moralisches Doppel 2.0

Kritiker der Katholischen Kirche geben nicht selten Tipps, um diese Kirche zu retten.

So schreibt Heribert Prantl am 20.2.2019 in der Süddeutschen Zeitung: „Die katholische Kirche muss ihre Doppelmoral beenden“. Aber: Warum sollte ihre Doppelmoral beendet werden? Die Welt ist voll von doppelmoralem Verhalten. Und bisweilen ist es nützlich und vollkommen alltäglich, wenn man beispielsweise im Freundeskreis eine andere Moral befolgt als in der Familie. Eine arabische Freundin belügt ihre Familie seit Jahren mit großem Gewinn. Wir sollten allererst lernen, die Vielschichtigkeit der Moralen zu verstehen und ihren Sinn zu begreifen. Dann haben wir beste Voraussetzungen moralische Attitüden richtig einzuordnen und uns erforderlichenfalls souverän dazu zu verhalten. Es ist doch nicht so, dass man eine Moral unbearbeitet vor sich her trägt. Sie ist und bleibt ein ständiges Thema für den Moralisten und sein Gegenüber. Wenn nun die besagte Kirche zwischen ihren Moralvarianten untergeht, dann gibt es doch niemanden, der sie davor bewahren will, wenn das ihr Markenkern ist. Wir wissen ja mittlerweile verbindlich, dass man auch ohne Katholische Kirche ein guter Mensch sein kann. Also lassen wir doch den Doppelmoralen ihre Freiheit. Wir  sind allerdings gut beraten, alle Moralen so souverän zu behandeln, dass sie nicht als Keulen wirken. Und wenn wir an einer Glaubwürdigkeit zweifeln, weil da jemand anders lebt, als er predigt – mein Gott – dann können wir immer noch einen großen Bogen machen oder sogar streitbar werden. Organisationen zu retten, die in einer Doppelmoral gründen, das bringt nichts. Dafür ist die Zeit zu schade …

Dazu ein älterer Witz: 
Der Papst stirbt und kommt in den Himmel. Am Empfang bittet er Petrus um Einlass und trägt vor, er sei zuletzt der Stellvertreter Gottes auf Erden gewesen. Petrus guckt etwas ungläubig, begibt sich in den hinteren Teil des Himmels und berichtet Gott davon. Gott sagt: „Ach, das hätte ich nicht gedacht. – Existiert der Verein immer noch, den ich vor 2000 Jahren gegründet habe?“

Scheinheiligkeit

Die Vertreter der Katholischen Kirche treten auf, wie professionell studierte Betroffenheitspräsentanten und machen den Glauben, mit einer empirisch fragwürdigen Studie, die lediglich in die richtige Richtung geht, brauche man nur noch durch kleine Luken im Kirchengebäude auf kleine Segmente der Vergangenheit blicken lassen, während der Missbrauch von Kindern „munter“ in die nächste Runde geht.

Betroffenheit und Scham sind ja nicht die Lösung des Problems, sondern die öffentliche Behandlung des Missbrauchs und seiner Folgen.

Wer Gefühle deutet, geht oft von der Idee aus, dass sie echt sind. Das muss aber nicht so sein. Es braucht nur etwas Übung, Gefühle zu zeigen, die man nicht hat.

Dass sich etwas tut in der Kirche, messe ich allein daran, dass die Kirche einen schonungslosen Zugang zu allen Missbrauchsfällen herstellt und fördert.

Mich erinnert das alles auch etwas an die Schaden-Nutzen-Kalkulation der Autoindustrie, die die Reparaturen den betrogenen Autobesitzern überlässt und zwischenzeitlich etwas reumütig die Politik und die Behörden hinhält.


Die Kirche ist nach ihrem Selbstverständnis im Kerngeschäft ohne Demokratie ausgestattet, sondern auf Gott ausgerichtet. Das hat groteskerweise zur Folge, dass allein das Fehlverhalten in der Kirche menschliche Züge trägt. Ein menschlicher Umgang mit Verfehlungen ist in der Demokratieferne folglich auch nicht vorgesehen. Es bleiben die gütige bis strafende Gerechtigkeit Gottes in Verbindung mit systematischer Vertuschung. Das Verfahren findet immer seine Anwendung, beim Missbrauch anderer Menschen, wie bei der weltlich beanstandungslose Liebesbeziehung von Priestern. Allein der Druck der aufgeklärten Kirchenumgebung fegt Wind hinter die Kulissen. Die Kirche hat nicht einmal zugelassen, dass die auf öffentlichen Druck bestellte Studie zum sexuellen Missbrauch den grundlegenden Regeln der Wissenschaft folgen konnte.

Missbraucht ist, wer sich nicht selbst gehört!

Jetzt wird der Edathy [wir erinnert uns doch an vorgestern] im Weglaufen auch gern von jedem in die Eier getreten, der noch einmal schnell öffentliche Beachtung haben will!
Gestern machte es auch noch der Herr Schweiger im Stern. Er wird sich der Bewunderung seiner Fans sicher sein.
Die Vermarktung von Kinderglück und Sexualität passt offenbar gut in die Welt der Rücksichtslosen, die schließlich alles vermarkten, was man ihnen nicht wegnimmt und die sich in alter Tradition und Selbstgefälligkeit vor dem Bier die Pantoffeln von ihren Kindern bringen lassen.

Missbraucht wird, wer nach der Pfeife tanzt!

 
Und die Ablehnung der 5000 Euro durch den Deutschen Kinderschutzbund (DKSB) ist konsequent wie kalkuliert. Sie wollen kein Geld von Edathy, wohl aber das Geld von anderen, die nicht minder „schuldig“ sind. Diese Werbung ist sehr viel mehr Geld wert. Es wird gerade gespendet auf Deiwel komm raus. – Ohne diesen Herrn Edathy wäre auch das undenkbar …