geld zu ihrem Wohl in ihre Kassen zu schleusen. Das unterdimensionierte Einkommen hat aber auch noch andere Trittbrettfahrer der Wohltätigkeit, nämlich die „Tafeln“(!?), die die Produktionsüberhänge auch noch kostenfrei raushauen und dem Staat ersparen, Rentner und prekär Beschäftigte mit so viel Geld auszustatten, dass man davon würdig und selbstbestimmt leben kann.

Davon abgesehen gibt es nur wenige Möglichkeiten, so etwas wie Lebensmittel einfach mal teurer zu machen. Und die Qualität würde dadurch auch nicht unbedingt besser, wenn man mehr bezahlt, so wie es die Bauern fordern, die gerade mit überdimensionierten Dieselaggregaten durch die Republik düsen. Wie der Bauer es sich vorstellt, funktioniert die Volkswirtschaft nicht. Ich werde einen Teufel tun, denen, die in der Foodbranche Gewinn machen, freiwillig noch mehr Geld zu geben für nichts. Wir können handeln, mehr aber auch nicht. Angebot und Nachfrage kann man nur durch begleitende Vergünstigungen und Erschwernisse an zahlreichen Stellen des Wirtschaftssystems und auf gewandelten Märkten mit neuen Impulsen ausrichten, wenn die zugleich vom Bürger und Verbraucher als gerecht erlebt werden. Fehlentwicklungen können also nur sehr langsam korrigiert werden. Den Preis für Grundlebensmittel zu erhöhen – egal wie -, das hat zudem schon immer die Menschen auf die Barrikaden getrieben. Der Versuch der Superfoodlabelwirtschaft, bestimmte Produkte so zu präsentieren, dass der Verbraucher allein im Vertrauen auf solche Label mehr bezahlt, hat bisher nicht gewirkt. Diejenigen, die trotzdem Labeln folgen, haben nur ihre Verbraucherpflicht abgegeben, selbst die Qualität der Produkte zu begutachten.

Als ich letztens in der Filiale einer Bäckereikette war, gab es dort diese preiswerten Brötchen, die noch billiger sind, wenn man 10 Stück davon kauft. Sie sahen mitleiderregend aus und schmeckten auch so. Separiert wurden Edelbrötchen zum 3-fachen Preis der billigen Brötchen angeboten, die besser waren, aber längst nicht so gut wie zu den Zeiten, als es diese Upgradebrötchen noch nicht gab. Mir ist klar, wie die Preise kalkuliert sind. Einen Einfluss darauf habe ich aber nicht. Eine Frage danach hat bäckereikettenübergreifend stets zur Antwort: „Der Kunde will das so!“ – und ich bin charmant in die Ecke des Außenseiters gedrängt, obwohl ich doch in meinen Gedanken absolut im Mainstream schwimme. Das einfache Brötchen guter Qualität ist zur Illusion geworden. Es wird also gar nicht erst verkauft. Wir werden die Erinnerung daran bald vergessen haben.