Im Tunnel

Als Kind habe ich das Wort Tunnel immer auf der zweiten Silbe betont. (Ich habe ohnehin immer sehr verrückte Sachen gemacht.) Durch den Druck der Straße habe ich unfreiwillig eine Anpassung durchgemacht und dabei auch Tunnel auf der ersten Silbe zu betonen gelernt. Bis heute habe ich darüber eigentlich nicht nachgedacht.

Und ausgerechnet heute berichtet das Fernsehen über einen der vielen Tunnel in der Schweiz. Da taucht eine deutschsprachige Schweizerin auf und betont Tunnel auf der zweiten Silbe. Wie kommt die nur darauf?

Immer ausgelassen

Die Geschichte vom ausgelassenen Speck, der in der Pfanne tanzt, ist küchenhistorisch zweifelsfrei der Nachkriegszeit zuzuordnen, als Pfannen niemals gereinigt wurden, um die Spuren des ausgelassenen Specks in das nächste Gericht aus der Pfanne zu retten. Beim öffnen des Küchenschranks mit der Pfanne suchte dann häufig die letzte der Hausmäuse nach einem weiteren Tanz in der Pfanne noch schnell das Weite.

In den USA: Wer wählt wen und warum?

Die anstehende Präsidentschaftswahlen in den USA scheitert wohl nicht mit dem anstehenden Wahlergebnis, sondern an der Qualität der Kandidaten. Beiden Kandidaten mangelt es an einer Qualifikation, die nicht vom Alter überschattet werden. Der eine ist ein selbstgefälliger und über die Jahre verhärteter Alltagslügner, der sein Selbstbild schon lange Zeit nicht mehr überprüft und sich vor laufender Kamera rücksichtslos in die erste Reihe boxt. Der andere ist körperlich und geistig derart hinfällig und müde, dass er ohne externe Stützen eine politische Position kaum noch behaupten kann. Ich kritisiere weder den einen noch den anderen. Sie zollen nur dem Zahn der Zeit Tribut.

Es erscheint mir aber bedenklich, wenn ein demokratisches Gemeinwesen auf ganzer Linie die Zeit verschläft und potentiell fähige Politiker lieber als erfolgreiche Businesspeople wegschiebt, und die Politik selbst den Greisen überlässt.

Weltweit gibt es schon genug Versuche, den mühsamen aber lehrreichen Weg der demokratischen Willensbildung einem einsamen Autokraten zu schenken. Viele kämpfen dagegen. In den USA erscheint mir eine breite Mehrheit nur uninteressiert. Die lauernden Autokraten sehen sie nicht als Gefahr.

Arm dran

Heute aus dem Garten nebenan:
„Wenn du mit dem Schreien nicht aufhörst, gibt es keinen Lutscher!“

Man fragt sich schon, ob die Eltern einen Vertrag mit dem Zuckerproduzenten haben. Kinderfeindlicher geht es kaum.

Rezeptfreie Medikamente sind oft die Lutscher der Erwachsenen, die sich damit in eine innerlich befriedete Situation beamen. Daraus schöpfen sie die Kraft, die Kinder zum Zucker zu locken. Es folgt die Ruhe vor dem Sturm.

⚽️ Spielermaterial

Spielermaterial ist auch in der Fachwelt des Fußballs ein umstrittenes Wort. Es macht den autonomen, individuellen Spieler zur fremdverfügbaren Sachen. 

Ich aber sage euch: Das Wort heißt Spieler – einfach nur Spieler! — Etwas dranzuhängen bedeutet nur, dass der Sprecher wichtig genommen werden will, ohne etwas Wichtiges zu sagen.

In der diskutierten Vorschlagsliste zur Umbenennung wird Kader gesagt – ein Begriff aus der Militärfachsprache …

Die Stadt und der Ball ⚽️ 

Nachdem Gelsenkörken von britischen Schlachtenbummlern der Fußballeuropameisterschaft 2024 als „Shithole“ aus der Riege sehenswerter Städte aussortiert worden ist, kontert  nun die Oberbürgermeisterin der Stadt freundlich, dass das Beste  an Gelsenkirchen die Menschen der Stadt sind.

Ist das nicht ein Angriff auf viele andere Städte, deren Bevölkerung unübersehbar ziemlich mies sein könnte? 

Das erinnert mich an einen alten Stadtfilm aus dem benachbarten Oberhausen (der Filmstadt schlechthin). Wie der Film berichtet, ist dort ist wohl auch ein bodenständiger Menschenschlag zu Haus. Das beste an der Stadt sollen aber die vielfältigen Autobahnen ringsum sein – die beim Verlassen der Stadt verdammt dienlich sein können. Viele fahren von dort zwangsläufig Richtung Gelsenkirchen.

Ich bezweifle nicht, dass Gelsenkirchen – wie auch Oberhausen – einiges zu bieten hat. Vielleicht erfährt man ja einmal etwas davon.

Mein Diebstahl

Gerade wird die Statistik der Übeltäter öffentlich, die die Preise aller Konsumgüter steigen lassen: Es sind die Diebe. Dass der Handel die geklauten Milliarden durch Preiserhöhungen reinholt, stört den ehrlichen Konsumenten. Es gibt sogar Belege, dass der Handel die Preise  mit Diebstählen begründet soweit erhöht, dass er sogar daran verdient.

Ich habe noch nie geklaut. Ich bin so erzogen. Aber ich hatte – das sage ich ehrlich, ein Erlebnis, seit dem ich mich als Dieb fühle. 

Damals als der Praktiker-Baumarkt noch nicht Pleite war, habe ich dort einen dicken teuren Hammer gekauft. Daneben lag ein Plastikteil, dass man auf den Hammerkopf stecken konnte, um die Kraft des Hammers nicht in Zerstörungen umzusetzen zum müssen. Dieses Teil war sehr billig. Ich habe es ebenfalls für den Kauf mitgenommen und zum einfachen Transport direkt auf den Hammer gesetzt. Die Hammer samt Zusatzteil hatte nun zwei Preise. Ich habe darauf nicht geachtet, weil ich noch weitere Einkäufe hatte. Mit dem Einkauf am Auto angekommen, kam mir die Kassiererin hinterher gerannt. Ich hatte den Hammer vergessen einzupacken. Ich habe mich freundlich bedankt. Erst zu Hause habe ich dann gemerkt, dass die nette Kassiererin nur den Preis des unbedeutenden Zusatzzahl berechnet hatte, den Hammer nicht. Seit dieser Zeit bin ich unentschieden, wie ich dieses Erlebnis moralisch sauber bewältigen kann. Ich habe mich an den Hammer gewöhnt, er ist mir aber nicht als Herz gewachsen.

Es ist wie mit der Portion Fritten mit aufliegender frittierter Kakerlake. Ich habe das keimfreie Tier mit dem Finger weggeschnippst und genüsslich gegessen. Schon am nächsten Tage fiel mir das Tier wieder ein  und dann Tag für Tag abermals. Und das ist bis Heute so geblieben. Und Fritten sind für mich nicht nur Fritten, sondern beinhalten möglicherweise auch Angriffe auf meine Weltordnung.

Schlachtenbummler im Wandel der Zeit ⚽️

Der Fußballfan hat in vergangener Zeit als unverkleideter Schlachtenbummler angefangen.

Vor allem die zunehmende Selbstverständlichkeit des Reisens und die Entwicklung der Markentauglichkeit von Vereinen haben den Schlachtenbummler zum Fan werden lassen, der die Fanzones dieser Welt – mit Fanartikeln angereichert – bevölkert.

Der Schlachtenbummler stellte sich auf den Sportplatz in der Nähe. Der Fan geht brav in die Fanzone, während der Premiumfan im Stadion sitzt. Der Fan ist völlig ausgelassen und respektiert haarscharf mit einer Aufsicht die Grenzen geltenden Rechts. – Fröhlich ist das nicht so sehr!

Das Stempeln in der Fußballsprache  ⚽️ 

„Gehste Stempeln?“ hieß es bereits vor über 100 Jahren. Um Arbeitslosengeld zu beziehen erhielt man eine Karte, die als Nachweis und Kontrolle immer abgestempelt wurde, wenn das Geld ausgezahlt wurde. Stempeln gehen war also ein fester Begriff über Jahrzehnte bis zur rationalen Einführung des bargeldlosen Übereignung und starb dann zeitgleich mit der Lohntüte. 

Neuerdings findet Stempeln eine Renaissance im Fußballsport. 

Um besser zu sein als der Gegner gibt es viele Tricks, die nicht immer das eigene Vermögen eines Spielers steigern, sondern auch das Vermögen des Gegners zunichte machen. Meistens gilt das als Foul und führt dazu, dass der Ballbesitz an Ort und Stelle wechselt. Meist ist es ein bedachtes Kalkül, bei dem die Folgen des Fouls weniger drastisch erscheinen als ein Verzicht auf ein Foul. Fouls als Ergebnis überzogenen Eifers gibt es auch, werden im Profisport aber immer seltener. Die absichtlichen Fouls sind dabei im Idealfall so ausgestaltet, dass sie als absichtsloser Zufall erscheinen. Eine Art, solche Fouls zu begehen, ist nun das „Stempeln“. Man unterbindet die freie Bewegung des Gegenspielers mit einem gezielten Tritt auf einen der Füße. Ein heftiger Schmerz und eben die fehlende Beweglichkeit sind wenigstens für einen Moment die Folgen. Es ist wie beim abstempeln einer Briefmarke, obwohl ich nach meinem Geschmack sehr viel lieber von Trethupe sprechen würde. 

Gerade läuft die Fußballeuropameisterschaft 2024. Man merkt, dass das Stempeln öfter reportiert wird als je zuvor. Schön, dass der Begriff Stempeln in der digitalen Welt noch eine analoge Lücke gefunden hat.

Frisch aus der Blase

Ich habe einen Beitrag, der in meine Timeline geschwappt war, der facebookinternen Selbstkontrolle gemeldet. Der Grund war ein offenbar werbewirksamer Gesetzesverstoß. Ich bin froh, dass das in meiner Timeline gestrandet ist, denn sonst hätte ich die Hässlichkeit der Welt nicht so unmittelbar erfahren können. 

Im Rechtsstaat gibt es bekanntlich ja auch immer viel Unrecht, aber nicht so eine privatindividualistische Instanz, die noch mal eine Bewertung auspackt, die die Rechtslage neu deutet und sich ihr sogar entgegenstellt.

Jedenfalls konnte man mit den Richtlinien des Konzerns nichts anfangen, um dem geschilderten Rechtsverstoß auf die Spur zu kommen.

Und dann kam aus der Richtlinienblase ein gedankenloser Angriff mit rücksichtsvoller Sorge um mein Seelenheil: Zu meiner Entlastung hat man nur für mich – nicht für andere – die beanstandete Werbung einfach nur weggeknipst. Damit ist dann das passiert, was ich auf keinen Fall will: Eine sich selbst regulierende Scheinwelt wird an das künstlichen hergestellte Gefühl gekoppelt, man sei wirklich ein einflussreicher und geachteter Kapitän im Weltgeschehen. Die Facebookblase wird von Tag zu Tag also nichtssagender und fächert dort alles Unbedeutende nur auf, wo der mutmaßlich errechnete Bürgerwille erfahrungsgemäß so gern klickt. Reichweite bekommst du nur, wenn du dich irgendwie ausziehst. Die echte Innovation ist zu anstrengend für die Märkte.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass meine ganzen Facebook-Postings gar keinen Einfluss auf das allgemeine Weltgeschehen haben.