{"id":7725,"date":"2025-07-21T11:10:55","date_gmt":"2025-07-21T09:10:55","guid":{"rendered":"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?p=7725"},"modified":"2025-10-16T12:03:57","modified_gmt":"2025-10-16T10:03:57","slug":"der-name-schallt-und-raucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?p=7725","title":{"rendered":"Der Name schallt und raucht"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Name ist wichtig. Der Name ist das, was einem meist bleibt, auch wenn alles verloren ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber wie spricht man einen bestimmten Namen richtig aus? Damit besch\u00e4ftigen sich Diplomaten und sprechende Journalisten tagt\u00e4glich, nutzen dazu etliche Hilfsmittel und haben doch stets schlechte Ergebnisse, die noch schlechter werden, wenn Namen aus entfernten Kulturen kommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das kann man ihnen nicht vorwerfen. Selbst im ganz normalen Alltag verzweifeln wir selbst an den Namen von Mitb\u00fcrger, die nicht gerade M\u00fcller oder Zimmermann hei\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diplomaten haben es vergleichsweise sehr einfach. Jedem Land gegen\u00fcber sagen sie kritiklos das, was das jeweilige Land als richtig vorgibt. Und das gilt f\u00fcr alle Diplomaten dieser Welt. Das hat eine Tradition, aber auch so seltsame Effekte, dass zum Beispiel Burma &#8211; auf deutsch Birma -, das schon lange au\u00dferhalb demokratischer Verh\u00e4ltnisse sich in Myanmar umbenannt hat. Sinnloserweise funktioniert die Diplomatensprache als Referenz, als ob sie ein Siegel f\u00fcr Seriosit\u00e4t eingebaut h\u00e4tte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbst der Sportreporter, der ja stets mit unz\u00e4hligen Namen jongliert, hat die Grundidee noch nicht aufgegeben, dass Namen richtig und nicht falsch ausgesprochen werden d\u00fcrfen. Sie nutzen also den UEFA-Leitfaden und andere lange Listen, die vermeintlich zeigen, wie beispielsweise die Fu\u00dfballspielerin Stina Blackstenius richtig ausgesprochen wird. Sie spielt in der englischen Liga und in der schwedischen Nationalmannschaft. Der deutsche Reporter nennt sie aber &#8211; wie seine britischen Kollegen &#8211; Bl\u00e4ckstenius. Selbst der Schwede sagt&nbsp; aber Blackstenius. Mit der niederl\u00e4ndischen Spielerin Chasidy Grant ist es nicht anders. In der englischen Liga wird sie \u201eGr\u00e4nt\u201c genannt, obwohl es niederl\u00e4ndisch Grant hei\u00dft. Deutsche Reporter lernen f\u00e4lschlicherweise gern von Engl\u00e4ndern. Der deutsche Fu\u00dfballer \u201eEel-kai Gun-do-wan\u201c kommt in einem Verzeichnis einfacher Sprache f\u00fcr Journalisten ja noch relativ gut davon.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe es im Umgang mit Freunden aus anderen Kulturen und mit fremden Namen selbst festgestellt: Es ist ein unm\u00f6gliches Unterfangen, jeden Namen im vermeintlichen Originalton nachzubilden. Selbst bei kurzen Namen, bewirkt die Betonung einer der anderen Silben Unverst\u00e4ndnis oder gar eine Bedeutungsverschiebung. Manch einer meint, er k\u00f6nne die Namenbestandteile des Pianisten Lang Lang unbemerkt vertauschen. Dabei liegt er sogar bereits mit seinem Ansinnen falsch, wenn er nichts vertauscht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den Medienkonsument w\u00e4re es ja wichtiger, eine Orientierung zu erfahren, anstatt Namen, die verst\u00e4ndlich unverst\u00e4ndlich in die Irre f\u00fchre.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich bin ja fest der Ansicht, dass es richtig und falsch \u00fcberhaupt nicht gibt, wenn es um den sprachgrenz\u00fcberschreitende Namennutzung geht. Es z\u00e4hlt allein eine Information, die dem Konsumenten in seiner Sprache eine Wiedererkennbarkeit der Namenstr\u00e4gerin erm\u00f6glicht. Dazu braucht man in den Sprachr\u00e4umen dieser Welt die F\u00e4higkeit, die Sprache der Nativspeaker auszunutzen und ein f\u00fcr alle mal, das unsinnige Unterfangen abzubrechen, richtige Namen zu produzieren. Also man liest einfach nur das, was da steht in der Sprache, in der gesprochen wird &#8211; irgendwelche Verhaspelungen eingeschlossen. Es bleibt also der schwere Vorwurf an alle Journalisten und Diplomaten, dass sie den Ausstieg aus dem Richtig-falsch-Denken auf deibelkommraus verschleppen. \u00dcbrigens ist die franz\u00f6sische Partei \u201eRessemblement National\u201c die nationale Sammlungsbewegung. Man kann den Namen sicher auch zitieren. Aber auf keinen Fall als \u201eder\u201c Rassemblement National. Beim Baguette denken wir gottzeidank anders: \u201eDer Baguette\u201c w\u00fcrde wohl niemand zu sagen wagen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um es beispielhaft zusammen zu fassen: \u00dcber viele Jahre wohnte ich in Hoisten, mittlerweile ein Stadtteil von Neuss. Die Einheimischen sagen Hoosten &#8211; also mit langem O, w\u00e4hrend alle Welt Ho-isten sagt. Das sprechzentrale i ist ein Dehnungs-i. Das kann man sprachhistorisch erkl\u00e4ren, aber solche Erkl\u00e4rungen sind kein Gemeingut. Beides ist also irgendwie richtig. Man erkennt aber sofort den harten Nativspeaker.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Ein kleiner Nachtrag:<\/strong><\/em> Ein Sportmoderator behauptete anl\u00e4sslich der diesj\u00e4hrigen Fu\u00dfballeuropameisterschaften der Frauen, dass der Name der norwegischen Nationalspielerin Ada Hegerberg in der Aussprache sein g verliert. Das habe er so bei norwegischen Kollegen geh\u00f6rt &#8211; also He\u2013erberg. Ich habe es mal f\u00fcr die norwegische Hauptsprache Bokmal \u00fcberpr\u00fcft: Das g wird gesprochen, warum auch nicht?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotzdem hat sich die ver\u00e4nderte Aussprache in Windeseile im deutschen Sportjournalismus verbreitet. Dabei hatte die Spielerin seit ewigen Zeiten auf Hegerberg geh\u00f6rt und sie wurde auch so genannt. Der besserwisserische Individualstil diverser Reporter kann ganz schlimme Identit\u00e4tskrisen ausl\u00f6sen. Wenn du alles verlierst, dann bleibt dir nur dein Name &#8211; bisher!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Name ist wichtig. Der Name ist das, was einem meist bleibt, auch wenn alles verloren ist. Aber wie spricht man einen bestimmten Namen richtig aus? Damit besch\u00e4ftigen sich Diplomaten und sprechende Journalisten tagt\u00e4glich, nutzen dazu etliche Hilfsmittel und haben doch stets schlechte Ergebnisse, die noch schlechter werden, wenn Namen aus entfernten Kulturen kommen. 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