{"id":6438,"date":"2023-10-01T18:48:59","date_gmt":"2023-10-01T16:48:59","guid":{"rendered":"http:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?p=6438"},"modified":"2023-10-01T18:49:03","modified_gmt":"2023-10-01T16:49:03","slug":"das-aus-dem-fenster-lehnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?p=6438","title":{"rendered":"Das aus dem Fenster lehnen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe in den 50er und 60er Jahren an ziemlich einsamer Stelle in der Gro\u00dfstadt gewohnt, eingerahmt von drei Bahnd\u00e4mmen mit vielen Gleisen und diversen Abwasserb\u00e4chen. Die D-Zugstrecke f\u00fchrte nahe am Haus \u00fcber eine Stahlbr\u00fccke, deren donnerndes Ger\u00e4usch f\u00fcr mich zum t\u00e4glichen und n\u00e4chtlichen Alltag geh\u00f6rte. Mit dem Fahrplan in der Hand konnte man mit etwas interpolierendem Geschick danach sogar die Uhr stellen. Wir spielten an den D\u00e4mmen und in einem Waldst\u00fcck, das nur \u00fcber die Gleise zu erreichen war. Zu der Zeit war es noch h\u00e4ufig, dass man mit dem Zug fuhr. Mit 11 oder 12 Jahren bin ich in den Sommerferien ganz allein mit dem gro\u00dfen Koffer zu Freunden nach Frankreich gefahren und am Anfang oder Ende jeder Fahrt kam ich an unserem Haus vorbei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf all meinen Zugfahrten hatte ich nie ein Buch dabei. Vielmehr war das Abteilfenster mein bunter Fernseher in die Welt. Ich habe ohne Langeweile geguckt und geguckt, niveauvoll und ohne Sinn f\u00fcr Medienkritik. An jedem Fenster stand so eine international aufgebrezelte Bedienungsanweisung.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"399\" height=\"136\" data-attachment-id=\"6440\" data-permalink=\"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?attachment_id=6440\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/E-PERICOLOSO-SPORGERSI-1.png?fit=399%2C136&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"399,136\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"E-PERICOLOSO-SPORGERSI-1\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/E-PERICOLOSO-SPORGERSI-1.png?fit=300%2C102&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/E-PERICOLOSO-SPORGERSI-1.png?fit=399%2C136&amp;ssl=1\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/E-PERICOLOSO-SPORGERSI-1.png?resize=399%2C136&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-6440\" style=\"width:657px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/E-PERICOLOSO-SPORGERSI-1.png?w=399&amp;ssl=1 399w, https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/E-PERICOLOSO-SPORGERSI-1.png?resize=300%2C102&amp;ssl=1 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 399px) 100vw, 399px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich konnte den Textauszug, den nur eine professionelle \u00dcbersetzungsapp geliefert haben konnte, schnell auswendig. Das ganze war mir vertrauensw\u00fcrdig. Es kam ja von der Deutschen Bundesbahn. Mit der Zeit wurde das Zugfahren durch das Trampen und danach durch das Autofahren ersetzt. Ich bin allein und mit anderen sicherlich zigtausend Kilometer durch ganz Europa getrampt, voller Abenteuer und Erlebnissen. In Norwegen wurde sogar mal unser Fahrer auf freier Strecke verhaftet und in Schweden hielt ein Fahrer st\u00e4ndig eine Dose Bier zwischen den Beinen standfest bereit und verbrauchte davon ca. 2 Dosen f\u00fcr 100 Kilometer &#8211; und die Strecke war lang. Das mit den treuen Auto wurde und wird zunehmend uninteressanter. Mit dem obligatorischen K\u00e4fer der 80er Jahre musste man bei feuchten Wetter noch mit dem Heck zur Mauer parken, damit der Verteiler nicht nass wurde und man musste an hei\u00dfen Sommertagen zur K\u00fchlung des Motors die Heizung an machen und im Winter dann die Heizung abdrehen &#8211; mit einer Schraube im Fu\u00dfraum &#8211; damit der Motor Betriebstemperatur aufbauen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei allen Mobilit\u00e4tseskapaden war die Zeit mit der Bahn nicht un\u00fcbel. Ich habe dort mein reisetaugliches Fernsehen erfunden. Ab und zu kommt mir noch das Schild an den Zugfenstern in den Sinn. Ich kann es noch auswendig vortragen: Nicht hinauslehnen usw.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe in den 50er und 60er Jahren an ziemlich einsamer Stelle in der Gro\u00dfstadt gewohnt, eingerahmt von drei Bahnd\u00e4mmen mit vielen Gleisen und diversen Abwasserb\u00e4chen. 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