Wortwahl Flüchtling

Die Robert-Bosch-Stiftung hat erforscht, warum die Leute nach Deutschland kommen. Die wenigstens kommen jedenfalls mit dem Vorsatz, als politisch Verfolgte dort um Asyl zu bitten. Die meisten kommen aus einer Notlage, die sich ohne eine Flucht nicht bewältigen ließ. Sie kommen einfach nur als Flüchtlinge. Wenn man sie fragt, sind die Einzelheiten ihres Motivs jeweils einzigartig kombiniert. Das, was sich in Politik und Verwaltung um den Begriff Asyl rankt, spielt für sie eigentlich keine Rolle.

Dennoch werden Flüchtlinge mit der Ankunft in Deutschland zu Asylbewerbern. Das ist zunächst unverständlich, weil sie gar keine sind und auch weitestgehend keine Chance haben, also solche anerkannt zu werden.
Der Hintergrund ist die fälschlicherweise gleichbedeutende Verwendung der Begriffe Flüchtling und Asylbewerber ausgehend von der Presseberichterstattung. Der Hintergrund ist aber auch eine spezifische Gesetzeslage, die den Flüchtling in den Status des Asylbewerbers zwingt: Er wird ungefragt, geradezu automatish zu einer Antragstellung als Asylbewerber geleitet. Er hat zwar keine Chance als Asylbewerber anerkannt zu werden – lediglich jeder 20. wird anerkannt – hat aber für die Dauer des Verfahrens erst einmal etwas Geld und eine sichere Bleibe. Was Asyl tatsächlich ist, wird er auf Wunsch eventuell hinterher erfahren.
Es ist schon eine starke Portion Gewalttätigkeit im Spiel, vom Flüchtling zum Asylbewerbern gestempelt zu werden. Aber so friedfertig wie gewünscht sind die Deutschen ja nicht, auch nicht in Parlamenten und Behörden.
Mein Wunsch ist es, dieses gewalttätige Wort Asylbewerber für diejenigen Leute wieder abzuschaffen, die einfach nur Flüchtlinge sein wollen – und um die wir uns selbstverständlich auch so zu kümmern haben. Die Genfer Flüchtlingskonvention sagt, wie das geht. Und wir wissen das wahrscheinlich auch ganz gut.

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