{"id":1014,"date":"2014-10-22T17:07:39","date_gmt":"2014-10-22T15:07:39","guid":{"rendered":"http:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?page_id=1014"},"modified":"2015-10-21T17:43:46","modified_gmt":"2015-10-21T15:43:46","slug":"das-tier-in-mir","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/?p=1014","title":{"rendered":"Das Tier in mir"},"content":{"rendered":"<p>Das Tier sieht sich immer schon einer \u00fcberlebensfeindlichen Welt ausgesetzt. Rechnen wir einmal die Naturgewalten und die andern Tiere raus, bleibt der Mensch als Verursacher des Leids im Fokus, obwohl er selbst ja durchaus das Leid aus eigener Erfahrung kennt. Es ist unmittelbar vern\u00fcnftig, f\u00fcr Mensch und Tier das Leid zu teilen (Mitleid) und zu beseitigen. Die Beseitigung des Leids macht eine Nothilfe erforderlich, aber auch die Sicherung von individueller Autonomie, weil Tier wie Mensch traditionell zu wissen glaubt, war f\u00fcr den anderen gut ist.<\/p>\n<p>Nun hat sich der Anspruch, dass Menschen auch die Autonomierechte der Tiere sch\u00fctzen, vorrangig auch dort etabliert, wo die Menschenrechte gesichert und nicht mehr tagt\u00e4glich umk\u00e4mpft sind. In vielen Gegenden der Welt sind die Menschenrechte nachrangig und die Rechte der Tiere meist g\u00e4nzlich unbekannt.<\/p>\n<div>Und trotz aller Leiderfahrung setzt sich gerade bei den bekennenden Tierrechtsaktivisten ein Trend durch, das Tierrecht tiergerecht zu deuten und mangels verbaler Mitsprache der Tiere, f\u00fcr sie das Wort zu f\u00fchren, und dabei den Kontakt zum Tier g\u00e4nzlich aufzugeben. Sie k\u00f6nnen unwidersprochen ihre Hunde und Katzen bis in die Depression zerschmusen, sie als letzte treuen Weggef\u00e4hrten aufopferungsvoll als bessere Menschen stylen, die in zahllosen Videosequenzen als Lol-Cats oder sonst irgendwie dadurch scheinbar an Profil gewinnen, dass sie alles das tun, was dem Mensch als Vielfalt offen steht. Der Papagei, der singend einen Kinderwagen schiebt, wird fast unwidersprochen geliked. Das moderne Haustier \u00e4hnelt in dieser Form dem missbrauchten Internatssch\u00fcler, dem die fruchtbare N\u00e4he des vermeintlich humanistischen Lehrpersonals aufgedr\u00e4ngt wird.<\/div>\n<div>Auf der menschlichen Seite etabliert sich mehr und mehr eine tiersch\u00fctzerische Feindposition, die den nicht ausgewiesenen Tiersch\u00fctzern a priori die Rolle des menschlichen Schweins zuschreibt. Wer die Position eines selbsternannten Tiersch\u00fctzer kritisiert, sieht sich sehr schnell im Spalier z\u00e4hnefletschender Ungeheuer, die sich nicht zu schade sind, mit ihrem Gehirn zu kokettieren, das sie in aller Solidarit\u00e4t mit dem Betriebssystem eines Sperlings laufen lassen. Sie verbreiten im Gegenzug tagt\u00e4glich Dokumentationen \u00fcber die Verwertung des Tieres unter dem Primat der Geldvermehrung, notfalls auch in der Wiederholung und zwingen die ausgemachten Feinde zum Abschalten. F\u00fcr eine gesteigerte Aufmerksamkeit und erst recht f\u00fcr eine Auseinandersetzung ist dieses Bombing ungeeignet.<\/div>\n<div><\/div>\n<div><em>An einem Beispiel des Zirkus:<\/em><\/div>\n<div>H\u00e4tte ich einen Zirkus, w\u00fcrde ich gern bekannte oder vor\u00fcbergehende Tiere fragen, ob sie da mitmachen wollen. Wenn sie, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer, ein deutliches Ja unter herrschaftsfreien Bedingungen schuldig bleiben, dann wird mein Zirkus ohne sie stattfinden. Der Zirkus gestaltet, ganz allgemein, eine gegenwartstranszendierende Phantasie und ist als Kultur der Extraklasse zu markieren. Ich habe schon seit Jahren kein Tier im Zirkus gesehen. Und die von mir bevorzugten Zirkusse respektieren alle Tiere, die nicht mitmachen wollen.<\/div>\n<div>Nun agitieren ganze Scharen von Tierrechtsaktivisten pauschal gegen den Zirkus und damit gegen eine unverzichtbare Kunstform. Sie geben sogar an, Eltern k\u00f6nnten ihre Kinder mit einem Verzicht auf den Zirkus vor dem Anblick missbrauchter Tiere sch\u00fctzen. Jetzt gehen sie noch einen Schritt weiter [<a href=\"http:\/\/www.facebook.com\/tierbefreierDUS\" target=\"_blank\">Die Tierbefreier D\u00fcsseldorf<\/a>]: Sie fordern dazu auf, Zirkusplakate \u00a0zu pr\u00fcfen, ob denn an Ort und Stelle eine kostenpflichtige Plakatiergenehmigung vorliegt, um den Zirkus fehlendenfalls bei der Gemeinde mit kostspieligen Folgen zu denunzieren. Tiere kommen in der Argumentation nicht mehr vor.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Sp\u00e4testens an dieser Stelle merkt man ganz deutlich, dass der designierte Denunziant den Blick auf die Freiheitsrechte eingeb\u00fc\u00dft hat und mit primitivsten und pauschalen Mitteln das Tier zur Pflege der zerrissenen Seele des Menschen instrumentalisiert. &#8211; Die Freiheit der Kreatur r\u00fcckt damit in weite Ferne!<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Zum guten Schluss wird mir nach einem Widerspruch manchmal sogar eine Folter gew\u00fcnscht, damit ich auch etwas mit den Tieren gemeinsam habe. Und dann wendet sich der sorgende Tierfreund hoffentlich von mir ab &#8211; und begibt sich auf den Weg zur herzst\u00e4rkenden Therapie f\u00fcr seinen alten Hamster.<\/div>\n<div><\/div>\n<div><a title=\"Kreatur als Ware\" href=\"https:\/\/snowdenart.zwergwerk.eu\/kreatur-als-ware\/\">siehe auch<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Tier sieht sich immer schon einer \u00fcberlebensfeindlichen Welt ausgesetzt. Rechnen wir einmal die Naturgewalten und die andern Tiere raus, bleibt der Mensch als Verursacher des Leids im Fokus, obwohl er selbst ja durchaus das Leid aus eigener Erfahrung kennt. 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