{"id":2944,"date":"2017-01-27T13:18:50","date_gmt":"2017-01-27T12:18:50","guid":{"rendered":"http:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?p=2944"},"modified":"2024-03-18T12:18:42","modified_gmt":"2024-03-18T11:18:42","slug":"ditib-wenn-ein-staat-religion-an-den-mann-bringt-und-exportiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?p=2944","title":{"rendered":"DITIB: Wenn ein Staat Religion an den Mann bringt und exportiert"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\">Im Grunde seit Martin Luthers Sicht auf die Welt oder doch wenigstens seit der Franz\u00f6sischen Revolution ist es eine Errungenschaft, den Staat ohne ein kompatibles Religionsverst\u00e4ndnis zu betreiben. Die Trennung von Staat und Kirche ist uns zur Selbstverst\u00e4ndlichkeit geworden. Das hei\u00dft, dass die Religionsaus\u00fcbung in Rahmen weltlichen Rechts zu erfolgen hat und dass sich der Staat f\u00fcr seine Zwecke nicht in die Religionsaus\u00fcbung eingreifen darf.<\/p>\n<p>Dieses Verh\u00e4ltnis hat sich allgemein bew\u00e4hrt, wenn es auch weiterhin Streitereien \u00fcber tradierte Besitzst\u00e4nde der Kirchen gibt.<br \/>\nDem Religionsverst\u00e4ndnis des Islam ist das \u00fcberwiegend fremd und damit wechselwirkend fremd in Staaten, die haupts\u00e4chlich islamisch gepr\u00e4gt sind. Die Religion des Islam hat selbstverst\u00e4ndlich eine derart weltlich Seite, dass sie nicht nur sagt, was gut und richtig oder aber verboten ist, sie trachtet danach, Wirkregeln mit Gesetzeskraft vorzugeben. Es gibt also ein islamisches Recht, das aus Offenbarungen und nicht aus dem Willen des Volkes abgeleitet ist und das sich das Volk mit Hilfe der Religion zu eigen machen soll. Diese Scharia unterliegt in der Praxis unterschiedlichen Deutungen und hat vor allem dann eine konkurrierende Wirkung zum staatlichen Recht, wenn irgendwo die Bindung an ein bestimmtes Islamverst\u00e4ndnis absolute Bedeutung zugesprochen wird.<br \/>\nDas neuzeitliche Demokratieverst\u00e4ndnis, das auf den Freiheitsrechten basiert, ist mit dem organisierten Islam nur selten vereinbar. Es ist freilich nicht auszuschlie\u00dfen, dass sich unabh\u00e4ngige Moslems in Gemeinden innerhalb der staatlichen Rechtsordnung zufrieden zusammenfinden. Allzu h\u00e4ufig ist das aber nicht der Fall, wie die ins Gerede gekommenen salafistischen Gemeinden zeigen.<br \/>\nNun war es lange Zeit so, dass die 3,5 Millionen T\u00fcrken in Deutschland in der Religionsaus\u00fcbung keine allgemeine \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit fanden. Die Idee zentraler Moscheen entwickelte sich sp\u00e4t und zun\u00e4chst auch langsam. Das \u00e4nderte sich, als die t\u00fcrkische Regierung ein Religionsministerium einrichtete und sp\u00e4ter mit der Regierung Erdogan, Politik \u00fcber dieses Ministerium betrieb und dazu die Religion staatsdienlich instrumentalisierte. In Deutschland wurden die Tendenzen, Politik \u00fcber Moscheen und deren Imame zu betreiben eher folkloristisch oder als Spielart einer respektablen Weltreligion betrachtet. Dabei ist seit vielen Jahren klar, dass die in Deutschland vom t\u00fcrkischen Staat betriebenen DITIB-Moscheen, vorrangig f\u00fcr den t\u00fcrkischen Staat arbeiten, der auch die Imame anstellt und den Islam selbst f\u00fcr seine Zwecke spezifiziert. Alternativen dazu gibt es in Deutschland kaum. Freigl\u00e4ubigen und eigenwilligen T\u00fcrken wird das Leben schwer gemacht. Der Deutsche Staat bekommt das nur mit, wenn entsprechende Attacken in strafbaren \u00dcbergriffen enden.<br \/>\nDass nun deutsche <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/ditib-islamverband-verrat-in-der-moschee-a-1130738.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lehrer von der DITIB bespitzelt<\/a> werden verwundert nicht. Wahrscheinlich gibt es das als Eigenleistung dieser Gemeinden schon lange.<br \/>\nDass die DITIB auch als wichtiger Kooperationspartner deutscher Ministerien arbeitet, um einen Islamunterricht in deutschen Schulen zu etablieren, war bisher darin begr\u00fcndet, dass die DITIB im Vergleich die \u00fcberwiegende Anzahl moslemischer Gl\u00e4ubiger hinter sich hat. Nicht im Blick war bisher das staatlich reglementierte Religionsverst\u00e4ndnis, das sich weder mit einem diskursiven Islamverst\u00e4ndnis noch mit einer demokratischen Daseinsgestaltung vertr\u00e4gt.<br \/>\nWas und wie jemand glaubt, das hat den Staat in seinem Selbstverst\u00e4ndnis nicht zu interessieren. Wenn &#8211; wie im Fall der DITIB &#8211; allerdings geltendes Recht unterlaufen wird und heilige B\u00fccher so gedeutet werden, dass die t\u00fcrkische Regierung per se im Recht ist, dann ist es Zeit, auch einmal die Verfassungsfrage zu stellen. Offenbar etabliert sich hier unter der Religionsfreiheit eine Wahrheitsorganisation, die fremden M\u00e4chten dient und in die demokratisch verfasste Gesellschaftsordnung hineinregnet.<br \/>\nHerr Erdogan hat ja schon oft seinen Wahlkampf nach Deutschland getragen und Wohlverhalten f\u00fcr die t\u00fcrkische Sache und den Himmel eingefordert. Jetzt verankert er sein Standbein in Deutschland.<\/p>\n<p>Bei alldem ist es wohl erforderlich, der DITIB die Arbeitsm\u00f6glichkeiten in Deutschland zu untersagen. Sie ist als staatliche t\u00fcrkische Einrichtung n\u00e4mlich nicht selbst\u00e4ndig reformierbar. Die Bildung unabh\u00e4ngiger Glaubensgemeinschaften als ein Ersatz w\u00e4re dagegen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Grunde seit Martin Luthers Sicht auf die Welt oder doch wenigstens seit der Franz\u00f6sischen Revolution ist es eine Errungenschaft, den Staat ohne ein kompatibles Religionsverst\u00e4ndnis zu betreiben. Die Trennung von Staat und Kirche ist uns zur Selbstverst\u00e4ndlichkeit geworden. 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