Coronagate/Chapter2 • Lifestyle 08/8

„Deutschland klatscht Beifall für die Corona-Helfer*innen …“ textet WDR5.

Es ist ja nicht nur so, dass die Beklatschten sich so wenig dafür kaufen können, wie die Bühnenkünstler, die normalerweise jede Tag beklatscht werden, jetzt aber weder Einkommen noch Applaus haben. Applaus in allen Ehren, aber hier gibt es was zu regeln, nämlich das Einkommen und die Arbeitsbedingungen. Danach könnt ihr klatschen wie ihr wollt für die einen und die anderen. Die einen wie die anderen arbeiten schon lange meist am Limit. Das ist allgemein bekannt. Die Satirepublikation Postillon berichtete dann auch aus dem Epizentrum der Krankenpflege, eine Krankenschwester könne nun mit dem Applaus endlich ihre Schulden ablösen.

Stellen wir und einmal vor, wir klatschen für die Flüchtlinge auf den griechischen Inseln. – Es wäre zynisch angesichts der Problemlage.

Textkritisch muss man allerdings auch noch etwas anmerken: Nicht Deutschland klatscht und noch nicht einmal alle Deutschen klatschen. Und einen Coronahelfer gibt es nicht und einen Corona-Helfer schon gar nicht. Die Beklatschten erleben den Beifall, der Ihnen gilt, meist nicht einmal unmittelbar. Sie müssen sich erst ins Online begeben.

Ich wundere mich immer, wie an sich unverständliche Texte trotzdem sehr gut verstanden werden. Wahrscheinlich ist das der sagenumwobene gute Journalismus.