{"id":5015,"date":"2018-03-19T18:30:43","date_gmt":"2018-03-19T17:30:43","guid":{"rendered":"http:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?p=5015"},"modified":"2018-03-19T18:30:43","modified_gmt":"2018-03-19T17:30:43","slug":"ueber-die-moeglichkeiten-des-verschneidens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?p=5015","title":{"rendered":"\u00dcber die M\u00f6glichkeiten des Verschneidens"},"content":{"rendered":"<p><em>Im Jahr 2012 gab es eine Debatte \u00fcber die Beschneidung aus religi\u00f6sen Gr\u00fcnden. Jetzt, im\u00a0 Jahr 2018, wird das Thema in Irland und dann auch in Deutschland wieder beachtet. <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2018\/12\/religionsfreiheit-beschneidung-grundgesetz-debatte\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Zeit\u00a0<\/a><\/em><em>\u00a0schreibt nun, dass der politische Friede mit den Religionen, die die Beschneidung im Programm haben, vor ein paar Jahren h\u00f6her bewertet wurde, als die menschenrechtlich gesicherte Unverletzlichkeit der Person. Der Staat m\u00fcsste sich eigentlich f\u00fcr den Weg demokratischen Rechts entscheiden und nicht f\u00fcr eine fragw\u00fcrdige Macht, die sich mit Belegen, aber nicht mit Begr\u00fcndungen auf die Religion bezieht.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich habe im Jahr 2012 dazu meine Position formuliert. Nun sehe ich mich veranlasst, sie f\u00fcr die Fortf\u00fchrung der Debatte zu wiederholen. Das Problem ist geblieben. Lediglich der Gesetzgeber hat sich einen begrenzten Frieden gesichert und bestimmten Religionen die Beschneidung und ihrem auch nichtmedizinischen Ausf\u00fchrungspersonal zugesichert und das Elternrecht so erweitert, dass die K\u00f6rperverletzung der Kinder in diesem Zusammenhang gedeckt ist.<\/em><\/p>\n<p>Das ist also mein Text von 2012:<br \/>\nWas haben die Menschen nicht schon alles f\u00fcr ihren Gott getan!\u00a0Das, was einem auf der Welt am liebsten ist, opfert man schlie\u00dflich auch, wenn die Beziehung zu Gott \u00fcber allem steht. Die Kultur, und damit die Religion, unterliegt auch bei fundamentalistischer Ausrichtung einem Wandel. Die Menschenopfer sind seltener geworden und die Selbstbestimmung setzt sich immer mehr\u00a0 durch.<\/p>\n<p>Die Menschenrechte sind ein unmittelbares Recht und deshalb gibt es nur noch wenige Staaten, die davon unbeeindruckt sind. Solche Staaten stehen im Abseits.<\/p>\n<p>Die Menschenrechte sind die verbindliche und verbindende Orientierungsnorm f\u00fcr Gesetze in demokratisch verfassten Gemeinwesen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend einige Menschenrechte sich einfach beschreiben lassen und ihre Einhaltung einfach zu pr\u00fcfen ist, sind andere Menschenrechte sehr viel komplexer.<\/p>\n<p>So ist es beispielsweise denkbar, dass eine Religion ihr Orientierungssystem nicht nur am Seelenheil ausrichtet oder sogar auch Vorschriften beinhaltet, die die Freiheit der Mitglieder begrenzen, die Menschen g\u00e4ngeln oder sie gar bestrafen.<\/p>\n<p>Das alles wird nicht zum Problem in einer aufgekl\u00e4rten Gesellschaft, wenn der B\u00fcrger seine versprochene M\u00fcndigkeit auch leben kann. Bekannt ist aber, dass materielle Notsituationen, Pr\u00e4gungen durch vermeintliche Wahrheitssysteme und aufl\u00f6sliche Wahnbeziehungen und die fehlende Erfahrung mit und die gro\u00dfe Angst vor der Freiheit dazu f\u00fchren, dass weltanschauliche Gruppierungen Menschen weitaus mehr steuern, als es uns lieb ist. Insbesondere Kinder brauchen deshalb einen Schutz vor selbst gemachten Wahrheiten und den Ritualen, sie durchzusetzen.<\/p>\n<p>Deshalb ist auch so, dass die Unverletzlichkeit der Person und die Religionsfreiheit nicht gleichberechtigt gegeneinander antreten. Die Unverletzlichkeit der Person hat Vorrang.<\/p>\n<p>Angesichts des Urteils des Landgerichts K\u00f6ln vom Juni 2012 zur Beschneidungspraxis in einem konkreten Fall wird das Verh\u00e4ltnis von Religionsfreiheit und die Unverletzlichkeit der Person heftig diskutiert. Es macht den Eindruck, als w\u00fcrden gesellschaftliche Interessengruppen gegeneinander antreten, um die Rangfolge der besagten Grundrechte neu zu bestimmen. Sie bedienen sich dazu aller m\u00f6glichen Argumente, die sich aus unterschiedlichsten Gottesbildern ergeben. Es gibt den Gott, der uns die Beschneidung f\u00fcr alle m\u00e4nnlichen Nachkommen auferlegt und den fehlenden Gott, den wir mit liberaler Vernunft kompensieren und der uns zu dem Ergebnis f\u00fchrt, dass jeder denkbare gute Gott keine K\u00f6rperverletzung wollen kann. Denkbar w\u00e4re beispielsweise auch der geschlechtsgerechte Gott, der &#8211; wenn schon, denn schon &#8211; die Beschneidung f\u00fcr Frauen fordert oder die Beschneidung von M\u00e4nnern ablehnt.<\/p>\n<p>In dieser Diskussion gehen die Rechtsfragen und die weltanschaulichen Fragen immer mehr eine unentwirrbare Verbindung ein.<\/p>\n<p>Das Gericht hat die Beschneidung nach Recht und Gesetz als K\u00f6rperverletzung gekennzeichnet. Dazu h\u00e4tte es auch eigentlich keines Urteils bedurft, weil das Strafgesetzbuch (\u00a7223 ff), dessen Rahmen auch f\u00fcr Religionen bindend ist, gar keine Zweifel zul\u00e4sst. Dass es ein weitgehend strafrechtlich unverfolgte Beschneidungspraxis gibt, \u00e4ndert daran nichts. Den Operateuren die M\u00f6glichkeit des Verbotsirrtums zu er\u00f6ffnen, ist eine Gro\u00dfz\u00fcgigkeit des Gerichts. Eigentlich wei\u00df aber jeder Arzt, dass K\u00f6rperverletzungen nur mit Zustimmung des Patienten und bei medizinischer Indikation oder Unbedenklichkeit m\u00f6glich sind.<\/p>\n<p>Wer die Geschichte und die Geschichten der Religionen nachliest, merkt schnell, dass auch Religionen trotz aller Ewigkeitsausrichtung dem gesellschaftlichen Wandel unterliegen, bei dem die Freiheitsrechte sich in der historischen Abfolge nach und nach durchsetzen. Oft sind solche Bewegungen ins Sekulare eher marginal, wenn etwa in Ritualen Kerzen durch Energiesparlampen ersetzt werden. Oft sind sie vor\u00fcbergehend, wenn man das Gl\u00fcck im Jenseits gegen Geld zusichert. Oft sind sie hartn\u00e4ckig, wenn nur der Geweihte verbindliche Interpretationen der Wirklichkeit abgeben darf. Manchmal sind sie unterschwellig, wenn beispielsweise auf dem Operationswege die religi\u00f6s vorgeschriebene Jungfr\u00e4ulichkeit wieder hergestellt wird. Die universale Bedeutung der Menschenrechte ist dabei ein starker Wirkfaktor, der Entwicklungen beschleunigt und verdeckten Entwicklungen zum Durchbruch verhilft.<\/p>\n<p>Es hilft nichts: Allein die fundamentalste Verankerung von Ritualen und ihre Bewahrung f\u00fchrt dazu, dass Religionen sich von gesellschaftlichen Entwicklungen abkoppeln und damit die Sprache der Menschen verlieren, also unwirksam werden. Das religi\u00f6se Fundament\u00a0 bedarf einer prinzipiellen Verr\u00fcckbarkeit, um wirksam und als Religion hilfreich zu sein.<\/p>\n<p>Der viel bespottete K\u00f6lner, der gern einmal die religi\u00f6sen Gebote \u00fcbertritt, weil er um die heilende Wirkung der Beichte und den grenzenlos wohlwollenden und g\u00fctigen Gott an seiner Seite weiss, bereitet also den Weg\u00a0 eines prinzipiengeleiteten wie flexiblen Glaubens in der aufgekl\u00e4rten Gesellschaft.<\/p>\n<p>Als sich unl\u00e4ngst ein Ungl\u00e4ubiger aus Liebe beschneiden lie\u00df, kam das b\u00f6se Erwachen: Es schmerzte dauerhaft und sein Leben wurde davon sehr viel mehr bestimmt, als er geahnt hatte. Er bereut seinen Entschluss zur Beschneidung immer noch. Als sich unl\u00e4ngst eine Gl\u00e4ubige zum 50. Hochzeitstag zur Jungfrau operieren lie\u00df, um ihrem Mann eine Freude zu machen, da war sie sicher, ein ganz pers\u00f6nliches Geschenk gefunden zu haben.<\/p>\n<p>Es ist bemerkenswert, was Mensch so alles machen. Die Religion dient dabei oft als Argument, auch wenn sie nichts damit zu tun hat. Es ist aber gut, wenigstens die Kinder zu sch\u00fctzen und ihnen blutige Rituale und die seelischen Folgen zu ersparen. Die UN-Kinderrechtskonvention spricht eine deutliche Sprache und ist auch geltendes Recht.\u00a0Man kann den Kindern den universellen Gott aller Menschen nahe bringen, der niemanden ausschlie\u00dft und jeden liebt, gleichg\u00fcltig welchen Makel er hat oder auch nicht hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 2012 gab es eine Debatte \u00fcber die Beschneidung aus religi\u00f6sen Gr\u00fcnden. Jetzt, im\u00a0 Jahr 2018, wird das Thema in Irland und dann auch in Deutschland wieder beachtet. Die Zeit\u00a0\u00a0schreibt nun, dass der politische Friede mit den Religionen, die die Beschneidung im Programm haben, vor ein paar Jahren h\u00f6her bewertet wurde, als die menschenrechtlich &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?p=5015\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e\u00dcber die M\u00f6glichkeiten des Verschneidens\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_crdt_document":"","jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[357,196],"tags":[670],"class_list":["post-5015","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politik","category-religion","tag-beschneidung"],"aioseo_notices":[],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p4kkIq-1iT","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5015","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5015"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5015\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5016,"href":"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5015\/revisions\/5016"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5015"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5015"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5015"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}