Die Konditionierung

China entwickelt mit überwältigender Unterstützung aus dem Volk ein Punktesystem mit Bonus und Malus, nach dem gute und schlechte Taten beeinflusst werden. Wenn also beispielsweise dein Hund in den Park kackt, darfst du nicht ins Ausland reisen.

Konditionierung vereinzelter Individuen verzichtet auf die Ressourcen und Skills, die sich der Mensch über Jahrtausende angeeignet hat. Mit Zirkustieren geht das erfahrungsgemäß ganz gut. Aber man muss so etwas nicht deshalb machen, weil es geht. Es ist schauderhaft, wenn Menschen im Kollektiv zum Produkt einer zentral verregelten Gesellschaft werden und allesamt Wachhundattitüden zeigen und aufs Fressen schielen.

Über Missbrauch zur Heirat

Wir schreiben das Jahr 2020.
In der Türkei ist ein Gesetz in der Planung, das Vergewaltigungen Minderjähriger straffrei stellt, wenn der Täter das Opfer danach heiratet. 

Zunächst habe ich darüber gelacht, weil ein Mittelalterfreak namens Erdoğan es schaffen könnte, seine Fantasien in ein Gesetz zu transformieren. Vor Jahren ist er damit zwar an der Opposition gescheitert, er ist jedoch beharrlich. Aber dann ist mir schon bald übel geworden, als ich daran gedacht habe, was das heutzutage bedeutet. Um solche autokratischen Besserwisser mit Sendungsbewusstsein sollte man einen großen Bogen machen. Aber man sollte auch eine Meinung dazu haben und äußern. Ansonsten lebt der Herr Erdoğan noch im Wahn, dass alle auf das Gesetz gewartet haben.

Die Kritik an dem Vorhaben hat nun zur Folge, dass die an Erdoğan orientierten Medien – allen voran TRT mit seiner deutschsprachigen Sparte – unsägliche Rechtfertigungen produzieren, die die Sache nur noch schlimmer machen. Und es treten immer mehr Vasallen des türkischen Machthabers in Erscheinung, die damit ihr besseres Wissen reklamieren und sich in der Belehrung der unwissenden Nichttürken hervortun. Solche Belehrungsattitüden kann ich nur schwer gelassen hinnehmen. Sie treffen sich in ihrem Selbstverständnis auf einer Ebene mit den deutschen Reichsbürgern, obwohl sie ja eigentlich mit denen ein Hassverhältnis betreiben.

Was kostet das Essen?

Jetzt stellen Politiker fest, dass im internationalen Vergleich die Lebensmittelpreise in Deutschland sehr gering sind. Das stimmt. Aber der Unterschied zu anderen Ländern ist nicht besonders auffällig. Arme Menschen haben durch die Geschichte letztlich erfolgreich dafür gekämpft, dass sie sich vielfältiges und gesundes Essen leisten können. Der Freischütz wurde als bösartiger Wilderer gebrandmarkt, obwohl er nur mit revolutionärer Attitüde den Überfluss der Waldbesitzer in die Mägen hungernder Familien umgeleitet hat. Vielleicht haben die Menschen gerade in Deutschland besonders erfolgreich gekämpft. Wer die Absicht hat, an den Preisen zu drehen, muss also mit Widerstand rechnen, der auch in der Geschichte begründet ist.

Es stimmt aber nicht, dass heutzutage der Lebensmittelhandel als Wohltäter armer Leute agiert. Geschäftliches Handeln hat anderes im Sinn. Solange die Einkommen für viele Menschen keine Gestaltungsspielräume haben, haben Handelskonzerne jeglicher Art leichtes Spiel, der Menschen Geld zu ihrem Wohl in ihre Kassen zu schleusen. Das unterdimensionierte Einkommen hat aber auch noch andere Trittbrettfahrer der Wohltätigkeit, nämlich die „Tafeln“(!?), die die Produktionsüberhänge auch noch kostenfrei raushauen und dem Staat ersparen, Rentner und prekär Beschäftigte mit so viel Geld auszustatten, dass man davon würdig und selbstbestimmt leben kann.

Davon abgesehen gibt es nur wenige Möglichkeiten, so etwas wie Lebensmittel einfach mal teurer zu machen. Und die Qualität würde dadurch auch nicht unbedingt besser, wenn man mehr bezahlt, so wie es die Bauern fordern, die gerade mit überdimensionierten Dieselaggregaten durch die Republik düsen. Wie der Bauer es sich vorstellt, funktioniert die Volkswirtschaft nicht. Ich werde einen Teufel tun, denen, die in der Foodbranche Gewinn machen, freiwillig noch mehr Geld zu geben für nichts. Wir können handeln, mehr aber auch nicht. Angebot und Nachfrage kann man nur durch begleitende Vergünstigungen und Erschwernisse an zahlreichen Stellen des Wirtschaftssystems und auf gewandelten Märkten mit neuen Impulsen ausrichten, wenn die zugleich vom Bürger und Verbraucher als gerecht erlebt werden. Fehlentwicklungen können also nur sehr langsam korrigiert werden. Den Preis für Grundlebensmittel zu erhöhen – egal wie -, das hat zudem schon immer die Menschen auf die Barrikaden getrieben. Der Versuch der Superfoodlabelwirtschaft, bestimmte Produkte so zu präsentieren, dass der Verbraucher allein im Vertrauen auf solche Label mehr bezahlt, hat bisher nicht gewirkt. Diejenigen, die trotzdem Labeln folgen, haben nur ihre Verbraucherpflicht abgegeben, selbst die Qualität der Produkte zu begutachten.

Als ich letztens in der Filiale einer Bäckereikette war, gab es dort diese preiswerten Brötchen, die noch billiger sind, wenn man 10 Stück davon kauft. Sie sahen mitleiderregend aus und schmeckten auch so. Separiert wurden Edelbrötchen zum 3-fachen Preis der billigen Brötchen angeboten, die besser waren, aber längst nicht so gut wie zu den Zeiten, als es diese Upgradebrötchen noch nicht gab. Mir ist klar, wie die Preise kalkuliert sind. Einen Einfluss darauf habe ich aber nicht. Eine Frage danach hat bäckereikettenübergreifend stets zur Antwort: „Der Kunde will das so!“ – und ich bin charmant in die Ecke des Außenseiters gedrängt, obwohl ich doch in meinen Gedanken absolut im Mainstream schwimme. Das einfache Brötchen guter Qualität ist zur Illusion geworden. Es wird also gar nicht erst verkauft. Wir werden die Erinnerung daran bald vergessen haben.

Unverpackt

Ganz ohne Verpackung gehts ja nicht. Ein Stück Käse kriegt man händisch nicht so leicht vom Einkaufsladen in die Wohnung. Neuerdings werden trotzdem Wege kultiviert, eine verpackungsfreie Zeit einzuleiten. Zurückliegend war es allerdings so, dass sich jeder selbst um die Verpackung kümmern musste. Selbst der servicebeflissene Händler hat bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhundert nichts anderes gemacht, als der Käufer auch gemacht hätte. Die ausgelesenen Zeitungen lagen als Verpackungsmaterial an den Marktständen. Der Käufer hatte für alle Fälle immer ein Einkaufsnetz dabei. Obst und Gemüse wurde meistens einfach nur aus dem Behälter der Waage direkt in die Einkaufstasche gekippt. Allein Fish und Chips, die in der Times serviert werden, haben aus dieser Zeit überlebt.

Die Verpackungsindustrie hat das Gefüge durcheinander gebracht, denn die neuen praktischen Verpackungen, vielfach aus Plastik, konnte man im Verkaufspreis kaum nachweisen. Es gab sie scheinbar umsonst. Erst seitdem Verpackungen als umweltbelastend eingestuft sind, werden bestimmte Verpackungen kostenpflichtig und oft auch durch vermeintlich umweltfreundlichere ersetzt, was sie nicht immer sind. Damit ist es an der Zeit, die Einmalverpackungen zunächst wieder durch Verpackungen zu ersetzen, die überdauernd genutzt werden können. Mit viel Phantasie findet man schnell neue Möglichkeiten, eigentlich alle herkömmlichen Verpackungen zu vermeiden oder zu ersetzen. So gibt es beispielsweise neuerdings biologisch unbedenkliche, fast unsichtbare Beschichtungen, die Avocados und Zitrusfrüchte doppelt solange frisch halten.

Ich wage die Prognose, dass die Wertschätzung unverpackter Waren bald auch auf den Onlinehandel übergreift. Es ist ja anachronistisch, wenn Kaufverträge vollkommen Papier- und verpackungslos im Internet abgeschlossen werden, die Auslieferung aber mit einer Begleitorgie aus Wellpappe, Plastik und falsch geparkten Auslieferungsfahrzeugen unter Einbeziehung zur Freundlichkeit gezwungener Nachbarn abgewickelt wird. Dem geliebten Unboxing erfolgt dann stets eine Extrafahrt zum Rohstoffcontainer. Das Weihnachtsfest der Verpackungen ist bereits zum Alltag geworden. Freude setzt unverständlicherweise vielfach Verpackung voraus.

Harry & Meghan

Es gibt eine Trennung in einer königlichen Familie.

Die aktuelle Aufführung von Harry und Meghan Sussex erinnert mich an eine Erzählung von Heinrich Böll. Sie heißt: „Nicht nur zur Weihnachtszeit“ und ist einfach zusammengefasst:

Die Mutter der Familie zelebriert ihr Weihnachten nach einem bestimmten Muster und alle ringsum machen mit. In der schlechten Zeit damals neigt die Mutter dazu, die Feierrituale zu verlängern und immer weiter zu verlängern, weil das ihr Glück immer wieder für einen Moment rettet. Irgendwann können die Schauspieler nicht mehr bezahlt werden, die die Plätze und Rollen der Familienmitglieder irgendwann einnehmen und am Ende sitzen nur noch Puppen am Tisch. Das Ritual überlebt die handelnden Personen. Alle Kinder gehen ihren Weg außerhalb der unendlichen Feierei.

Die britische  Königsfamilie lebt in einer weitgehend ritualisierten Welt, die in Traditionen gründet, die man besser nicht befragt. Sie werden begleitet von einer Hofberichterstattung, die darauf achtet, dass niemand mit Extravaganzen ausschert und das System und seine Gewinner gefährdet.

Da ist es doch vollkommen normal, dass Harry und Meghan mit ersten Erfahrungen in der Erwachsenenwelt nach Unabhängigkeit streben und ihr eigenes Ding machen. Da will man ihnen respektvoll nicht einmal vorschreiben, wie das eigene Ding auszusehen hat.

Ich vermute, sie machen es goldrichtig, obwohl es ihnen letztendlich unmöglich sein wird, vom Gold und anderem Reichtum wegzukommen und wirklich eigenständig zu sein. Das ist eine schwere Hypothek. Vielleicht gelingt es ihnen ja, ihr Vermögen auf dem Weg zur unbedingten Freiheit runterzudampfen.

Affen im Krefelder Zoo sind in der Silvesternacht verbrannt.

Wer Tiere einsperrt, braucht dazu eine Rechtfertigung. Die Rechtfertigung in der Zoobewegung hat zur historischen Grundlage vor allem, eine Exotik fremder Welten in einer Zeit einzufangen und zu präsentieren, in der man nicht einmal eben durch die Welt reisen konnte. Die Rechtfertigung wurde jeweils im Zeitgeist ausgebaut und gibt heute vor, Arten zu erhalten. Im Jahr 1966 hat noch der Zoodirektor aus Duisburg mit dem sinnfälligen Namen Dr. Gewalt ohne Gewissensbisse auf einen Belugawal im Rhein geschossen, der sich nur etwas verschwommen hatte. Dass man alle Arten von Tieren wirksamer in ihren natürlichen Lebenswelt fördert und erhält, das ist die Gegenthese, die die Zoobewegung bis heute nur zögerlich aufnimmt. Manche Zoos leisten sich deshalb kleine Projekte in der Heimat bestimmter Tiere. Gegen die Einstellung der dämlichen, aber einträglichen Delfinshows hat man sich gewehrt, bis sie selbst vom Zeitgeist geächtet worden sind. Es tut sich etwas, aber wenig. Man merkt das, wenn süße(!?) Tierbabys für das Publikum aufbereitet und durch die Medien getrieben werden.

Neben der Rechtfertigung gibt es aber auch eine erhöhte Verantwortung für Gefangene. Jedes Gefängnis hat einen Notfallplan. Dem schlimmste Verbrecher würden die Türen geöffnet, bevor er verbrennt. Bei dem Wesen nach stets unschuldigen Tieren kann das im Prinzip nicht anders sein. Es gibt allerdings die Erschwernis, dass exotische Tiere in der Freiheit nur selten überlebensfähig sind und aber auch von Fall zu Fall gefährlich sein können.

Ungeachtet der Rechtfertigung gibt es auf der Ebene der Verantwortung die Frage, was man hätte tun müssen, um den Tod vieler Primaten im Krefelder Zoo, mutmaßlich verursacht durch Silvesterfeuerwerk, zu vermeiden. Eigentlich muss es unmittelbar benachbarte Ausweichquartiere geben, die im Fall eines Brandalarms automatisch für die Tiere zugänglich werden. Das klingt aufwändig und teuer, ist es aber nicht, wenn es um ein Leben geht. 

Ich bin gespannt, wie die Zoos nun reagieren.

Aktualisierende Ergänzung:
In der Pressekonferenz mit Polizei- und Zoovertretern am 1.1.2020 ergibt sich, dass wider Erwarten zwei Schimpansen verletzt überlebt haben. Über 30 Tiere sind aber tot. Als Ursache des Brandes wird zunächst eine Himmelsfackel angenommen. Diese Fackeln fliegen relativ weit und sind verboten. Das abgebrannte Gebäude war aus den 70er Jahren. Ein herkömmlicher Brandmelder funktioniert dort wegen der Staubentwicklung nicht und ist auch nicht vorgeschrieben. Es gab also nur eine Sicherung durch nachts patroullierendes Personal.

Das Wort ist schuld

Ein Abgeordneter durfte laut Gerichtsentscheidung in einem Parlament unter bestimmten Umständen Neger sagen. Das Gericht führte unter anderem aus, dass über die Berechtigung von Wörtern nicht zu entscheiden ist, sondern über konkrete Einlassungen des Abgeordneten.

Das ist Anlass für eine Unterschriftensammlung, die ich nur ungern Petition nenne (Artikel 17 GG), das Wort Neger selbst zu verbieten. Es wird in der Presseberichterstattung als N-Wort bezeichnet. Die Unterschriftensammlung erfolgt in einer der populären und positionslosen Onlinepetitionsmaschinen.

Die Sprache ist ja eine hervorragende Form, sich mitzuteilen. Deshalb gehört der Gebrauch der Sprache der Gemeinschaft der Sprechenden. Es gibt keine verbindlichen Definitionen. Das Sprechen ist geprägt von der Absicht, sich zu verständigen. Das geht nur, wenn man bemüht ist, die abweichende Wortwahl des anderen zu berücksichtigen. Die Gewissheit, sich verstanden zu haben erhält man nur im Gespräch, das immer auch etwas Missverständnis beinhaltet. Das ist unvermeidlich und demokratisch.

Es gibt viel gescheiterte Versuche, Menschen bestimmte Wörter zu verordnen oder zu verbieten. Sie sind letztlich alle gescheitert. Wir denken unweigerlich an George Orwells Roman 1983.

Wenn nun jemand Neger denkt und es aber nicht sagen darf, dann verstecken wir mit der Vorschrift lediglich seine Gedanken. Damit ist nicht viel gewonnen. Es wäre richtiger, seine Gedanken über die Sprache aufzunehmen und eine Gegenrede zu starten. Er selbst würde für seine Sprachlosigkeit ein Ventil suchen. Da hat er viele Möglichkeiten, die nicht alle strafbar sind. Er kann N-Wort sagen. Er kann auf Metapher zurückgreifen, neue Wörter erfinden, mehrere Wörter mit Schnittmenge zum Wort Neger kunstvoll kombinieren. Er kann gewalttätig werden oder sich in Subkulturen bewegen, die das Wort Neger nicht beanstanden. Und das ist längst noch nicht alles, was er machen kann. 

Ich halte vom Verbot konkreter Wörter nichts. Sie sind praktisch und auch rechtlich ohnehin nicht einzuhegen. Einzuhegen ist aber der sich äußernde Rassist. Man macht das am besten direkt mit einer deutlichen Gegenrede, an der sich erforderlichenfalls auch viele andere beteiligen können, also in der offenen Gesellschaft und nicht vor dem Gericht. Gleichwohl können Menschen für rassistische Auftritte bestraft werden. Dazu muss man erforderlichenfalls auch den Instanzenweg ausschöpfen oder auch verbesserte Rechtsnormen auf den Weg geben.

Nicht ein Wort ist der Übeltäter, ein Mensch ist es.

FAC SIMILE

Am Jahresende überlegt man bisweilen auch, wie die Zeit vergeht.

In dem Zusammenhang denke ich an meinen Faksimilestempel. Er ist aus den Stempelzeitalter und alle Menschen zeigten damals Stempeln gegenüber eine hohe Wertschätzung. Eine ganz besondere Wertschätzung hatten Dienstsiegel und Faksimilestempel, also Stempel mit einer echten Unterschrift, obwohl eine Stempelung ja streng genommen gar keine echte Unterschrift ersetzen kann. Es was Anfang der 80er Jahre, als ich ihn bekam. Das ist ja noch nicht so lange her. Er wurde ganz besonders registriert und sollte verschlossen aufbewahrt werden. Ich hatte den Stempel, um Unmengen von Briefen mit meiner persönlichen Unterschrift zu versehen. Die Zeiten haben sich damals schnell gewandelt und die Unterschrift wanderte in den PC. Dieser Wandel war bedenklich, weil die Unterschrift das ist, was einem auch dann gehört, wenn man gar nichts mehr hat. Aber dieser Bedeutungsschwund galt ja auch eigentlich schon für meinen Faksimilestempel. An den Faksimilestempel wurde ich dann 30 Jahre später erinnert, als mein Arbeitgeber fast schon entschuldigend seine ausgegebenen Faksimilestempel wieder einsammeln wollte. Wo meiner war, wusste ich auch nicht. Aber weil ich ja nichts wegwerfe, werde ich nun mal gucken, wo er ist. Ich bin hoffnungsfroh, ihn zu finden. Heutzutage haben Stempel bestenfalls eine dekorative Bedeutung und dienen dem Kinderspiel. Selbst Briefe vom Finanzamt gelten ohne Unterschrift. Mit der Zeit hat sich doch ne ganze Menge geändert, dafür wiederholt sich das Fernsehprogramm stetig.

Mein Gruß geht in die Welt …

Das Klima ist heute wieder protoprima

Die Welt pfeift mit seinem Klima aus dem letzten Loch. Experten warnen davor seit den 70er Jahren (Club auf Rome) und die Analysen haben sich bis heute bestätigt und werden immer mehr verfeinert. Wann der Point-of-no-Return erreicht ist und das Klima politisch unbeeinflussbar wird, ist nicht so sehr klar. Er steht aber unmittelbar bevor. Es ist also unumgänglich, jetzt etwas zu tun. Die Zeit der Planungen des Klimawandels ist nutzlos verstrichen. Das ist auch die Ausgangslage, der sich die Bewegung „Fridays for Future“ verpflichtet sieht.

Während die Graswurzelbewegung zeigt, wie man nun handelt, setzt die weltweite Politik auf Konzepte, Planungen und Einstimmigkeit. Der Weltklimagipfel in Madrid hat jetzt wieder einmal gezeigt, dass der Weg einer global konzertierten Aktion nicht funktionieren will. Wenn sie die UNO aus autonomen Staaten zusammensetzt, von denen jeder sein Ziel egozentrisch verfolgt, geht da ja auch nicht. Solange also Einstimmigkeit gefordert ist, wird es keine weitreichenden Veränderungen im Klima geben, lediglich fälschlicherweise als gerecht eingestufte Sonderrechte, sich an kleinste Fortschritte nicht halten zu müssen.

Es hilft also nur, punktuell mit gutem Beispiel voran zu gehen ohne zu prahlen. Jeder Schaden am Klima war bisher nach dem kapitalistischen Paradigma kostenlos.  Wenn sich ein realistischer Preis eingependelt hat, dann werden wir erst merken, dass derjenige besonders gut wirtschaftet, der wenig Kollateralschäden produziert oder zwischenzeitlich dafür so tief in die Tasche greift, dass er planen muss, es besser zu machen. Der Ressourcensparsame wird zum Trendsetter.

Selbst in dem noch halbwegs homogenen Bereich der EU scheitert es bisher, Abgase, Plastikmüll und irgendwelche Burnouts teuer zu machen. Da bleibt es doch nur noch, nach der Graswurzelmethode kleine notfalls kleinste Segmente auszusuchen, um klimaschädliche Entwicklungen an den sensiblen Stellen zu bremsen und dabei auch noch gut zu verdienen. Es wird nicht lange dauern, bis die Nachahmer einen dauerhaften Gefallen daran finden.

Also, plant nicht länger ohne zu handeln. Das ist wirksamer. Die Zeit läuft und weg.

Gott ist überall

Der Berliner Fernsehturm ist ja ein Wahrzeichen sozialistischer Überlegenheit. Für die Verkleidung der Kugel wurde allerdings seinerzeit ganz heimlich rostfreier Edelstahl aus dem anderen Deutschland verbaut. Seitdem erscheint bei Sonneneinstrahlung ein Kreuz auf der Kugel, das immer wieder gern christlich und als Makel des sozialistischen Wahrzeichens interpretiert wird. Mit etwas Anstrengung kann man es sogar sehen. Es soll vor der deutschen Wiedervereinigung Versuche gegeben haben, mittels einer Manipulation der Oberfläche des systemfremden Metalls die Erscheinung des Kreuzes zu verhindern.

Für diesen Effekt gibt es spezielle Filter für digitale Fotoaufnahmen. Man kann sich so ein Kreuz damit überall hin zaubern. Und dann ist Gott plötzlich überall …