Coronagate/Chapter4 • Misguided08/18

Auch die Augenärzte sind im Coronazeitalter angekommen. Heute war ich zufällig dabei, wie deren Grenze zum Publikum gestaltet wurde. Während in den Supermärkten meist dünne Plastikscheiben als Hürde für Viren an den Theken und Kassenverschlägen installiert sind, muss der Augenarzt erst einmal seinem Personal die Vorarbeiten überlassen. Das müsste gelingen, weil die optische Präzision in diesem Gewerbe ja nur handwerklich verlängert werden muss.  Aber dem Zollstock fehlte ein Glied und die Länge der Theke war lange umstritten. Die Hotline zum Baumarkt funktionierte nicht. Und auf die Feststellung der einen Mitarbeiterin: „Das sind 200 Millimeter“ kam von der anderen nach kurzer Überlegung die Übersetzung: „Das sind 2 Meter.“ Ich wollte als Kunde nicht die Besserwisserposition übernehmen. Aber nach weiteren Messversuchen mit drei Personen an der Grenze zu Mathematik und Physik sah ich jedenfalls einen sehr langen Weg bis zu Verwirklichung. Während der geübte Heimwerker das Zubehör für 20 Euro kaufen und in einer Stunde montieren würde, bieten die Unternehmer mit Sinn für Krisen so eine Sache für 199 Euro im Internet an, sogar mit einer kleinen Aussparung, um ein Blatt Papier unten durchzuschieben. Eigentlich werden zwei kurze Kanthölzer als kleine Ständer mit Nut geliefert in die eine dünne Plexiglasscheibe eingelassen wird, die in jedem Baumarkt auf Wunsch zugesägt wird. Für die Theke von ungefähr 3 Metern würde man nicht messen müssen, sondern einfach nur vier Exemplare nebneinander aufstellen – für 796 Euro mit Sorgenfreigarantie. So ein Gewerbe könnte wirklich systemrelevant werden, wenn die Augencrew scheitert. Der Geldfluss geht in Krisen seltsame Wege.