Über das Ende des 500ers

Euronen

Stell dir vor, du bist in der Lösegeld- und Erpressungsbranche tätig. Bisher reicht dir so ein unauffälliger Managerkoffer, um das Geld für dich in einem Versteck abzulegen. Wenn nun der 500er abgeschafft ist, wie es die europäische Zentralbank (EZB) entschieden hat, brauchst du so einen fetten Trolley mit Rädern. Das kannst du aber vergessen. Das Risiko mit so einem Unding ist zu groß. Es bleibt dir nur, die Übergangsfrist zu nutzen, um andere Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Die EZB will aber ausdrücklich den illegalen Branchen Probleme bereiten. Ich glaube allerdings nicht daran, dass einem Schwarzarbeiter gestückelte 500 € weniger lieb sind als ein einzelner Schein. Die Geldwäscher arbeiten ohnehin bereits vollständig bargeldlos.

Es bleibt nur der Verdacht, dass die EZB eine Einstieg sucht, das Bargeld scheibchenweise ganz abzuschaffen. Wenn das Bargeld eines Tages ganz weg sein wird, werden wir über kontrollierte Datenströme so sehr kalkulierbar, dass alle Welt  weiß, was gut für uns ist, ohne uns zu fragen. Unsere Autonomie wäre dann nicht mehr erforderlich und deshalb auch nicht erwünscht. Dass wir herrlich dummes Zeug machen, wäre dann also auch schon bald nicht mehr vorgesehen. Okay, eine Lösegelderpressung muss es ja auch nicht unbedingt sein, wenn wir unsere Autonomie präsentieren wollen. Aber wirtschaftsrationale Lebenswelten sind doch zu sehr verarmt, um die notwendigen Innovationen leben zu können, die Freude machen und für die gesellschaftliche Entwicklung unverzichtbar sind.

Ich kann mich gar nicht erinnern, jemals einen 500er gehabt zu haben. Ich bin aber entscheiden dafür, dass er mir als Möglichkeit erhalten bleibt. Noch besser als das Geld wären auf alle Fälle der Warentausch und die Selbstversorgung. Wahrscheinlich wird es als unplanmäßige Auffälligkeit registriert, wenn wir Bohnen, Möhren und Zwiebeln im Garten anbauen und der Erwartung ausweichen, sie in auch noch an andere Menschen weitergeben anstatt sie erwartungsgemäß im Supermarkt zu kaufen. Irgendwie ist es wertvoll atypisch zu sein. Und dann steht an der Tankstelle ein Schild, dass sie aus Sicherheitsgründen keine 500er annehmen. Wenn mir irgendwann einer zufliegt, dann tanke ich eben woanders.

Kommentar