Randbemerkungen zur Wahl

Die bemerkenswerte Landtagswahl in Bayern vermittelt auch den Eindruck, dass es parteiübergreifende Textbausteine gibt, sich in der Berichterstattung aus der Affäre zu ziehen. Sie sind einfallslos und werden wohl mit der Absicht eingesetzt, dass der Bürger sie für unheimlich vernünftig hält.

Ich habe da einmal vier Beispiele ausgewählt, die im Nebeneffekt darauf hinweisen, dass der wortführende Politiker ziemlich stark bürgerverdrossen ist.

  • Wenn die involvierten Politiker Verluste einfahren und dann sagen: „Es gibt nichts zu beschönigen“, dann frage ich mich, wie sie denn darauf kommen. Haben sie etwa erwogen, entgegen den Tatsachen, ein gutes Bild abzugeben?
  • Wenn die involvierten Politiker Verluste einfahren, nach Konsequenzen befragt werden und dann sagen: „Wir müssen zunächst das Ergebnis ausführlich analysieren“, dann haben sie den Wahlkampf verschlafen. Im Wahlkampf und den dazugehörigen Prognosen ist das Ergebnis immer schon ziemlich deutlich bekannt und die Mängel in ihrer Politik sind es auch. Am Wahlabend gibt es nur das passende Ergebnis zur vorliegenden Analyse.
  • Wenn die involvierten Politiker Verluste einfahren und dann sagen: „Der Regierungsauftrag liegt bei uns“ dann blenden sie aus, dass ein Landtag gewählt wurde, dessen Mitglieder selbständig entscheidet, wer welche Regierung bilden soll. So einen „Auftrag“ gibt es nicht. Er ist nur eine kleine Machtmusik.
  • Wenn die involvierten Politiker Verluste einfahren, nach personellen Konsequenzen gefragt werden und dann sagen: „Wir müssen Antworten auf Sachthemen liefern. Das Personal ist nachgeordnet“, dann soll meist verschleiert werden, dass es einen Entscheidungsstau zu allen wichtigen politischen Fragen gibt, weil das Personal sich in konservativer Manier vor Entscheidungen fürchtet und deshalb die Lösung der Personalfrage erst den Weg zu den Sachthemen frei machen kann.

Macht doch einfach mal was und rettet beispielsweise die Welt.

Lassen sich Fans überhaupt schockieren?

Wir kennen die übertreibenden Schlagzeilen aus der Boulevardpresse. Sie haben dazu geführt, dass man auch unglaublichen Schlagzeilen folgt und bei einer Räuberpistole landet, die aber nur der geübte Leser als Attrappe erkennt. Die Verkaufszahlen machen die Boulevardpresse ingesamt trotzdem reich. Das wird auch dadurch verstärkt, dass man nahezu jede Idee zur Story aufblasen kann, wenn sie leicht zu konsumieren ist und deshalb auf Hintergründe und Zusammenhänge verzichtet. Man schreibt deshalb auch nur wenig. Oft ist die voraussichtliche Lesezeit in Sekunden angegeben.

Zunächst schienen mir andere Pressesegmente sicher vor Texten, die überhaupt nicht zur Überschrift passen wollen. Seitdem aber Klicks Beachtung und Einnahmen bedeuten, hat sich das zumindest bei den Onlineabteilungen der Blätter gewandelt. Und der Spaß an irrsinnigen Überschriften nimmt zu und droht, sogar in die Redaktionsstuben der Printfreunde zu schwappen.

Bisher hatte ich gedacht, dass die Branchen mit den drögen Themen von dieser Entwicklung unbeeindruckt bleiben. Sie mögen zwar alle nicht so gern die Fachprodukte in ihrem Segment schlecht machen, bleiben aber gleichwohl auf der Spur, Sachinformationen auszuliefern und lesergerecht zu bündeln. Für alles andere haben sie keinen Markt. –
Das dachte ich!
Bis ich jetzt lese: „Schock für Samsung-Fans„. Im Text stelle ich fest, dass Handys ohne Kopfhöreranschluß geplant sind. Aha! Der Konkurrent Apple liefert schon lange seine Handys ohne so einen Anschluss aus, ohne dass infolgedessen über eine Schockbehandlung von Fans berichtet wurde. Es gibt nichts zu berichten, aber sie tun es trotzdem.

Sollten wir eines Tages nur unsere eigenen Texte lesen, weil wir uns etwas von der Vermarktung und der unbedingten Zustimmung freigearbeitet haben? Auf der Straße sehe ich mittlerweile viele Menschen, die einsam so vor sich hin sprechen. Sie gehen Begegnungen aus dem Weg und werden auch selbst kaum beachtet.

– Shockproofed!

Geschenke verpacken

Beim Verpacken von Geschenken scheiden sich ja die Geister. Gerade habe ich gelesen, dass da jemand eine Leidenschaft zum Verpacken zur Profession gemacht hat und seine Phantasie in das Anwendungsfeld der Geschenkverpackung umleitet. Ich sehe auch ein, dass eine Kaufware erst zur Geschenkware hergerichtet werden muss. Es kann aber auch sein, dass einmal ein Geschenk angesichts der Verpackung zur Nebensache wird, weil die Verpackung alles überstrahlt und sich anbietet separat archiviert zu werden, weil sie eher Kulturfragment als Sondermüll ist. Das Gegenteil ist der nach Art des Origami gefaltete Geldschein, der nur ohne Verpackung etwas ausstrahlt, aber im engeren Sinn gar kein Geschenk ist und nur eine multisinnlichere Form der Geldüberweisung.

Als Kind hatte ich zu allen Gelegenheiten für den Vater Zigaretten und für die Mutter irgendein Parfüm aus der gleichen Preisklasse als Geschenk. Das war im Rückblick extrem einfallslos, fast schon bösartig. Aber das habe ich erst sehr viel später gemerkt. Jedenfalls war das ja alles bereits schön verpackt und ein weiters Papier darum erschien mir unnötig.

In späteren Jahren hatte ich überzählige Tapetenrollen mit einem quadratischen Muster. Die ließen sich entlang des Musters gut für Geschenke zuschneiden. Ich habe dann das sperrige Papier über dem Geschenk zusammengetackert  und mit dicken Filzstiften alles noch ordentlich aufgepimpt. Über Jahre bestand in meinem sozialen Netz Gewissheit, wie meine Geschenke verpackt waren.

Kommen wir zur Philosophie: Es hat sich rumgesprochen, dass ich niemals verschenken würde, was sich jemand wünscht und auch niemals etwas verschenken würde, was mir selbst nicht überaus gut gefallen würde. Gängige Geschenkphilosophien lehne ich ab, aber ich schenke auf der Basis meines Verständnisses vom Schenken sehr gern.

Als dann meine Standardtapete aufgebraucht war, habe ich die Doubletten in meiner Hundekottütensammlung als Geschenkverpackung entdeckt. Mir ist bekannt, dass etliche Kommunen planen, ihre Hundkottütenspender wieder abzubauen, weil die Tüten häufig zweckentfremdet werden. Der planerische Viersatz, „Kack, Sack, Pack, Zack“, hat wohl mit vielen intervenierenden Variablen zu kämpfen und wird nicht so ganz von den Hundehaltern angenommen. Das alles muss mich aber nicht treffen, weil die Kunst ja frei ist und allein in Deutschland jährlich 500 Millionen solcher Tüten der Anwendung harren. Meine Geschenke finden jedenfalls vergleichsweise eine hohe Beachtung und eine komplexe Verpackungstechnologie ist mit diesen Tüten nicht einmal erforderlich. Die schlichte Eleganz und die bestechende Funktionalität im Bauhausstil sind nicht zu übersehen. Geschenke in Luftballons habe ich auch schon gesehen. Das sind für mich nur Glitzerfürze zur Vermüllung der Weltmeere. Das müssen die erst einmal verpacken.

Scheinheiligkeit

Die Vertreter der Katholischen Kirche treten auf, wie professionell studierte Betroffenheitspräsentanten und machen den Glauben, mit einer empirisch fragwürdigen Studie, die lediglich in die richtige Richtung geht, brauche man nur noch durch kleine Luken im Kirchengebäude auf kleine Segmente der Vergangenheit blicken lassen, während der Missbrauch von Kindern „munter“ in die nächste Runde geht.

Betroffenheit und Scham sind ja nicht die Lösung des Problems, sondern die öffentliche Behandlung des Missbrauchs und seiner Folgen.

Wer Gefühle deutet, geht oft von der Idee aus, dass sie echt sind. Das muss aber nicht so sein. Es braucht nur etwas Übung, Gefühle zu zeigen, die man nicht hat.

Dass sich etwas tut in der Kirche, messe ich allein daran, dass die Kirche einen schonungslosen Zugang zu allen Missbrauchsfällen herstellt und fördert.

Mich erinnert das alles auch etwas an die Schaden-Nutzen-Kalkulation der Autoindustrie, die die Reparaturen den betrogenen Autobesitzern überlässt und zwischenzeitlich etwas reumütig die Politik und die Behörden hinhält.


Die Kirche ist nach ihrem Selbstverständnis im Kerngeschäft ohne Demokratie ausgestattet, sondern auf Gott ausgerichtet. Das hat groteskerweise zur Folge, dass allein das Fehlverhalten in der Kirche menschliche Züge trägt. Ein menschlicher Umgang mit Verfehlungen ist in der Demokratieferne folglich auch nicht vorgesehen. Es bleiben die gütige bis strafende Gerechtigkeit Gottes in Verbindung mit systematischer Vertuschung. Das Verfahren findet immer seine Anwendung, beim Missbrauch anderer Menschen, wie bei der weltlich beanstandungslose Liebesbeziehung von Priestern. Allein der Druck der aufgeklärten Kirchenumgebung fegt Wind hinter die Kulissen. Die Kirche hat nicht einmal zugelassen, dass die auf öffentlichen Druck bestellte Studie zum sexuellen Missbrauch den grundlegenden Regeln der Wissenschaft folgen konnte.

Nabucco ist italienisch und heißt Schinken

Ich war gestern in der Oper Nabucco. Verdi, kennt man doch.

Alle kamen nur wegen des Gefangenenchors im 3. Akt. Davor hat mich vor allem beeindruckt, wie auf der Bühne aus dem Nichts alle fiesen Gefühle dieser Welt sich in kollektiven Stimmungen niederschlugen. Ich meine, man kann das ja vielleicht im Libretto nachlesen, worin die äußerst dramatische Gefühlslage begründet ist. Aber wer macht das schon? Das bei mir eigentlich sehr beliebte Regietheater machte es unmöglich, voraussetzungslos zu erkennen, dass die Oper die Babylonische Gefangenschaft zum Thema hat. Da ist dann also von diesem und jenem Gott die Rede und welcher besser ist und man fragt sich als unvorbereiteter Theaterbesucher doch schon, um welche Götter es denn da so geht. Im Bühnenbild stand auch zeitweise BAB. Hätte ich günstiger gesessen, hätte ich ja wahrscheinlich auch noch YLON gelesen und wäre von der Idee abgekommen, es ginge auch um Kölsche Tön. Babylon wäre ja ein plumper Hinweis gewesen. Jede Stadt hat ja eine Disco gleichen Namens.

Der Gefangenenchor hat erwartungsgemäß dann dafür gesorgt, dass es allen gefallen hat. Bis zum Ende nahm die Dramatik gewaltig zu und ich konnte die ganz tiefen und breiten Bühnengefühle dann auch etwas nachvollziehen. Abigaille hatte einige Probleme, die Übergänge zwischen laut und leise, hoch und tief zu modulieren, sang aber trotzdem sehr gut, wie alle anderen auch. Für meinen Geschmack war der Gefangenenchor allerdings etwas zu leise. Aber in der Gefangenschaft gebrochene Menschen singen ja auch nur notgedrungen und unperfekt.

Der Gesang war übrigens in der Sprache der Uraufführung italienisch mit deutschem Obertitel. Man konnte also mehr verstehen, als es bei der Verwendung der deutschen Sprache ohne Obertitel möglich gewesen wäre. Allerdings hat es mich gewundert, dass der spärliche und floskelige Text in derart lange Gesangspassagen umgesetzt wurde.

Ein Erlebnis war – wie oft im Theater – die Pause. Jemand überlegte laut, was Nabucco eigentlich sei. (Es ist selbstverständlich der italienische verkürzte Name des Babylonischen Königs Nebukadnezar II.) Da blieb mir, als vermeintlichem Publikumsnesthäkchen nur zu sagen: „Nabucco ist kein Frischkäse. Es ist italienisch und heißt Schinken.“

Ich lobe mir so manche Routine

Es gibt ja viele Routinen, die uns erfahrungsgemäß das Leben erleichtern und ohne Umschweife zum Ziel führen. So werden beispielsweise Spitzenbeamte in den einstweilen Ruhestand geschickt, wenn sie nicht mehr opportun sind. Das Verfahren ist sogar gesetzlich geregelt einschließlich der Versorgung des Ruhiggestellten mit Geld. In dem Fall #Maaßen hätte sich diese Routine einmal mehr bewährt, wie bei zahllosen anderen zuvor. 

Warum stattdessen eine ganze Regierung Blödsinn macht und vermittelt, sie hätte nichts besseres zu tun, liegt wohl daran, dass man wohl weiß, dass der Tod der Politiken in der heutigen Zeit das Weiter-so ist, aber in alter Tradition die großen Themen vor einer neuen Politik in Sicherheit bringen will. Das verdammte Gefühl versperrt den Weg zur Erneuerung. Man sucht sich deshalb ein vermeintlich unauffälliges Thema, um einmal zu zeigen, dass man den Mut besitzt, alte Pfade nicht mehr zu betreten. Und schon wird man mit des Volkes Stimme darüber belehrt, dass kleine Routinen auch ganz schön gut sein können. – Zu spät!

Es wäre so schön gewesen, Herrn Maaßen tatenlos versorgt zu wissen. Für ein kleines Zubrot hätte er dann sogar im Modellbaukeller eines Ministers als Bahnhofsvorsteher die Welt bewegen können, während die Regierung anpackt, bewegt und unser aller Nutzen mehrt.

Feuerfrei im Torf

Wenn dem Kriegsdienst das Manöver voraus geht, dann gibt es immer schon Flurschäden, die materiell ausgeglichen werden, ohne dass in Wald und Flur alles wieder so richtig repariert würde. Der Tod in Flora und Fauna kann mit Geld eben nicht wieder zum Leben erweckt werden. Die Rücksichtslosigkeit im Manöver und anderen Übungen ist ja auch nur ein kleiner Vorgeschmack auf die Rücksichtslosigkeit im Krieg. Dass nun in diesen Tagen übungsweise und leichtfertig ein Moorgebiet im Emsland in Brand geschossen wurde, hat zunächst wohl niemanden beunruhigt. Denn unter der Grasnabe lauert der Tod, der gigantische Feind aller Kämpfer. Da guckt man lieber auf die grüne Wiese, während zwischen den Grashalmen bereits ein feiner Rauch aufsteigt.
Mit dem Katastrophenalarm haben nun schließlich nichtmilitärische Stellen die Zuständigkeit übernommen und plant bereits die Evakuierung ganzer Orte. Die Verteidigungsministerin entschuldigt sich. Wenn es peinlich wird, dann muß nämlich jemand ran, dem überhaupt nichts so peinlich ist, dass er sich schämt.

Bei Licht betrachtet erfährt man schnell, dass der Brand eines Moores besondere Merkmale aufweist [Torfbrand]. Denn der Torf, meist nur etwas von Muttererde, Gras und kleineren Pflanzen abgedeckt, brennt gut und ist großflächig und tief abgelagert. Wenn es also brennt, gibt es zunächst kein halten und keine unmittelbar sichtbare Kontrolle, aus welchen Flächen und Tiefen der Brand Torf frisst und eventuell Rauchpartikel und Unmengen Kohlendioxyd und anderes freisetzt. Es gibt geradezu uralte, oft sogar unentdeckte Torfbrände auf der Welt.

Wer kommt denn überhaupt auf die Idee, im Moor feuerfrei zu geben? – Da sind doch wohl verantwortungslos verrückte Zündler am Werk, die sich Normen und Naturgesetzen verweigern.

Oh Schreck — Bannon kommt!

Steve Bannon, der glücklose Vordenker Trumps, will nun Europa für die egozentrisch-rücksichtslose Rechte erobern. Er ist schon angereist. Man könnte auch sagen: Schon wieder ein us-amerikanischer Supermarkt, nachdem bereits Wal-Mart mit seinem Brückenkopf in Deutschland gescheitert ist. Denn wir haben hier unsere, in Amerika weitgehend unbeachtete, Eigenart und sind nicht einmal rechtsradikal anzufixen. Selbst Missionare für alle Gesellschaftslagen sind in Europa nicht selten verfügbar.
Okay – wir sollten Herrn Bannon ernst nehmen. Aber noch ist er nichts anderes als ein zugereister Besserwisser mit bekannt kruden Ideen, die die absolute Mehrheit der Menschen abstoßend finden. Wir wären aber nicht dem Grunde nach demokratisch verfasst, gäbe es nicht doch Splittergruppen, die fast so denken wie Bannon und die die Demokratie so auswaiden wollen, dass sie allein als Hülle für alle innovationsfeindlichen, konservativen Rechthaber überdauert. Es wäre eine Aufwertung dieses finsteren Gesellen, würden wir nun allein ihm zu Ehren Symposien veranstalten und Aktiongruppen gründen, die widersprechen und sich hier und auch global für eine nicht umdeutbare Menschlichkeit einsetzen, also etwas, was unter vereinten Nationen schon lange selbstverständlich ist. Gleichwohl sollten wir – das aber auch immer schon – im alltäglichen grenzenlosen Dialog Diversity & Inklusion betreiben und das auch in Institutionen, die der Befähigung der Menschen zum selbst- und mitverantwortlichen Leben in einer gerechten und friedfertigen Welt verpflichtet sind. Das sind nicht nur (Hoch-) Schulen und Kindertagesstätten, sondern auch Familien und Nachbarschaften. Der Gedanke an eine rechtspopulistische Besserwisserei taucht nämlich nur auf, wenn die demokratischen Verhältnisse hinter ihren Erwartungen zurück bleiben und der Wähler für sein Leben einfach nicht mehr daran glaubt, dass das demokratische Leben – wie versprochen – gerechter, zuverlässiger, gesünder und wohlständiger wird und sich politische Zirkel bürgerverdrossen und letztlich unbeachtet in ihre Gremien zurück ziehen.
Kümmern wir uns um Menschen, dann kümmern wir uns ganz nebenbei und auch höchst wirkungsvoll um lebhafte Parlamente und reisende Weltverbesserer in der Art des Herrn Bannon.

Zur Fußball WM 2018: Ein Tor ist ein Tor

 Die Fußballweltmeisterschaft lebt vom Hinten-dicht-machen und den vergeblichen Versuchen fast aller Torjäger und davon, dass die Opulenz des Ereignisses alle Beteiligten sichtbar überfordert. Ich habe deshalb zum Tagesgeschehen nach und nach viele Anmerkungen gemacht, die nur selten mit dem Wesenskern des Sports zu tun haben.

Ich verdichte hier mal meine verstreuten Miniaturen zum Ereignis.


Ich möchte gern als WM-Orakel arbeiten. Angebote als PN.


WATUTINKI heißt der Ort, in dem die deutsche Mannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft wohnt. Mich beschleicht die Ahnung, dass der Ort von Stefan Raab gegründet wurde, der deshalb dort nun Ehrenbürgermeister ist. Wir werden sehen …


Wenn der Torhüter den Ball beim ersten Zufassen nicht festhält, dann sagt so ein Reporter stets: „Leichte Unsicherheit!“ – Na gut, was soll er auch anders sagen? Vielleicht: „Oh, eine vermutlich entwicklungsbedingte motorische Störung! Deswegen musste er vor seiner Profilaufbahn auch seine Ausbildung zum Kellner abbrechen.“ – Ehrlich gesagt: Wenn man schon etwas sagen muss, dann gefällt mir die von mir ausgedachte Variante besser.


Wenn  der Schiedsrichter pfeift, dann ist das Spiel unterbrochen. Dann sagt der Reporter: „Das Spiel ist unterbrochen“.  – Na gut, was soll er auch anders sagen? Vielleicht: „Mehrere Spieler haben sich nach Hinweis an den Schiedsrichter in die Box gelegt, weil sie wollen, dass die Zeit ohne Fußballspiel vergeht, um ihr Geld möglichst angenehm zu verdienen.  – Ehrlich gesagt: Wenn man schon etwas sagen muss, dann gefällt mir die von mir ausgedachte Variante besser.


Bei Sport1 habe ich heute „So heiß sind Schwedens Spielerfrauen“ gelesen. Und dann kamen nur Bilder. Ich weiß echt nicht, was ich damit machen soll.


Nachdem der Fußballheld Kross festgestellt hat, dass so ein Spieler Eier haben muss, ergab sich in der WM-Home-TV-Scene sofort die Frage, mit welchen Körperteilen man eigentlich regelgerecht Tore schießen kann. 


Fußball ist nun doch mittlerweile ein Spiel intellektueller Geister. Das dürfte auch den Schöngeistern gefallen, wenn sie sich mal die Mühe machen würden. Ich habe an den Kommentaren von Frau Neumann nichts auszusetzen. Wenn man nicht abliest, passiert es allen anderen Kommentatoren auch, dass sie Vergleiche und Einschätzungen mitteilen, die sie gern im Nachhinein streichen würden. Vor 30 Jahren noch haben die Kommentatoren nur jeweils die Namen der ballführenden Spieler genannt, weil sie aus ihrer Position die Rückennummern lesen konnten und beim Tor die eingeübt Begeisterung gezeigt. Allein die Rundfunkreporter waren damals Stars. Auch wenn meistens das Leder zu häufig geschlenzt wurde. Aber das haben die Schöngeister ja nicht gehört.


Um in diesen Tagen der WM-Home-TV-Scene und den dort tätigen abermillionen Schiedsrichtern einmal einen neuen Impuls zu geben, habe ich heute während der Übertragung Eierlikör getrunken. Für die Nachspielzeit habe ich als Höhepunkt den in der Flasche verbleibenden Rest mit Limonade aufgemischt und getrunken. — Ich ging als Sieger vom Platz. Morgen reihe ich mich wieder ein und trinke Bier. Versprochen!


Ich habe mich schweren Herzens davon überzeugen lassen, dass Portugaller sich gegen Portugiesen nicht durchsetzen wird. Meinen Sprachgebrauch habe ich notgedrungen angepasst. Was haltet ihr eigentlich von den Senegiesen?


Heute gab es wieder eine 11-Meter-Entscheidung, die journalistisch so kommentiert wurde: „Das war nicht genug!“ – also genug des Fouls im Strafraum. Bisher war ich der Meinung, dass die Fußballregeln weitestgehend spielraumfrei sind, damit der Einfluss des Schiedsrichters auf das Spiel minimiert wird. Wenn es aber so ist, dass das Foul auf einer Scala einsortiert und dann auch noch eine Grenze bestimmt werden muss, wo auf der Scala das Foul beginnt, dann ist jeder Schiedsrichter überfordert, denn er hat gar keine Zeit, so eine Zuordnung vorzunehmen. Es bleibt also eine ziemlich beliebige Zufallsentscheidung, der man ganz einfach widersprechen kann. – Das ist doch recht merkwürdig in einer Zeit der Videobeweise.


Die deutsche Mannschaft wiederholt ihre Fehler aus den Vorbereitungsspielen. Die mexikanische Mannschaft kämpft, nutzt die Fehler und siegt verdient. Alle Akteure waren makellos frisiert! Aber woher kommt die Hoffnung, dass das nächste Spiel der Deutschen besser sein wird?


Renovierung der Fanmeile

Das Areal ist begrenzt. Man kann es wahlweise als Strecke oder Fläche mit zwei Stellen hinterm Komma vermessen und aus dem Ergebnis jeweils einen individuellen Namen ableiten, wahlweise in Kilometern oder traditionell in Meilen. 

Ich komme darauf, weil Kneipen neben Hochschulen mit Vorliebe Vierkommafünf heißen. — Geschafft!


Julian Brandt und Mats Hummels haben angeblich kein Tattoo.

Oh Gott, wenn das mal Schule macht!

Es wird sogar der Verdacht gehandelt, einer von beiden würde befürchten, mit einem Tattoo von der eigenen Mutter ermordet zu werden.

Es ist ein Graus mit der deutschen Fußballnationalmannschaft. Ein Kompromiss wäre doch ein Tattoo in der Achselhöhle für alle, das eine halbierte Zwiebel darstellt.


Ich träume von einem Film, für den das eine oder andere #Tattoo allein durch Körperbewegung animiert wird.

Ausgangspunkt für diese Idee ist das traditionelle Seemannstattoo mit dem Motiv der nackten Braut, die bei der Bizepsanspannung ihre Brüste hebt und danach wieder senkt. Das war immer schon großes Kino.

Mit guter Einkauspolitik käme es zu einem Endspiel der Fußballweltmeisterschaft, das auch noch eine zweite, vollkommen andere Geschichte darüber erzählt, wie der Ball rollt.


Es ist höchst fragwürdig zu behaupten, der Sieg Deutschlands gegen Schweden anlässlich der Fußballweltmeisterschaft 2018 sei zustande gekommen, weil zuvor nach langer Zeit einmal wieder die Nationalhymne gemeinsam gesungen wurde. Die Hypothese ist zwar zulässig, erfordert aber eine höchst aufwendige Versuchsanordnung, um sie widerlegen zu können.

Ich vermute eher, dass die Mannschaft besser gespielt hat als der Gegner. Aus der Erforschung der Arbeitergesangvereine weiß man allerdings, dass gemeinsames Singen die Solidarität in einer Gruppe unterstützt, wenn man ein deutliches gemeinsames Ziel hat.


Deutschlandfahnen sind wider Erwarten über Nacht zum Ramsch verkommen. Wenn ich die jetzt in rauhen Mengen aufkaufe, kann ich doch … (vervollständige den Satz)


Ich fordere
den sofortigen
Rücktritt von
Sportminister Seehofer!


Heute hat mein Bäcker schon wieder kleine Brötchen gebacken. 

Ja, er ist auch Fan der deutschen Fußballnationalmannschaft.


Mein Nachbar sagt immer zu seinem Zahnarzt: „Geld spielt keine Rolle!“ — Es muss doch klar sein, dass auch das System Fußball mit so viel Geld verstopft ist, dass Geldstrafen immer sehr gern angenommen und beglichen werden.


In einem Interview der Welt am 5.7.  hat Herr Bierhoff entsetzlichen Mist erzählt. Daran zweifelt er selbst nicht. Er sagt, dass er und mehrere andere Verbandsvertreter beim Korrekturlesen nicht gemerkt haben, dass da gar nicht stand was er eigentlich sagen wollte. – Ich mag das nicht glauben!


„Man hätte vor der WM überlegen müssen, ob man auf Özil verzichtet, sagte der DFB-Manager gestern. Sogar Mesut Özil-Gegner kritisieren, dass Bierhoff jetzt so nachtritt.“ (Süddeutsche Zeitung)

Herr Bierhoff hätte wahrscheinlich unmittelbar vor der WM sagen sollen, dass aus gegebenem Anlass nur der Fußball zählt und sonst nichts, und dass man sich die Übeltäter Özil und Gündogan erst nach der WM vornehmen wird. – 

Aber wer würde so etwas sagen? 

Genau deshalb kartet Herr Bierhoff jetzt nach. Er wird sich das also nur so gedacht haben für den Fall, dass nicht alles eh im Freudentaumel untergeht und irgendwelche Gaucho als die Blöden verhöhnt werden können. – Man kann vermutlich nicht beides gleichzeitig haben, einen kritischen Umgang miteinander und eine zielgerichtete 11-Freunde-Ideologie sowie dann auch noch einen Sieg, der alles andere unbedeutend erscheinen lässt.


Erst meckert Nationalmannschaftsmanager Bierhoff und danach jetzt auch noch Fußballbundsvorsitzender Grindel am Fußballspieler Özil herum. Grindel stellt sogar die Forderung, Özil müsse sich nach seinem Urlaub irgendwie erklären. Damit ist der Urlaub dann wohl erst einmal gelaufen. Offenbar scheint dem DFB eine dämliche Rechtfertigung nach Gündogans Art aber auszureichen, denn der hat sich damit wohl vor der Kritik in Sicherheit gebracht. Warum sollte Özil sich erklären, wenn er bereits klar gemacht hat, dass er nichts sagen wird? Er könnte damit ja auch nur alles noch schlimmer machen. Der DFB wirkt wie so ein wildgewordener Manager fantasierter Ziele, der die Welt mit Parolen eindeckt und selbst nichts geregelt kriegt. Der DFB hätte sich vor der WM – durch wen auch immer – ohne wenn und aber, für oder auch gegen Özil (und Gündogan) aussprechen können. Das hat er aber nicht gemacht. Jetzt ist es zu spät. Man hat wohl nur noch im Repertoire den Deutschen raushängen lassen, der alles so viel besser weiß, dass er glaubt, sagen zu können, was für andere gut ist. Armselig … und so deutsch, dass ich es kaum hören mag.


Jetzt spricht Özil.
Er spricht über seinen Pressetermin mit dem designierten Sultan der Türkei, dem es recht war, sich als Sportversteher zu inszenieren. Ich hätte Özil nicht dazu geraten, denn es war mit einer Rechtfertigung zu rechnen. Und Rechtfertigungen machen einen nachgewiesenen Fehltritt nur noch schlimmer.
Wer sagt denn seit ewigen Zeiten, dass man Sport und Politik trennen müsse? Es sind die schwerreichen Sportfunktionäre, die über ihre Nähe zu Politik immer noch dazu verdienen. Und jedesmal behaupten sie, man würde dem Sport Schaden zufügen, wenn er in der Politik mitspielt. Im Fall öffentlich sichtbarer Kooperation mit den Despoten der Welt, behaupten sie sogar, der Sport könnte der mangelnden Demokratie hie und dort entgegenwirken.
Das ganze Trennungsparadigma ist ideologischer Art und glatt gelogen. Jeder Sportler und jede Sportfunktionärin muss sich wie jeder Bürger auch auf alle Wechselfälle des Lebens einlassen und dazu gehört auch die Politik. Ich weiß nicht, wie Herr Özil auf diese Trennkost gekommen ist. Hoffentlich nicht in der Übernahme einer x-fach vorgekauten Folie aus seiner Lebenswelt.
Es ist wie es ist: Wer sich mit einem Sultan zeigt, zeigt auch, dass er demokratische Lebensverhältnisse nicht so ernst nimmt. Er bleibt unter demokratischen Ansprüchen ein unnahbarer Risikofaktor. Er würde wohl mit allen Präsidenten der Welt in einem getrimmten Vorzeigeambiente huldigend posieren und möglicherweise das Klopfen aus den Kerkern im Keller überhören.

Nachtrag: Am Abend nach den Äußerungen tritt Özil aus der Nationalmannschaft zurück. – Ja, dann hätte er sich die Äußerungen auch sparen können. Sie hellen nichts auf.


Özil führt sein Drama „Rassismusgefühl“ über mehrere Stunden in drei Akten auf. Dies in englischer Sprache ohne Untertitel auf Twitter und mit millionenfachem Publikum. – Das macht doch nur ein exzentrischer Multimillionär, weil er es sich erlauben kann. Seine eigentlichen Adressaten warten ungeduldig auf die Übersetzung.
Ich hatte – wenn überhaupt – einen minimalen Poetry Slam in deutscher Sprache erwartet. So etwa: „Ich stand plötzlich unvermittelt neben Erdogan. Da hatte ich fürchterliche Angst, dass seine menschenverachtende Art auf mich und meine Familie abfärbt. Ich wollte weg laufen. Aber hätte ich damit nicht alles noch schlimmer gemacht? Nur weil ich mit zwei Herzen lebe, kann ich zum Glück das eine oder andere Herz mal hoch- oder runterfahren und solche Situationen heil überleben, auch wenn die Mehrzahl der Einherzigen und der Herzlosen dafür kein Verständnis hat. – Ich erwarte nun, dass das Publikum mein grandioses Herzspiel beklatscht. Was? — Ihr wollt nicht klatschen? — Ihr habt mich nicht verdient ihr … [kinskiesk improvisiert … tritt dann ab]“
Jetzt haben wir das Vielfache von dem zu lesen, was die Özil-Tweets hergeben. Überall sind fantasievolle Mutmaßungen über Täter und Opfer. Es lässt sich alles kaum auseinanderhalten. Am besten überlebt man wohl als ein Täter, der auch Opfer ist und es sich in der gut ausgebauten Opferrolle wirklich gemütlich einrichtet — bis draußen Frieden einkehrt.


Meine Freundin M. kommt in weiten Wochen in die Schule und kennt sich im Fanwesen insoweit aus, dass sie jetzt so frei ist, für Belgien zu sein. – Trotz allem: Sie bleibt dabei.

Aus der ergonomischen Zwickmühle

Über die Ergonomie am Computer würde schon viel geschrieben.

Die Hilfen, die da so gegeben werden, sind mir aber zu einfältig.

Ich sitze also bequem im Sessel und lege die Füße auf den Hocker. Mit der linken Hand stütze ich das iPad in einer bestimmten Bauchfalte ab. In der rechten Hand führe ich so einen speziellen Stift, der präziser arbeitet als Wurstfinger und auch das Display nicht verschmiert. Zwischen den Fingern der linken Hand halte ich ein Butterbrot und schnelle mit dem Oberkörper jedes Mal nach vorn, wenn ich etwas abbeißen will. Meine Teetasse steht neben mir auf dem Schrank, so etwa in Kopfhöhe. Wenn ich nun trinken will, muss ich den Stift ganz leicht in der Hand verschwinden lassen, um zusätzlich den Tassengriff zu fassen. Das beeinträchtigt allerdings die Arbeit am iPad doch ganz erheblich. Eine schnelle und gezielte Dateneingabe ist so stark durch die Hand- und Kopfbewegung gestört, dass mir manchmal sogar der Tee die Krümel vom Display spült. Die Bedienung des TV erfolgt zwar problemlos über das iPad, aber wenn es Knabbereien oder das Mittagessen gibt, dann bin ich total aufgeschmissen und wünsche mir weitere Hände. Das das kann ja nun nicht die ergonomische Lösung sein.