S E N S A T I O N

Es ist sensationell und die Begeisterung ist grenzenlos.
Eine Sensation erlebt man nicht alle Tage. Wir hatten uns darauf geeinigt, dass Sensationen rar bleiben, damit das Alltägliche und das Seltene nicht ununterscheidbar zusammenwachsen. Die Begeisterung, also die Gefühlslage, die der Sensation im positiven Fall folgt, ist ursprünglich ebenso selten.
Doch es ist wie beim Abitur. Die Maßstäbe werden verschoben und was früher ausreichend war ist heute bereits gut. Die Bandbreite bleibt zwar, aber die Skala ändert sich. Die Besten und die Schlechtesten unterscheidet nur noch die Stelle nach dem Komma.
Ist man gefällig, oder auch selbstgefällig, dann neigt man dazu, einfach nur den Sprachgebrauch zu ändern und eine Suppe oder eine andere Bastelarbeit ohne Not als Sensation zu bezeichnen und zu sagen, dass man begeistert ist.
Wenn alle Welt Beachtung sucht, dann ist oft schon der Zweitplatzierte außerhalb des Interesses. Die Konkurrenz ist hart.
Der kleine Erfinder neigt dazu, in seiner geschäftstüchtigen Selbstgefälligkeit seine Erfindung selbst als Sensation anzupreisen und er behauptet schon bald, alle Welt wäre davon restlos begeistert.
Liebe Freunde von Sensationen und gefühlter Begeisterung, dreht mal einen Gang zurück. Die Nummer schaufelt sich ihr eigenes Grab und wir ersticken in Sensationen, und begleitenden Gefühlen, die jede Entspannung unmöglich machen.
Bei näherem Hingucken erweisen sich die meisten präsentierten Sensationen als suboptimal sensationell und das Gefühl der Begeisterung muss ebenso häufig als Floskel gedeutet werden, die die tatsächlichen Gefühle versteckt und nicht abbilden.
Die Sprache des Marketings ist ungeeignet, sich selbst ein Bild von der Welt zu machen, in dem Unterscheidungen noch bezeichnet und ausgedrückt werden können und die Gefühle angemessen sind – mal so und mal so.

Morgen denke ich über traumhaft nach …

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