{"id":600,"date":"2012-05-19T10:00:42","date_gmt":"2012-05-19T08:00:42","guid":{"rendered":"http:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?page_id=600"},"modified":"2017-08-03T13:40:21","modified_gmt":"2017-08-03T11:40:21","slug":"fankultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?p=600","title":{"rendered":"Et h\u00e4t noch emmerjootjejange &#8211; doch der Fan an sich ist behandlungsbed\u00fcrftig"},"content":{"rendered":"<p>Nun ist das Sportgesch\u00e4ft schon lange nicht mehr der H\u00e4ndler mit den Trainingshosen. Der Sport ist selbst ein Gesch\u00e4ft und pflegt Produkte, die sich blendend vermarkten lassen. Wer h\u00e4tte damals gedacht, dass allein der Fussball das Geld sprudeln l\u00e4\u00dft? Allein Bayern M\u00fcnchen machte 2011 einen Umsatz von \u00fcber\u00a0 321 Millionen Euro und der Jahresverdienst der Fussballer ist mehr als ein Inflationsausgleich. Lionel Messi erh\u00e4lt im Jahr 31 Millionen Euro, das sich aus Gehalt und Werbeeinnahmen zusammen setzt.<\/p>\n<p>Der Fan spielt jedoch ebenfalls eine gro\u00dfe Rolle im Marketing aller Ligen und Vereine. Er f\u00fcllt die Stadien, f\u00fcttert die Presse, futtert W\u00fcrste, kauft Devotionalien, Bier und Bengalos, macht Stimmung und wird genutzt, das gew\u00fcnschte Image des Vereins zu leben und zu best\u00e4tigen. Er ist eigentlich unbezahlbar, zahlt aber selbst noch drauf und die Bettw\u00e4sche in den richtigen Farben bekommt er zum Geburtstag. Er merkt nicht mehr, dass die \u201eRaute im Herzen\u201c auch in M\u00f6nchengladbach kein empirischer\u00a0 Befund ist.<\/p>\n<p>So lange der Fan mitspielt, werden keine Sorgen markiert. An dieser Stelle wird es brenzlig: Wir erwischen immer wieder Fans, die dem strategisch vorgegebenen Wunsch-Image einen B\u00e4rendienst erweisen, weil sie sich partout nicht an die Regeln halten. Sie werden deshalb kategorisiert. F\u00fcr die Polizei sind Fans der \u201eKategorie C\u201c die schlimmste Sorte. Sie erf\u00fcllen aber trotzdem ihren Zweck und f\u00fcttern sogar die Presse mehr als uns lieb sein kann.<\/p>\n<p>Nun ist der Fan &#8211; gleichg\u00fcltig welcher Kategorie &#8211; von vornherein bereit, sich in die Situation einer sozialen Masse zu begeben, in der tendenziell die Individualit\u00e4t aufgegeben wird und in der das ganz gro\u00dfe Gef\u00fchl der Gemeinsamkeit \u00fcber Rituale und Symbole auf die Spitze getrieben wird. Es bedarf nur kleinster, auch zuf\u00e4lliger Impulse und die Restindividualit\u00e4t geht den Bach runter und es kommt zu kollektiven und unkalkulierbaren Grenz\u00fcberschreitungen und Stimmungswechseln. Wenn also Fans vor dem Ende des Spiels die Wiese st\u00fcrmen und sogar auch den Elfmeterpunkt als Devotionalie in Sicherheit bringen &#8212; wie am 15. Mai 2012\u00a0 beim Relegationsspiel zwischen den Fu\u00dfballmannschaften aus Berlin und D\u00fcsseldorf &#8212; dann sieht man doch klar, dass hier der Verstand aussetzt und man zur Norm des Handelns lediglich das zur Verf\u00fcgung hat, was die Masse gerade macht. Alles andere ist ausgeblendet. Das Massenverhalten ist archaisch gepr\u00e4gt und l\u00e4uft einfach so ab.<\/p>\n<p>Dem Einzelnen gegen\u00fcber, der sich in solchen Situationen befindet, ist es also ungerecht, ihn als dumm, bl\u00f6d, egoistisch und als Totengr\u00e4ber des lustigen Fussballs und der Fankultur zu bezeichnen, wie es in der ver\u00f6ffentlichen Meinung dominierend ist. Es ist auch nicht sinnvoll, ihn individuell zur Rechenschaft zu ziehen, wenn er \u00fcberhaupt nicht individuell gehandelt hat. Der Fan kann nicht anders!<\/p>\n<p>Er kann allerdings vor den Ereignissen, an denen er als Fan \u00fcblicherweise beteiligt ist, dar\u00fcber nachdenken, ob er sich Situationen aussetzen will, in denen seine Individualit\u00e4t in der Masse aufgeht und in denen er sein Steuerungsverm\u00f6gen einb\u00fc\u00dft. Wendet er sich nicht ab, k\u00f6nnten spitzfindige Juristen \u00fcber seine Gef\u00e4hrdungshaftung f\u00fcr Massenph\u00e4nomene nachdenken.<\/p>\n<p>Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn jemand \u00fcber den Durst trinkt. Es ist allerdings bedenklich, wenn er nicht aus der Erfahrung lernt. In der Fankultur ist es nicht anders. Die Fans werden mit sehr vielen Annehmlichkeiten\u00a0 bei der Stange gehalten und f\u00fcr das Wirtschaftsunternehmen Sport ausgenutzt. Und sie werden allein gelassen, wenn sie in Situationen in und vor dem Stadion so viel Individualit\u00e4t einb\u00fc\u00dfen m\u00fcssen, dass es zu unvertretbaren \u00dcbergriffen kommt.<\/p>\n<p>Dem leidenden Fan sollte vom Nutznie\u00dfer des Fanwesens eine g\u00fcnstige Therapiem\u00f6glichkeit vermittelt werden. &#8212; Wat wells de maache?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun ist das Sportgesch\u00e4ft schon lange nicht mehr der H\u00e4ndler mit den Trainingshosen. Der Sport ist selbst ein Gesch\u00e4ft und pflegt Produkte, die sich blendend vermarkten lassen. Wer h\u00e4tte damals gedacht, dass allein der Fussball das Geld sprudeln l\u00e4\u00dft? 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