{"id":2675,"date":"2016-06-06T13:23:14","date_gmt":"2016-06-06T11:23:14","guid":{"rendered":"http:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?p=2675"},"modified":"2016-06-06T13:23:14","modified_gmt":"2016-06-06T11:23:14","slug":"zuerst-war-der-mensch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?p=2675","title":{"rendered":"Zuerst war der Mensch"},"content":{"rendered":"<p>Zuerst war der Mensch und dann kam der Staat. So ein Staat, wenn er erst einmal begr\u00fcndet ist, zeigt die Tendenz, den Spie\u00df umzudrehen und dem Menschen Vorschriften zu machen. Bert Brecht wies deshalb bereits 1953 darauf hin, dass die Regierung ja ein Volk w\u00e4hlen k\u00f6nne, das ihr genehm ist.<\/p>\n<blockquote>\n<pre><i>\"Nach dem Aufstand des 17. Juni\n <\/i><i>Lie\u00df der Sekret\u00e4r des Schriftstellerverbands\n <\/i><i>In der Stalinallee Flugbl\u00e4tter verteilen\n <\/i><i>Auf denen zu lesen war, da\u00df das Volk\n <\/i><i>Das Vertrauen der Regierung verscherzt habe\n <\/i><i>Und es nur durch verdoppelte Arbeit\n <\/i><i>Zur\u00fcckerobern k\u00f6nne. W\u00e4re es da\n <\/i><i>Nicht doch einfacher, die Regierung\n <\/i><i>L\u00f6ste das Volk auf und\n <\/i><i>W\u00e4hlte ein anderes?\"<\/i>\n\n<i>in: Bert Brecht, Ausgew\u00e4hlte Werke in sechs B\u00e4nden. Dritter Band: Gedichte 1. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1997. S. 404<\/i><\/pre>\n<\/blockquote>\n<p>Aktuell gibt es zwei Diskussionsstr\u00e4nge in der \u00d6ffentlichkeit, die das Verh\u00e4ltnis des Menschen und des Staates thematisieren, die Diskussion um das bedingungslose Grundeinkommen und die Diskussion um das in Gesetze implementierte &#8222;F\u00f6rdern und Fordern&#8220; von Hilfebed\u00fcrftigen.<\/p>\n<p><strong>1 Das bedingungslose Grundeinkommen<br \/>\n<\/strong>Es geht vielerorts um ein bedingungsloses Grundeinkommen. In der Schweiz gab es dazu gerade eine Volksabstimmung. Das hat zun\u00e4chst f\u00fcr viel Aufmerksamkeit gesorgt. Die Idee h\u00f6rt sich einfach an, schafft allerdings bei der Verwirklichung eine neue Gesellschaftsordnung, die den Vorrang des Individuums vor dem Staat betont. Die Kritiker kommen dem entsprechend eher aus der Welt der Garanten des gesellschaftlichen status quo, den Parteien, der Industrie und auch der Gewerkschaften, die sich auf einen rituellen Interessenausgleich mit phantasievollen Rechtfertigungsressourcen f\u00fcr Armut und Reichtum geeinigt haben. Gefragt, warum sie dagegen sind, h\u00f6rt man meist, das Individuum w\u00fcrde sich bei einem garantierten Grundeinkommen unmittelbar zur Ruhe setzen wird. Dabei deutet nichts darauf hin, dass es so sein wird. Es schimmert aber un\u00fcbersehbar durch, dass die Gegner dem Individuum immer nur alles Schlechte zutrauen und den Staat benutzen, es zum Gl\u00fcck bestehender Besitzst\u00e4nde zu zwingen und ihm zu vermitteln, dass es sein eigenes Gl\u00fcck ist. Aus Feldexperimenten mit dem bedingungslosen Grundeinkommen wissen wir dagegen, dass die Nutznie\u00dfer meistens gern arbeiten und das auch noch mehr als je zuvor und sich in der Arbeit mit guten und kontroversen Ideen einbringen und zu einer hervorragenden Produktivit\u00e4t beitragen. Sie gewinnen n\u00e4mlich eine neue Freiheit und damit neue M\u00f6glichkeiten, neue Erfahrungen und neue Zuversichten.<\/p>\n<p><strong>2 Das F\u00f6rdern und Fordern<\/strong><br \/>\nDas uns\u00e4gliche Reden von &#8222;F\u00f6rdern und Fordern&#8220; geh\u00f6rt unmittelbar in diesen Zusammenhang. Es hat seinen Ursprung in der hartzgesteuerten sozialdemokratischen Sozialpolitik in der Kanzlerzeit Schr\u00f6ders und zieht sich quer durch alle damals neu verabschiedeten Sozialgesetzb\u00fccher. Es war zuvor bereits ein Kernelement der Personalpolitik in Firmen. Der Herr Hartz ist ein mittlerweile rechtskr\u00e4ftig verurteilter Verbrecher aus dem VW-Konzern. Von ihm wurde dieses Spiel aus \u00e4hnlichen W\u00f6rter in die Politik geschleust, das dann nachdr\u00fccklich noch einmal mit dem st\u00e4ndigen Wechsel der Worte, also &#8222;Fordern und F\u00f6rdern&#8220; und so weiter, vorgetragen wird. Seit dieser \u00c4ra Schr\u00f6der zeigen eigentlich die Erfahrungen, die von allen Wohlfahrts- und Sozialverb\u00e4nden auch so best\u00e4tigt werden, dass der als Fordern titulierte Anteil einer Hilfe\u00a0die Ausgestaltung der Vermutung \u00f6ffnet, dass der einzelne sich lediglich ohne Gegenleistung beim Staat bedienen will. Nach aller Erfahrung ist das aber nicht so. Der Einzelne will durchaus aktiv und autark sein Leben gestalten, vorausgesetzt er hat gelernt, das dann auch zu tun. Trifft er dann im Beh\u00f6rdenkontext auf das Druckmittel Fordern, wird er nicht nur als Faulpelz gebrandmarkt, er wird auch systematisch mit Forderungen, deren es gar nicht bedarf, weil er selbst wei\u00df, was zu tun ist, oder die ihn \u00fcberfordern, weil sie meist im Pauschalverfahren ohne Ansehen der Person eingesetzt werden. Anstelle des Forderns muss also ein F\u00f6rdern stehen, das individuell bei den Talenten des Einzelnen ansetzt und zur Grundlage hat, dass die materiellen Ressourcen zur Gew\u00e4hrleistung von Grundbed\u00fcrfnissen nicht angetastet werden. Was die Bezieher des Arbeitslosengeldes I und II zum abgeh\u00e4ngten Proletariat gemacht hat, liefert nun den Rahmen f\u00fcr die Fl\u00fcchtlinge in Deutschland. Ihre Eigeninitiative wird j\u00e4h gestoppt, wenn sie in einem oft g\u00e4nzlich unbekannten kulturellen Kontext erst einmal mit Erwartungen und unverst\u00e4ndlichen Pflichten eingedeckt werden. Die moderierenden ehrenamtlichen Helfer haben derzeit alle H\u00e4nde voll zu tun, den unerkl\u00e4rlichen Beh\u00f6rdenanspruch interkulturell zu vermitteln und kaum eine Chance, den Involvierten Beh\u00f6rden und dem Gesetzgeber zu vermitteln, was der Staat wirklich zu tun hat. Er hat zu f\u00f6rdern. Sonst hat er nichts zu tun. Wenn sich F\u00f6rderungen als wirkungslos erweisen, dann w\u00fcrden sie sich als ungeeignet erweisen und m\u00fcssen durch angemessenere ersetzt werden. Mit Forderungen wird die Sache nur noch schlimmer. So zeigen die web\u00f6ffentlichen Texte umst\u00e4ndlicher Beh\u00f6rden ein Potpourri von Rechten und Pflichten, w\u00e4hrend der Hilfebed\u00fcrftigen weder an das eine noch an das andere denken mag und sich \u00fcber jede Form von Zuwendung freut.<\/p>\n<p><strong>3 Das Ergebnis<\/strong><br \/>\n<img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"2676\" data-permalink=\"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?attachment_id=2676\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Mensch.jpg?fit=600%2C400&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"600,400\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;7.1&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;Canon EOS 500D&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1457556853&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;18&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;3.2&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"Mensch\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Mensch.jpg?fit=300%2C200&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Mensch.jpg?fit=525%2C350&amp;ssl=1\" class=\"alignnone size-full wp-image-2676\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Mensch.jpg?resize=525%2C350&#038;ssl=1\" alt=\"Mensch\" width=\"525\" height=\"350\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Mensch.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/snowdenart.zwergwerk.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Mensch.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 525px) 100vw, 525px\" \/>Das Grund\u00fcbel bleibt eben, dass der Mensch an sich gut ist und die \u00e4lteren und grundlegenderen Rechte hat als der Staat, der allerdings sehr schnell den Spie\u00df umdreht und sich den B\u00fcrger gef\u00fcgig macht, wie der Arbeitgeber den Mitarbeiter. Das gilt es zu verhindern.<\/p>\n<p>Links zum Thema:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.grundeinkommen.de\">http:\/\/www.grundeinkommen.de<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/de.m.wikipedia.org\/wiki\/Bedingungsloses_Grundeinkommen\">http:\/\/de.m.wikipedia.org\/wiki\/Bedingungsloses_Grundeinkommen<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.mein-grundeinkommen.de\">http:\/\/www.mein-grundeinkommen.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zuerst war der Mensch und dann kam der Staat. So ein Staat, wenn er erst einmal begr\u00fcndet ist, zeigt die Tendenz, den Spie\u00df umzudrehen und dem Menschen Vorschriften zu machen. 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