Coronagate/Chapter2 • Lifestyle 08/5

Erntehelfer

Als eine Folgen im Coronazeitalter wird auch beschrieben, dass die fleißigen Erntehelfer in diesem Jahr ausbleiben, die zuerst den geliebten deutschen Spargel und dann noch viele andere Sachen ernten. Der deutsche Bauer hat sich im allgemeinen daran gewöhnt, dass Menschen unter prekären Lebensbedingungen sich saisonal aufmachen, in der Fremde ihre Arbeitskraft anzubieten. Man hat in den letzten Jahrzehnten sogar den Standard für Ihre Unterbringung erhöht, ohne dass er wirklich hoch ist. Und man kann ganz einfach die Unterbringungskosten direkt wieder vom Lohn abziehen. Dennoch ist man stolz, dass die liebgewonnenen Saisonarbeiter angeblich von dem Verdienst ihre Familie über das ganze Jahr bringen können. Wahr ist, dass der deutsche Lohn attraktiver ist, als der Lohn den es in der jeweiligen Heimat gäbe, wenn man dort eine Arbeit bekäme. Wahr ist aber auch, dass die Preise sich überall stark dem EU-Standard angleichen. Wenn man überleben will, wirtschaftet man ärmlich durch Verzicht und Ackerbau und Viehzucht zum Eigenbedarf.

Die Erntearbeit ist speziell in Deutschland im Laufe der Zeit zu einem derart prekären Job verkommen, dass der Bauer und seine Kinder nur bei Not am Mann einspringen und den Ablauf eigentlich mit dem Vorarbeiter besprechen, der alles weitere regelt. Jetzt springen Stundenten ein und Leute die im abgeschalteten Einzelhandel nichts mehr zu tun haben: „Besser als nix!‟ Aber das ist es wohl auch. Viele werden nach dem ersten Tag auf dem Feld das Handtuch werfen.

Wer genau hinsieht merkt bald, dass der edle mit Bodenheizung gepäppelte Spargel besser dran ist als seine Erntehelfer. Gäbe es doch Jobs mit sozialer Sicherheit und anständigen Löhnen … ausgelöst durch die Idee der sozialen Gerechtigkeit.