{"id":6195,"date":"2020-12-02T17:57:46","date_gmt":"2020-12-02T16:57:46","guid":{"rendered":"http:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?p=6195"},"modified":"2020-12-02T18:32:40","modified_gmt":"2020-12-02T17:32:40","slug":"entzauberte-weihnacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?p=6195","title":{"rendered":"Entzauberte Weihnacht"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"6196\" data-permalink=\"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?attachment_id=6196\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_2730-scaled.jpeg?fit=1706%2C2560&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"1706,2560\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;3.5&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;Canon EOS 500D&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1480968674&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;85&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;100&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;1&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"IMG_2730\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_2730-scaled.jpeg?fit=200%2C300&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_2730-scaled.jpeg?fit=525%2C787&amp;ssl=1\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_2730.jpeg?resize=265%2C397&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-6196\" width=\"265\" height=\"397\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_2730-scaled.jpeg?resize=683%2C1024&amp;ssl=1 683w, https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_2730-scaled.jpeg?resize=200%2C300&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_2730-scaled.jpeg?resize=768%2C1152&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_2730-scaled.jpeg?resize=1024%2C1536&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_2730-scaled.jpeg?resize=1365%2C2048&amp;ssl=1 1365w, https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_2730-scaled.jpeg?w=1706&amp;ssl=1 1706w, https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_2730-scaled.jpeg?w=1575&amp;ssl=1 1575w\" sizes=\"auto, (max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><figcaption>Ich bin dabei \u2026<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Kind gl\u00e4nzten mir wahrscheinlich auch die Augen, als ich auf dem Arm von Vater oder Mutter auf die brennenden Kerzen und das silberne Lametta geguckt habe. Sp\u00e4ter kamen noch selbst gebastelte Sterne aus Strohhalmen dazu. Damals waren Strohhalme ausschlie\u00dflich aus Stroh. Die Omas kamen zu Besuch. Es wurde eine Schippe Kohlen extra in den Ofen geschoben und alle freuten sich auf ein sehr gutes, leckeres und reichhaltiges Essen. Dann wurden aber zun\u00e4chst in endlosen Strophen Weihnachtslieder gesungen. Die eine Oma hatte ein erstaunlich umfangreiches Repertoire und ich konnte bei der Gelegenheit sogar meinen Vater singen h\u00f6ren. Das gab es nur an Weihnachten. \u00dcber das warme und leckere Leben hinaus habe ich mich daran gefreut, dass mit der einen Oma sogar deren Fernseher im Auto meines Vaters abgeholt wurde. Weihnachten war also Fernsehzeit. Dann gab es noch Geschenke. In einem Jahr war das Schenken f\u00fcr mich einfach. Ich hatte zuf\u00e4llig einen Vetter meines Vaters getroffen, der mir unverhofft und sagenhaft 10 Mark f\u00fcr Weihnachtsgeschenke gegeben hatte. Meine Mutter bekam also K\u00f6lnisch Wasser und mein Vater ein P\u00e4ckchen seiner Zigarettenmarke. Sonst bekam von mir niemand ein Geschenk. Das war eben so. Dann gab es aber Geschenke von den Erwachsenen an die Kinder. Es waren Spielsachen und auch ein paar Wintersachen, die man wohl auch ohne Weihnachten bekommen h\u00e4tte. Ganz verr\u00fcckt war ja, dass man als Junge so etwas wie Schokoladenzigaretten und andere S\u00fc\u00dfigkeiten bekam. Die Spielsachen haben mich sehr lange begleitet und mir Freude gemacht. Mit 5 Jahren bekam ich so einen \u201eStabilbaukasten\u201c mit Metallteilen, R\u00e4dern, Achsen, Schrauben usw. Mein Vater hatte einen Schraubenzieher dazu gelegt, der wohl besser war, als der dazugeh\u00f6rige. Ich habe ihn heute noch griffbereit auf meinem Schreibtisch. Sp\u00e4terhin machte mir Weihnachen im Vorfeld zu schaffen. Ich habe mit mehreren Einkaufslisten t\u00e4glich mehrere lange, m\u00fchsame Wege mit einer Einkaufstasche laufen m\u00fcssen. Allein 2 Liter Milch in der Glasflasche waren so schwer, dass ich zum Tragen st\u00e4ndig die Tasche absetzen und die Hand wechseln musste. Zwischendurch habe ich dann alle Schuhe geputzt oder dann irgendwann eine Kanne \u00d6l f\u00fcr den \u00d6lofen im sonst ungeheizten Wohnzimmer geholt. Die Kirche spielte an Weihnachten eigentlich keine Rolle. Mein Vater hatte in der Kriegsgefangenschaft vollgefressene und predigende Pfarrer erlebt und mit dem Glauben wie auch mit dem Milit\u00e4r abgeschlossen. Das beste Erlebnis in der Weihnachtszeit waren die Essener Lichtwochen. Da lief die Familie staunend durch die ganze Stadt, bewunderte die thematisch aus Gl\u00fchbirnen und Metallschienen gestalteten Lichtbilder und landete zum Abschluss am Limbecker Platz an einer Wasserorgel. Es war nicht \u00fcberlaufen, obwohl die Besucher von weit her kamen. Dort spielten Weihnachtslieder, zu denen bunt angestrahlte Font\u00e4nen sich rhythmisch bewegten. Manchmal war auch eine Operettenmelodie dabei. Zu Hause gab es dann noch eine Tasse mit warmer Milch mit einem Butterbrot. Als ich dann \u00e4lter wurde, gab es immer weniger Spielzeug und aber auch immer mehr Kleidung. Ich war 12 Jahre, als mir dieser Wandel zum ersten Mal sogar gefiel. Ich hatte mich &#8211; auch entwicklungsbedingt &#8211; gewandelt. Damit einher lief eine Entzauberung des Weihnachtsfestes. Ohnehin notwendige und verf\u00fcgbare Kleidung hat ja auch nichts mit Weihnachten zu tun, wenn man einfach mal von den musikgeladenen Elchsocken absieht, die ich einmal unter weitgehend fremden Leuten aus aller Welt erwichtelt habe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zwischenbilanz: Das Thema Weihnachten hatte ich so mit 18 Jahren zufriedenstellend bew\u00e4ltigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch dann kam Weihnachten zu mir zur\u00fcck. Eingebunden in soziale Lebenswelten kann man sich dem nicht entziehen. Die eigenen Kinder wurden beschenkt. Ab und zu gab es hinter dem Haus eine Lichterkette. Und weil an den Tagen ohnehin alle frei hatten und man rechtzeitig einkaufen musste, lud man auch gleich die Verwandten ein, f\u00fcr die sonst wenig Zeit blieb. Dann wurde der Weihnachtsmann gegen das Christkind platziert und er kurbelte die Gesch\u00e4fte an. Weihnachten wurde mit zahlreichen untraditionellen Elementen ausgestattet, blinkendem, buntem Licht und dem Geruch von Printen und anderem s\u00fc\u00dfen Naschwerk, der seinerseits im Geruch von Bratw\u00fcrsten und exotisch aufgemachten Kartoffeln in Alufolie versank. Der Weihnachtsmarkt war geboren und erinnerte mit bewegten Pappfiguren am Rand an die ergreifend w\u00fcrdevolle Armut der Geburt Christi. Es gab verkaufsoffene Sonntage und die Paketboten schufteten sich krank und arm durch das Leben. Auch im Fernsehen brannten viele Kerzen und jeder Musiker hatte dort einen w\u00fcrdevollen Beitrag, den Konsum zu verkleistern. Die Trendartikel der Elektronikbranche gingen gut weg. Rezepte mit Weihnachtsausrichtung \u00fcberschwemmten die heimische K\u00fcche und dekom\u00e4\u00dfig musste eh alles stimmen. Keine Serviette war ohne aufgedruckte Rentiere und Tannengr\u00fcn weihnachtsw\u00fcrdig. Und die armen Menschen spendeten f\u00fcr die noch \u00e4rmeren Menschen in der Welt und lie\u00dfen die Charitybewegung auf dem Weihnachtstrittbrett aufbl\u00fchen wie noch nie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich bin ja fest der Meinung, dass die Entwicklungen der letzten 50 Jahre wohl unvermeidlich waren, dass sie aber in keiner Weihnachtstradition stehen. Man darf es sich nicht so leicht machen, dass man die eine oder andere Wiederholung f\u00fcr Tradition h\u00e4lt, nur weil sie sich gut rechnet. Selbst der gute Tannenbaum, ein Kernpunkt aller Feierlichkeiten, der in gro\u00dfen St\u00e4dten heutzutage gigantisch hoch aufgeschichtet wird, wurde erstmals im 19. Jahrhundert erw\u00e4hnt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt &#8211; AD 2020 &#8211; erfordert der Coronavirus die Vernunft, zwischenmenschliche Kontakte zu reduzieren, um Menschenleben zu retten. Vom Weihnachtsfest bleibt nur der Kern zur\u00fcck. Das ist nicht unsympathisch. Alle Weihnachtserrungenschaften der letzten Jahrzehnte sind jetzt der N\u00e4hrboden f\u00fcr den Coronavirus. Weihnachten ist irgendwie abgesagt, weil jede Form von Geselligkeit t\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mich \u00e4rgert sehr, dass sich Menschen dagegen wehren und ihr subjektiv g\u00fcltiges Bild von Weihnachten unbedingt retten wollen, notfalls auch gegen Viren. Da hilft selbst beten nicht. Ich bin heilfroh, dass die grenzenlose Auff\u00e4cherung von vermeintlichen und unbedeutenden Weihnachtsaccessoires ein Ende hat. Und ich bin geneigt, Weihnachten wieder neu zu entdecken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Fr\u00f6hliche Weihnachten! \u2022 AD 2020<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Kind gl\u00e4nzten mir wahrscheinlich auch die Augen, als ich auf dem Arm von Vater oder Mutter auf die brennenden Kerzen und das silberne Lametta geguckt habe. Sp\u00e4ter kamen noch selbst gebastelte Sterne aus Strohhalmen dazu. Damals waren Strohhalme ausschlie\u00dflich aus Stroh. Die Omas kamen zu Besuch. 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