{"id":6646,"date":"2024-02-12T12:40:51","date_gmt":"2024-02-12T11:40:51","guid":{"rendered":"http:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?p=6646"},"modified":"2024-02-12T12:40:54","modified_gmt":"2024-02-12T11:40:54","slug":"nix-fuer-kinder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?p=6646","title":{"rendered":"Nix f\u00fcr Kinder"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Igor Prokofjew&nbsp; hatte den Auftrag, in einem Musikwerk kindgerecht die Instrumente des Orchesters vorzustellen. Das hat er auch gemacht und dazu direkt auch einen Textfaden geschrieben, der von Instrument zu Instrument f\u00fchrt.&nbsp; Die Musik ist also die Hauptsache, der Text die Nebensache. Prokofjew baut sein Textst\u00fcck als Fabel auf und nennt sie \u201ePeter und der Wolf\u201c. Es ist nicht bekannt, dass sich Prokofjew sonst irgendwie literarisch bet\u00e4tigt h\u00e4tte. Er schreibt eine d\u00fcstere Geschichte in der ausgesuchte Menschen und auch Tiere vorkommen und eine Dramatik gebastelt wird. Diese Dramatik spiegelt h\u00f6chstwahrscheinlich den Erwachsenengeschmack in den d\u00fcsteren Zeiten der Sowjetunion in den 30er Jahren, in der kaum jemand etwas zu lachen hatte. Die Sch\u00f6pfungsh\u00f6he teilt der Text mit der Musik nicht. Zu der Zeit wurden in der Sowjetunion auch noch Kinder kaum anders behandelt als Erwachsene in einer Abh\u00e4ngigkeit.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn dann der Wolf auch noch ein Tier lebendig verschluckt, ist zwar eine Spielwiese f\u00fcr viele Instrumente bereitet, f\u00fcr Kinder ist es aber der reinste Horror, wenn drei H\u00f6rner auch noch Angriffslust verbreitet. Die Akteure werden nicht einmal mit dem Augenzwinkern inszeniert, die es beispielsweise in den Animationsfilmen gibt, die die Kinder ohne den Wolf&nbsp; vor den Bildschirm locken. In solchen Filmen bleiben wenigstens alle wie ein Wunder heil, auch wenn sich Mensch und Tier&nbsp; Slapsticks der \u00fcbelsten Art liefern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Spielst\u00fcck \u201ePeter und der Wolf\u201c hat bei alledem eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte und l\u00e4sst sich gut mit Mitteln des Theaters pimpen. Besonders beliebt sind dabei Ballett und Lichteffekte. Das St\u00fcck wurde, entsprechend dem Grundgedanken der Entstehungsgeschichte, dann auch von Anfang an f\u00fcr Kinder angeboten und vermarktet. Das ist bis heute so. Damit waren die Eltern von Anfang an auch pauschal davon freigesprochen, selbst zu \u00fcberlegen, ob das denn \u00fcberhaupt etwas f\u00fcr ihr Kind ist. Man l\u00e4sst sich im Theater auch gern \u00fcberraschen. Das ist gut so. Es ist aber nicht gut, wenn das Theater das St\u00fcck aus dem H\u00f6rensagen vergangener Zeiten \u00fcbernimmt und dann etwas abliefert, was Erwachsene so sehr m\u00f6gen, die Kinder aber nur mitzieht. Die tradierte Freigabe \u201eab 5 Jahren\u201c wird als Unbedenklichkeitssiegel gelesen. Die Erwachsenen konzentrieren sich auf die Musik und erleben den assoziierten Sprecher meist als st\u00f6rendes Beiwerk, das eine krude Story offenbart und sonst nur die Musik st\u00f6rt. Den&nbsp; begleitenden Kindern wird dann auch beigebracht, dass die Musik das wirklich wichtigste ist. Manches aufgew\u00fchlte und verst\u00f6rte Kind mag sich damit tr\u00f6sten, dass die Erwachenenwelt bei aller Dramatik um Leben und Tod doch ganz cool bleibt und dass man die Geschichte nach dem Vorbild der Erwachsenen wohl am besten gleich abhaken soll. Im Erwachsenenalter werden sie dann vielleicht den Faden wieder aufnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich komme darauf, weil es vor ein paar Tagen wieder so eine Auff\u00fchrung gab und Str\u00f6me von Kindern mit Erwachsenen zum Theater in M\u00f6nchengladbach liefen. Ich musste an der roten Ampel warten und habe mir so meinen Teil gedacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle Widernisse im Alltag, auch Krieg und Tod, kann man mit seinen Kindern so bedenken, dass man auch daraus das Leben mit Gewinn gestalten kann. Das passiert nicht immer. Aber selbst noch humorlose Horrorgeschichten aufzusuchen, kommt einer vermeidbaren und unn\u00f6tigen Belastung gleich. Okay &#8211; man war im Theater. Das finde ich auch gut &#8211; wenn&nbsp; denn der Content stimmt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Wer Kindern umfassend die Instrumente des Orchesters nahe bringen will, bleibt unweigerlich bei Benjamin Britten, \u201eThe Young Person\u2019s Guide to the Orchestra\u201c h\u00e4ngen. Ich kann das auch nur f\u00fcr alle Altersgruppen empfehlen. Darin wird kein Beiwerk formuliert, sondern lediglich den Instrumenten ihre M\u00f6glichkeiten entlockt und im Kontext beschrieben.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Igor Prokofjew&nbsp; hatte den Auftrag, in einem Musikwerk kindgerecht die Instrumente des Orchesters vorzustellen. Das hat er auch gemacht und dazu direkt auch einen Textfaden geschrieben, der von Instrument zu Instrument f\u00fchrt.&nbsp; Die Musik ist also die Hauptsache, der Text die Nebensache. 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