Coronagate/Chapter6 • Timeline 08/18

Auf dem Platz

Es ist eine ganz, ganz bösartige Idee gewesen, den Fußball mit einem ergänzenden Regelwerk – Marke Corona – in die Stadien zu schicken. Es gab keinen ernsthaften Grund dies zu tun, denn Stadt und Land haben weitaus andere Probleme. Es bewahrheitet sich, obwohl wir es schon lange wissen: Fußball ist eine gigantische Geldmaschine, die Geld kostet und noch viel mehr Geld einbringt und ungerecht verteilt. Und Fußball ist nicht einmal systemrelevant. Trotzdem wird alles dafür getan, an alte Erfolge anzuknüpfen. Zunächst gab es niemanden, der dem Ansinnen der leitenden Fußballfunktionäre zugestimmt hätte, mit der Liga wieder Fahrt aufzunehmen. In kürzester Zeit hieß es dann aber kleinlaut, man mache aber keine Zugeständnisse hinsichtlich der gebotenen Sicherheit zur Vermeidung von Corona, nur weil der Ball wieder läuft. Die vernünftigen Widersacher bleiben auf der Strecke. Sie sollten wenigstens nachtragend sein.

Dann ging es los: Borussia Mönchengladbach hat die vorgeschriebene Quarantänezeit bis zum Spiel um einen Tag verkürzt. Das hatte keine Folgen. Dem Fan ist das ja egal, weil die Spielqualität darunter nicht leidet. Aber die Vermutung, dass der Fußball gesetzlos wie ein Reichsbürger agiert, bietet sich an. Der Trainer Herrlich vom FC Augsburg ist aus der Quarantäne mal schnell zu einem Laden für Zahn- und Hautcreme gelaufen und war dann prompt von der Trainerbank ausgeschlossen. Es kann sein, dass das Spiel deshalb in letzter Minute verloren wurde. Und dann war der übliche an- und abschwellende Geräuschpegel früherer Zeiten mangels Zuschauer nicht mit von der Partie. Während Borussia Mönchengladbach gegen Geld echte Fans in unendlichen Reihen als Pappkameraden auf die Tribüne gesetzt hatte, müssen jetzt andere darauf kommen, die Fangesänge aus der Tonkonserve passend einzuspielen, wie es in amerikanischen Klamaukserien ja üblich ist. Weil das aber noch nicht so ist, waren wohl die Spieler mit schwerem Atem und spieldienlichen Ausrufen gut über den ganzen Platz und bis ins Bezahlfernsehen zu hören, das aber das Spektakel gnädig auf kostenfrei gesetzt hatte, was allerdings für das „Spitzenspiel“ dann doch nicht galt. Ja und dann sagte mitten im Spiel ein Spieler zum Spieler der gegnerischen Mannschaft: „Fick deine Oma.“ Sehr viele haben das gehört. Es soll wohl auf französisch gewesen sein. In einer Analyse des Tonmaterials habe man jedenfalls  „Fuck“ zweifelsfrei ausmachen können, was belegt, dass Fuck eine internationale Vokabel ist. Wer da wohl wen fucken sollte, ist nun etwas verschleiert. Aber das spielt ja keine Rolle. Man sagt das ja immer nur, um jemanden auf die Palme und an die Grenze des regelgerechten Verhaltens zu bringen. Die Oma bleibt trotz anders lautender Worte außen vor. Die Spieler jubelten per Ellenbogencheck und eine kleine Rudelbildung wies ein grenzwertiges Abstandsverhalten auf. Borussia Dortmund hatte gar eine Choreografie mit integriertem Abstand eingeübt, um sie dann vorzuführen. Und die Trainer standen – bis auf einen – je nach eingeschlagenem Modeweg, mit oder ohne Nasemundmaske am Spielfeldrand und wussten ihre versteckte Mimik durch gestenstarke Körperarbeit zu kompensieren. Bei einem hatte ich den unbeweisbaren Verdacht, dass er dem Schiedsrichter hinter der Maske die Zunge herausgestreckt hat. Und vor dem Einzelduschen von maximal 16 Spielern, davon 5 Auswechselspieler ging es dann ja wohl noch zum Coronatest. Wenn es einem äußerst schlecht platzierten Verein gelingen sollte, aus purem Eigeninteresse den Ligabetrieb zu kippen, weil bei ihm die Coronainfektion grassiert, dann wird die Liga für ein Jahr aufgestockt und der Abstieg vermieden. – Corona kann also auch ganz gut sein.