In der Theorie endet das Echo nur in der Unendlichkeit

Für den „Echo‟, einen Preis der Musikindustrie, werden grob gesagt mit 50% die Verkaufszahlen der Musiktitel berücksichtigt. An denen orientiert sich aber auch eine Jury, die die restlichen 50% ausfüllt. Dass bedeutet auch, dass die Musikindustrie meint, nichts dazu zu können, wenn nun in diesen Tagen rassistische Musik beim Bürger so beliebt ist, dass man mit den selbst gestellten Regeln daran nicht vorbei kommt. Die Musikindustrie und ihre Vasallen  halten also den heftigen Widerspruch einfach nur aus und gewinnen. Niemand verlässt den Saal, niemand gibt seinen Echo zurück, alle gaffen auf die Prämierung von Rassisten, wie bei einen Verkehrsunfall und wahren den Rahmen der Kultur einzig mit dem Konsum von Schaumwein. Es ist jämmerlich.

Wenn man sich Regeln ausdenkt, die am Gewinn ausgerichtet sind, dann ist es doch naheliegend, dass irgendwann der gute Geschmack verloren geht, der ja auch in der Lebenswelt der Produzenten nur noch selten eine wichtige Rolle spielt. Wenn die Musikindustrie gern rassistische Texte durchwinkt, allein weil sie passabel gerappt sind, dann hat das auch damit zu tun, dass sie gern ein Publikum pflegt, das alles nicht so ernst und genau nimmt und einfach nur kauft.

Damit geht es auch um das Publikum: Offenbar gehört der Rassismus so ganz alltagspraktisch zu Deutschland, wenn rassistische Musik bereits die Charts erobert. 

Wenn wir in dieser Zeit immer wieder gefragt werden, was zu Deutschland gehört, so basteln direkt alle an einer unbestreitbaren Positivliste mit der Tendenz, sie ziemlich verbindlich zu machen. Aber das ist wertlos für eine demokratische Gesellschaft, die ihre eigene Entwicklung zur Aufgabe hat. Nehmen wir doch einfach mal alles, was da ist, ohne es zunächst zu bewerten: Das ist Deutschland im Gefrierschnitt. Nun öffnen wir Türen, denken um die Ecke und ziehen Strippen zwischen all den Elementen, die sich fremd vorkommen und sich nicht verstehen. Damit öffnen wir erst die Dynamik, in der Deutschland lebt und die so gern strategisch ausgeblendet wird, weil sie ja stören kann.

Das gesellschaftliche Leben hat seinen Ausgangspunkt in der Idee von der Inklusion: Alles was da ist, findet Beachtung und entwickelt sich wechselseitig. Demgegenüber fremd ist die Idee aller Innenminister, wir integrieren die Randständigen dort hin, wo der rechnerische Normalbürger bereits ist – und bereinigen ganz einfach mal nebenbei die Vielfalt und überweisen Sie zunächst zum Überleben und zur Rechtfertigung in die Fastfoodküchen in Citylage.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Musikindustrie bald nicht mehr umhin kann, den Wind der Inklusion durch ihr Selbstverständnis wehen zu lassen. Dabei fallen dann ganz nebenbei alle rassistisch ausgerichteten Rapper durchs Raster gesellschaftlicher Bewährung. Wer seine Texte sprechen, aber nicht lesen kann und darauf beharrt, muss die Erfahrung machen, dass er irgendwie nicht gemocht wird und ein Auslaufmodell ist. Für die Musikindustrie selbst wächst der Blick auf eine praktische gesellschaftliche Verantwortung und die Reformbedürftigkeit statischer Regeln. 

Und die ganzen Echogewinner können ja ihre Preise immer noch zurück geben, wenn ihnen etwas daran liegt, in der Rassismusdebatte etwas los zu werden.

– Und gegen alle Theorie hat sich so manches Echo schon verhallt.

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