Der Islam gehört zu Deutschland – oder nicht

Das Verb zugehören ordnet irgend etwas einer Hauptsache zu. Dabei ist die Intensität der Zugehörigkeit zunächst so undeutlich, dass sie alles und nichts bedeuten kann. Es kann ebenso eine leidenschaftlich phantasierte innigste Verbundenheit sein wie die zwischen Veronika Fischer und einem ihr unbekannten Fan, eine eher zufällige Gleichzeitigkeit von Urwald und Zivilisationsmüll auf einem Foto oder eine Verbundenheit, die so stark ist, dass die Hauptsache ohne irgend etwas bestimmtes überhaupt nicht leben kann, wie der Mensch ohne Herz, und vieles mehr.
Es bedarf also eines Diskurses, um die jeweils spezifische Verbundenheit auszuleuchten, damit der Hörer in etwa versteht, was der Sprecher sagen will.
Nun kann man eine Zugehörigkeit als Ergebnis eines Diskurses nachvollziehbar feststellen. Mehr Aufmerksamkeit erreicht man aber, wenn man einfach mal so eine Zugehörigkeit behauptet und über eine Kunstpause offen lässt, ob man diese Zugehörigkeit überhaupt begründen will. Man kann dann den ausgesparten Diskurs nachschieben, oder aber mit dem provozierten Widerspruch kalkulieren, der die Beachtung meist noch erheblich steigert. Man kann das dann, wie einen notgedrungen beachtenswerten Furz so stehen lassen, oder über lockere Diskurselementchen die Absicht noch einmal unter die richtige Lampe stellen. Dabei kann es um die Sache selbst gehen. Meistens geht es aber um eine Selbstpräsentation der Art: „Sooo habe ich das nicht gemeint, sondern …“
Ich schlage vor, beispielsweise den nach jeder Runde wieder auftauchenden Satz: „Der Islam gehört zu Deutschland!“, durch Nichtbeachtung aus dem Rennen zu nehmen und stattdessen immer dort, wo Deutschland und Islam sich begegnen, erst einmal „Guten Tag … “ zu sagen.

Heimtücke ist unbeliebt

Was im kalten Krieg an der Tagesordnung war, tritt jetzt seltener in Erscheinung. Das liegt wohl daran, dass der Krieg nicht mehr so kalt ist und dass die Gimmicks der Geheimdienste so stark verbessert worden sind, dass sie offensichtlich nur noch über James Bond in die Öffentlichkeit gelangen, um nicht große Teile der Bevölkerung zu verunsichern.
Deshalb ist die geheimnisvolle Vergiftung eines umgedrehten Exagenten mit Kollateralschaden ein Ereignis, das aufhorchen lässt. Die Reaktionen darauf sind aber nicht weiterentwickelt. Es ist genau wie damals: Es werden einige Diplomaten, die oft auch Agenten sind, ausgewiesen. Im Gegenzug, werden von der Gegenseite ebenfalls einige Diplomaten ausgewiesen. Das Arsenal der Geheimdienste im Auslandeinsatz wird dann schließlich über die Jahre wieder stillschweigend aufgefüllt. Es ist ein Ritual, das nichts bewirkt. Anschuldigungen und Zurückweisungen der Anschuldigungen bleiben unbearbeitet nebeneinander stehen. Eigentlich gibt es also nur dann mit viel Glück etwas zu berichten, wenn die Sache nach Jahrzehnten politisch uninteressant geworden ist und die Presse es nicht vergisst.
Ich finde das Ritual einschläfernd. Ich werde aber hellhörig, wenn das angeblich sündhaft teure Nervengifte als neuester Schrei und Speerspitze der Geheimdienste bezeichnet wird. Denn andere Geheimdienste tragen in die Öffentlichkeit, dass es sich in Wahrheit um ein Auslaufmodell zur Tötung handelt. Man würde es bereits daran erkennen, dass es ja sofort entdeckt wurde und möglicherweise auch noch enttarnt wird. Wirklich moderne Waffen würden überhaupt keine Spuren hinterlassen. — Wenn dem so wäre, dann könnten auch die besten Freunde die mutmaßlich ärgsten Feinde sein, weil sie reihenweise morden, ohne dass es auffällt. Aber vielleicht stimmt das ja auch gar nicht. Geheimdienst sind meisterhaft darin, falsche Spuren zu legen.

Gaff nicht so …

Bei Rettungseinsätzen ist immer wieder von Gaffern die Rede, die unethisch handeln und Rettungskräfte behindern. Dabei wird so getan, als sei die Sache mit der Bezeichnung Gaffer hinlänglich aufgeklärt, und der Mensch habe nichts anderes zu tun, als das Gaffen einzustellen.

Bei Verkehrsunfällen und Bränden werden selbstverständlich die Hilfe und die Helfer gestört, wenn jeder sich selbst ein Bild oder einen Film von der Situation machen will. Die sogenannten Gaffer werden in der öffentlichen Diskussion aber nur als schuldhafte, gedankenlose Monster gegen das Leben karikiert. Das ist aber höchstens die halbe Wahrheit.

Das sogenannte Gaffen hat archaische Elemente. Das sollte aber nicht zur Rechtfertigung, sondern als Erklärung beachtet werden.

In Katastrophen, also Ereignissen, die sich nicht unmittelbar und einfach selbst erklären, fehlen meist die Muster, darauf zu reagieren und man reagiert dann auch eher ohne eine intellektuelle Steuerung. Viele Einzelne bilden keine Gruppe, sondern verschmelzen zur sozialen Masse, die sich nicht an bestehenden Regeln orientiert, sondern Impulsen folgt, die nahezu zufällig erscheinen. Gleichwohl sind solche Situationen für den Einzelnen und seine Gemeinschaft zu wichtig, um sie zu übergehen und sie dann eben nicht so zu ergründen, dass man ihnen zukünftig anders begegnen kann.

Gaffer lediglich als blöde und emotionslose Menschen zu brandmarken ist selbstgerecht. Allerdings können sie lernen, mit intellektueller Leistung die Komplexität neuzeitlicher Katastrophen und die Leistungsfähigkeit von ebenfalls neuzeitlichen Rettungsdiensten zu verstehen, und damit den archaischen Untergrund zu kontrollieren. Erfahrungsgemäß gelingt das nicht jedem, nicht immer und nicht vollständig. Gaffexzesse wären demnach als eine unheilige Verbindung von archaischer Reaktionsmustern mit individuellen Fehlentwicklungen zu deuten. Nach meinem Verständnis sollte, wie es gerade diskutiert wird, das Gaffen jedenfalls nicht strafbar sein.

Das Gaffen wird ja auch erst mit einer vor kurzem noch unvorstellbaren Mobilität auf den Straßen und den Datenwegen zum Problem. Das bedeutet doch, dass die Mobilitätsentwicklung selbst am Gaffen nicht unbeteiligt sind.

Ich habe hier eine Erinnerung aus den 50er Jahren: An einer Straßeneinmündung wurde ein Motorradfahrer von einem Auto sehr schwer verletzt, weil einer von beiden, die Rechts-vor-links-Regel nicht beachtet hatte. Der Knall sorgte für Aufmerksamkeit. Mütter stellten den Herd ab und liefen auf die Straße, spielende Kinder riefen sich zu „Da ist ein Unfall!“ und rannten hin. Die Belegschaft ganzer Handwerksbetriebe lief auf die Straße. Und am Unfallort bildete sich eine große Gruppe von Menschen, die auch sofort die Schuldfrage diskutierten. Einige betreuten den Motorradfahrer, bis der Rettungswagen da war. Einer sagte: „Der darf nicht zu viel Blut verlieren!“ – Von Gaffern und Schaulustigen war nicht die Rede. Es gab nicht einmal eine Erwachsenenansprache für Kinder, sich aus dem Staub zu machen. Das war alles ganz normal. Und „rechts-vor-links˝ das kannten die Kinder dann schon, bevor die Abseitsregel beim Fußball noch wichtiger wurde.

Ein Unfall als Ort der Geselligkeit, sogar auch für den Verletzten – das ist heute unvorstellbar und wird im Zeitgeist vollkommen anders bewertet.
Das ist richtig, blendet aber die historische gesellschaftliche Bedeutung von Katastrophen ziemlich stark aus, so als könnten wir uns immer schon gegen Gott und die Welt versichern und uns sorgenfrei kaufen.

Helfen Tafeln den Armen? – Nicht unbedingt!

Der tumbe Tafelchef aus Essen mit dem ewig rotkugeligen Outfit hat ja bisher wirklich nicht viel gesagt, ist dabei aber unbeugsam. Das ist ein gefundenes Fressen für alle Kommentatoren, ihre Leserschaft pro und contra zu versorgen.  In diesen Tagen sind die Medien voll davon und alle reden mit. Zur Erklärung seiner sonderlichen Vorstellungen vom fremden Menschen hat besagter Tafelchef dann auch noch einen Einblick in seine gentheortische Denkwelt gegeben und das Nehmer-Gen zur Vereinahmung von Obst, Gemüse und anderen Gütern bei Syrern und Russlanddeutschen beklagt. Es klingt bereits der „lebensbejahende, afrikanische Ausbreitungstyp“ an, wie ihn der rechtsradikale Thüringer Bernd Höcke ausgemacht haben will.

Kann es nicht sein, dass der ungebändigte Run auf die Tafeln ein Problem zur Ursache hat, das den Tafeln vorausgeht?
Kann es gar sein, dass der Tafelmann unter einem großen Irrtum arbeitet und ein Opfer eines naiven Hilfearrangements ist, bei dem das Kistenschleppen irgendwann unvorbereitet zum Nachdenken über große Fragen auffordert?

Im Rahmen der Gesetzgebung werden die Leistungen für ein menschenwürdiges Leben festgelegt. Das soll also nicht nur so sein, das ist so! Derzeit gilt, dass 416€ für den einzelnen Erwachsenen Menschen dazu ausreichen. Dazu gibt es aus Expertenkreisen und Sozialverbänden erheblichen Widerspruch: Es ist zu wenig!

Unabhängig davon ist, dass ein Minimum, gleichgültig wie es ausfällt, immer als zu wenig erlebt wird. Man hat also gern etwas mehr. Das ist sehr verständlich.

Eigentlich bedarf es also der Tafeln nicht, wenn die 416€ ausreichen. Es ist sogar gesetzlich vorgesehen, dass andere Einkünfte und Zuwendungen ihrem Wert entsprechend von den 416€ abgezogen werden.

Wir brauchen also eine ständige Verbesserung der Regelsätze auf einem akzeptablen Niveau. Wenn die Bundespolitik nach schwarzen Nullen jagt, ist es regelmäßig so, dass das knappe Geld nicht so gern in die Überbrückung der Armut investiert wird. Dagegen wird vor Gerichten ständig geklagt, meistens erfolgreich. Doch dem Empfänger von Sozialleistungen bleiben im Moment erst einmal trotzdem nur die 416€.

Betrachtet man also die Verschwendung von Lebensmitteln von der Grundversorgung armer Menschen getrennt, dann können wir uns unabhängig darauf konzentrieren, die Verschwendung anzugehen. Dass die Verschwendungen zu den Armen umgeleitet werden, ist eine überaus beliebte Möglichkeit. Wie beim Müll, wäre aber eine Überschussvermeidung die erste Wahl.

Die Idee, „Gutes“ zu tun, ist in alter christlicher Tradition auch dann unangreifbar, wenn sich das Gute als das Schlechte, oder als Verhinderung des Guten herausstellt. Und so wächst zusammen, was nicht zusammengehört, der Anspruch auf Hilfe und die kostenfreie Verteilung von Lebensmitteln.

Daraus ergeben sich viele scheinbare Vorteile, die aber in Wirklichkeit nur das System der Hilfe außer Kraft setzen.

  • Der Gesetzgeber kann sich bei der Neubestimmung der Regelsätze stark zurück nehmen, weil wirklich Bedürftige und auch kritische arme Menschen bei der Tafel das erhalten, was ihnen eigentlich als Regelsätze zusteht.
  • Wechselfälle des Lebens, die einer spontanen Hilfe bedürften können behördlicherseits oft unbearbeitet bleiben, weil die Tafel einspringt.
  • Arme Menschen, die einen Anspruch haben, können häufig von der Behörde einfach so an die Tafel weitergereicht werden.
  • Die Behörden spart in erheblichem Rahmen Personal und Finanzmittel ein, weil die Tafeln ehrenamtlich deren Arbeit ersetzen.
  • Für Tafeln, Behörden, Tafellieferanten, die Presse und hilfsbedürftige Menschen wird die Idee gepflegt, dass das Ehrenamt gut und wirksam arbeitet.
  • Es warten ab und zu ein Dankeschön und möglicherweise das Seelenheil für die vielen ehrenamtlichen Helfer.

Der Herr von der Tafel und seine Kumpanen sollten einfach nur die Arbeit einstellen. Überproduzierte Lebensmittel lassen sich mit logistischen Mitteln reduzieren. Lebensmittel werden zudem billiger, wenn – wie in einigen anderen Ländern – die Überproduktion sanktioniert wird. Jedem Bäcker steht es beispielsweise zudem frei, Ware vom Vortag billiger abzugeben oder Zeiten für einen reduzierten Restverkauf anzubieten. Hinzuweisen ist auch noch auf zahlreiche Food-Sharing-Projekte. Und wenn der Nachbar arm ist, dann kauft man für ihn zum Grillen ein paar Würste mehr.

Da fällt mir eine Geschichte ein, die auf den ersten Blick mit der Essener Tafel nichts zu tun hat:
Vor vielen Jahren habe ich einmal mit ein paar Mitarbeitern ein Sommerfest auf dem Außengelände einer Flüchtlingsunterkunft organisiert. Es war schön und gut. Es gab viele Gespräche zwischen den Kulturen und künstlerische Darbietungen auffällig hohen Niveaus. Die Würste, das Brot und die Getränke waren kostenfrei, sollten aber im Festzusammenhang konsumiert werden. Es war dann zu beobachten, dass bestimmte Untergruppen wohlorganisiert waren. Zunächst wurde eine Wurst auf dem Teller zu einer kranken Frau ins Haus getragen, dann wurde ein Kasten Getränke weggetragen und schließlich ein Teller mit unüberschaubar vielen Würsten. Es war also erforderlich, das Fest über Eingriffe in diesen Ablauf und Gespräche zu retten. Das ist dann auch gelungen. Es gab genügend Flüchtlinge, die so einen destruktiven Selbstbedienungsladen auch nicht wollten und sich entsprechend eingebracht haben. Der Gesprächsrahmen reichte aus, um den Konflikt gut zu bewältigen. Ob so oder so, etwas Tafel ist immer und alle Beteiligten lernen daraus.

Dumme Angewohnheit

Es ermüdet, wenn man alle seine dummen Angewohnheiten auflistet. Und erhellend ist es auch nicht. Deshalb beschränkt ich mich gern. Nach dem Duschen gucke ich stets durch das geöffnete Fenster. Ich blicke auf eine Hauswand an deren Ende unter anderem eine Bushaltestelle mit einem Zigarettenautomat zu sehen ist. Heute stand am Zigarettenautomat ein gepflegter Mann in Wohlfühlhose und passendem Hoody. Er wartete offenbar auf Zigaretten. Er wartete vergeblich. Er bediente deshalb irgendwelche Schalter, die ich nicht einsehen konnte – und wartete weiter. Auch das war wohl vergeblich. Dann suchte er etwas in seiner Geldbörse, um damit umständlich eine passende Stelle in dem Automaten zu finden. Nach einer Wartezeit ging er wieder zur Geldbörse über, um danach diverse Knöpfe zu drücken und die Ausgabe zu inspizieren. Ich hätte mich schon längst abtrocknen können, befürchtete aber, etwas zu verpassen.

Ich habe unlängst gehört, dass die Bedienung eines Zigarettenautomaten viel komplizierter geworden ist, als je zuvor. Und ich las, dass über 50% aller Zigarettenautomaten der EU in Deutschland stehen. Offenbar wir dem deutschen Raucher viel zugemutet und aber auch zugetraut. Offenbar beobachtet ich einen Kandidaten, der nicht als Wunschkandidat der Zigarettenindustrie gilt.

Und dann habe ich mich doch abgetrocknet. Plötzlich war er weg. Mit welchem Ergebnis, das kann ich also nicht sagen.

Winterspiele XL

Es gibt viele Schrauben, um die Vielfalt der Sportarten aufzublasen. Man kann neue Sportarten erfinden und in den olympischen Ablauf aufnehmen, durch Strecken- und Technikdifferenzierungen nahezu beliebig Wettbewerbe neu ins Leben rufen und vieles mehr.

Jetzt hat man sich auch an den Siegerehrungen zu schaffen gemacht. Man hat sie optisch und in der Beachtung aufgewertet und dazu die Medals Plaza geschaffen, damit den Sportlern die verdiente Ehrung im gediegenen Ambiente zuteil wird. Die perfekten Fernsehbilder sind eine selbstverständliche Dienstleistung der Olympiaindustrie. Für jeden Medaillensatz flimmert das gleich mehrmals durch die Sportsendungen und dann auch noch durch die jeweiligen Nachrichtensendungen. Das ist aber noch nicht alles. Weil die Sportler meist einen ganzen Tag auf die offizielle Ehrung warten müssen, gibt es unmittelbar nach dem Wettbewerb noch eine kaum weniger aufwändige „flower ceremony“, die sich allerdings bei den gerade laufenden olympischen Winterspielen als Kuscheltierzeremonie entpuppt, weil Blumen zu empfindlich sind. Jeder weiß ja, dass es in den reichen Industrieländern einen extremen Überschuss an Kuscheltieren gibt. An Kindergeburtstagen schließen Eltern mittlerweile kategorisch Kuscheltiere als adäquate Geschenke aus. Unlängst hat man in den Niederlanden tausende von Flüchtlingskinder auf den Rasen eines Fussballstadions eingeladen, um sie von der Tribünen aus mit abertausenden von Kuscheltieren zu bewerfen. Diese menschenverachtende Entsorgung wurde auch noch als Hilfe für Flüchtlinge inszeniert. Ich denke nun mit Schrecken daran, wie die Olympiasieger vergeblich versuchen, eine Beziehung zum Kuscheltier zu gestalten und die Kinder in ihrer Lebenswelt ihnen nur skeptisch begegnen, weil sie damit rechnen müssen, grundlos beschenkt zu werden.

Es hat sich so eingebürgert, dass die Medaillengewinner auch von Fernsehstudio zu Fernsehstudio eingeladen und dort dann auch noch beschenkt werden. Dabei gibt es angemessene Geschenke, wie zum Beispiel eine Kalligraphie mit dem Namen auf koreanisch. Aber es gibt auch fürchterlich sinnlose Geschenke. Beim ZDF bekommen die erwachsenen Olympioniken tatsächlich ebenfalls Kuscheltiere – wahrscheinlich hergestellt in Bangladesch mit einem eingenähten Fähnchen, das das  Senderlogo zeigt.  Okay das letze habe ich mir gerade ausgedacht. Es würde aber ins Bild passen.

Christbaumständer 2.0

Wohnungen sollten verstärkt mit einem Deckenchristbaumständer und integriertem Stromanschluss ausgerüstet werden. Dadurch würde für den Vermieter der Mietwert erhöht und der Mieter könnte in der Christbaumzeit die Bewegungsflächen im Wohnzimmer erhalten, den Baum für Hunde aus der Schusslinie nehmen und insgesamt optimal gegen Weihnachtsbaumunfälle vorbeugen. In vielen überbelegten Wohnungen der Großstädte würde mit dem Deckenchristbaum die winterliche Balkonübernachtung sogar vermieden werden können.

Bundesministerin Hendricks kündigt in der Bundespressekonferenz ein entsprechendes Förderprogramm an. Es soll mit dem Leitsatz „arm gegen ärmer“ ein Zeichen gesetzt werden.

In den Wind gefurzt

Das Wetter ist vor allem dann wichtig, wenn man es im Voraus kennt. Insofern hat die Meteorologie eine unübersehbare Anwendungsseite. Während bei anderen Wissenschaften gern gefragt wird, warum das gut sein soll, ist das in diesem Fall unmittelbar einleuchtend.

Man vertraut weder den Wolken noch dem Ostwind und will oft mehrmals täglich über das anstehende Wetter informiert werden, gern in meteorologischen Begründungszusammenhängen. Begründungen sind nachhaltiger als schnöde Behauptungen, auch wenn das Wetter bald Geschichte sein wird. Das Wetter von gestern interessiert nur Kriminologen und Meteorologen selbst.

Die Meteorologen versuchen sich durch ihre Erscheinung und eine dramatische und bunte Aufbereitung von den Mitmeteorologen zu unterscheiden und beim Publikum in Erinnerung zu bleiben. Im Fernsehen sind dazu die Bedingungen ideal. Man kann dort viel mehr machen, als das Wort Donner mit laut zitternden Stimme zur Geltung zu bringen.

Nun fällt es aber auch den Meteorologen schwer, die Komplexität des Wetters an den Kunden zu bringen, dem als Laie ja der Fachzugang verschlossen bleibt. Der Meteorologe wird deshalb häufig Verbindungsstück zur Volksmeteorologie formuliert, die aber daran scheitern, dass sie nur scheinbar die Wetterwelt der Experten transportieren.

Sie bemühen die Eisheiligen und schieben ihnen Forschungsergebnisse unter und zitieren ausgewählte Bauernweisheiten, die wissenschaftlich verifiziert sein sollen. Sehr beliebt ist in diesem Zusammenhang das Reden vom „Starkregen“, der als meteorologische Größe verkauft wird. Es ist, um im angemessenen deutschen Sprachgebrauch zu bleiben, einfach nur starker Regen. Man bastelt, wenn nachgefragt wird, sogar exakte Definitionswerte. Dabei ist das Wetter ganz schnell weltweit unterwegs und lässt den mitteleuropäischen „Starkregen“ anderenorts beispielsweise als asiatischen „Schwachregen“ erscheinen. Ganz bitter sind die meteorologischen Jahreszeiten. Mittlerweile sich wird der Sommer gar zweifach gehandelt. Sommeranfang ist am 21. Juni und dann aber ebenfalls am 1. Juni. Dahinter steckt das Folgende: Die Meteorologie verarbeitet unendlich viele Daten und bündelt sie monatsweise. Es wäre heutzutage computertechnisch überhaupt kein Problem, die Daten auch nach Jahreszeiten zu bündeln. Man tut das aber nicht und erzählt dem Wetterfan, es gäbe einen meteorologischen neben dem kalendarischen Jahreszeitenanfang.

Zur Rückgewinnung eines akzeptablen Niveaus der Wetterberichterstattung sehe ich nur noch eine Möglichkeit, nämlich den Wetterbericht in Reimform. In der wissenschaftsdidaktischen Forschung hat man festgestellt, dass sich gerade Erkenntnisse mit hohem Wissenschaftsanteil vor allem dann an den Bürger bringen lassen, wenn der Vermittler sich der Mühe unterzieht, die Inhalte in Reimform zu fassen und erst dann vorzutragen.

Leider hat der Zeitungsausschnitt keine Quelle mehr. Ausnahmsweise müsste es so gehen …

siehe auch Weniger Wetter ist mehr

Adventskalender 3.0

Der Adventskalender verankert den Menschen in einem Zeitablauf, der unweigerlich auf ein geschätztes Ereignis zielt. In diesem Fall ist es das Weihnachtsfest. In den Anfängen des Adventskalenders gab er vor allem Kindern eine Orientierung im Zeitablauf und stimmte mit sehr einfachen Bildchen auf Weihnachten ein.
Irgendwann hat die Zuckerindustrie den Adventskalender auf ihre Seite gezogen, um die Kinder mit Zucker und Schokolade zum überhöhten Preis abzufüllen. Die Adventskalender wurden industriell bunt und so schlecht gemacht, dass man bei seitlichem Blick durch ein geöffnetes Fensterchen im transparenten Innenleben die noch nicht zugänglichen Schokofiguren bereits sehen konnte. Aber eine Überraschung waren die Schokofiguren gleicher Machart nicht, obwohl doch die „Überraschung‟ zum Schlüsselwort für die Begehrlichkeiten von Kindern aufgestiegen war. Schließlich haben die Spielzeugindustrie und die Kosmetikindustrie den Markt der Adventskalender entdeckt und Marktanteile hinzugefügt, ohne dass die Zuckerindustrie erkennbar darunter gelitten hat. Denn es etabliert sich ein Trend zum Zweit- und Drittadventskalender. Jedenfalls berichten Lehrer gern, dass im Dezember die meisten Schüler dank ihrer Adventskalender gut abgefüttert sind.
Jetzt ist der Adventskalender pervertiert. Er ist ein Onlinewerbemittel für alle Generationen, das in einer Serie 24 mal angeboten wird. Der Tattoounternehmer verlost unter der Überschrift Adventskalender jeweils an den zusammenhängenden 24 Tagen Tattoos und ein Nikolaus ist nicht einmal dabei. Ein Jugendamt informiert schon einmal über 24 Ferienaktionen für den Sommer unter der sinnlosen Überschrift Adventskalender und mancher Musiker bietet 24 seiner Lieder für jeweils nur einen Tag zum kostenlosen Download an. In der geizigen Ausprägung reduziert sich das kostenlose downloaden dann auf 4 Lieder, jeweils zu den Adventssonntagen.
Adventskalendergewinnspiele prägen die Vorweihnachtszeit, wie die gleichförmigen Weihnachtsmärkte mit ihren Serienbuden und den endlosen LED-Lichterketten.

Vom ursprünglichen Adventskalender ist also nichts geblieben. Man sollte das spätestens dann bedauern, wenn die Werbung den Kalender mit ihrer Trittbrettfahrerei gänzlich aufgefressen hat. Es bleiben aber doch vielfältige Möglichkeiten, den Adventskalender neu zu erfinden.