Aus der ergonomischen Zwickmühle

Über die Ergonomie am Computer würde schon viel geschrieben.

Die Hilfen, die da so gegeben werden, sind mir aber zu einfältig.

Ich sitze also bequem im Sessel und lege die Füße auf den Hocker. Mit der linken Hand stütze ich das iPad in einer bestimmten Bauchfalte ab. In der rechten Hand führe ich so einen speziellen Stift, der präziser arbeitet als Wurstfinger und auch das Display nicht verschmiert. Zwischen den Fingern der linken Hand halte ich ein Butterbrot und schnelle mit dem Oberkörper jedes Mal nach vorn, wenn ich etwas abbeißen will. Meine Teetasse steht neben mir auf dem Schrank, so etwa in Kopfhöhe. Wenn ich nun trinken will, muss ich den Stift ganz leicht in der Hand verschwinden lassen, um zusätzlich den Tassengriff zu fassen. Das beeinträchtigt allerdings die Arbeit am iPad doch ganz erheblich. Eine schnelle und gezielte Dateneingabe ist so stark durch die Hand- und Kopfbewegung gestört, dass mir manchmal sogar der Tee die Krümel vom Display spült. Die Bedienung des TV erfolgt zwar problemlos über das iPad, aber wenn es Knabbereien oder das Mittagessen gibt, dann bin ich total aufgeschmissen und wünsche mir weitere Hände. Das das kann ja nun nicht die ergonomische Lösung sein.

Leben in Schleifen 

Die Redundanz in Bild, Ton und Text erschlägt mich fast.
Wenn es viel zu sagen gibt, ist die endlose Einsilbigkeit eine Frechheit.
Nun sagen wir seit der Deklaration der Menschenrechte milliardenfach, dass alle Menschen gleich sind.
Wie wir sehen, ändern solche Wiederholungsschleifen nichts. Sie provozieren höchstens Desinteresse, weil man ja schon weiß, was kommt.
Ich wende mich gern wieder Bildern, Texten und Noten zu, die mir mehr vermitteln als ein unwidersprochener Standard.

How many roads must a man walk down
Before you call him a man?
[Bob Dylan]

Rahmen sprengen

Professionelle Banden sprengen gern einmal Bankautomaten in die Luft, um dann das Geld für sich aufzufangen. Sie leiten zuvor meistens Unmengen von Gas in die Automaten, das dann zur Explosion gebracht wird.

Hier am linken Niederrhein ist das Nacht für Nacht sehr beliebt und wohl auch lukrativ. Im Verdacht sind niederländische Banden. Es hat viele Vorteile, wenn sie jenseits der Grenze operieren.

Jedesmal berichtet auch das Fernsehen darüber. Und die Bilder gleichen sich. Fließbandarbeit liefert eben mit der Zeit keine spektakulären Bilder mehr.

Es würde ja eigentlich reichen, wenn man nur einen Film hat und ihn dann alle paar Tage zeigt. Man muss ja lediglich im Ton den neuen Standort anpassen. Das Fernsehen könnte also das Geld sparen, das den Banken gestohlen wird. Die Banken ihrerseits verzichten auf eine Aufrüstung, weil die Spirale der Gewalt sehr schnell zum Einsatz von noch härteren Sprengstoffen führen würde. Sie schreiben lieber die Verluste ab und erhöhen zum Ausgleich die Kundengebühren.

Ziemlich wild

Bis in die 70er Jahre war der Western ein beliebtes Filmgenre. Der Western konnte mit  wenigen Stereotypen gut unterhalten. Mittlerweile ist das Genre ziemlich aufgebraucht.

Jetzt bin ich zufällig in so einen Western hinein geraten. Als die Protagonisten im Jailhouse saßen, obwohl sie nur ganz ehrlich ihr „Recht und Eigentum“ zurück haben wollten, und vor der Tür die johlende Menge sie lynchen und selbst die Ankunft des Friedensrichters nicht abwarten wollte, — dachte ich so an Facebook mit seinen Horden aus Reichsbürgern und Besserwissern, die ebenfalls Recht und Eigentum anderer Menschen mit abenteuerlichen Rechtsauffassungen und Ratschlägen totschlagen im unerschütterlichen Bewusstsein, dass sie ganz allein Bescheid wissen.

Diese Leute haben wohl die Fiktion des Westerns ausgemustert, um selbst den aufgestachelten besorgten Bürger zu spielen und wie der durchgeknallte Deputy auch noch zahlreiche Mitläufer um sich zu scharen. Sie nehmen es nicht an, dass die Szenarien der Western überholt sind und die Welt weitaus humaner, gerechter und zuverlässiger eingerichtet ist und dass sich gut und böse nur noch schwer unterscheiden lassen. Man muss allerdings gelernt haben, in der Gegenwart zu leben.

Gaff nicht so …

Bei Rettungseinsätzen ist immer wieder von Gaffern die Rede, die unethisch handeln und Rettungskräfte behindern. Dabei wird so getan, als sei die Sache mit der Bezeichnung Gaffer hinlänglich aufgeklärt, und der Mensch habe nichts anderes zu tun, als das Gaffen einzustellen.

Bei Verkehrsunfällen und Bränden werden selbstverständlich die Hilfe und die Helfer gestört, wenn jeder sich selbst ein Bild oder einen Film von der Situation machen will. Die sogenannten Gaffer werden in der öffentlichen Diskussion aber nur als schuldhafte, gedankenlose Monster gegen das Leben karikiert. Das ist aber höchstens die halbe Wahrheit.

Das sogenannte Gaffen hat archaische Elemente. Das sollte aber nicht zur Rechtfertigung, sondern als Erklärung beachtet werden.

In Katastrophen, also Ereignissen, die sich nicht unmittelbar und einfach selbst erklären, fehlen meist die Muster, darauf zu reagieren und man reagiert dann auch eher ohne eine intellektuelle Steuerung. Viele Einzelne bilden keine Gruppe, sondern verschmelzen zur sozialen Masse, die sich nicht an bestehenden Regeln orientiert, sondern Impulsen folgt, die nahezu zufällig erscheinen. Gleichwohl sind solche Situationen für den Einzelnen und seine Gemeinschaft zu wichtig, um sie zu übergehen und sie dann eben nicht so zu ergründen, dass man ihnen zukünftig anders begegnen kann.

Gaffer lediglich als blöde und emotionslose Menschen zu brandmarken ist selbstgerecht. Allerdings können sie lernen, mit intellektueller Leistung die Komplexität neuzeitlicher Katastrophen und die Leistungsfähigkeit von ebenfalls neuzeitlichen Rettungsdiensten zu verstehen, und damit den archaischen Untergrund zu kontrollieren. Erfahrungsgemäß gelingt das nicht jedem, nicht immer und nicht vollständig. Gaffexzesse wären demnach als eine unheilige Verbindung von archaischer Reaktionsmustern mit individuellen Fehlentwicklungen zu deuten. Nach meinem Verständnis sollte, wie es gerade diskutiert wird, das Gaffen jedenfalls nicht strafbar sein.

Das Gaffen wird ja auch erst mit einer vor kurzem noch unvorstellbaren Mobilität auf den Straßen und den Datenwegen zum Problem. Das bedeutet doch, dass die Mobilitätsentwicklung selbst am Gaffen nicht unbeteiligt sind.

Ich habe hier eine Erinnerung aus den 50er Jahren: An einer Straßeneinmündung wurde ein Motorradfahrer von einem Auto sehr schwer verletzt, weil einer von beiden, die Rechts-vor-links-Regel nicht beachtet hatte. Der Knall sorgte für Aufmerksamkeit. Mütter stellten den Herd ab und liefen auf die Straße, spielende Kinder riefen sich zu „Da ist ein Unfall!“ und rannten hin. Die Belegschaft ganzer Handwerksbetriebe lief auf die Straße. Und am Unfallort bildete sich eine große Gruppe von Menschen, die auch sofort die Schuldfrage diskutierten. Einige betreuten den Motorradfahrer, bis der Rettungswagen da war. Einer sagte: „Der darf nicht zu viel Blut verlieren!“ – Von Gaffern und Schaulustigen war nicht die Rede. Es gab nicht einmal eine Erwachsenenansprache für Kinder, sich aus dem Staub zu machen. Das war alles ganz normal. Und „rechts-vor-links˝ das kannten die Kinder dann schon, bevor die Abseitsregel beim Fußball noch wichtiger wurde.

Ein Unfall als Ort der Geselligkeit, sogar auch für den Verletzten – das ist heute unvorstellbar und wird im Zeitgeist vollkommen anders bewertet.
Das ist richtig, blendet aber die historische gesellschaftliche Bedeutung von Katastrophen ziemlich stark aus, so als könnten wir uns immer schon gegen Gott und die Welt versichern und uns sorgenfrei kaufen.

Übergang zum Übergangsmantel

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Jeder mag anziehen, was er will und ich schätze jede Initiative, dabei ohne Übergang vom Mainstream abzuweichen.

Letztens las ich etwas von einem Übergangsmantel und war allein deshalb fasziniert, weil ich das Wort aus einer längst vergangenen Zeit wiedererkannte. Das Wort ist mir schon lange nicht mehr aktiv verfügbar, aber ich erinnere mich genau: Früher wurde die Kleidung den extremen Jahreszeiten Sommer und Winter zugeordnet. Der Frühling und der Herbst wurden aus alltagspraktischen Erwägungen weitgehend Sommer oder Winter zugeschlagen. Der verbleibende Rest des Jahres nannte man Übergangszeit, die man auch gern noch zugeteilt hätte. Aber das Klima folgt nun mal nicht dem bipolaren denken der Menschen und nutzt fließende und oft auch überraschende Übergänge. Jedenfalls wurde die Kleidung, und damit die Mode, an Sommer und Winter ausgerichtet. Es gab auch nur Sommer- und Winterschlussverkäufe. Es war üblich, die Bestückung des Kleiderschranks zweimal jährlich so komplett zu ändern, dass im Sommer einfach kein warmer Pullover zur Verfügung stand. Er war in einer Kiste im Keller. Man richtete sich gern, aber auch zwangsläufig, nach den Vorgaben. Eine neue Marktlücke bestand nun darin, die Übergangszeit beim Namen zu nennen und aufzuwerten und für diejenigen, denen die Kleidung für Sommer und Winter nicht genug sein konnte, etwas für die Übergangszeit anzubieten. So entstand der Übergangsmantel zwischen Sommermantel und Wintermantel. Und es gab schnell alle denkbaren Kleidungsstücke mit dem Übergangsfeeling. Man kann sich die Vorzüge des Übergangsmantels ausmalen lassen, benötigt ihn aber nicht wirklich, weil er die Bewegungsfreiheit einschränkt und praktisch nur lästig ist. Zudem kostet er Geld und verstopft den Kleiderschrank besonders, weil es sich der Zuordnung auf Sommer und Winter widersetzt.

Der Übergangsmantel ähnelt in gewisser Weise dem Kleinwagen, der die Stadtmobilität sicherstellt, während die Reiselimousine und der SUV für ihren spezifischen Einsatz auf standby stehen.

Meine Idee war schon als Kind eine vollkommen andere: Ich bestehe darauf, dass der Körper mit dem Geist die Klimaschwankungen an sich heran lässt und im Prinzip eine Ganzjahreskleidung favorisiert, die sicherlich in Extremfällen etwas abgefedert oder beiseite gelegt werden kann. Ich finde Kälte gut und Wärme auch. Deshalb bin ich auch weitestgehend unempfindlich gegen Wetter. Das Wetter ist mein Freund. Mein Garten teilt diese Position. Ich brauche also auch keinen Regenschutz, weil ich keine Dauerwelle trage und geschickt durch den urbanen Dschungel gehe. Wasser in der Kleidung trocknet schnell. Auf die Fragen: „Ist dir nicht zu kalt?“ oder „Ist dir nicht zu warm?“ Antworte ich stets: „Nächste Frage!“

Ich weiß nicht, wann ich einen Übergangsmantel tragen sollte. Besonders schlimm finde ich allerdings die in der Antarktis getesteten Funktionsjacken, die nur noch als Sondermüll entsorgt werden können. Sie würden mich von meiner Lebenswelt isolieren und kontrollieren. Ich sehe sie besonders geballt in den deutschen Seebädern als Rentneruniform und nehme dann Reißaus. Wer solche Jacken trägt, zahlt auch gern überhöhte Kuchenpreise. Aber das ist ein anderes Thema.

Das Mysterium der Hosentasche

Jetzt ist es aufgefallen: Frauen haben keine vernünftigen Taschen in den Jeans und anderen Hosen.
Gehen wir mal hypothetisch davon aus, dass Hosen jeweils an ein Geschlecht gebunden sind. Dann bestimmt die Phantasie der Hosenindustrie von der Modalfrau auch, was sie vermeintlich will. Es wird also lange dauern, bis sich die Frau an sich so heterogen am Markt inszeniert, dass die Frauenhose dieser Heterogenität folgt und die Frau bekommt, was sie wirklich will, also beispielsweise Hosentaschen, in denen man so einiges transportieren kann.
Gehen wir einmal von der Hypothese aus, das die Hose eigentlich ein Unisexkleidungsstück ist. Dann steht der Frau direkt die ganz Palette von gehandelten Hosen zur Verfügung und sie kann unter der Abwägung von Geschmack, Passgenauigkeit und Preis wählen, ohne dass beispielsweise die Taschen zu klein sind.
Offenbar besteht das Problem der kleinen Hosentaschen allein darin, dass die Hosenindustrie sich ihre Zielgruppen rücksichtslos zurecht legt, vor allem, wenn sie mit der Handtaschenindustrie kollaboriert. Denn die Handtasche wird als Substitutionsgut für Hosentaschen vermarktet. Es ist nicht einmal auszuschließen, dass die Handtaschenräuberindustie auch noch mit im Boot sitzt.