{"id":2820,"date":"2016-11-20T19:11:09","date_gmt":"2016-11-20T18:11:09","guid":{"rendered":"http:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?p=2820"},"modified":"2016-11-20T19:14:40","modified_gmt":"2016-11-20T18:14:40","slug":"coole_fritte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?p=2820","title":{"rendered":"Coole Fritte"},"content":{"rendered":"<p>Zur Freizeit im westlichen Ruhrgebiet geh\u00f6rt immer sch\u00f6n der Ausflug in die Niederlande. Die Unterschiede haben sich im Laufe der Jahre angeglichen und die Motive f\u00fcr den Ausflug haben sich auch ge\u00e4ndert. Geblieben ist die Ausrichtung der niederl\u00e4ndischen Innenst\u00e4dte auf die Vorlieben der deutschen Kundschaft.<\/p>\n<p>Zu meine ersten Erfahrungen geh\u00f6rten meine Blicke aus dem von Zigarettenqualm verseuchten Auto meiner Eltern. Ich sah an jeder holl\u00e4ndischen Stra\u00dfenecke Leute mit T\u00fcten durch den herbstlichen Abend laufen, in denen offenbar irgend etwas war, was offenbar jeder Holl\u00e4nder essen musste. Dass es Pommes waren, wie wir sp\u00e4ter im Ruhrgebiet sagten, oder Fritten, wie ich es sp\u00e4ter am Niederrhein bis weit nach Ostbelgien hinein sagen musste, wusste ich zun\u00e4chst nicht. Ich kannte das einfach nicht, wie eben auch Pizza. Die Fastfoodkultur beschr\u00e4nkte sich damals bei uns auf fliegende St\u00e4nde auf Tr\u00fcmmergrundst\u00fccken, an denen es Schaschlik und dazu eventuell ein halbes Br\u00f6tchen gab. Diese St\u00e4nde wurden abends betrieben, als die Kinder im Bett waren. Es hie\u00df, in dem Schaschlik seien ziemlich viele Innereien und ab und zu h\u00f6rte man, dass das Gesundheitsamt so einen Laden zugemacht hatte, weil mutma\u00dflich nicht nur Innereien im Schaschlik waren. Die von den Gro\u00dfeltern betriebene Familienideologie kennzeichnete diese Art der fr\u00fchen Erlebnisgastronomie als einen Angriff auf das gute Essen in der Familie, in der Schaschlik nicht vorkam und selbst das Br\u00f6tchen selten war.<\/p>\n<p>Die Fastfoodladenbetreiber erweiterten die Palette ihrer Produkte, verbesserten das Ambiente ihrer L\u00e4den und pimpten die technische Ausstattung. Damit hielt dann auch mit dem Beginn der 60er Jahre die Pommes Einzug in die Welt der f\u00fcr alle verf\u00fcgbaren Gastronomie. Ich konnte das sehen, wusste und roch dann auch, was Pommes waren, war aber durch die besagte Familienideologie und der \u00fcberschaubar kontrollierten Tagesabl\u00e4ufe gar nicht in der Lage, mich eigenm\u00e4chtig den Pommes zu n\u00e4hern. Irgendwann \u00f6fnete sich der Zugang dadurch, dass meine Eltern mit mir ein Restaurant besuchten. Dort wurde ich dann multisinnlich in die Welt der Pommes eingef\u00fchrt und fand einen sehr gro\u00dfen Gefallen daran. Mein phantasierter Inbegriff der Zufriedenheit war es, an einem kalten Abend mit gefrorenen Fingern eine T\u00fcte hei\u00dfer Fritten zu halten und alle Sinne mit W\u00e4rme, Wohlgeruch, einer fein strukturierter R\u00f6stoptik und einem unvergleichlich guten Geschmack in eine andere Welt zu beamen. Ich war wohl schon fast 14 als mir den eigenm\u00e4chtigen Zugang zu dem Pommes m\u00f6glich war und ich ihn mir auch gestattete. Er war m\u00f6glich durch lange Schulwege, auf denen immer mal kleine Abweichungen m\u00f6glich waren und es war meine Entscheidung, daf\u00fcr Geld auszugeben. Ich muss dazu sagen, dass ich \u00fcber ein eher bescheidenes Taschengeld, kleine Zuwendungen von Omas, Tanten und Onkel und kindgerechter Schrottgesch\u00e4fte zu einem erheblichen Reichtum gekommen war, weil ich eigentlich nichts ausgab. Also 50 Mark hatte ich damals immer in der Tasche. Das geh\u00f6rte zu meinem Selbstverst\u00e4ndnis. F\u00fcr eine T\u00fcte Waffelbruch von 20 Pfennig war ich wohl dreimal um den Block gelaufen, um sie mir dann schlie\u00dflich doch zu kaufen. Die Pommes waren dann der erste gr\u00f6\u00dfere S\u00fcndenfall und lieferte so eine gro\u00dfe Entsch\u00e4digung an Sinnlichkeit, wie es besser nicht m\u00f6glich gewesen w\u00e4re. Mit der Zeit kam dann auch die Geselligkeit mit Freunden in der Pommesbude dazu. Zu meinem Leidwesen wurde die T\u00fcte nach und nach durch ein Sch\u00e4lchen ersetzt. Meine Oma hat von meinen Pommesausfl\u00fcgen nie etwas erfahren. Meine Eltern merkte auch sehr bald, dass sich ihr Doppelleben mit Schaschlik in der Nacht und ohne Kinder nicht durchhalten lie\u00df.<\/p>\n<p>Bis zum heutigen Tag ist es so geblieben, dass sich die &#8222;Pommes ohne alles&#8220; bevorzuge. Angeregt in der Westeifel und in Belgien esse ich aber gern Senf neben, also nicht auf den Fritten. ich m\u00f6chte n\u00e4mlich das Verh\u00e4ltnis von Biss zu Biss selbst bestimmen. In der Bude von Ralph im belgischen Neu Moresnet habe ich mal &#8222;Pommes&#8220; bestellt, worauf der Ralph leicht genervt, aber grinsend gesagt hat: &#8222;Hab ich nicht.&#8220; Dann habe ich schnell &#8222;Fritten&#8220; gesagt. &#8211; &#8222;Na, geht doch!&#8220; Im Jahr 1990 gab ein Erlebnis, das nachdenklich macht. Bei einer Wanderung auf dem Rennsteig in Th\u00fcringen, gab es in einem eher traditionellen DDR-Lokal St\u00e4bchenkartoffeln.<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"2821\" data-permalink=\"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?attachment_id=2821\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_4520.jpg?fit=800%2C414&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"800,414\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.2&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;iPhone 5s&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1479668472&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.15&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;32&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.0044444444444444&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"img_4520\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_4520.jpg?fit=300%2C155&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_4520.jpg?fit=525%2C272&amp;ssl=1\" class=\"alignnone size-full wp-image-2821\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_4520.jpg?resize=525%2C272&#038;ssl=1\" alt=\"img_4520\" width=\"525\" height=\"272\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_4520.jpg?w=800&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_4520.jpg?resize=300%2C155&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_4520.jpg?resize=768%2C397&amp;ssl=1 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/p>\n<p>F\u00fcr Showzwecke habe ich neuerdings auch eine Plastikfritte und arbeite an dramaturgischen Spitzfindigkeiten, sie w\u00fcrdig zu inszenieren. Das hat sie doch verdient.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Freizeit im westlichen Ruhrgebiet geh\u00f6rt immer sch\u00f6n der Ausflug in die Niederlande. Die Unterschiede haben sich im Laufe der Jahre angeglichen und die Motive f\u00fcr den Ausflug haben sich auch ge\u00e4ndert. Geblieben ist die Ausrichtung der niederl\u00e4ndischen Innenst\u00e4dte auf die Vorlieben der deutschen Kundschaft. 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