{"id":2671,"date":"2016-05-29T23:31:47","date_gmt":"2016-05-29T21:31:47","guid":{"rendered":"http:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?p=2671"},"modified":"2016-05-29T23:31:47","modified_gmt":"2016-05-29T21:31:47","slug":"zur-unsterblichkeit-der-politischen-parteien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?p=2671","title":{"rendered":"Zur Unsterblichkeit der politischen Parteien"},"content":{"rendered":"<p>An so einer Partei h\u00e4ngen Heimatgef\u00fchle und Herzblut, manchmal sogar Familientraditionen. Es ist f\u00fcr den Einzelnen kaum auszudenken, dass gerade seine Partei zwecklos geworden ist.<\/p>\n<p>Dabei leben Parteien so, dass sie zun\u00e4chst einem dr\u00e4ngenden Anliegen in der Gesellschaft folgen und damit ihren Zuspruch erfahren. Nun gibt es Anliegen, bei denen es schon eine Weile dauert, bis man sie zum besten gewendet hat. F\u00fcr diese Zeit beansprucht so eine Partei dann auch den Zuspruch. Danach g\u00e4be es eigentlich keinen besonderen Grund, eine Partei fortzuf\u00fchren, zumal ihr mit der Erreichung des Ziels auch der Zuspruch abhanden kommt.<\/p>\n<p>Es gibt mehrere L\u00f6sungen f\u00fcr dieses Problem, obwohl man vern\u00fcnftigerweise raten w\u00fcrde, die Partei aufzul\u00f6sen. Irgendwann bei Bedarf k\u00f6nnte man ja eine neue gr\u00fcnden. Beliebter sind aber andere L\u00f6sungen. Man kann so tun, als sei das Ziel noch nicht oder unzureichend erreicht oder man m\u00fcsse jetzt das erreichte Ziel noch irgendwie f\u00fcr die Dauer festigen. Am beliebtesten ist es aber, der Partei ihren Zweck ganz wegzunehmen und sie zur \u00fcberdauernden Institution zu erkl\u00e4ren, die ihren Zweck also in der eigenen Existenz hat. So eine Partei hat von der Konstruktion her einen Ewigkeitswert, wie ihn auch Religionsgemeinschaften beanspruchen. Man sagt dann parteiintern gern, dass die gesellschaftlichen Errungenschaften ihre Ursachen und ihre Zukunft ausschlie\u00dflich in dieser Partei haben. Die Partei bildet \u00fcberm\u00e4\u00dfig irgendwelche Symbole aus, die sie unverwechselbar machen und k\u00fcmmern sich mit ihrem spezifischen Geist um nahezu alle gesellschaftlichen Aufgaben. Solche Parteien sind dann auch die\u00a0 Erfinder der Volkspartei, die intern eine Plattform anbieten, Interessengegens\u00e4tze ausgleicht und im Ergebnis niemanden davon ausschlie\u00dft, genau diese Partei zu w\u00e4hlen. Die Wechself\u00e4lle des Lebens und der Politik sp\u00fclen immer neue Themen in die Partei, die stets kompetent auftritt.<\/p>\n<p>Das Problem ist allerdings, dass Parteien auf den Weg in die Unsterblichkeit des Institutionellen abgleiten und die Bew\u00e4ltigung konkreter Politiklagen gern auf die lange Bank der Willensbildung verschieben.<\/p>\n<p>Der B\u00fcrger will allerdings keinen politischen Fossilzoo, sondern schnelles und wirksames Handeln mit einem transparenten und guten Preis-Leistungs-Verh\u00e4ltnis.<\/p>\n<p>Die Verdinglichung der Parteien zu Marken f\u00fchrt langsam aber direkt zur Ablehnung durch den B\u00fcrger, insbesondere wenn er merkt, dass die Verfassungsversprechen Wohlstand, Gesundheit, Gerechtigkeit und Kalkulierbarkeit in der herrschenden politischen Kultur nur noch rhetorisch vorkommen.<\/p>\n<p>Die Parteienlandschaft wird sich wohl oder \u00fcbel auf Parteien einlassen m\u00fcssen, die in alter Tradition etwas ganz bestimmtes erreichen wollen, aber auch nicht mehr. Sie sollten ihre Zeit bekommen.<\/p>\n<p>Die unbeweglichen Volksparteien werden an Bedeutung verlieren. Wenn sie es erkennen, l\u00f6sen sie sich vern\u00fcnftigerweise sofort auf. Sie w\u00e4ren ein gutes Beispiel f\u00fcr\u00a0 Verb\u00e4nde, wie zum Beispiel im Sport, die, weil sie nicht sterben wollen, die Fehlentwicklungen ihres Managements bis hin zur Korruption bis in alle Zukunft verschleppen.<\/p>\n<p>Die SPD, als \u00fcberdauernde Partei der Arbeiterklasse, \u00fcberzeugt beispielsweise den Arbeiter, sofern es ihn \u00fcberhaupt noch gibt, nicht mehr wirklich. Das Gesch\u00e4ftsmodell ist aus der Zeit gefallen. Es ist h\u00f6chste Zeit, sich ohne Wehmut als Partei aufzugeben, bevor der W\u00e4hler ganz undankbar das Kommando f\u00fcr andere freigibt, ohne dass das ein Ende der Politik bedeutet. Die SPD w\u00e4re ein Vorbild f\u00fcr einige andere Parteien.<\/p>\n<p>Der immerw\u00e4hrende Aufstieg und den kurzen t\u00f6dlichen Kollaps der Democrazia Cristiana 1993 in Italien zeigt beispielhaft, wie es im Extremfall gehen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An so einer Partei h\u00e4ngen Heimatgef\u00fchle und Herzblut, manchmal sogar Familientraditionen. Es ist f\u00fcr den Einzelnen kaum auszudenken, dass gerade seine Partei zwecklos geworden ist. Dabei leben Parteien so, dass sie zun\u00e4chst einem dr\u00e4ngenden Anliegen in der Gesellschaft folgen und damit ihren Zuspruch erfahren. 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