Aus nackten Sommern

Jetzt ist wieder die Zeit für den nackten Oberkörper. Und ich muss sagen, dass es unter der Sonne und bei Anstrengungen eine  Befreiung ist, wenn man auf ein verschwitztes Hemd verzichten kann. Nun ist es allerdings so, dass ich mit nacktem Oberkörper immer sehr, sehr stark angeguckt werde. Das ist mir unangenehm. Es liegt wohl daran, dass man bei mir auch dann kein Tattoo findet, wenn man einmal vollständig um mich herum läuft.

Hier ein qualitativ zweifelhaftes Szenenfoto in brütender Hitze irgendwo an der Donau im Jahr 1992 …

Das erinnert mich etwas an die 90er Jahre. Damals war eine Mitarbeiterin in ihrer Lebenswelt die erste, die eine kleine Rose verschämt auf der linken oberen Gesäßhälfte alt Tattoo trug. Ich weiß das so genau, weil darüber lange diskutiert wurde und anschließend die Mitarbeiterin mit vielen Kolleginnen zur Toilette verschwand, um das Tattoo ungestört vorzeigen zu können. Danach ging die Diskussion weiter. Ich habe mich damals schon gefragt, was es für einen Sinn haben soll, wenn ein Tattoo nicht öffentlich sichtbar ist, zumal dann, wenn man das Tattoo selbst nur mit einem Spiegel sehn kann. Ich lasse mich gleich mal von Kindern anmalen, dann habe ich hoffentlich die Beachtung, die mir zusteht – für eine ungeheure Schönheit.

Wir werden von Stofftieren überrollt!

Mit den Stofftieren ist es ja so, wie es völlig zu Unrecht über Flüchtlinge behauptet wird: Es gibt zu viele davon. Familien verfügen regelmäßig über ein Kuscheltierghetto. Nur wenige Kuscheltiere schaffen es mit ihrem herausragenden Charakter und ihrer makellosen Beschaffenheit bis ins Kinderzimmer, es bleiben eben die schönen und gesunden. Anstatt alle anderen fachgerecht zu entsorgen

fachgerecht entsorgtes Kuscheltier

oder bereits an der Grenze abzuweisen, sickern sie durch, bis in die Familienhängematten. Mittlerweile treten viele naive und gutmütige Helfer auf den Plan, die ungeprüft behaupten, hier oder dort gäbe es einen Mangel an Kuscheltieren und ebnen den Weg zur Edelentsorgung der Kuscheltiere aus den Ghettos. Und die Kuscheltierempfänger sind stets so sehr vom inszenierten Lovebombing überwältigt, dass sie nicht einmal adäquat den Edelsondermüll ablehnen können und auch erst auf den zweiten Blick erkennen.

Das alles ist nichts anders als die Entsorgung des Zuckers über Süßigkeiten, zwischengelagert in Omas Schublade.

Eine Begebenheit zeigt, wie verlogen der ganze Kuscheltiertourismus wirklich ist:
In ein Fußballstadion in den Niederlanden – so wurde im letzten Jahr berichtet – wurden irgendwie als benachteiligt ausgewählte Kinder eingeladen. Dann haben irgendwelche Menschen massenweise Kuscheltiere auf die diese Kinder geworfen.

Es gibt sehr wohl Kuscheltiere, zu denen man eine Beziehung gestaltet – aber nicht auf diesem Weg.

Offenbar taugt das zur Serie. Es passiert nun auch anderen Orten und bei anderen Sportarten …

Adventskalender 3.0

Der Adventskalender verankert den Menschen in einem Zeitablauf, der unweigerlich auf ein geschätztes Ereignis zielt. In diesem Fall ist es das Weihnachtsfest. In den Anfängen des Adventskalenders gab er vor allem Kindern eine Orientierung im Zeitablauf und stimmte mit sehr einfachen Bildchen auf Weihnachten ein.
Irgendwann hat die Zuckerindustrie den Adventskalender auf ihre Seite gezogen, um die Kinder mit Zucker und Schokolade zum überhöhten Preis abzufüllen. Die Adventskalender wurden industriell bunt und so schlecht gemacht, dass man bei seitlichem Blick durch ein geöffnetes Fensterchen im transparenten Innenleben die noch nicht zugänglichen Schokofiguren bereits sehen konnte. Aber eine Überraschung waren die Schokofiguren gleicher Machart nicht, obwohl doch die „Überraschung‟ zum Schlüsselwort für die Begehrlichkeiten von Kindern aufgestiegen war. Schließlich haben die Spielzeugindustrie und die Kosmetikindustrie den Markt der Adventskalender entdeckt und Marktanteile hinzugefügt, ohne dass die Zuckerindustrie erkennbar darunter gelitten hat. Denn es etabliert sich ein Trend zum Zweit- und Drittadventskalender. Jedenfalls berichten Lehrer gern, dass im Dezember die meisten Schüler dank ihrer Adventskalender gut abgefüttert sind.
Jetzt ist der Adventskalender pervertiert. Er ist ein Onlinewerbemittel für alle Generationen, das in einer Serie 24 mal angeboten wird. Der Tattoounternehmer verlost unter der Überschrift Adventskalender jeweils an den zusammenhängenden 24 Tagen Tattoos und ein Nikolaus ist nicht einmal dabei. Ein Jugendamt informiert schon einmal über 24 Ferienaktionen für den Sommer unter der sinnlosen Überschrift Adventskalender und mancher Musiker bietet 24 seiner Lieder für jeweils nur einen Tag zum kostenlosen Download an. In der geizigen Ausprägung reduziert sich das kostenlose downloaden dann auf 4 Lieder, jeweils zu den Adventssonntagen.
Adventskalendergewinnspiele prägen die Vorweihnachtszeit, wie die gleichförmigen Weihnachtsmärkte mit ihren Serienbuden und den endlosen LED-Lichterketten.

Vom ursprünglichen Adventskalender ist also nichts geblieben. Man sollte das spätestens dann bedauern, wenn die Werbung den Kalender mit ihrer Trittbrettfahrerei gänzlich aufgefressen hat. Es bleiben aber doch vielfältige Möglichkeiten, den Adventskalender neu zu erfinden.

Liebe Kinder des Zauberwürfels …

…  der Markt für Fidget Spinner ist gesättigt und die Reste blockieren die Lager der Einzelhändler.

Jetzt, wo die hypebegleitenden Versprechungen eines therapeutischen Nutzens auch dahin ist, bietet es sich an, sie als Überbrückungsgabe zum Warten auf den Tod einzusetzen – wenn sie nicht ohnehin schon immer Überbrückungsgaben waren.

Ihr habt nicht mehr so sehr lange zu leben.

Laborgedanken: Ein Traum wird wahr

Erst war da der Traum: Ich fliege endlos im Naturschutzgebiet über den türkischen Präsidentenpalast und werfe von oben ebenso endlos Schlachtabfälle von Schweinen ab.

Ich brauche mich Gottzeidank dafür nicht zu entschuldigen, denn der Traum ist entgrenzt und selbst für mich außer Reichweite. Ich wohne am linken Niederrhein. Ob der Traum in der Türkei erlaubt ist, trifft mich also noch nicht existenziell.

Hermann Hesse hat ja seinerzeit gesagt, dass niemand träumt, was ihn nicht angeht. Hätte er Recht, wäre die Verantwortung für die eigenen Träume zumindest nicht ganz von der Hand zu weisen.

Und da kommt mir ein zweiter String in den Sinn: Nicht nur mich treibt die Frage, wie man den despotischen Operettensultan Erdoğan in die Welt der lebenden und verletzlichen Menschen zurückholen kann, um seine Widersacher, aber auch seine folgsamen Vasallen zu befreien. Ich zähle einmal auf, was mir dazu einfällt. Gegen Ende stellt sich eine gewisse Ratlosigkeit ein:

1 freundliches Gespräch führen
2 diplomatische Kontakte spielen lassen
3 öffentlich Tacheles reden
4 grenzüberschreitende aufklärerische Satire inszenieren
5 Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit einklagen
6 wirtschaftliche Sanktionen durchführen
7 einmarschieren (Tabuzone)

Jetzt nehme ich meinen Traum zum Anlass, einen weitern Vorschlag zu konzipieren, der bei Raketenstufe 4 angesiedelt ist.

Das Schwein (ibne) ist ja für den strengen Moslem Erdoğan der Inbegriff des fiesen, dem es auf dem Weg zu gehen gilt. Seinerseits ist das Schwein deshalb auch immer für eine Vertreibung gut. Die Vorbehalte gegen das Schwein kenne ich von einem türkischen Schiffskoch, der in der eher christlichen Seefahrt massenweise Schweine verarbeitet hat und nun in seinem Restaurant hier in der Nähe zum Ausgleich ganz bewusst auf Schweinefleisch verzichtet. Man könnte mit herabfallenden Schweinen irgendwie symbolisch, aber auch faktisch, die Vertreibung Erdoğans aus dem Paradies der 1000 Zimmer vorantreiben.

Weil ich ethische Bedenken habe, das Schwein persönlich für so etwas zu instrumentalisieren, weiche ich jetzt auf das Glücksschwein aus, das nebenbei noch signalisiert, dass es mit viel Glück nur noch besser werden kann. Ich stelle also eine Armee der Art Fremdenlegion aus Glücksschweinen auf, die dann der Waffengattung Luftlandetruppen zugehörig sind. Jedes Glücksschwein wird mit einer Botschaft – was ich Herrn Erdoğan immer mal sagen wollte – und einem niedlichen Fallschirm ausgestattet. Ich lasse mit von Kim (dä Jung) einen ausgemusterten Flugkörper schenken, weil es sich ja um eine gute Sache handelt. Dann lasse alle Glücksschweine vor der zusammengerufenen Weltpresse bei gutem Wetter über dem Präsidentenpalast abspringen. Das wird ein großes Hallo, und alle Welt weiß, dass Erdoğan dem Schwein das Wasser nicht reichen kann und als Wurst der Weltgeschichte endet. – Na, okay – das Konzept muss noch etwas im Detail ausgearbeitet werden. 

Man sieht jedenfalls schon, dass Träume nicht so ganz sinnlos sind.

Weg mit den Nichttextfloskeln!

Dieses Foto hat sich ziemlich autonom pixelweise transformiert.

Stell dir vor, du schreibst einen Text über das Impfen oder die Drogensucht. Dann brauchst du ein Bild, das symbolhaft dein Thema auf den Punkt bringt, ohne dass du nun eine konkrete Person mit der Spritze zeigst. Jeden bedeutende Text soll in der heutigen Zeit zumindest ein Bild zugeordnet sein.

Nun ist es aber das Problem, dass solche Bilder, die kurz vor der Verletzung des Körpers angesiedelt sind, nie so ganz wirkungslos sind, es sie aber hunderttausendfach gibt und sie auch nicht wirklich originell sind. Sie sind nie das Ergebnis einer fotografischen Glanzleistung. Sie tragen zum Thema eigentlich nichts bei.

Ich kann solche Bildschablonen einfach nicht liebgewinnen. Ich will diese bescheuerten Bilder einfach nicht mehr sehen!

Es sind Nichttextfloskeln.

Alaaf und Helau

Der Karneval ist ja immer ein guter Zeitpunkt, die Rivalität zwischen Köln und Düsseldorf auf die Spitze zu treiben.

Nachdem ich gestern im Brauhaus in der Kölner Südstadt war, möchte ich nun die Rivalität etwas anheizen.
Einer der Gäste hatte einen Schal, auf den Helau zu lesen war. Es gab rund herum nur ein müdes und weitgehend verstecktes Grinsen, keine Strangulierung, kein Hausverbot, einfach nichts.
Und dann habe ich mir Senf bringen lassen. Auf dem Senftöpfchen stand „Düsseldorfer Löwensenf“. Der Name war nicht einmal notdürftig überklebt. Niemand zerlegte das Interieur. Niemand bestellte einen Notarzt, um bei Unverträglichkeiten zu meinen Gunsten hätte einschreiten können.
Nun ja, dann hätte ich auch gleich ein Alt bestellen können, was ja angeblich auch zu Tumulten und Sanktionen führen soll.
Ich glaube fast, die Düsseldorfer sind den Kölnern nicht unähnlich.

Liebe Kinder

Liebe Kinder,
es ist von Jahr zu Jahr das gleiche Problem.

Eure Eltern erweisen sich nicht als lernfähig und verweigern euch die schönsten Weihnachtsgeschenke, mit den ihr euch in bunten Farben die Macht über irgendwelche Welten aneignen könnt. Die Eltern sind in der heutigen Zeit ja wirklich sehr stark zurückgeblieben und schaffen es nicht einmal bis zu den leuchtenden Essstäbchen für ihr eigenes Heiligabendsushi.

Es ist hart, aber irgendwann müsst ihr lernen, wie es auch ohne Eltern geht. Am besten fängt ihr sofort damit an. Dazu habe ich auch eine großartige Idee. Ihr baut euch das verweigerte Lichtschwert einfach selbst. Ich habe es für euch ausprobiert.

Ihr blast einen ziemlich langen Luftballon ziemlich prall auf und zieht dessen Öffnung ganz schnell über eine passende kleine LED-Taschenlampe und schon zerteilt ihr in Windeseile den Wohnzimmerschrank und dirigiert eine Feuerwalze, die alles Böse in Schutt und Asche legt, insbesondere zum Fest die Klamottenersatzgeschenke der Großeltern.

Ich wünsche euch trotzdem ein total cool es Fest mit Grippe und so …

the famous Ali Gator