Der Islam gehört zu Deutschland – oder nicht

Das Verb zugehören ordnet irgend etwas einer Hauptsache zu. Dabei ist die Intensität der Zugehörigkeit zunächst so undeutlich, dass sie alles und nichts bedeuten kann. Es kann ebenso eine leidenschaftlich phantasierte innigste Verbundenheit sein wie die zwischen Veronika Fischer und einem ihr unbekannten Fan, eine eher zufällige Gleichzeitigkeit von Urwald und Zivilisationsmüll auf einem Foto oder eine Verbundenheit, die so stark ist, dass die Hauptsache ohne irgend etwas bestimmtes überhaupt nicht leben kann, wie der Mensch ohne Herz, und vieles mehr.
Es bedarf also eines Diskurses, um die jeweils spezifische Verbundenheit auszuleuchten, damit der Hörer in etwa versteht, was der Sprecher sagen will.
Nun kann man eine Zugehörigkeit als Ergebnis eines Diskurses nachvollziehbar feststellen. Mehr Aufmerksamkeit erreicht man aber, wenn man einfach mal so eine Zugehörigkeit behauptet und über eine Kunstpause offen lässt, ob man diese Zugehörigkeit überhaupt begründen will. Man kann dann den ausgesparten Diskurs nachschieben, oder aber mit dem provozierten Widerspruch kalkulieren, der die Beachtung meist noch erheblich steigert. Man kann das dann, wie einen notgedrungen beachtenswerten Furz so stehen lassen, oder über lockere Diskurselementchen die Absicht noch einmal unter die richtige Lampe stellen. Dabei kann es um die Sache selbst gehen. Meistens geht es aber um eine Selbstpräsentation der Art: „Sooo habe ich das nicht gemeint, sondern …“
Ich schlage vor, beispielsweise den nach jeder Runde wieder auftauchenden Satz: „Der Islam gehört zu Deutschland!“, durch Nichtbeachtung aus dem Rennen zu nehmen und stattdessen immer dort, wo Deutschland und Islam sich begegnen, erst einmal „Guten Tag … “ zu sagen.

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