Kehraus – „Guten Rutsch!“

Gelbe Säcke im Rollenformat aus Restbeständen

Hier in Mönchengladbach ist es anlässlich eines ernsten Vorfalls doch sehr, sehr lustig.
Ich fasse zusammen:

Das Duale System Deutschland (das das mit dem Vrerpackungsmüll bundesweit regelt) hat vor kurzem eine Firma beauftragt, die obligatorischen Gelben Säcke an die Haushalte zu bringen und die gefüllten Säcke dann ab AD 2019 nach und nach wieder abzuholen. Diese Firma ist nicht in der Stadt beheimatet. Die Stadtverwaltung hat – wenn alles klappt – nicht viel damit zu tun.

Seit einigen Wochen läuft die Verteilaktion mit den Säcken. Vermittelt über die Presse und die sozialen Netzwerke fällt nun auf, dass die Säcke aber nur in Einzelfällen angekommen sind. Fast alle haben überall in der Stadt bisher keinen gelben Sack gesehen. Allerdings heißt es, man habe an größeren Häusern auch einmal ganze Kartons voller Säcke gesehen, bis sie dann nicht mehr gesehen wurde. Ich habe bisher jedenfalls nichts bekommen — ich schwör, ey!

Auf Anfrage teilte die zuständige Firma zunächst mit, alle Säcke seien verteilt. Dann stellte man kleine Unregelmäßigkeiten fest und schließlich war von einem organisierten Diebstahl in großem Stil die Rede. Aber wer klaut denn solche Säcke? Man fragt sich unweigerlich, wer denn ganz konkret mit welchem Konzept die Säcke wie weit zu den Haushaltungen geschleppt hat und ob sich während der mühsamen Arbeit nicht gleich eine Idee der Säckeersatzverwertung ergeben hat. Jedenfalls drängt sich der Verdacht auf, dass während einer schwerpunktmäßigen Grobverteilung bereits in der Nebenstraße ein LKW wartete, um die Kisten wieder einzusammeln, bis jemand auf die Idee kam, sie praktischerweise erst gar nicht auszuladen. Aber all das ist Spekulation. Die an sich kostenlosen Säcke werden nun allerdings im Internet zu ganz erstaunlich blödsinnig hohen Preisen angeboten. Es gibt also eine Spur. Güter, die verknappt werden, steigen natürlich im Preis. In diesem Fall dann aber doch wohl nicht, weil die beauftragte Firma so oder so nachliefern muss, bis die Stadt in Plastiksäcken erstickt, die alle Wege in die Weltmeere so lange verstopfen, bis sie, von Wind und Wetter in Mikroplastik zerlegt, alle Sperren passieren. Und jeder, der jetzt einfach zu viele Säcke hat, sollte wissen, dass er damit für sich keine Teilhabe an der Gesellschaft und auch kein Ausgleich sozialer Ungerechtigkeiten bewirken kann.

Ich sage das nur, weil es doch für alle Beteiligten gut war, als damals die Müllwerker von Wohnung zu Wohnung gingen, ein frohes neues Jahr wünschten, dabei eine Infobroschüre über die Müllregelungen und gelbe Säcke mitbrachten und in alter Tradition ohne jede Verpflichtung gute Wünsche und ein Neujahrsgeld als Dankeschön bekamen, noch bevor Dinner for One im Fernsehen lief.

– Guten Rutsch! 

Nachtrag:
Jetzt sind wir im Jahr 2019 und haben bereits die heiligen drei Könige hinter uns gelassen. Bürger laufen meistens vergeblich zu den Läden, die nun als Verteilstellen fungieren sollen. Die Inhaber kriegen die Wut der Bürger mit und schützen sich bereits mit großen Hinweisschildern vor den Nachfragen. Nicht wenige wollen nun verständlicherweise auch nicht länger als Verteilstelle fungieren. Es wäre ja eine nette Geste, von den Restbeständen der Säcke der letzten Jahre etwas abzugeben. Aber dazu müsste man auch wissen, wann mit Nachschub zu rechnen ist. Ich vertraue jedenfalls nur noch auf die Vergabe der Säcke von Hand zu Hand. Die Zeit der Verlautbarungen ist vorbei.