{"id":5282,"date":"2018-12-23T00:45:47","date_gmt":"2018-12-22T23:45:47","guid":{"rendered":"http:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?p=5282"},"modified":"2018-12-23T23:48:50","modified_gmt":"2018-12-23T22:48:50","slug":"haengen-im-schacht-ein-paar-kohlen-aus-einem-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?p=5282","title":{"rendered":"H\u00e4ngen im Schacht &#8211; ein paar Kohlen aus einem Leben \u2026"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"5283\" data-permalink=\"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?attachment_id=5283\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/48376110_2081161758611137_7090322803274022912_o.jpg?fit=1088%2C1088&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"1088,1088\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"48376110_2081161758611137_7090322803274022912_o\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/48376110_2081161758611137_7090322803274022912_o.jpg?fit=300%2C300&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/48376110_2081161758611137_7090322803274022912_o.jpg?fit=525%2C525&amp;ssl=1\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/48376110_2081161758611137_7090322803274022912_o.jpg?fit=525%2C525\" alt=\"\" class=\"wp-image-5283\" width=\"314\" height=\"314\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/48376110_2081161758611137_7090322803274022912_o.jpg?w=1088&amp;ssl=1 1088w, https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/48376110_2081161758611137_7090322803274022912_o.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/48376110_2081161758611137_7090322803274022912_o.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/48376110_2081161758611137_7090322803274022912_o.jpg?resize=768%2C768&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/48376110_2081161758611137_7090322803274022912_o.jpg?resize=1024%2C1024&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/48376110_2081161758611137_7090322803274022912_o.jpg?resize=100%2C100&amp;ssl=1 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 314px) 100vw, 314px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kohlef\u00f6rderung im Ruhrgebiet ist nach 200 Jahren beendet. Ich bin ja mitten im Ruhrgebiet gro\u00df geworden. Da ist man am Bergbau nur selten vorbeigekommen. Es hat sehr lange gedauert, bis mir klar war, dass das mit der Kohle eine Episode von geschichtlich sehr \u00fcbersichtlicher Dauer war und bleiben w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Schacht, in dem ich einmal besuchsweise auf 1000 Meter durfte, der stand sogar auf einer gr\u00fcnen, umwaldeten Wiese. Da fiel es nicht schwer, zu rekonstruieren, dass die ganze Gegend noch zu Urgro\u00dfvaters Zeiten insgesamt gr\u00fcn und b\u00e4uerlich gepr\u00e4gt war. Und trotz aller urbanen Verdichtung kannte und kennt dort jeder irgendeinen Bauernhof in seiner N\u00e4he.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf so einem ehemaligen Bauernhof in unmittelbarer Nachbarschaft der Zeche Rosenblumendelle habe ich meine Kindheit verbracht. Mein Vater hatte dort auch seinen Handwerksbetrieb, direkt gegen\u00fcber der Wohnung. Ich spielte auf dem Land und war doch ein richtiges Kind der Stadt. Beim Schichtwechsel t\u00f6te die Sirene in einer Lautst\u00e4rke, dass bis zum Abschwellent jedes Gespr\u00e4ch unm\u00f6glich war. Man stellte auch seine Uhr danach oder setzte mit der Sirene die Kartoffeln auf. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wann das in meiner Familie mit dem Bergbau angefangen hat, das wei\u00df ich nicht. Meine Oma sagte immer: \u201eWir dienen dem Hause Stinnes schon seit 150 Jahren.\u201c Sie hat dabei wohl alle Besch\u00e4ftigungszeiten in der Verwandtschaft zusammengez\u00e4hlt. Mein Gro\u00dfvater v\u00e4terlicherseits war Bergmann. Ich habe ihn noch 5 Jahre erlebt. Er war mit seiner Staublunge schon lange in Rente und total witzig. Er trug aus Zweckm\u00e4\u00dfigkeitsgr\u00fcnden eine Glatze, unterhielt die ganze Hausgemeinschaft, erledigte Eink\u00e4ufe und kroste im Garten. Das war die Zeit, in der man auch noch gern als Selbstversorger Tabak anbaute. F\u00fcr die H\u00fchner und f\u00fcr mich schnitt er immer die Brotkrusten klein. Zum Geburtstag bekam ich einmal eine Riesent\u00fcte mit getrockneten Brotkrusten. Es war ein Spa\u00df, aber ich habe mich gefreut. Einmal schickte er mich und die anderen Kinder durch die Nachbarschaft. Wir sollten Persil besorgen, um die H\u00fchner zu waschen. Eines meiner Spielzeuge war eine H\u00fchnerpfote, die man bewegen konnte, wenn man an der Sehne zog. In unmittelbarer N\u00e4he &#8211; erz\u00e4hlte man &#8211; wurde infolge pl\u00f6tzlicher Bergsch\u00e4den ein ganzes Fuhrwerk verschluckt. Das war mir unheimlich, machte aber niemanden \u00e4ngstlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mein anderer Opa arbeitete in wei\u00dfem Hemd und Anzug in der Bergsch\u00e4denabteilung. Irgendwo steht, er sei \u201eBergwerksbeamter\u201c gewesen. Er war wohl wichtig, aber was er genau gemacht hat, wei\u00df ich nicht. Er hatte aber ein Telefon im Bureau. Er war ebenfalls fr\u00fchzeitig, allerdings wegen einer Herzerkrankung, Rentner und f\u00fcr mich immer etwas unnahbar. Meine Oma erz\u00e4hlte noch lange, dass er bei seinem Betriebsjubil\u00e4um geweint habe, als der Bergmannschor das Steigerlied gesungen habe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mein Vater war auch auf dem P\u00fctt. Als er mit 25 Jahren aus dem Krieg kam, war f\u00fcr ihn nicht daran zu denken, sein Maschinenbaustudium fortzusetzen. Essen, trinken und wohnen waren wichtig, garniert von kleinen Alltagsfreuden. Die Opas hatten ihm einen Job unter Tage besorgt, da konnte er erst einmal als gelernter Schlosser arbeiten. Es gab zun\u00e4chst nur dort gutes Geld, ein Kohledeputat und allerlei Lebensmittelunterst\u00fctzungen. Meine Mutter bekam wohl w\u00e4hrend der Schwangerschaft mit mir die legend\u00e4ren Butterbrote von der Zeche, weil sie die am besten vertrug. Nach zwei Jahren wechselte mein Vater zur AEG und bereitete unsere Auswanderung nach Kanada vor. Er hatte schon das Schiff gebucht. Mein Vater konnte gut franz\u00f6sisch, meine Mutter gut englisch. Das h\u00e4tte gepasst. Und das Ein- und Auswandern passt ja immer schon ins Ruhrgebiet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als dann beide Gro\u00dfv\u00e4ter 1952 starben, war das Familienkapitel Bergbau beendet und die Auswanderung auch, bevor sie begonnen hatte. Denn die Omas wollten nicht allein bleiben. \u00dcberliefert sind die Bergbaugeschichten meines Vaters. Ich habe viele davon geh\u00f6rt. Am meisten beeindruckt haben mich die Grubenpferde, die ihr Leben unter Tage beendeten, dort aber bestens versorgt und umsorgt wurden. Im Tageslicht w\u00e4ren sie erblinden und h\u00e4tten auch sonst kaum kaum gesundheitlich \u00fcberleben k\u00f6nnen. <br \/>Ebenfalls beeindruckt hat mich, dass man unter Tage von Zeche zu Zeche fahren konnte, also praktisch durch die ganze Stadt. F\u00fcr mich war das eine fantasievolle Alternative zur Stra\u00dfenbahn. <br \/>Heute erz\u00e4hle ich alle Geschichten sehr gern weiter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Nur mal so (opens in a new tab)\" href=\"http:\/\/www.fundusev.de\/Zollverein\/Zollverein\/Bilder\/Bilder.html\" target=\"_blank\">Nur mal so&nbsp;\u2026<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ach, das passt doch auch zum Aufbruch ins neue Jahr 2019 \u2026 <\/strong><br \/><strong>begeht es mit Freude, achtsam und nachhaltig.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kohlef\u00f6rderung im Ruhrgebiet ist nach 200 Jahren beendet. Ich bin ja mitten im Ruhrgebiet gro\u00df geworden. Da ist man am Bergbau nur selten vorbeigekommen. Es hat sehr lange gedauert, bis mir klar war, dass das mit der Kohle eine Episode von geschichtlich sehr \u00fcbersichtlicher Dauer war und bleiben w\u00fcrde. 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