{"id":6898,"date":"2024-05-11T16:37:39","date_gmt":"2024-05-11T14:37:39","guid":{"rendered":"http:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?p=6898"},"modified":"2024-06-05T16:33:33","modified_gmt":"2024-06-05T14:33:33","slug":"das-kuchenstueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?p=6898","title":{"rendered":"Das Kuchenst\u00fcck"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die meist vor dem Verzehr geschnittenen Kuchenst\u00fccke sind eine bew\u00e4hrte, sehr praktische Digitalisierung von Kuchen und Torten. Anstatt sie nach Gewicht, nach Quadratzentimetern oder etwa l\u00f6ffelweise anzubieten oder zu verkaufen, gibt es eben m\u00f6glichst gleich gro\u00dfe und gleichwertige Kuchenst\u00fccke, die eigentlich jeder Mensch gut als Einheit akzeptieren kann. Manche essen sogar mehrere.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den letzten Jahren hat sich eingeschlichen, dass der potentielle Konsument die Kuchenst\u00fccke im Privatbereich nicht mehr in der vorgefertigten Form akzeptiert. Er fordert meist halbe St\u00fccke oder seltener besonders gro\u00dfe St\u00fccke und wird nicht verlegen, das auch noch zu begr\u00fcnden. B\u00e4ckereien folgen diesem Trend mit gutem Grund bisher nicht. F\u00fcr mich ist die Infragestellung der Vorfarmatierung von Kuchenst\u00fccken eine Selbstbestimmung am falschen Objekt von Menschen, die&nbsp; irgend etwas besser zu wissen glauben, anstatt sich einfach mal auf Vorgaben einzulassen. Wer nicht wei\u00df, ob er ein zweites St\u00fcck vom Kuchen will, muss sich einfach nur entscheiden. Er wird danach weder verhungern noch zerplatzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kuchentafeln mit zweigeteilten oder noch anders geteilten Kuchenst\u00fccken sind mir ein Graus. Ich verlasse auch gern den Raum, wenn der Gastgeber im voreilenden Gehorsam bereits alles verbr\u00f6selt und vermatscht hat, um eine Vielfalt der verkleinerten und verkr\u00fcppelten St\u00fccke zu zelebrieren.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"494\" data-attachment-id=\"6899\" data-permalink=\"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?attachment_id=6899\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Kuchen.png?fit=500%2C494&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"500,494\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Kuchen\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Kuchen.png?fit=300%2C296&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Kuchen.png?fit=500%2C494&amp;ssl=1\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Kuchen.png?resize=500%2C494&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-6899\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Kuchen.png?w=500&amp;ssl=1 500w, https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Kuchen.png?resize=300%2C296&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Kuchen.png?resize=100%2C100&amp;ssl=1 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em><strong>ziemlich heidnisches Kuchenst\u00fcck<\/strong><\/em><br \/><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gestern war ich bei einem Beerdigungskaffee, der eigentlich Raue hei\u00dft. Es gab Br\u00f6tchen, Wurst und K\u00e4se und gleichgro\u00dfe St\u00fccke Blechkuchen mit unterschiedlichem Belag auf Tellern angerichtet. Es war f\u00fcr alle genug da. Und dann meinte jemand, er m\u00fcsse alle Kuchenst\u00fccke in der Mitte durchschneiden, damit nicht die eine isst, was der andere gern gegessen h\u00e4tte. Und dann hat er es tats\u00e4chlich auch noch gemacht! Ich h\u00e4tte gern ein vollst\u00e4ndiges St\u00fcck Mohnstreusel gegessen. Das ging dann aber nicht mehr. Ich habe mir dann ein paar Br\u00f6tchen belegt und niemandem eine Br\u00f6tchenh\u00e4lfte angeboten. Br\u00f6tchen esse ich aus der Hand, Kuchen im belgisch-niederrheinischen Style mit Messer und Gabel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Nachtrag 1:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich erz\u00e4hle die Kuchenst\u00fcckgeschichte beim sonnt\u00e4glichen Nachmittagskaffee. Da geh\u00f6rt sie ja auch hin. Ich h\u00e4tte die Geschichte vorlesen sollen. Denn die Reaktion war: \u201eEs kann schon zu viel sein, wenn ich so ein Kuchenst\u00fcck esse und dann schmeckt das am Ende fies und ich brauche lange, bis mein K\u00f6rper wieder auf normal schaltet und f\u00fcr schmackhafte Nahrung zu gebrauchen ist. Wenn ich Besuch bekomme, dann lege ich zuvor schon ein Messer bereit, damit niemand hungrig bleibt oder zu viel essen muss.\u201c \u2014<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe darauf erst gar nicht reagiert. Ich bin doch kein Missionar. Zur Aufkl\u00e4rung k\u00f6nnte ich ja irgendwann einmal eine ungeschnittene frische Torte mit lediglich einer unbegrenzten Anzahl von L\u00f6ffeln bereitstellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachtrag 2:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf Zuruf erw\u00e4hne ich den ziemlich anarchistischen Umgang mit dem Kuchen in Finnland. Richtig verstanden, ist ja die Anarchie im besten Sinn urdemokratisch. Das ist mir sehr sympathisch. Wie weit diese finnische Methode in Finnland verbreitet ist, das wei\u00df ich nicht einmal. Aber es gibt sie dort. In Finnland gibt es also einen Kuchen und ein Messer. Jeder schneidet sich nach eigenem Gusto selbst sein Kuchenst\u00fcck zurecht. Wer zwanghaft ist nimmt dann wahrscheinlich winzigkleine oder riesengro\u00dfe St\u00fccke, je nachdem, ob er immer nur an andere oder immer nur an sich selbst denkt. Die Gr\u00f6\u00dfe und die Form der Kuchenst\u00fccke sind dabei im allgemeinen aber vollkommen gleichg\u00fcltig. Das ist mir ebenfalls sehr sympathisch. Ein Bezahlsystem w\u00fcrde bei diesem Verfahren aber eine Waage und wohl auch eine Ombudsperson erfordern. Und ich bef\u00fcrchte, dass erheblich Restst\u00fccke schlie\u00dflich nur im unkontrollierten Gefecht mit dem L\u00f6ffel vom Kuchenblech gegessen werden k\u00f6nnen &#8211; wenn der Kuchen wirklich lecker ist. Das ganze finnische Verfahren erinnert doch stark an k\u00fcnsterlische und sportliche Wettbewerbe. Ich w\u00fcrde zum Zweck des Kuchenessens den Gedanken an Wettbewerbe unterbinden und das konfektionierte Kuchenst\u00fcck wohl doch bevorzugen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die meist vor dem Verzehr geschnittenen Kuchenst\u00fccke sind eine bew\u00e4hrte, sehr praktische Digitalisierung von Kuchen und Torten. Anstatt sie nach Gewicht, nach Quadratzentimetern oder etwa l\u00f6ffelweise anzubieten oder zu verkaufen, gibt es eben m\u00f6glichst gleich gro\u00dfe und gleichwertige Kuchenst\u00fccke, die eigentlich jeder Mensch gut als Einheit akzeptieren kann. Manche essen sogar mehrere. 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