Ausgeflaggt

In der letzten Zeit mehren sich die Anzeichen dafür, dass vermeintlich gute Eigenschaften wieder stärker der eigenen Nation zugeordnet werden. Ein Nationalismus, der vielleicht für kleine Nationen zum Überleben in der internationalen Konkurrenz sinnvoll ist, erfasst nun auch Deutschland. So ein Nationalismus beinhaltet die konstruierte Abwertung derer, die nicht dazu gehören und die ebenso konstruierte Überbewertung derer, die der Nation zugehörig sind. Die medienbeachteten internationalen Sportereignisse, zeigen mittlerweile Erscheinungsformen des Nationalismus, die überflüssig bis grenzwertig dämlich wirken. Ich denke dabei an einen Kreisklassetanz der Fußballweltmeistermannschaft, die die überragenden Deutschen von den Losern Argentinien absetzt.
Zulieferer verdienen immer besser, vor allem an der Deutschlandfahne. Und weil ihnen die Fahne noch nicht schön genug ist, überladen sie die Nationalflagge mit dem Bundesschild und machen damit aus der Nationalflagge, die allgemein als Symbol der Nationalität zu nutzen ist, die Bundesdienstflagge. Es ist allerdings eindeutig geregelt, dass die Bundesdienstflagge NICHT die Nationalflagge ist und nur bestimmten Behörden zur Verfügung steht. Ihre private Nutzung ist eine Ordnungswidrigkeit,
Aus dem Ordnungswidrigkeitengesetz (OWiG):
§ 124 Benutzen von Wappen oder Dienstflaggen
(1) Ordnungswidrig handelt, wer unbefugt
1. das Wappen des Bundes oder eines Landes oder den Bundesadler oder den entsprechenden Teil eines Landeswappens oder
2. eine Dienstflagge des Bundes oder eines Landes benutzt.
(2) Den in Absatz 1 genannten Wappen, Wappenteilen und Flaggen stehen solche gleich, die ihnen zum Verwechseln ähnlich sind.
(3) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße geahndet werden.
Die Hersteller und Vertreiber dieser Flagge verkaufen also gleich mit, dass diese Flagge nicht genutzt werden darf sowie das Risiko einer Geldbuße. Es bleibt ihr Geheimnis, was sie sich dabei gedacht haben.
Es bleibt ebenfalls ein Geheimnis, was sich die abertausend Bürger denken, die diese Flagge offenbar als verschönerte Nationalflagge nutzen und bei Sportereignissen damit gar ihre Balkone verdunkeln.
Die ganze Sache scheint doch von sehr viel Dilettantismus und Selbstgefälligkeit ohne Substanz geprägt zu sein. Vielleicht ist aber auch die ganze Szene der nationalen Überhöhungen dilettantisch und selbstgefällig.
Dagegen helfen, wie so oft, Erziehung und Bildung.
Man ist geneigt, auch ein ordentliches Bußgeld zu fordern. Möglich wäre das allemal.
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Nationalflagge – für den öffentlichen Gebrauch erlaubt
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Bundesdienstflagge – für den öffentlichen Gebrauch NICHT erlaubt

2 Antworten auf „Ausgeflaggt“

  1. Aus gegebenem Anlass!

    Ich rufe den Leuten mit der Bundesdienstflagge zu:

    Hey, ihr national verblendeten Sportsfreunde –

    Auch zur Sanierung der öffentlichen Haushalte kann es äußerst hilfreich sein, wenn die vorgesehenen Bußgelder erhoben werden, die für euer Schwenken der Bundesdienstflagge anfallen. –
    Ich bin dafür!! – also für das Bußgeld!

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