Über das Eszett

[ẞ]

Wenn jemand sich mit Nachdruck ins Geschäft bringen will, dann schreibt er seinen Namen häufig in Versalien. Man sieht das immer wieder auf Fußballtrikots, jetzt aber auch wieder auf vielen Wahlplakaten, die einen Menschen zur Wahl anbieten.

Gerade in Wortbeiträgen, die man nicht von Angesicht zu Angesicht übermittelt, werden die sprachbegleitenden Verhaltensweisen gern durch Zeichen ersetzt, die auf Gefühlslagen Hinweisen und den Text auszeichnen. Versalien signalisieren dabei das alles übertönende Herausschreien. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden.
Nun sagt der Duden, dass ein „ß“ als Ersatz für eine Versalie in ein „ss“ aufgelöst wird. Zugelassen ist das kleine „ß“, verloren zwischen Versalien, lediglich in amtlichen Ausweisen, um die Eindeutigkeit von Namen sicherzustellen. Typographen arbeiten schon lange an dem offenbar fehlenden großen „ß“, das uns auch helfen könnte, manche Substantive besser in ßene zu setzen. Dessen ungeachtet ziehen im Fußball ein Herr „KIEßLING“, ein Herr „GROßKREUTZ“ und in der Politik ein Herr „NIEßING“ und viele andere ihre Kreise. Das lässt mich nicht unbeeindruckt und ich schaffe es nicht, darüber hinweg zu sehen. Ich bin geneigt, in diesem Zusammenhang jede Form von Liken zu unterlassen und das „ß“ einfach mal wegen der Ähnlichkeit als „B“ zu deuten und dann auch so auszusprechen: „Der Kiebling steht doch im Abseits!“