Kunst abseits der Metropolen

Kunst und Kultur haben für mich eine herausragend Bedeutung, weil sie Selbstverständlichkeiten mit weiterführenden Blickwinkeln ausstatten, ohne mich zu belehren und mich letztlich schadlos entführen.
Die Szene der Veranstalter von kulturellen Ereignissen konzentriert sich nicht nur auf Metropolen, sondern ist auch außerhalb der Städte in bemerkenswerter Qualität zu finden.
Jede Kommune hat ja ihr Kulturamt. Und wenn es nicht zum eigenen Theater reicht, wird doch stets versucht, ein Kulturprogramm zusammen zu kaufen. Mancher Kulturreferent hat ein Händchen dafür, seinen finanziellen Spielraum und seine Ambitionen in der Kooperation mit Agenturen zu hochwertigen Programmen zu verdichten.
Ich berichte hier gern einmal über das Kleinkunstprogramm der Kultur GmbH in der Stadthalle Erkelenz, ein Betrieb der Stadt, der die Aufgaben des Kulturamts ausfüllt.
Da sitzen rührige Leute, denen die Arbeit offensichtlich Spaß macht. Die Stadthalle, die den Charme aller Multifunktionshalle hat, wird passend zum Ereignis hergerichtet, meistens mit einzelnen, runden und durchnummerierten Tischen mit Kerzen, im Eingangsbereich gibt es Getränke und häufig steht auch noch ein Foodtruck vor der Tür. Das alles macht die Halle zum Erlebnisraum. Parkplätze gibt es reichlich und das ganze ist sogar aus benachbarten Städten schneller zu erreichen, als so manche Bühne in Innenstadtlagen. Im Moment läuft beispielsweise eine Kleinkunstreihe, die mir sehr gut gefällt. Service und Preise sind gut und günstig. Man fühlt sich frei, Abweichungen vom Mainstream mit Gewinn aufzunehmen.
Ich empfehle also dringend die Kultur aus dem eher ländlichen Bereich, auch wenn die an den Finanzen orientierten Kulturpolitiker das aus anderen Orten anreisende Publikum nicht gern sehen. Aber wir kennen das ja aus der Weltpolitik: Protektionismus führt zur Verarmung.
Ein weiteres Highlight der Kultur dieser ist im übrigen die Open-air-Arena der Burg Wilhelmstein in Würselen in der auch ein mitgebrachtes Picknick gern gesehen ist. Da ist bald wieder blind date …

So ein Theater

Landauf, landab versuchen DITIB-Gemeinden, die sich immer ungenierter als verlängerter Arm des türkischen Präsidenten Erdogan hervor tun, das Theaterstück „Son Kale Türkiye“ zur Aufführung zu bringen. Offenbar glorifiziert das Stück die hinlänglich bekannten Deutungen Erdogans rund um den gescheiterten Putsch gegen ihn im letzten Jahr.

Meistens kommt es jedoch erst gar nicht zur Aufführung, weil die Betreiber der ausgewählten Bühnen der vermittelten antidemokratischen Weltsicht kein Sprachrohr liefern wollen. Rein rechtlich gibt es allerdings keine Bedenken. Kunst und Kultur sind frei. Was ein gutes Theaterstück ist, weiß man auch nur, wenn man mit Gewinn auch ein schlechtes gesehen hat.
Als bekennender Freund schlechter Stücke und auch schlechter Inszenierungen bin ich entschieden auch für die Aufführung dieses Stückes. Es fällt in den Bereich der Toleranz und Vielfalt, die das demokratische Gemeinwesen prägen. Es wäre allerdings sinnvoll, den Aufführungen jeweils eine Pressevorführung vorzuschalten, damit die Auseinandersetzung zum Stück auch öffentlich stattfinden kann. Sonst bleiben eben nur die Theaterbesucher mit Fanschals und Fähnchen unter sich, die überhaupt nicht daran denken mögen, was da alles kontrovers gedeutet werden könnte. Ich würde mir das Stück auch mal gern ansehen. Es ist doch sicherlich zweisprachig!?

Lack ab und OBsolet

Gestern war ich mal wieder in Oberhausen.

Ich bin dort bedingt einheimisch.

Deshalb habe ich eine überzogene Sensibilität für die Lebenswertigkeit und Liebenswürdigkeit dieser Stadt.

Ich war abends in der Luise-Albertz-Halle und habe mich mit Herbert Knebels Affentheater und ein paar Freunden amüsiert. Das Affentheater wirkte weit über den Einsatz der gitarrensaitige Massachusetts-Klemme hinaus.

Die Halle ist ein Zweckbau der 60er Jahre und wird gnadenlos als „gute Stube“ der Stadt angepriesen, obwohl sie schon bald nach der Fertigstellung zum bundesweit führenden Zuschussgeschäft dieser Art wurde. Heutzutage ist es ein Hohn, die aus der Zeit gefallene Halle als gute Stube zu bezeichnen. Aber es wird trotzdem gern gemacht. Die Vielzweckoptimierung erlaubt alles, aber nichts so richtig. Die Gemütlichkeit einer guten Stube ließ und lässt sich hier auf keinen Fall vermitteln. Man sieht es dem Haus an, dass es nicht wirtschaftlich betrieben werden kann. Man kann sich allerdings mit dem Bühnenprogramm ablenken. Ab und zu ist der große Saal also voll, während der weit überwiegende Rest des Hauses künstlich umnachtet überdauert.

Bei der Anfahrt habe ich als Anführer eines Konvois einen Fehler gemacht und das benachbarte Parkhaus angesteuert. Was in anderen Städten zum Wohl des Besuchers wirksam entschärft ist, trifft den Konzertbesucher in Oberhausen an dieser Stelle knochenhart: Um die Fahrzeuge nach der Veranstaltung auszulösen, bildete sich in Kälte und Feuchtigkeit eine dichte Menschenschlange von 80 Metern, die sich dann über eine Stunde so langsam selbst unter den Augen herumstehender Sicherheitsarbeiter abarbeitete. Ich habe so etwas anderenorts bei keinem Theater- oder Konzertbesuch erlebt. Meist sind solche Parkplätze sogar anlässlich einer Veranstaltung schrankenlos und kostenfrei, selbst dann, wenn sie ein kulturferner Eigentümer betreibt

Ja, Oberhausen, das wird wohl nichts mehr!

Dabei gibt es dort ein Publikum, das sachkundig den Humor des westlichen Ruhrgebiets nicht nur versteht, sondern selbst auch hervor bringt. Herbert Knebels Affentheater hätte in anderen Gegenden der Republik arg zu knacken. In Oberhausen ist das wohltuend anders.

Wie ich höre, muss aus Kostengründen demnächst ein AfD-Parteitag in der guten Stube veranstaltet werden.

Aber ich bin ja schon längst auf der Autobahn …

Luck up! & Glück auf!

 


Aktuelle Ergänzung:

In Oberhausen veranstaltet die AfD einen Parteitag in der Luise-Albertz-Halle.
Ein Protest gegen die AfD ist vorbereitet, aber in diesem speziellen Fall nachrangig.
Die mit der Stadtpolitik verbandelte Geschäftsführung der Halle hat einen Vertrag mit der AfD abgeschlossen! Ziel einer Protestkundgebung muß nach meinem Verständnis diese Geschäftsführung sein.
Solche Proteste gegen die AfD wirken wie eine Konfektionsware, man verzichtet auf ein passgenaues Finish.


Aktuelle Ergänzung II:

Der öffentlich Druck wirkt. Armselig ist es, dass die Geschäftsführung der Halle noch eine Arbeitsanweisung beim Hauptausschuss  bestellt, nachdem sie zuvor der AfD ein Mietangebot gemacht hat, das auch angenommen wurde. Solche Spiele sind Aufwind für die Rechtsradikalen!

Und nun offenbaren die Hallenverantwortlichen, dass sie nicht wissen, was unter dem entscheidenen juristischen Aspekt ein Vertrag ist. Es sind zwei übereinstimmende Willenserklärungen (die ja offenbar vorliegen). Ein Anspruch auf Erfüllung des Vertrags ist dann eigentlich eindeutig und kaum zu vermeiden. Ich bin gespannt!

 

Wir verkleiden uns doch alle

„Kleider machen Leute“ – das ist die Novelle von Gottfried Keller, in der der Zufall Regie führt. Ein bettelarmen Schneider ist gut gekleidet, weil das zu seiner Profession gehört. Und schon nimmt das Verhängnis seinen Lauf, weil er ja dem Anschein nach nur eine hochgestellte Persönlichkeit sein kann.

Der gleichfalls arme Schuster Voigt nutzt zu seinem Vorteil die Uniform eines Hauptmanns (von Köpenick). Carl Zuckmayer hat die wahre Geschichte zum Märchen ausgebaut.

Das Verkleiden und seine Deutungen fangen schon an, bevor wir deshalb in die Kleiderkiste greifen. Welche Rolle wir spielen, das hängt von unseren Vorlieben ab, die den Erwartungen der anderen eine große Bedeutung beimessen. Die äußere Verkleidung ist nur das Sahnehäubchen. Ist sie erst einmal angelegt, ist allerdings die verbundene Rolle nur noch über die Demaskierung zu verlassen. Auf einer Bühne sind wir in unseren Rollen noch halbwegs sicher. Es gibt ja einen vorgeplanten Ablauf und das Publikum wird nur selten und dann zum Schein in eine spielaktive Rolle gebracht.

Gerät die Verkleidung in die Öffentlichkeit, greift eine nicht leicht durchschaubare Melange von Phantasie und Wirklichkeit, wenn man darauf nicht in traditioneller Abfolge vorbereitet ist. An Karneval und sogar an Nikolaus kann da wenig schief gehen. Gleichwohl gibt es stets Einzelpersonen, die die Möglichkeiten ihrer Rolle, samt Verkleidung überfordern. Aus dem Clown wird dann an Halloween gern ein Gruselclown, der entsprechend aggressive Attitüden auslebt und aus einem Nikolaus ab und zu mal ein Bankräuber.

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Ja und dann ist da noch die Burka, die wir von den Bildern kennen.

Farblich gesehen

Der Eskimo unterscheidet auch sprachlich 17 Sorten Weiß.

Der Regenwaldbewohner unterscheidet entsprechend viele Sorten Grün.

In den urbanen Lebensräumen sind wir da sehr viel bescheidener.

Wenn wir etwas intensiver betrachten als bisher, dann fehlen uns oft die passenden Bezeichnungen.

Das englische Pink entspricht dem deutschen Rosa.

Das deutsche Pink hingegen entspricht einem bestimmten, grellen Rosa. Es ist ein Teil, also eine Farbvariante von Rosa.

Pink ist also Rosa. Rosa ist aber nicht unbedingt Pink.

shock

hot

light

pink

red

 

Das kann man doch niemandem vermitteln, dem rot ist, was andere als rosa bezeichnen.

Ich gebe es ehrlich zu!

Ich habe auch so ein paar Marotten, versteckte Spuren zu hinterlassen. Ob sie meine Unsterblichkeit einläuten, das wird sich noch herausstellen.

In x-beliebige Texte und Kunstwerke und auch in Wortbeiträge baue ich zum Beispiel mein Lieblingswort Wurstfinger ein. Auf Fotos posen für mich immer wieder irgendwelche AliGatoren. Ich habe mir auch den beliebten Inhaber von Publikationsrechten The Wounded Dog Connection einfach nur so zum Spaß ausgedacht.

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Selbst mein geschriebener Lebenslauf weist immer wieder die Qualifikation Seepferdchen aus, obwohl ich bis zum heutigen Tag nie eine Schwimmprüfung absolviert habe. Jedem Bademeister würde das das Genick brechen – mir nicht.

Dummerweise sind meine Hochschulabschlüsse echt. Da war ich wirklich nicht konsequent.

Aber auch ohne dies ist die Welt ganz schön bunt. Sie ist der einfältigen Wahrheit ganz schön überlegen, erweist sich letztere doch stets als kurzlebiger Fake, während Komplexität und Fantasie überdauern.

Die Kunst als Ware

Die Portigon AG wickelt die WestLB ab, die dem Land Nordrhein-Westfalen erst Geld und dann unbezahlbaren Ärger gebracht hat. Im Keller der Portigon liegen versicherungsgerecht weggeschlossen Kunstwerke von erheblicher Bedeutung. Sie werden der Öffentlichkeit vorenthalten und ohne Rücksicht auf Künstler und Kunst wohl als Wirtschaftsobjekte eingelagert. Ich finde das geschmacklos, weil die Kunst stets der Öffentlichkeit gehört und als Objekt von Wirtschaftsinteressen seines Zweckes beraubt wird.

Jetzt stellt sich heraus, dass aus dem Besagten Keller Kunstwerke im Versicherungswert von über 1 Millionen Euro verschwunden sind. Wann und wohin sie verschwunden sind, konnte wohl auch die Polizei nicht herausfinden. Die Versicherung zahlt. Und nun wird auch die Öffentlichkeit darüber informiert, nachdem der Fall irgendwie abgeschlossen zu sein scheint.

Ich hoffe sehr, dass da Kunstbefreier am Werk waren, die der Öffentlichkeit die Werke von Münter, Picasso und anderen zurück geben. Es ist aber auch nicht auszuschließen, dass die Diebe auch Geschäftemacher waren, die den wirtschaftlichen Wert der Kunst mehr schätzen, als die Kunst selbst. Aber das wissen wir ja nicht.

siehe auch

Feuerwerk

Dem Menschen könnte es so passen, dass er alles frei tun kann, was er will, dass aber auch alles andere, was er ohnehin nicht tun will, verboten wird. So will er gern, dass der Verkehr in seiner Straße in die Nachbarstraße umgeleitet wird und dass das Feuerwerk gebrandmarkt wird, weil es das überflüssig findet. Er macht das alle Jahre wieder und sucht sich die passenden Argumente zusammen. In diesem Jahr wird er von den Niederländern angefeuert, die das privat veranstaltete Silvesterfeuerwerk wohl gerade in manchen Städten und dort an besonderen Stellen verboten haben.

Ich vermute hinter der Feuerwerksverachtung ein eingeschränktes Verständnis davon, wie ein demokratische Gemeinwesen die Freiheit der Bürger sicherstellt zu der es selbstverständlich auch gehört, dass es keine qualitative Prüfinstanz für die Freiheit gibt. Die Freiheit ist sich selbst genug.

Das Feuer hat seit Jahrtausenden eine rituelle Bedeutung. Ab dem Mittelalter wurde die Handhabung des Feuers zu regelrechten Feuerwerken entwickelt, technisch  perfektioniert und zur Kunstform entwickelt. Feuerwerke sind also eine Kunstform und ein Kulturgut. Dass ich keinen Spaß daran habe, an Silvester selbst die Lunte zu legen, liegt daran, dass ich viel zu dilettantisch bin, um etwas wirklich Sehenswertes in den Himmel zu zaubern. Das ist aber einzig und allein meine Sache. Wenn ich ein großes Feuerwerk sehe, lasse ich mich gern einfangen von einem inszenierten Schauspiel vor den nächtlichen Weiten des Weltraums und wünsche mir manchmal, es möge kein Ende nehmen. Es stellt sich bei mir ein Gefühl der Verbindung mit fernen Welten ein und in meiner Fantasie begebe ich mich in die Verbindung mit dem All-einen.

Eine Verbotsgesinnung gegenüber Feuerwerken ignoriert nicht nur die Freiheit es zu machen, sondern auch beispielhaft den Wert von Kultur, Kunst und Tradition. Die Hilfsargumente der Feuerwerksgegner sind dürftig.

Ihnen ist es zu teuer, obwohl sie es ja nicht bezahlen müssen und auch keine Verfügung über das Taschengeld ihrer Nachbarn haben. Dass man mit dem Geld etwas besseres Machen kann, wird – je nach Wertschätzung unterschiedlicher Möglichkeiten der Geldausgabe, – so sein. Es gibt aber auch kein Hindernis, mit seinen Geld etwas anderes zu machen. Die Aufrechnung aller Feuerwerke und die Gegenüberstellung mit dem, was man in der Welt damit sonst noch machen könnte, erzeugt lediglich ein schlechtes Gewissen. So wie der Fall gelagert ist, gibt es ohnehin keine Möglichkeit, dieses Geld einzusammeln. Auch die Niederländer haben keinen Spezialsteuer eingeführt, um mit dem eingesparten Geld das Elend in der Welt zu lindern. Auf dem gleichen Niveau der Argumentation wäre anzuraten, auf Weihnachtsmärkte oder auf 4-lagiges Toilettenpapier zu verzichten. Das würde jeweils sehr viel mehr Geld freisetzen, das dann in aller Regel trotzdem in der Geldbörse jedes einzelnen bleiben würde.

Ihnen ist es zu umweltbelastend, weil das Feuerwerk Lärm und Schmutz Dabei ist das Leben der Menschen per se niemals umweltbelastungsfrei. Es geht immer nur um eine natur- und sozialverträgliche Ausrichtung unserer Emissionen.  Würde man beispielsweise den Urlaubsreiseverkehr, der das Klima belastet und letzte Paradiese verschandelt und uns den Pool schmackhafter machen soll als das Meer, aufgeben, wäre sehr viel mehr gewonnen als bei einer Aufgabe des Feuerwerks. Der Einzelne ist aufgefordert, seinen Beitrag zur Rettung des Planeten zu leisten, ohne dass sein Nachbar das für ihn macht.

Ihnen ist die Welt der Tiere zu sehr belastet, weil diese bei einem lauten Feuerwerk am Himmel nichts als Gefahr wittern. Dieses Argument ist eine Spezifikation der bereits erwähnten Belastungen der Natur, die lediglich mit Grenzwerten ausgestattet aber nicht unterbunden werden können. Wer in der Verantwortung für sein Haustier lebt, wird sicher auch im Feuerwerksfall die Verantwortung übernehmen und jetzt über Sylvester ein paar schöne Tage in den Niederlanden verbringen.

Wie dem auch sei.

Es ist allerdings besser, wenn man dabei ist!

Update für Kunstwerke

Große Künstler haben immer schon Updates gemacht, weil sie die vorausgehende Version doch als nicht allzugut verwarfen. Sie haben sie nur anders nennen müssen, weil das Update bis vor kurzem außerhalb der verwendeten Begriffe lag. Viele Künstler vernichten mit der Fertigstellung der neuen, die alte Version. Manche Künstler lassen verworfene Versionen und andere dem Werk zugeordnete Vorarbeiten aber auch überleben. Dadurch wird nicht nur für das Zustandekommen von Kunstwerken sensibilisiert. Es lassen sich damit auch gute Geschäfte machen.

Arbeitet der Künstler analog, ist die Arbeit mit Updates insgesamt ein aufwändiger und teurer Arbeitsstil. Die meisten bildenden Künstler beschränken sich darauf, irgendeine Fassung als letzgültig zu bestimmen und dem Anspruch auf eine ewige Updatearbeit auszuweichen. Mit dieser Unvollkommenheit muss er dann leben. Digital wäre es ihm möglich, mehr noch als der Häuptling, der tausende von Nachkommen zeugt, die ganze Welt mit einem Kunstwerk zu beglücken. Er kann die Kunstwerke durch unendlich vielen Algorithmen laufen lassen und unendlich viele Varianten in Umlauf bringen.
Keith Haring, der zu früh verstorbene Graffitiheld, der die Anfänge der digitalen Kunst noch erlebt hat, hat einmal die Idee vorweggenommen, man könne seine Kunst durch die Welt spammen und jeder Mensch könne sie aufnehmen und in anderen Zusammenhängen verarbeiten und ganz nebenbei dabei helfen, sie zum Gemeingut machen.
Ach wie kleinlich sind doch die Profiteure am Kunstmarkt, denen schon kleine Druckauflagen zum Gräuel werden, weil ihnen bei aller Vielfalt schnell die Urheber- und Nutzungsrechte am Einzigartigen zu entgleiten drohen.