{"id":3003,"date":"2017-04-19T18:25:51","date_gmt":"2017-04-19T16:25:51","guid":{"rendered":"http:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?p=3003"},"modified":"2017-04-19T18:40:55","modified_gmt":"2017-04-19T16:40:55","slug":"integration-in-schwierigem-gelaende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?p=3003","title":{"rendered":"Integration in schwierigem Gel\u00e4nde &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Die T\u00fcrken haben mit dem Ja nicht f\u00fcr die Verfassungsreform gestimmt und &#8211; wie es so aussieht &#8211; auch nicht f\u00fcr Erdo\u011fan, sondern gegen Deutschland, das sie systematisch vernachl\u00e4ssigt.<\/p>\n<p>Man m\u00f6chte differenzieren und wird dann doch wieder derart grobschl\u00e4chtig pauschal.<br \/>\nWie ist das denn nun mit der Integration im allgemeinen und mit den T\u00fcrken im besonderen?<\/p>\n<hr \/>\n<p>In Deutschland gibt es ein gef\u00e4lliges Schweigen \u00fcber die Integration, so als habe man sich bereits vor der Ankunft fremder Menschen einstimmig darauf geeinigt, was das sein soll. Wenn die Fremden nicht mehr als solche zu h\u00f6ren und zu sehen sind -so sagt es gern der befragte B\u00fcrger &#8211; dann ist die Integration wohl gelungen. Aber dem liegt die erzkonservative Phantasie zugrunde, die Integration sei allein eine engagierte Anpassungsleistung des Fremden. Der Deutsche sagt nur, wie er es denn gern h\u00e4tte. Wenn du so bleiben willst, wie du bist, dann kannst du das als eine gute Sache deuten. Aber wie schrecklich w\u00fcrde es ausgehen, wenn dein Nachbar sich von dir gar nicht mehr unterscheidet? Ihr w\u00fcrdet nicht einmal mehr miteinander reden brauchen, sondern w\u00fcrdet zum selben Bier Jahr f\u00fcr Jahr die selben alten Lieder gemeinsam singen. Eigentlich sind wir partiell ja auch schon viel weiter: Im direkten Kontakt mit dem Fremden erfahren beide Seiten abweichende Sichten auf die Welt, neue M\u00f6glichkeiten des Handelns und viel Respekt. Und die Vielfalt wird als Gewinn gedeutet. Es w\u00e4re ein Verlust, wenn der Fremde nur als Sch\u00fctzenk\u00f6nig zeigen kann, wie verdammt gut er integriert ist.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Bei den T\u00fcrken ist das nicht anders. Es gibt aber Besonderheiten, die dem zugereisten T\u00fcrken schnell vermitteln, er w\u00fcrde in einer exterritorialen Provinz seines Herkunftslandes leben. Es gibt, \u00fcber die Jahre gewachsen, gr\u00f6\u00dfere Familien und Verwandtschaftsbeziehungen in denen sich der Kontakt nach au\u00dfen auf wenige Personen delegieren l\u00e4sst. Es gibt Infrastrukturen, die oft fl\u00e4chendeckend den Konsum, die Religionsaus\u00fcbung, die Politik, die Kultur und die Folklore ohne einen erkennbaren Integrationsanspruch und in t\u00fcrkischer Sprache erm\u00f6glichen. Die Elemente dieser Infrastruktur holen den Glanz des gro\u00dft\u00fcrkischen Reichs zur\u00fcck und folgen damit auch der f\u00fcr Weltb\u00fcrger h\u00f6chst gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftigen \u00dcberbetonung alles T\u00fcrkischen. Das hat eine Tradition, die Atat\u00fcrk \u00fcber die Zeit sogar mit Erdo\u011fan\u00a0verbindet. In einem Fahnenmeer verzehrt sich eine gro\u00dfsolidarische T\u00fcrkischt\u00fcmelei, die bereits vor Jahren von Erdo\u011fan\u00a0in seinen exterritorialen Wahlkampftreden bedient wurde: Alle sollen flei\u00dfig Anpassungen im fremden Land leisten, und dabei nie vergessen, dass sie das alles nur f\u00fcr die T\u00fcrkei tun. Erdo\u011fans\u00a0Erwartungen an die Gesellschaft und an den Einzelnen F\u00e4llen zusammen. Eine Diversit\u00e4t ist nicht vorgesehen. So kommod l\u00e4sst sich Leben, wenn man sich als Fremder so erzkonservativ einrichtet, wie es dem beliebtesten deutschen Integrationsverst\u00e4ndnis entspricht, obwohl man es sich ja eigentlich als Fremder nicht leisten kann. Die weitgehende Abkapselung t\u00fcrkischer Lebenswelten macht das aber m\u00f6glich. Es ist also ein Missverst\u00e4ndnis, wenn auf diese Art und Weise die Fremden zu Einheimischen der exterritorialen Extraklasse werden. Gr\u00f6\u00dfere Institutionen in der t\u00fcrkischen Community tun aber alles daf\u00fcr, die Idee der t\u00fcrkischen Provinz in Deutschland zu f\u00fcttern und haben Zuspruch damit. Das alles wird \u00fcber die grenzenlos zusammengewachsene Medienwelt zus\u00e4tzlich unterst\u00fctzt. Kein Fremder muss deutsche Nachrichten h\u00f6ren, sehen oder lesen, wenn er T\u00fcrke ist. In Deutschland wird t\u00fcrkischer Wahlkampf betrieben und niemandem f\u00e4llt auf, dass die Souver\u00e4nit\u00e4t eines Landes an dessen Grenzen endet. Es wird in einem stark laizistisch ausgerichteten Land, die in der T\u00fcrkei dominante Religion \u00fcber eine spezifische t\u00fcrkische Staatsbeh\u00f6rde so ausgebaut, dass den Menschen in der Auslandsprovinz jederzeit gesagt werden kann, was f\u00fcr sie gut sein soll und er wird sogar bespitzelt.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Im Alltag und an der Nahtstelle zum deutschen Leben gibt es allerdings zahlreiche Verwerfungen, die sich mit den Mitteln der t\u00fcrkischen Community kaum verstehen, geschweige denn bew\u00e4ltigen lassen. Wenn es um die unvermeidlichen Kontakte zu deutschen Institutionen geht, dann muss der Enkel oft dem Arzt die Symptome der Gro\u00dfmutter schildern, bev\u00f6lkern Gro\u00dffamilien Krankenhauszimmer, fordern zahlreiche t\u00fcrkische Institutionen im Schulterschluss mit ihrem Klientel, eine M\u00f6belkette zu boykottieren, weil sie <a href=\"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/gotteshaus-auf-der-fussmatte\/\" target=\"_blank\">Fu\u00dfmatten<\/a> mit dem Symbol einer Moschee anbietet. Es werden auf Wunsch t\u00fcrkischer Institutionen mit dem Ziel der Integration Erwachsenenbildungsveranstaltungen mit deutschen Integrationsmitteln gef\u00f6rdert, in denen schlie\u00dflich bei aller propagierte Offenheit T\u00fcrken unter sich sind. Und bleiben. List man allein die Webseiten aus den in Deutschland t\u00e4tigen t\u00fcrkischen Communitys, liest man kaum etwas auf Deutsch und die Phalanx der Vorsitzenden ist wichtiger als der Inhalt. Alle Ziele sind beanstandungslos, Belege \u00fcber die Verwirklichung sind d\u00fcrftig. Dazu gibt es unz\u00e4hlige weitere Beispiele.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Die Toleranz, die Freiheitsrechte nach sich ziehen, schwappt bisweilen in die Gleichg\u00fcltigkeit, in der solch fragw\u00fcrdige Entwicklungen von und in Konkurrenzgesellschaften gern \u00fcbersehen werden. Man guckt hin und fragt erst, wenn es un\u00fcbersehbar ist. Es w\u00e4re hilfreich, so etwas zeitiger zum Thema zu machen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Nun ist es so, dass es sehr viele Menschen aus der T\u00fcrkei gibt, die hier so heimisch geworden sind, dass sie sich vorrangig und autonom au\u00dferhalb t\u00fcrkischer Lebenswelten orientieren. Selbst wenn sich an t\u00fcrkischen Operettenabstimmungen teilnehmen k\u00f6nnen, entscheiden sie sich gern mit demokratischen Anspruch dagegen. Sie sind unter den ca. 50% derer zu finden, die &#8211; aus welchen anderen Gr\u00fcnden auch immer &#8211; nicht gew\u00e4hlt haben.<br \/>\nDas selbst gemachte Problem mit der Volksabstimmung in der T\u00fcrkei auf der deutschen Seite besteht wohl darin, dass es \u00fcberhaupt zwei konkurrierende Integrationswege bei beiderseits defizit\u00e4rem Integrationsverst\u00e4ndnis gibt. In solchen Situationen der Konkurrenz neigt man dazu, die Konfliktlinien zum eigenen Wohl zu verschieben und einen Schuldigen zu suchen. Der Fremde war immer schon Schuld und f\u00fcr den Fremden selbst bleibt nur der Einheimische, der ihn st\u00e4ndig zur\u00fcck weist.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Es ist klar, dass man dann auch einmal gern eine totalit\u00e4re Verfassungsstruktur in der T\u00fcrkei w\u00e4hlt, um die als abweisend eingesch\u00e4tzten Deutschen zu treffen. Man nutzt mangels Alternativen ein falsches Objekt und eine fragw\u00fcrdige Hypothese f\u00fcr ein richtiges Ziel.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Im Alltag versteht das niemand mehr &#8230; Es hilft also nur noch das Reden und ich bin sicher, dass sich immer ein guter Gespr\u00e4chspartner findet.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/deutschtuerken-auflehnung-gegen-ablehnung-1.3467498\" target=\"_blank\"><i>Siehe auch<\/i><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die T\u00fcrken haben mit dem Ja nicht f\u00fcr die Verfassungsreform gestimmt und &#8211; wie es so aussieht &#8211; auch nicht f\u00fcr Erdo\u011fan, sondern gegen Deutschland, das sie systematisch vernachl\u00e4ssigt. Man m\u00f6chte differenzieren und wird dann doch wieder derart grobschl\u00e4chtig pauschal. 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