Weniger Wetter ist mehr

Journalisten, die eigentlich nichts zu sagen haben, reden deshalb auch immer mal wieder gern über das Wetter, über Rosenkriege und Cocktailtrends an Urlaubsorten.

Sie sind heilfroh, wenn beispielsweise ein neuer Regen erfunden wird. Es war der Starkregen, der ursprünglich einfach nur ein Regen war, der außergewöhnlich stark war, also eben starker Regen. Das führte einer stark zunehmende Berichterstattung über Starkregen aber zu keinem journalistisch veranlassten Mehrwert.
Jetzt, wo der Frühling kommt, gönnt man sich den Luxus, ihn gleich zweimal kommen zu lassen. Der klassische Frühling orientiert sich astronomisch an der Bahn der Erde um die Sonne, die uns ein Kontinuum von Sonne, Licht und Wärme in zunehmender und dann wieder abnehmender Intensität beschert. Man kann bequem nachlesen, warum es der 21. März ist. Damit lässt sich seit Jahrtausenden zuverlässig rechnen. Weil die Meteorologen ein paar Stichtage gesucht haben, um ihre Daten übersichtlich bündeln und fortschreiben zu können, haben sie damit gleich noch den meteorologischen Frühling und so weiter eingeführt. Wie gesagt, es geht dabei also gar nicht um den Frühling, sondern um Zeitabschnitte für die Statistik, die für Analysen und Prognosen des Wetters immer wichtiger wird. Eigentlich ist es für so eine mathematische Anwendung wie die Statistik kein großes Ding, die Daten auch so zu bündeln, damit sie auf die herkömmlichen Jahreszeiten passen. Aber sie einigen sich darauf weltweit einfach nicht. Als wichtigstes Ergebnis bleibt, dass der Journalist, der nichts zu sagen hat, jetzt einen zweiten Frühling ausleben kann, zunächst am 1. März und dann das gleich noch einmal zum 21. März. Nach meinem Geschmack ist das viel mehr Frühling als uns gut tut und es zeigen sich Wiederholungen, die wir nicht brauchen. Und mit den anderen Jahreszeiten ist es ja nicht anders.
Mein Tip: Unterlasst doch einfach nur „die grenzenlose Auffächerung von Unbedeutendem“ (Horkheimer/Adorno). Sie verkleistert doch nur unseren Blick auf die wichtigen Dinge des Lebens.

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