Die Wurst der Gerechtigkeit

Es wird erzählt, der pressebekannte Wurstfabrikant und Sportmanager Uli Hoeneß könne auch als Gutmensch punkten und damit das stark belastete Leben als Steuersünder sogar im anstehenden Strafverfahren ausgleichen.

Das widerspricht aber nun jeder Vernunft, denn dann könnte man ja zur Vorbereitung der fiesesten Sachen mal schnell eine Runde Würstchen unter das Volk werfen. Der rheinische Ablasshandel könnte zur Orientierung gedient haben, solche doch sehr unterschiedlichen Dinge gegenzurechnen. Er findet vornehmlich an Karneval Anwendung: Man begibt sich auf den Weg der Sünde, weil man sicher ist, mit ein paar Gebeten alles wieder aus der Welt schaffen zu können.
Auch rein rechnerisch betrachtet würde der Bonus der angeblichen Wohltaten von Herrn Hoeneß den Malus der Steuerschuld bei weitem nicht ausgleichen. Es bleibt ein Defizit.
Ich sehe eigentlich überhaupt keinen Gutmenschenbonus für Herrn Hoeneß. Es ist also gar nichts zu verrechnen. Die von ihm gestreuten Gelder von angeblich fünf Millionen Euro für Bittsteller, arme Teufel und kleine Sportprojekte, sind nämlich einer sehr bedenklichen Eigenschaft seiner Person geschuldet, die immer schon erkennbar war, aber von seinen Nutznießern gern unbeachtet blieb. Er hat sich im Laufe der Jahre ein Selbstbild nach Gutsherrenart konstruiert, in dem er sein Publikum mit Almosen zu Claqueuren machte. Er feiert mit ihnen sein selbstgewähltes Leben als Goldfinger. Die Almosen sind also nur eine Randerscheinung einer im Grunde armseligen Selbstinszenierung. Bei genauer Beobachtung ist schon lange klar, das er in seiner phantasierten Allmacht so eine Art „Lex Hoeneß“ für anwendbar hält. Er stilisiert sich gar zum besseren Finanzminister, der die Steueranteile seiner Gewinne viel besser anzulegen weiß. Wenn nun heute das NDR-Satiremagazin Extra3 schreibt: „Kein Vertrauen in die Justiz: Hoeneß regelt Bestrafung selbst.“, dann wird damit seine grundlegende Fehlorientierung auf den Punkt gebracht.
Dem armseligen Würstchen Hoeneß verbunden, steht da eine geschlossene Garde treuer Vasallen, die allesamt huldigend den Herrscher bevorzugen, als sich selbst auf den herrschaftsfreien Dialog der Subjekte zu begeben. Ok – sie huldigen immer hin einem vermeintlich „guten“ Herrscher. Wenn wir Hoeneß jetzt nicht bremsen würden, dann würde er der Welt wahrscheinlich auf der Überholspur an Ludwig II vorbei dem Schloß Neuschwanstein noch weltbewegende Verbesserungen und ungeahnte Erweiterrungen hinzufügen, die ihn für alle Zeiten fest in den Herzen verankern …
Es gibt, wie er selbst sagt, mehrere Uli Hoeneß. Ich hoffe sehr, dass jetzt auch davon alle vor Gericht stehen.
Was ich eigentlich sagen will: Wohltaten gibt es nicht per se und meistens auch nicht kostenfrei. Man muss sie in Kontexten deuten …