Als die Weltmeere sauber geredet wurden

Die Firma ADIDAS vertreibt in den nächsten Wochen Schuhe, die aus den Abfällen in den Meeren hergestellt sind. Das klingt ja ziemlich ökofreaky.

Es erscheint ja auch unausweichlich, dass der Dreck der Menschheit immer bergab fließt und im Finale die Meere auffüllt. Denken wir in geschlossenen Kreisläufen, dann bleibt ja auch keine andere Wahl, als die Abfallstoffe als Rohstoffen im Meer wieder einzusammeln.

Gescheiter, wenn auch im bescheidenen Rahmen, wäre es freilich, ein paar Wege der Entsorgung abzukürzen und den Müll direkt an der Firmenzentrale des Schuhherstellers abzulegen. Es wäre eine multilaterale Winsituation.

Ach, das Obermaterial ist es nur. – Die tragenden Sohlen werden ihren Abrieb also wohl weiterhin über die Wasserwege los werden, dorthin, wo sie nicht einmal herkommen.

Es fehlt jetzt nur noch, dass diese Schuhe irgendwie zertifiziert werden, um unsere Kaufentscheidung zu ersetzen. Aus Scheiße Geld zu machen, bleibt offenbar der große Traum auf dem Weg zu Reichtum, während die Welt standhaft sich selbst genug ist.

Im Namen der Pflanze

Jeder soll ja Essen, was er will.

Gleichgültig ist dabei, ob er im Extremfall damit zur Höchstform aufläuft oder stirbt. Schlimm wird es erst, wenn spärliche empirische Befunde zur Weltanschauung verdichtet werden und zunächst unbeteiligte Menschen ansprechen und mitreißen.

Moehre

Im Veganressort hat sich bedauernswert viel zur Weltanschauung dieser Art verdichtet. Man zitiert als Ideologiebasis immer wieder Belege für scheinbar segensreiche Wirkzusammenhänge, die dann allerdings höchst fragwürdig und widerlegt sind. Der Sinn kritischer Forschung, nämlich widerlegende Argumente zu sammeln, wird systematisch ausgespart. Man sagt in eingeweihten Kreisen auch nicht, dass man in dem, was man isst, auf spezifische Art wählerisch ist, sondern man sagt, dass man Veganer ist und markiert damit einen selbst gemachten Status. Man spricht sogar Nahrungsmitteln, die selbst mit der Weltanschauung nichts zu tun haben, die Eigenschaft zu, vegan zu sein. Dabei gibt es beispielsweise eine vegane Möhre überhaupt nicht, denn sie ist sich selbst genug, also eben ausschließlich eine Möhre, wenn sie für jedermann verständlich bezeichnet werden soll. Selbst Restaurants teilen bisweilen dieses Label vegan. Alle Welt lässt sich in diesem Denksystem schließlich zuordnen, vegan oder eben nicht. Die Funktion dieser Vereinnahmung in der Sprache entspricht der, die es auch in Religionen gibt. Das Judentum kennt beispielsweise koscher und der Islam kennt halal, kurz: erlaubt!

Wenn nun eine selbstgetrimmte Veganerin kurz vor dem Gipfel des höchsten Berges der Welt stirbt, obwohl sie nur belegen wollte, dass der Veganer unsterblich viel kann – die Presse berichtet darüber -, dann ist das bedauerlich und es ist auch kaum der Rede wert, wenn man bedenkt, dass jährlich sehr viele Menschen an den hohen Bergen dieser Welt sterben.

Wenn nun in den sozialen Netzen die tote Veganerin posthum verlacht wird, dann ist das nicht zu rechtfertigen. Das Problem ist aber nicht, dass es möglicherweise um eine verblendete Veganerin geht oder um entgrenzt plappernde Menschen in sozialen Netzen. Es geht nämlich darum, dass eine Veganideologie gegen besseres Wissen tragische Erscheinungen auslöst, die ohnedies nicht denkbar wäre.

Verkehrsgerecht

Wenn es um den Straßenverkehr geht, beraubt uns die Idee vom ewigen Stau von allen Notwendigkeiten, den Verkehr zu regeln. Denn wo kein Fortkommen ist, ist auch streng genommen kein Verkehr, der geregelt werden könnte. Mit dem Verkehr sind wir also vor allem dann befasst, wenn der Stau kurz bevorsteht. Es gibt unübersehbar viele Fahrzeuge auf Straßen und Brücken, die ständig überfordert werden. Dabei hat das ganze Verkehrschaos damit angefangen, dass der Fußgänger seinen angeborenen Vorrang verloren hat, in dem Rücksichtnahme auf Schwache und Hilfsbedürftige direkt eingebaut ist. Bürgersteige und Fußgängerzonen sind die Versuche, den Fußgänger als lästigen Verkehrsteilnehmer abzuschieben und ihm gleichzeitig zu sagen, dass es nur zu seinem besten ist. Nach und nach ist der Radfahrer an die Stelle des Fußgängers getreten. Das ist ein weitaus größeres Problem, weil man dem Radfahrer augenscheinlich nicht so einfach mit einer Spielwiese vom Verkehr ausschließen kann, obwohl ja das motorisierte Fahrzeug bis zum nächsten Stau vom Radfahrer nur eingebremst und belästigt wird. Nur in kleinen Nischen wird das Radfahren mit seinem wirtschaftlichen Mobilitätsradius als große Innovation gesehen. Dass Autohersteller zum Teil exklusive Fahrräder als Zusatzausstattung ihrer Autos anbieten führt eine Friedfertigkeit vor, die es nicht gibt. Der Radfahrer folgt dem Fußgänger widerwillig in eine eigene Nische und gerät dort dann wieder an den Fußgänger, der ihm trotz älterer Rechte meistens unterlegen ist. Es entwickelt sich ein Kampf. Der Radfahrer nutzt Gehwege mittlerweile wie selbstverständlich, auch ohne an jeder Haustür anzuhalten, um die Kollision mit denen zu vermeiden, die gerade das Haus verlassen. Sie umfahren ampelbewehrte Kreuzungen gern auch mit einem energischen Wechsel auf den linksseitigen Bürgersteig und reklamieren oft eine Vorfahrt, weil sie eben Radfahrer sind. Die Ordnungsbehörden und die Polizei haben es mittlerweile aufgegeben Verkehrsverstöße von Radfahrern zu ahnden und die Begegnungen von Radfahrern mit anderen Verkehrsteilnehmern irgendwie zu ordnen.

Offenbar leidet das gesamte Verkehrssystem daran, dass die Orientierungsnorm Autobahn für die Begegnung mobiler Menschen ungeeignet ist. Der Radfahrer macht das offenbar pragmatisch Sinnvolle und bastelt sich seine eigene egoistisch überhöhte Norm und Rechtfertigung. Am besten lässt sich das Städten mit einem hohen Anteil radfahrender Hochschulangehöriger beobachten. Ich kann sie verstehen. Dem Fußgänger kann das aber trotzdem nicht recht sein, weil er ja weitgehend unbeschadet sein Ziel erreichen will.

Offenbar ist es erforderlich, das Verkehrssystem so lange mit Ordnungswidrigkeiten und deren Ahndung, Widersprüchen und Klagen zu überfordern, bis die Infrastruktur an der Priorität des Fußgängers ausgerichtet ist und die Verkehrsregeln daran angepasst werden. Letztens habe ich vorbeugend „Buhh“ gerufen, als ich durch das Haus verließ. Und tatsächlich steuerte ein Radfahrer unvorbereitet auf ein parkendes Auto, das ihn vor dem Straßenverkehr auf der für ihn falschen Straßenseite rettete.

Posttschernobyl

Es jährt sich die Atomkatastrophe von Tschernobyl.

Mittlerweile haben wir alle Informationen dazu. Das hat ja lange gedauert. Informationen aus der Sowjetunion gab es in kleinen Dosen erst, als in Schweden eine hohe Strahlenbelastung gemessen wurde. In vielen Ländern gab es eine medienwirksame Interessenpolitik pro Atomkraft, in der viel verschwiegen oder irgendwie heilsam dargestellt wurde.

Der Umgang mit den Informationen ist allerdings bis zum heutigen Tag sehr unterschiedlich: Die einen legen still, die anderen denken nicht daran und noch andere bauen hoffnungsvoll drauf los.

Als damals die Wolken die Strahlung aus Tschernobyl auch am Niederrhein abregneten, waren wir noch vorsorglich. Unsrer 3-jährigen Tochter haben wir damals erklärt, warum sie nicht im Garten spielen darf. Sie hat sich das mit viel Interesse und auch nachdenklich angehört. Als die Erklärungen abgeschlossen waren, stellt sie die entscheidende Frage: „Darf ich jetzt raus?“

Es ist verdammt schwer, mit Sachen umzugehen, die man nicht so richtig sehen kann.

Ziemlich verdorben

Ist es vorbildlich, dass neuerdings in Frankreich die Lebensmittelmärkte gezwungen sind, die Abfälle hörerwertiger zu verwerten, als man es mit dem Müll macht?
Man liest nun überall, dass das vorbildlich sei. Und schon melden sich die Bekannten der Umweltszene und fordern das gleiche für andere Länder. Doch es gibt auch einen Grund, daran zu zweifeln:

Nur ein kleiner Bruchteil der für ein Downcycling übrig gebliebenen Lebensmittel kommt aus den Supermärkten. []
Insofern ist es viel Augenwischerei, wenn nun der Händler dazu gezwungen wird, sich vorbildlich zu verhalten, sein Image zu verbessern und dafür möglicherweise auch noch die Preise zu erhöhen. Ist es nicht besser, wenn wir alle Verantwortung zeigen und unsere Vorratshaltung korrigieren? Dazu braucht man keine Rechtsvorschriften. Erziehung und Bildung kann so eine Vorschrift nicht ersetzen. Im Gegenteil: Vorschriften über Inhaltsstoffe und Haltbarkeitszeiten haben es dem Menschen abgenommen, selbst die Qualität und den Verfall seiner Lebensmittel zu beurteilen. Der Rechtsrahmen hat den autonomen Bürger zum naiven Follower von Werbung, Technologie und Gesetzgebung abqualifiziert.
Der Widerstand dagegen ist selten.
Versuchen wir doch mal, bei einem Fisch oder einer Apfelsine auf dem Markt die Qualität zu prüfen oder die Radieschen selbst anzubauen …

Kangalfisch

Wenn man meint, dass die  Rötliche Saugbarbe, die aktuell als Kangalfisch gehandelt wird, in der Symbiose mit dem menschlichen Fuß lebt, dann ist man ein Opfer der Wellnessbranche. In seinem natürlichen Lebensraum wird er sicherlich nebenbei so manchen Badenden knabbernd von der Hornhaut befreit haben. Jetzt soll der Fisch in den Becken deutscher Wellnessunternehmer vermarktet werden. Der Unternehmer will das so. Es ist ein vielversprechendes Geschäftsmodell. Bevor man nun die Kündigungsfristen und Urlaubsansprüche der Fische regelt, bleibt zu überlegen, ob wir die Fische nicht doch lieber in ihrer Heimat belassen und unsere Trüffelhobel stattdessen ab und zu über die Fersen der schwitzenden Wohlstandsbürger schieben, deren Kinder gerade die braven Pferde reitend zugrunde richten. Dazu können wir ja eine Tapete mit bunten Fischen anrichten.
Die Unternehmer bemühen bereits die Gerichte, weil ihnen die Genehmigung versagt wird. Das Verwaltungsgericht hat den Fisch der Gewerbefreiheit untergeordnet. Ich bin gespannt auf weitere Fischgerichte.

Nachtrag:
Die Hornhaut ist ja eigentlich dem Auge zugeordnet.
In der alternden, unbeweglichen und gleichgültigen Gesellschaft wird die Hornhaut aber trotzdem zielsicher an den Füßen ausgemacht, nachdem man sie meistens lange vernachlässigt hat.
Ich schätze Hornspäne vor allem als Dünger im Garten. Sie geben den Radieschen, von oben und unten und allen Seiten betrachtet, ein blendendes Aussehen und eine gewollte Schärfe.

Beitrag zum Rohstoffmanagement in den Zeiten der Tierliebe

Der Mensch ist anpassungsfähig wie kein anderes Lebewesen. Das Nachdenken  und das Vorausdenken über sich selbst und andere führt zu einer ungeheuren Vielfalt, sich so oder aber auch ganz anders einzurichten und zu meinen, dass die getroffene Wahl einzigartig richtig ist. Wenn er erst einmal entschieden ist, neigt der Mensch nicht nur dazu, diese Entscheidung für gut und richtig zu halten. Sogar die begleitenden Emotionen richtet er so ein, dass das in seiner Welt alles ganz normal ist. Mir fällt als gutes, aber unbedeutendes Beispiel wieder der Hundebesitzer ein. Würde er seine eigene Notdurft eintüten und in der Jackentasche herumtragen, bis ein Abfallbehälter auftaucht? Weil es nicht sein muss, würde man ihn wohl nicht dazu bewegen können. Er würde es extrem unangenehm empfinden und sähe sich im Beisein anderer Leute sogar gedemütigt. Verschärft man aber das Gedankenspiel und bietet die Notdurft eines andern an, dann ändert sich an der Ablehnung nichts. Verschärft man das Gedankenspiel noch einmal und nimmt ein ganz anderes Säugetier, etwa einen Hund, dann sieht die Sache auch nicht gerade appetitlich aus, aber doch wesentlich entspannter. Man kommt im Rahmen der Urbanisierung des Hundelebens eben nicht daran vorbei, soziales Verhalten vorzuleben, indem man den Hundekot aufklaubt und wegträgt. Mittlerweile wird Hundekot in Plastiktüten als besondere Belastung der Zivilisation erkannt. Der Hundebesitzer wird es selbstverständlich auch gut finden, den Hund an geeigneten Vorrichtungen rektal abzusaugen, wenn der Mensch damit als Freund der Hunde und der Menschen überleben kann, weil er ja so anpassungsfähig ist. Die Absaugvorrichtung gäbe es – ganz nebenbei – an jeder Tankstelle und würde den Rohstoff direkt zu einem Dünger für urbane Tomatenzuchten aufbereiten und in einem Rohrsystem weiterleiten. Es wäre zweifellos aber noch besser, wenn der Hund das Ende seiner Entwicklung noch nicht erreicht hat und irgendwann ein Leben ganz ohne Verdauungstrakt bewerkstelligen könnte. Das Tamagochi kehrt zurück und markiert in weiser Voraussicht den Höhepunkt der Tierliebe. Sogar einen Tod könnte man dann durch einen Batteriewechsel als Intermezzo gestalten. Auf Messen für Senioren werden jetzt bereits solche Tiere angeboten. Die Resonanz ist überwältigend.


Und dann auch noch dies:

Ich spüre ein Defizit.

Wenn ich eine meiner Freundinnen mit dem Kinderwagen durch die Großstadt schiebe, verfängt sich immer wieder und dann aber urplötzlich ein Hundehaufen in einem der Räder. Offenbar muss ich während der Fahrt so viel Weitblick und Umsicht walten lassen, dass die Anforderungen der allgemeinen Verkehrssicherheit dagegen unbedeutend sind. Damit fühle ich mich überfordert.
Ich möchte sagen, dass es ja nur immer ein einzelnes schwarzes Schaf ist, das sich einen ungeeigneten Hund hält, der in die gänzlich unvorhersehbare Fahrspur des Kinderwagens kackt. Aber das ist nicht so! Das schwarze Schaf hat ja bereits unter der sengenden Sonne seinen Hund im verschlossenen Auto zu Tode gegrillt, als das Schaf mal kurz im Biergarten war. Zum Glück lag der Hund auf Backpapier.
Jetzt bleibt mir nur, auf den städtischen Grünflächen bei den spielenden Kindern stets noch eine reinigende Sonderfahrt anzuhängen. Oder ich warte darauf, bis der Heimwerkermarkt ein Spray anbietet, daß wie von Zauberhand alle Räder kurz und schmerzlos keimfrei macht.

Und dann auch noch das (im November 2015):

15 000 € hat die Stadt Bonn jährlich für die Hundekottüten ausgegeben. Jetzt ist Schluss damit!
Es ist mir zu ekelig, jetzt auszurechnen, wie viele Hundekottüten man für das Geld bekommt und für die Hunde in der Stadt Durchschnittswerte zu entwickeln, wie viele solcher Tüten man für so einen Hund mit wie viel Inhalt veranschlagen könnte.
Zu vermuten ist aber, dass Tüten dieser Art als Gefrierbeutel zweckentfremdet werden.

Bienenklicken

Pro 7 sammelt Klicks und zahlt dafür Geld zur Rettung von Bienen.

Mit unserem Zuspruch adeln wir Pro7, die – wie sie sagen – „Verantwortung zeigen“, weil sie Geld für Bienen spenden, wenn wir nur fleißig bei Facebook klicken. So, wie die behauptete Verantwortung offensichtlich einer Werbeidee zuzuordnen ist, wird sie auch an den Spender weitergereicht. Er soll tatsächlich glauben, dass ein Klick Geld losschlägt und eine Biene rettet.

Abgesehen davon, rechnen sich solche Klicks auch abzüglich der Spenden recht gut, weil sie den Zuspruch für den Sender erhöhen. Legendär ist ja das gleiche Werbeprinzip am Beispiel einer bestimmten Brauerei, die dem Trinker zumutet, den Regenwald zu retten, wenn er deren Bier trinkt und die Brauerei einen Teilgewinn in Bäume investiert.
Die Bienen kranken aber nun nicht weltweit daran, dass ihnen Geld fehlt. Die Bienen kranken nämlichandenselbstgewählten, weltweit wirksamen Lebensbedingungen der Menschen, allen voran die Versorgung derWeltmitlandwirtschaftsbezogenen PestizidenunddieHypermobilität der Menschen.DieMenschenkarren die Bienenvölker mit ihren Parasiten immerzu durch die Gegend und beförderndamitlokaleKoexistenzen von Biene und Parasit zum weltweiten Befall mit tödlicher Wirkung. Wo die Bienen auch sind, den Pestiziden können sie heutzutage nicht mehr ausweichen und den Parasiten auch nicht.

Ein verantwortliches Handeln bestünde darin, chemische Ressourcen einzusparen und insgesamt langsamer zu leben. Dazu bedarf es ausdrücklich nicht des Geldes, das ohnehin im turbokapitalistischen Übermaß die Welt flutet. Das Umdenken ist absolut billig zu haben und Pro7 spielt danach auch eine noch bescheidenere Rolle. Sie können dann in der verbesserten Welt über eine weitere Verbesserung der Welt berichten.