{"id":6234,"date":"2021-03-02T12:45:21","date_gmt":"2021-03-02T11:45:21","guid":{"rendered":"http:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?p=6234"},"modified":"2021-03-04T17:34:23","modified_gmt":"2021-03-04T16:34:23","slug":"was-zeitungen-nicht-schreiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?p=6234","title":{"rendered":"Was Zeitungen nicht schreiben \u2026"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist eine ganze Menge, was Tag f\u00fcr Tag so in Zeitungen so geschrieben wird. Die Texte sind manchmal gut und verst\u00e4ndlich, manchmal aber auch schlecht oder nur m\u00fchsam zu verstehen. Einige Zeitungen gelten f\u00fcr ihre potentiellen Leser als besonders gut, andere wiederum als haupts\u00e4chlich schlecht. In solchen Beurteilungen spiegeln sich nicht nur pr\u00fcfbare Fakten sondern auch Vorlieben der Leser. Der Leser entscheidet im Idealfall, welche Zeitung er liest und nicht die Zeitung, von wem sie gelesen wird. Wie dem auch sei, man muss sich allererst die Zeitung kaufen, um einem Thema oder einer sichtbaren Schlagzeile auf die Spur zu kommen. Meistens ist man dann aber entt\u00e4uscht. Denn viele Schlagzeilen locken in die Irre und man kauft dazu auch eine Menge weiterer Texte mit, die das eigene Interesse meist nur peripher streifen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer die einzeln gekaufte Zeitung eigentlich nicht braucht, interessiert sich aber doch f\u00fcr deren Onlineausgabe. Ich habe damals mein Jahrzehnte w\u00e4hrendes Abo einer allgemein hochgesch\u00e4tzten Zeitung gek\u00fcndigt, als ich nach einer kostenlosen Anfixphase die inhaltlich identische Onlineausgabe noch einmal zus\u00e4tzlich h\u00e4tte abonnieren m\u00fcssen. Das fand ich extrem abgeschmackt und war ver\u00e4rgert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich sch\u00e4tze seitdem die absolute Vielfalt der kostenlos und online verf\u00fcgbaren Presseartikel sehr. Zu allen Themen gibt es kostenlose Texte bester Qualit\u00e4t. Es gibt auch viel Mist, aber daran kann man in alter Tradition gut vorbei lesen. Nun ist es aber so, dass Zeitungen nur widerwillig von ihrer Printabteilung Abschied nehmen und weiterhin mit gedruckten Texten Geld verdienen wollen, das sie dem Leser abverlangen. Dabei hat der Leser auch fr\u00fcher bestenfalls den Zeitungsboten bezahlt. Die Werbung und eine Vielfalt von Anzeigen haben aber die Wirtschaftlichkeit sichergestellt. Werbung und Anzeigen haben mittlerweile kaum noch eine Bedeutung f\u00fcr Zeitungen. Sie sind abgewandert. Und das Geld, speziell f\u00fcr Journalistentexte &#8211; das eigentliche Produkt &#8211; will auch nicht so recht flie\u00dfen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einige Zeitungen folgen jetzt dem Grundsatz der unbeschr\u00e4nkten Zug\u00e4nglichkeit im Internet. Die TAZ argumentiert beispielsweise, dass es nicht sein soll, dass die Ergebnisse journalistischer Arbeit der allgemeinen \u00d6ffentlichkeit vorenthalten bleiben. Die meisten Zeitungen aber klammern sich an die Paywall, um Geld zu generieren, das wahrscheinlich kaum verf\u00fcgbar ist. Sie \u00fcberschwemmen mit Andeutungtexten die sozialen Netzwerke und werden bei geschickter \u00dcberschriftengestaltung und mit verhei\u00dfungsvollen Teasern immer wieder beachtet. Doch dann beginnt der Konsument, sich f\u00fcr das Thema zu interessieren. Es klickt auf die Seite, die den Artikel verspricht. Er landet in einem Text, der nach einigen Zeilen bis ins Unlesbare seine Farbe verliert. Dahinter steht das Angebot, den Text zu kaufen oder gar direkt ein Abo abzuschlie\u00dfen, also direkt f\u00fcr tausende von unbekannten und noch nicht geschriebenen Texten. Der Leser hat mal wieder einige Minuten investiert &#8211; und findet das sehr, sehr \u00e4rgerlich. Er wird in der Paywallfalle einen Teufel tun und auch noch Geld bezahlen. Zum Thema findet er auch lesbare Texte, wenn er den Notausgang aus der F\u00e4lle w\u00e4hlt und anderenorts st\u00f6bert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber es ist ja noch schlimmer. Denn die \u00dcberschrift, der Teaser und meist ein Symbolbild fluten bereits unbegrenzt die Welt aller sozialen Netzwerke. Und wie es in solchen Kommunikationsmedien so ist, wird auf dieser Basis \u00fcber einen Artikel diskutiert und gemutma\u00dft, obwohl er gar nicht verf\u00fcgbar ist. Es geht also pl\u00f6tzlich auch ganz ohne Text und man vergisst bald zu fragen, ob die Journalistenarbeit \u00fcberhaupt gebraucht wird oder auf dem Friedhof allerbester aber ungelesener Texte auf Dauer verweilen darf. Jedenfalls ist der ungelesene Text per se wertlos. Bei so manchen Gespr\u00e4chsbeitrag in den sozialen Netzwerken kommt dann zwar der Gedanke, dass ein guter Text auch zu einer besseren Diskussion f\u00fchren w\u00fcrde. Aber das ist allzu hypothetisch. Die einf\u00e4ltige Zeitung bricht jedenfalls einen Disput vom Zaun ohne selbst Argumente zu seiner Bew\u00e4ltigung zu liefern. Manchmal ist es gar so, dass ein Thema von herausragendem kommunalen Interesse mittels Paywall nicht zum Zuge kommt und der interessierte und betroffene B\u00fcrger erst seine Volksvertreter bem\u00fchen muss, weil die Lokalausgabe einer Zeitung eben nichts liefert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 3. M\u00e4rz 2021 gab es in einer Lokalausgabe der Rheinischen Post unter der Titelzeile: \u201eUrteilsspruch am Landgericht M\u00f6nchengladbach: \u201eFabio wurde Tag f\u00fcr Tag gequ\u00e4lt\u201c wieder so ein Paywallplacebo mit weitreichender Wirkung. Es ging um den Tod eines 5-J\u00e4hrigen, der vom Freund der Mutter zu Tode misshandelt wurde, wobei die Mutter nichts unternommen hat, das zu verhindern. In den sozialen Netzwerken gab es also nur die \u00dcberschrift und es gesellten sich dazu eine un\u00fcberschaubare Zahl von Hobbyrichtern, die ohne Kenntnis des Falls mit rassistischer und menschenverachtender Attit\u00fcde noch mehr als die Todesstrafe forderten und die Justiz beschimpften. Und dann kam auch noch die Drohung aus der Szene: \u201eIch sage jetzt besser nicht, was ich denke!\u201c Die Zeitung konnte sich \u00fcber zahlreichen Klicks freuen, hat aber \u00fcberhaupt nichts dazu beigetragen, die Kommentare zur \u00dcberschrift mit Verantwortung so zu moderieren, dass man h\u00e4tte zufrieden sein k\u00f6nnen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Zeitung, die nichts liefert, ist ziemlich unbrauchbar und \u00fcberfl\u00fcssig.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt nur mal so als Experiment: Du darfst das hier eigentlich gar nicht lese &#8211; bis auf die \u00dcberschrift. Du musst erst einmal, sagen wir 3,80\u20ac, auf mein Konto \u00fcberweisen.<br \/>Ich bin gespannt \u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist eine ganze Menge, was Tag f\u00fcr Tag so in Zeitungen so geschrieben wird. Die Texte sind manchmal gut und verst\u00e4ndlich, manchmal aber auch schlecht oder nur m\u00fchsam zu verstehen. 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