Bereits ein einzelner Kürbis kann dich aus der Bahn werfen

Es gab ja mal Zeiten, in denen Lebensmittel nicht weggeworfen wurden. Es war die Zeiten des Hungers, aber auch die Zeiten des Überfressens bei günstiger Gelegenheit.

Dabei ist die Natur ohne den Menschen so extrem verschwenderisch, dass sie sich gar selbst weg wirft und sich sogar notfalls ökologisch sinnvoll entsorgt. Der Weizen käme mit sich selbst klar. Die Bucheckern und Kastanien warten massenweise auf zyklisch gute Lebensbedingungen und gehen, ob vernascht oder nicht, irgendwie den Weg alles irdischen.

Bei den Kürbissen ist das wohl anders, denn der Ablauf gerät ins stocken. Stell dir vor, du hast so ein tonnenschweres Teil im Garten, was ja wohl öfter mal so ist. Du findest, wie von weiser Hand vorbereitet, immer und überall Kochrezepte und Bastelanleitung für den Kürbis. Du stattest deine Küche mit einem Kran und diversen Motorsägen, Messgeräten, Elektromessern, Zerschnitzelmaschinen und Hochöfen aus. Du beschaffst dir tonnenweise Gewürze, um die blöde Masse geschmackvoll und in divers eingestellten Texturen auf den Tellern herzurichten. Deine Küche gleicht einem Industrieschlachthof. Dein Esszimmer ist auf mitesserfreundliche Gastlichkeit getrimmt. Und wenn dein Ranzen nach dem Essen spannt, ist nicht viel gewonnen.

Der Kürbis wird trotzdem noch auf Jahre deine Küche dominieren und dich vom kochen leckerer Gerichte fern halten. Dabei warten im Garten und im Handel noch überwältigende Kürbisreserven. Sie quellen unübersehbar ins öffentliche Bewusstsein. Aber du hast ja mittlerweile eine unendliche Breite der Kürbiszubereitung im Portefeuille und erzählst zur Not sogar im Fernsehen, wie geil und vielfältig so ein Kürbis ist und schiebst mit Freude noch dein Lieblingsrezept nach. Und so weiter.

Ich bin derweil in die Fritte verliebt, weil sie ohne Federlesen guten Geschmack und Sinnlichkeit vermittelt. Eine große, heiße Tüte Fritten in kalter Nacht zwischen den Fingern, die würde ich für nichts in der Welt eintauschen. Dagegen ist der Kürbis eben nur eine blöde Masse, die letztlich nur unverrückbar platziert ist.

Der Knusperich, der Knusperich, das war ein arger Wüterich

Die Brötchentests der 70er Jahre haben das Merkmal der Knusprigkeit erstmalig verbindlich definiert und im Bewusstsein der Menschen nach oben gespült. Fortan ging es eigentlich immer nur um die Knusprigkeit aller möglichen Speisen und der gute Geschmack wurde undifferenziert beiseite gelegt. An Ende bin ich mehrmals täglich aufgeschreckt, wenn wieder jemand das ultimative Verständnis irgendeiner Sache in der Knusprigkeit münden ließ. Zum Selbstschutz habe ich dann das Wort geächtet. Doch die Knackigkeit – von Salaten – wurde schnell hinterher geschoben. Das war nicht besser. Warum in aller Welt muss ein Salat knackig sein — und was ist das überhaupt?

Heute habe ich für das Frühstück Brötchen gekauft. Sie waren sehr unangenehm überknusprig, so dass ich zum Essen ein Tablett nehmen musste, damit die umherspritzenden Krümel wenigstens notdürftig eingefangen werden konnten. Die Krümel waren laut und haben auch noch meine Lippen aufgerissen und die Mundschleimhaut malträtiert. Sie konnten nur mit Kaffeegaben abgemildert werden.

Mein Gott, — womit habe das verdient? Denn die Welt ist doch im wesentlichen bunt und vielleicht auch etwas weich.

Ein kleiner Kulturschock

Wir haben ein Futterhäuschen, das so gebaut ist, dass sich nur kleine Vögel dort niederlassen könnten. Es ist einem Wohnhaus nachgebildet und über der Tür steht Welcome.Die Sorge, dass die Vögel gar kein Englisch können, erwies sich sehr schnell als unbegründet.

Jetzt ist es aber so, dass riesengroße Rabenvögel Gefallen daran gefunden haben, das Futterhäuschen derart intensiv und ruckartig in Schwingung zu versetzen, dass dabei ein Teil des Futters aus dem Häuschen fliegt und danach bequem auf der Erde auch von jedem dicken Vogel verspeist werden kann. Die kleinen Vögel trauen sich kaum noch, das Futterhäuschen bestimmungsgemäß zu nutzen. Jetzt werde ich – wohl oder übel – auch noch auf das Häuschen schreiben: Only for little birds!

Nussknackersuite

Ich habe mich als Eigentümer eines mächtigen Walnussbaumes autodidaktisch als Nussknacker mit dem Schwerpunkt Walnuss qualifiziert.
Wenn ich nun die unzähligen Nussknackhilfsmittel auf dieser Welt sehe und die dazu gehörigen Nussknackertests lese, dann muss ich arrogant schmunzeln. Die meisten Werkzeuge bleiben harmlos, auch wenn man beispielsweise mit der Faust auf eine Kunststoffhalbkugel schlagen muss, unter der sich eine Nuss befindet, die auf einem Stahlteller liegt. Anders lag der Fall eines Mannes aus Anklang in China, der die Nüsse über mehrere Jahrzehnte mit einer scharfen Handgranate geknackt haben soll Ohr zu wissen, was er da machte. [•]

Deshalb sage ich euch einmal, wie man eine Walnuss optimal öffnet. Zum tieferen Verständnis ist der Vergleich mit einer Muschel sinnvoll: Man würde eine Auster niemals zertrümmern, sondern man wird die Schalenhälften mit einem geeigneten Werkzeug auseinander hebeln. Das allein garantiert einen weitestgehend unversehrten Inhalt und dessen optimale Trennung von der Schale.
So ist es auch bei der Walnuss. Sie hat an ihrem dicken oder runden Ende einen nur leicht verschlossenen Spalt. Das ist die Stelle, an der die Nuss bis zum Schluss mit der Versorgungsleitung des Baums verbunden ist.
Man nimmt einen Brieföffner oder auch einen Schraubenzieher, führt ihn in diesen Schlitz wenige Millimeter ein und dreht das Werkzeug um 90 Grad. Daraufhin trennen sich die beiden Nusshälften und die Nuss liegt frei, umgeben von wenig eingetrocknetem Gewebe, das notfalls kurz ausgehebelt werden kann, wie die Nuss auch.

Schneller als mit jeden Nussknacker öffnet ihr die Nuss, die oft ganz bleibt oder höchstens in zwei Hälften heraus geschüttelt, gezogen oder gehebelt werden kann.

Aus den Schalenhälften könnt ihr ganz wunderschöne Schiffchen basteln. Ich füge gern die Schalenhälften zu einer scheinbar unberührten Nuss zusammen, in die ich allerdings aufregende Textstücke einbringe. Ich verschenke diese Nüsse dann, aber stets mit dem Hinweis, der Beschenkte möge diese spezielle Nuss niemals im Leben öffnen.  

Ist die Milch zu billig?

Milch ist im Jahr 2016 preiswert wie nie zuvor.

Abseits aller Gründe will der schlaue Bauer plötzlich mehr Geld für seine Milch haben. Tierfreunde meinen gar, danach ginge es vor allem der Kuh besser. Das hat der Bauer aber nicht verdient und seine Kuh bleibt auf jeden Fall auf der Strecke.

Einfach nur so mehr Geld für die Milch zu zahlen, würde das Geld in der Wertschöpfungskette versickern lassen. Selbst wenn die Kuh mehr Geld erstritte, würde sie keine Freiheit von den Melkanlage erkaufen können. Je teurer die Milch, um so höher der Gewinn und um so höher der Wert der Kuh als Wirtschaftsgut.

Der Kuh würde auf Dauer die Einsicht der Konsumenten helfen, dass die Milch gar nicht so sehr gesund ist, wie sie angeboten wird. Die einzelne Kuh hätte aber auch davon nichts.

Die Kuh leidet unter ihrem Besitzer, der für seinen Lebensunterhalt, ohne Rücksicht auf die Nachfrage, auf Deuwelkommraus melkt, anstatt sich einen besseren Beruf zu suchen.

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Das gilt vor allem im Jahr 2016.
Mal sehen, wie es weiter geht. Wird der Landwirtschaftsminister die bäuerliche Landwirtschaft retten? Werden die Lebensmittelkonzerne durch kleine Preiskorrekturen ihre Billiglieferanten vor dem Bankrott retten? Werden die Bauern auf Hanf umsteigen oder die Wettflügmeisterschaften ausrichten und damit ein großes Publikum begeistern?

Coole Fritte

Zur Freizeit im westlichen Ruhrgebiet gehört immer schön der Ausflug in die Niederlande. Die Unterschiede haben sich im Laufe der Jahre angeglichen und die Motive für den Ausflug haben sich auch geändert. Geblieben ist die Ausrichtung der niederländischen Innenstädte auf die Vorlieben der deutschen Kundschaft.

Zu meine ersten Erfahrungen gehörten meine Blicke aus dem von Zigarettenqualm verseuchten Auto meiner Eltern. Ich sah an jeder holländischen Straßenecke Leute mit Tüten durch den herbstlichen Abend laufen, in denen offenbar irgend etwas war, was offenbar jeder Holländer essen musste. Dass es Pommes waren, wie wir später im Ruhrgebiet sagten, oder Fritten, wie ich es später am Niederrhein bis weit nach Ostbelgien hinein sagen musste, wusste ich zunächst nicht. Ich kannte das einfach nicht, wie eben auch Pizza. Die Fastfoodkultur beschränkte sich damals bei uns auf fliegende Stände auf Trümmergrundstücken, an denen es Schaschlik und dazu eventuell ein halbes Brötchen gab. Diese Stände wurden abends betrieben, als die Kinder im Bett waren. Es hieß, in dem Schaschlik seien ziemlich viele Innereien und ab und zu hörte man, dass das Gesundheitsamt so einen Laden zugemacht hatte, weil mutmaßlich nicht nur Innereien im Schaschlik waren. Die von den Großeltern betriebene Familienideologie kennzeichnete diese Art der frühen Erlebnisgastronomie als einen Angriff auf das gute Essen in der Familie, in der Schaschlik nicht vorkam und selbst das Brötchen selten war.

Die Fastfoodladenbetreiber erweiterten die Palette ihrer Produkte, verbesserten das Ambiente ihrer Läden und pimpten die technische Ausstattung. Damit hielt dann auch mit dem Beginn der 60er Jahre die Pommes Einzug in die Welt der für alle verfügbaren Gastronomie. Ich konnte das sehen, wusste und roch dann auch, was Pommes waren, war aber durch die besagte Familienideologie und der überschaubar kontrollierten Tagesabläufe gar nicht in der Lage, mich eigenmächtig den Pommes zu nähern. Irgendwann öfnete sich der Zugang dadurch, dass meine Eltern mit mir ein Restaurant besuchten. Dort wurde ich dann multisinnlich in die Welt der Pommes eingeführt und fand einen sehr großen Gefallen daran. Mein phantasierter Inbegriff der Zufriedenheit war es, an einem kalten Abend mit gefrorenen Fingern eine Tüte heißer Fritten zu halten und alle Sinne mit Wärme, Wohlgeruch, einer fein strukturierter Röstoptik und einem unvergleichlich guten Geschmack in eine andere Welt zu beamen. Ich war wohl schon fast 14 als mir den eigenmächtigen Zugang zu dem Pommes möglich war und ich ihn mir auch gestattete. Er war möglich durch lange Schulwege, auf denen immer mal kleine Abweichungen möglich waren und es war meine Entscheidung, dafür Geld auszugeben. Ich muss dazu sagen, dass ich über ein eher bescheidenes Taschengeld, kleine Zuwendungen von Omas, Tanten und Onkel und kindgerechter Schrottgeschäfte zu einem erheblichen Reichtum gekommen war, weil ich eigentlich nichts ausgab. Also 50 Mark hatte ich damals immer in der Tasche. Das gehörte zu meinem Selbstverständnis. Für eine Tüte Waffelbruch von 20 Pfennig war ich wohl dreimal um den Block gelaufen, um sie mir dann schließlich doch zu kaufen. Die Pommes waren dann der erste größere Sündenfall und lieferte so eine große Entschädigung an Sinnlichkeit, wie es besser nicht möglich gewesen wäre. Mit der Zeit kam dann auch die Geselligkeit mit Freunden in der Pommesbude dazu. Zu meinem Leidwesen wurde die Tüte nach und nach durch ein Schälchen ersetzt. Meine Oma hat von meinen Pommesausflügen nie etwas erfahren. Meine Eltern merkte auch sehr bald, dass sich ihr Doppelleben mit Schaschlik in der Nacht und ohne Kinder nicht durchhalten ließ.

Bis zum heutigen Tag ist es so geblieben, dass sich die „Pommes ohne alles“ bevorzuge. Angeregt in der Westeifel und in Belgien esse ich aber gern Senf neben, also nicht auf den Fritten. ich möchte nämlich das Verhältnis von Biss zu Biss selbst bestimmen. In der Bude von Ralph im belgischen Neu Moresnet habe ich mal „Pommes“ bestellt, worauf der Ralph leicht genervt, aber grinsend gesagt hat: „Hab ich nicht.“ Dann habe ich schnell „Fritten“ gesagt. – „Na, geht doch!“ Im Jahr 1990 gab ein Erlebnis, das nachdenklich macht. Bei einer Wanderung auf dem Rennsteig in Thüringen, gab es in einem eher traditionellen DDR-Lokal Stäbchenkartoffeln.

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Für Showzwecke habe ich neuerdings auch eine Plastikfritte und arbeite an dramaturgischen Spitzfindigkeiten, sie würdig zu inszenieren. Das hat sie doch verdient.

Urlaub

Urlaub kann alles Mögliche sein, ist aber meistens und in jeder Beziehung sehr weit weg von der Politik. Nun wird diskutiert, ob die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern, die bekanntlich eine stramm rassistische Fraktion hervorgebracht hat, den Fremdenverkehr beeinträchtigt und ob es sinnvoll ist, gerade jetzt das Urlaubsgebiet aufzusuchen.

Weil der Urlaub als politische Aktion oder gar als politische Willenserklärung ziemlich unbrauchbar ist, bietet es sich an, vorläufig gern auf solche Urlaubsgebiete verzichten.

Es scheint mir auch wenig sinnvoll, die selbstgemachte Fremdenfeindlichkeit durch aktive Fremde auszugleichen, die mit ihrem Geld wirtschaftliche Einbußen verhindern.

Da müssen Meckmann und Pommfrau allein durch!

Ich habe mir die Profile der gerade in Mecklenburg-Vorpommern gewählten Landtagsabgeordneten der AfD einmal angeguckt. Da fällt mir nur eine Sache auf, die mich  wirklich beeindruckt. Da fordert wohl jemand das Pflichtschweinefleischessen von Migranten an der Grenze. Das zeigt, dass der Rassismus doch wenigstens Anregungen für Kleinkunstprogramme gibt – sonst nichts! Gott sei Dank dominiert auch das Schweinefleischesser dort das gastronomische Gewerbe noch lange nicht programmatisch. Aber es gibt einen Beigeschmack! Ab und zu findet man „Tote Oma“ herausgehoben auf den Speisekarten.

Ich halte es für ratsam, Urlaube ganz einzustellen und sein Leben so lebenswert einzurichten, dass es das feindliche Leben gar nicht mehr gibt, das uns bis zur Urlaubsreife auffrisst. – Aber das ist fast ein eigenes Thema.

Luxuskaffee

Der Kaffee, vor Generationen noch als echter Bohnenkaffee im Angebot, hat sich zum billigsten Getränk entwickelt. Die Zeit ist vorbei, als die Oma auf der Wallfahrt ein Tütchen Kaffeepulver dabei hatte, um sich als Ergänzung vor Ort irgendwo etwas heißes Wasser zu erbitten. Der Kaffee ist so billig, dass die Kaffeebauern weltweit an den niedrigen Preisen zugrunde gehen. Wer den Kaffee im Laden kauft, der kann für wenige Euro nahezu endlos Kaffee trinken.

Aber es ist dem Kaffeehandel ein Dorn im Auge, wenn ein Edelprodukt in finanziell höchst entspannten Zeiten zum Billigprodukt abstürzt und verkommt.

Also wird eine Kaffeekultur hochgezogen, die es ehedem vielleicht in Wien oder in Italien im Dunst der besseren Kreise gab. Es werden also endlos viele Kaffeespezialitäten entwickelt, die den Preis steigen lassen. Eskortiert werden diese gepimpten Produkte durch Cafés und Kaffeehausketten, deren Vielzahl von Kaffeevarianten sich weder trennscharf auseinander halten lassen noch sinnvoll benennen lassen. Neu erfundene Eigennamen erfordern deshalb einen spezifischen Spracherwerb des Kunden. Jeder, der eine Fremdsprache gelernt hat, möchte sie bekanntlich auch anwenden. In diesem speziellen Fall geht man dazu in ein Café. Der Cafésommelier sichert die Fachlichkeit  der Kaffeevariationen ab. Vielleicht stellt er sie aber auch erst her. Es gibt über das Kaffeetrinken in Zeiten der Vielfalt bereits Kleinkunstprogramme. Der Kaffee-to-go, im Becher mit Deckel, ist als eine strategische Absicht eingeführt, das Kaffeehaus in die Welt zu tragen und Kaffee als an jedem Ort genießbar unter das Volk zu bringen. Auch dieser Name ist Programm.

Es fehlt also nur noch der Angriff auf die Privatwohnung. Dazu wurden zunächst sehr teure Espressomaschinen unter die reichen Leute gebracht. Die Preise gehen, wenn man es sich leisten kann, bis in die Tausende mit vertraglich geregeltem Reparaturservice over night at home oder so. Damit gab es eine Orientierungsnorm, den Kaffee zu verteuern. Sie war aber nicht volkstauglich. Um das zu erreichen wurden dann aber die Kapselmaschine und die Padmaschine konzipiert und das sagenhafte Image der Edelmaschinen auf sie übergeleitet. Sie werden nun bereits zu volkstümlichen Preisen angeboten, seitdem nahezu jeder Haushalt bereits eine hat. Selbst der vorkonfektionierte Kaffee kostet damit aber gleich das zigfache, ohne dadurch an Qualität zu gewinnen. Doch diese Analyse geht im Kaffeehype unter, gestützt von der Werbung, die einen Genuss suggeriert, wie er früher in der Tabakwerbung zu Hause war.
Jetzt versucht der Kaffeekonzern Tchibo den Konkurrenten das Wasser abzugraben. Er bastelt an würfeligen Kaffeekapseln und passenden Handyapps, damit das Handy der passenden Maschine übermitteln kann, welche ausgetüftelte Kaffeespezialitäten vom Consumer erwartet wird. Die Wahl des Consumer wird dann wahrscheinlich direkt über die Datennetze in den Konzern übermittelt. – „Wer Kaffee X wählte, interessiert sich auch für Kaffee y, z …“- wird das Handy dann sagen.

Irgendwie ist der billige Kaffee ganz schön teuer und der Kapselmüll erfordert schon bald spezifische Recyclingwege. Ich habe ja gute und preiswerte Erfahrungen damit, die handelsüblichen billigen Kaffeebohnen mit der Handmühle zu mahlen und mit so einem ganz einfachen und preiswerten Filter aufzubrühen, den man als Trichter direkt auf die Kaffeekanne stellt. Er ist ausgezeichnet! Und mein Geld bleibt frei, für Wohltaten an der Menschheit.
Die Kaffeekultur erscheint mir als eine grenzenlose Auffächerung unbedeutender Dinge, um mir das Geld aus der Tasche zu ziehen. Ich erkenne ihr den Status ab, Kultur zu sein – mangels Menschenfreundlichkeit.

Ziemlich verdorben

Ist es vorbildlich, dass neuerdings in Frankreich die Lebensmittelmärkte gezwungen sind, die Abfälle hörerwertiger zu verwerten, als man es mit dem Müll macht?
Man liest nun überall, dass das vorbildlich sei. Und schon melden sich die Bekannten der Umweltszene und fordern das gleiche für andere Länder. Doch es gibt auch einen Grund, daran zu zweifeln:

Nur ein kleiner Bruchteil der für ein Downcycling übrig gebliebenen Lebensmittel kommt aus den Supermärkten. []
Insofern ist es viel Augenwischerei, wenn nun der Händler dazu gezwungen wird, sich vorbildlich zu verhalten, sein Image zu verbessern und dafür möglicherweise auch noch die Preise zu erhöhen. Ist es nicht besser, wenn wir alle Verantwortung zeigen und unsere Vorratshaltung korrigieren? Dazu braucht man keine Rechtsvorschriften. Erziehung und Bildung kann so eine Vorschrift nicht ersetzen. Im Gegenteil: Vorschriften über Inhaltsstoffe und Haltbarkeitszeiten haben es dem Menschen abgenommen, selbst die Qualität und den Verfall seiner Lebensmittel zu beurteilen. Der Rechtsrahmen hat den autonomen Bürger zum naiven Follower von Werbung, Technologie und Gesetzgebung abqualifiziert.
Der Widerstand dagegen ist selten.
Versuchen wir doch mal, bei einem Fisch oder einer Apfelsine auf dem Markt die Qualität zu prüfen oder die Radieschen selbst anzubauen …