Coronagate/Chapter7 • Basics08/17

Der Kampf um die Schutzmaske

Das weltweite Wirtschaften hat den Vorteil, dass bei gesteigerter Mobilisierung der Waren, die billigsten Produktionsorte eine Chance haben, wie aber auch die billigsten und ausbeuterischsten Produktionsverfahren. Was weit weg ist, stört uns zunächst nicht. Es läuft wie geschmiert, so lange unvorhergesehene Ereignisse ausbleiben und alle verdienen daran. Nun gibt es Güter, die unseren Überfluss sichern und Güter von existenzieller Bedeutung. Der Markt für Atemschutzmasken wurde mit der Zeit nach China und Indien verschoben. Es gab niemals Engpässe als alles dahin dümpelte wie prognostiziert. Eine richtige Bewährungsprobe für dieses Wirtschaften gab es auch nicht in möglichen Modellabläufen. Das System wurde folgerichtig schlagartig überfordert, als das Coronazeitalter die Nachfrage in die Höhe schnellen ließ. Damit hatten die Marktakteure nicht gerechnet. Die Preise stiegen um das Hundertfache, jeder spielte seine Marktmacht aus und windige Geschäftemacher schlichen sich in den Handel ein. Der Höhepunkt war, dass die USA weltweit sogar Kaufverträge für Atemschutzmasken durchsetzten, obwohl die betroffenen Waren schon anderweitig verkauft waren. Es gab weltweit ein rücksichtsloses Hauen und Stechen.

Wenn es ernst wird, bietet sich aber stets an, das Zockermilieu zu verlassen und in übersichtlichen Wirtschaftsräumen zu produzieren. Davor haben auch die Marktführer der Branche angst. Jedenfalls werden jetzt die Atemschutzmasken – notfalls auch ohne Zertifizierung – sogar in Kleinbetrieben und Kleinstmanufakturen hergestellt. Der 15-jährige Schüler mit eigener Nähmaschine konkurriert veritabel mit den Marktführern und rückt auch den  Preis wieder etwas zurecht. Geeignete Stoffreste gibt es fast überall. Es gibt sogar auch Bastelanleitungen, die keine Nähmaschine erfordern.

Man sagt ja gern, dass man in Krisen immer sehr viel lernen kann. Das stimmt! Jetzt fehlt nur noch ein grundlegender Paradigmenwechsel des Wirtschaftens.

Ich habe jedenfalls solche Masken aus einer Manufaktur, die sogar face-to-face ausliefert. Es sind elegante Accessoires einer ansonsten verlotterten Coronamode und mein Gesicht tritt endlich, wie vielfach gewünscht, in den Hintergrund.