Aus nackten Sommern

Jetzt ist wieder die Zeit für den nackten Oberkörper. Und ich muss sagen, dass es unter der Sonne und bei Anstrengungen eine  Befreiung ist, wenn man auf ein verschwitztes Hemd verzichten kann. Nun ist es allerdings so, dass ich mit nacktem Oberkörper immer sehr, sehr stark angeguckt werde. Das ist mir unangenehm. Es liegt wohl daran, dass man bei mir auch dann kein Tattoo findet, wenn man einmal vollständig um mich herum läuft.

Hier ein qualitativ zweifelhaftes Szenenfoto in brütender Hitze irgendwo an der Donau im Jahr 1992 …

Das erinnert mich etwas an die 90er Jahre. Damals war eine Mitarbeiterin in ihrer Lebenswelt die erste, die eine kleine Rose verschämt auf der linken oberen Gesäßhälfte alt Tattoo trug. Ich weiß das so genau, weil darüber lange diskutiert wurde und anschließend die Mitarbeiterin mit vielen Kolleginnen zur Toilette verschwand, um das Tattoo ungestört vorzeigen zu können. Danach ging die Diskussion weiter. Ich habe mich damals schon gefragt, was es für einen Sinn haben soll, wenn ein Tattoo nicht öffentlich sichtbar ist, zumal dann, wenn man das Tattoo selbst nur mit einem Spiegel sehn kann. Ich lasse mich gleich mal von Kindern anmalen, dann habe ich hoffentlich die Beachtung, die mir zusteht – für eine ungeheure Schönheit.

Körpervergrößerung

Vielen hat ihr Körper einfach zu viel Oberfläche. Das ist manchmal äußerst hinderlich.

Als körperbewusst gelten aber jene, die ihren Körper nicht nur in den Proportionen so stylen, dass er unverwechselbar ihr eigens Werk ist, ohne dass irgendwelche zufälligen oder gar natürlichen Abweichungen vom eigenen Bild geduldet würden.

Zur eigenwilligen Bodymodification haben sich im Laufe der Zeit Piercings und Tattoos hinzu gesellt. Sie machen deinen Körper für dich und andere zum einmaligen, also unverwechselbaren Erlebnis. Am Ende der Entwicklung könnte allerdings stehen, dass der nichtmodifizierte Körper ganz besonders auffällig ist. Das wäre kein schöner Effekt für jene, die sich gern unauffällig einpassen.

Der Zeitgeist weht allerdings über Tattoos hinweg, während Piercings mit der Zeit häufig in der Schreibtischschublade landen oder getauscht werden. Es ist eigentlich schade, dass der Zeitgeist stets neue Tattoomotive und auch Techniken zu ihrer Herstellung liefert, der Körper aber nach wie vor nur bedingt als Leinwand taugt, die man überstreichen oder notfalls auswechseln oder gar neu bespielen kann. Manch einer ist in Not, weil die letzte hautfarbene Stelle bereits verschwindend klein geworden ist, aber auch froh, weil Rassisten bei ihm die Orientierung an der Hautfarbe verlieren.

Da bleibt nur der Weg, eben doch mit einem Körper zu arbeiten, der einfach zu viel gefühlte Oberfläche hat, oder aber mit medizinischer Unterstützung die Oberfläche kontrolliert zu vergrößern. So ließen sich tellergroße Ohrläppchen formen oder aber zwischen den Armen und dem Körper Hautsegel montieren, die allerlei Schönheit aufdecken und verstecken könnten.

Okay – das muss erst einmal reichen. Eigentlich möchte ich nicht, dass mir dazu noch mehr einfällt.