Eine neue Challenge!?

Das geht doch fast alles nur über die sozialen Medien.

Eine Fernsehmoderatorin die ich nicht kenne, hat heimlich ihre Haare zu einem vermeintlich hübsches Grau renaturiert. Sie soll Birgit Schrowange heißen. Nun bietet sich für die Fachzeitschriften zum Thema der „Schönheit Prominenter“ augenscheinlich ein Vergleich an. Mit nur zwei Portraitbildern, die vorher und nachher benannt sind, kann man sofort belegen, dass das vorher mit dem künstlichen, dunkelblonden Einerlei, einfach fies aussieht. Während das luftige Grau schon im Blick der Protagonistin reine Freude vermittelt. Nicht umsonst ist das Malen grauer Töne so eine große Kunst, dass gerade der Künstler dazu alle Farben seiner Palette benötigt. Es gibt also nichts bunteres als das Grau von Helgoland im Nebel. Die glückliche Gegenwart ist stets das Ergebnis einer Befreiung von alten Bildern, wenn man schnelllebig ausgerichtet ist. Davon lebt das benannte Pressegenre, das jeden auffordert, seine Senftöne dazu zu geben. Jeder hat schließlich irgendwo Haare. Selbst wenn er ausnahmsweise keine hat, sind die Haare sein Thema. Jede Aufmerksamkeit, jeder Klick hilft dem Medium und erhöht die Kundenbindung.

Die Stellungnahmen werden in den sozialen Medien herangefüttert, weil sich dort große Mengen ohne hohe Qualitätsansprüche am ehesten bewältigen lassen. Die Beiträge rattern nur so durch. Man muss sich um sie auch nicht kümmern, weil sie schnell im See geschriebener Worte untergehen. Es ist mühsam, sich im Grab gleichförmiger Stellungnahmen zu bewegen. Aber das Interesse, Stellung zu nehmen bleibt groß und scheint sich sogar zu verselbständigen.

Ganz selbstlos fällt mir dabei ein, dass sogar auch bei mir weniger mehr ist, wenn es um die Haare geht. Und ich kann das auch mit zwei Fotos belegen. Es war wirklich schlimm, wie ich damals ausgesehen habe.

Ich rufe eine Challenge aus und nominiere dich, dich und den da – ja, ihr seid gemeint – innerhalb einer Woche euren Challengebeitrag nach meinem Muster in meinem Facebook zu posten und eurerseits dann auch drei Kandidaten zu benennen, die selbst vielleicht noch gar nicht wissen, dass sie mal scheisse ausgesehen haben. Ich lese gerade, dass Daniela Katzenberger – die ich kenne – für sich selbst gerade ein fiktives Grau für die Zukunft, angelehnt an die Schrowangevorlage, aber durchaus eigenständig, am bevorzugten Ort der öffentlichen Beachtung platziert. Wie geil ist das denn!

Selbst die sonst oft so ernsthaft ausgerichtete Presse nimmt sich übrigens der Entfärbung ins bunte Grau an. Der Tagesspiegel bemüht sogar die Alterspyramide, um zu belegen, dass Frau Schrowange die guten Argumente fehlen. Das ist weit mehr als boulevardesk und hat mich veranlasst, wie folgt Stellung zu beziehen, weil es mich ja auch angeht:

„Optische Qualitätsurteile“ gibt es nicht. Bestenfalls gibt es Qualitätsurteile, die sich auf das Aussehen beziehen. Aber auf das Aussehen, wenn das gemeint ist, bezieht sich auch der ganze Kommentar. Es geht ja schließlich um den farblichen Anschein. Es ist etwas zwanghaft, die Alterspyramide zu bemühen, um das Grau als Einfalt der Ü-30er zu begründen. Selbst der Profientfärber hört in der Ausbildung wohl nichts über die Alterspyramide.

Zudem ist das alles nur eine Challenge, an der ich mich gern beteilige.

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